Zirbelkiefer

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Zirbelkiefer
Bild:Zirbe01.jpg
Systematik
Klasse: Pinopsida
Ordnung: Kiefernartige (Pinales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Unterfamilie: Pinoideae
Gattung: Kiefern (Pinus)
Art: Zirbelkiefer
Wissenschaftlicher Name
Pinus cembra
L.

Die Zirbelkiefer (Pinus cembra), auch Arve oder Zirbe genannt, ist ein Baum aus der Familie der Kieferngewächse. Sie kommt in drei Unterarten vor, deren Areale über 2000 km auseinander liegen: Die mitteleuropäische Alpenzirbe (Pinus cembra cembra), die an extreme Hochgebirgsgedingungen angepasst ist, die weit verbreitete Sibirische Zirbe (Pinus cembra sibirica), von den Russen „kedr“ (Sibirische Zeder) genannt wird und auch feuchtere bis sumpfige Standorte verträgt und deren östliche Form die in Korea (Pinus koraiensis).

Inhaltsverzeichnis

Namen

Die Bezeichnung Zirbe für diese Kiefernart ist in Österreich und Bayern gebräuchlich. In Kärnten trägt der Baum auch die volkstümliche Bezeichnung Zirbm und in Tirol wird er gelegentlich Zirm genannt. Bis in 16. Jahrhundert bezogen sich diese Namen jedoch nur auf die Zapfen dieser Kiefernart. Der Begriff leitet sich möglicherweise vom mittelhochdeutschen Wort „zirben“ ab, das man mit „wirbeln“ oder sich im Kreise drehen übersetzen würde.

In der Schweiz wird dieser Baum normalerweise Arve genannt; der typische Mischwald der Hochgebirgsregion, die die Zirbelkiefer gemeinsam mit der Lärche bildet, wird in der Fachliteratur als Arven-Lärchenwald bezeichnet.

Erscheinungsbild

Die Zirbelkiefer wird 20 bis 30 m hoch und kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Der Stammdurchmesser solch alter Bäume beträgt zwischen einem und 1,7 Metern. Junge Bäume sind anfangs kegelförmig mit einem auffallend dichten Nadelkleid. Die Äste reichen fast bis zum Boden. Später nehmen die Bäume eine abgerundete, breite Form an. Bei freistehenden Bäumen reichen die Äste auch im hohen Alter noch bis zum Boden herab.

Die Borke des Baums ist von grau bis silbrig rotbrauner Farbe und weist die für Kiefern typischen Längsrisse auf. Die Rinde der Äste ist dagegen von graugrüner bis hellgrauer Farbe. Die buschigen, 5 bis 12 cm langen Nadeln stehen zu fünft an Kurztrieben und sind sehr weich und biegsam.

Die Zirbe ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die Blütezeit ist von Mai bis Juli, wobei die Blüten nur im oberen Kronenbereich angesetzt werden. Die Samen reifen im zweiten Jahr von September bis Oktober. Im Freistand wird die Blühfähigkeit mit 50 Jahren erreicht, im Bestand noch später. Die eiförmigen, aufrecht stehenden Zapfen sind 5 bis 13 cm lang und 4 bis 8 cm breit. Sie sind unreif von violetter Farbe. Mit zunehmender Reife wandelt sich ihr Farbton in ein Braun um. Die Zapfen enthalten ungeflügelte, etwa 1 cm große, nussartige Samen mit harter Schale.

Die Zirbelkiefer ist sehr gut an kalte Winter angepasst und verträgt Temperaturen bis -50° C. Sie ist außerdem weitgehend resistent gegen den Pilz Strobenrost (Cronartium ribicola), der beispielsweise die nahe verwandte Weymouthskiefer stark gefährdet.

Verbreitung

Die Alpenzirbe kommt in einer Höhe von 1300 m bis 2850 m vor, bevorzugt zwischen 1500 und 2000 m NN. Sie bildet Reinbestände oder ist mit der Lärche (Larix decidua) vergesellschaftet. Verbreitet ist sie im Alpenraum und den Karpaten. Größere Bestände finden sich in Österreich in den Hohen Tauern, den Ötztaler Alpen und den Seetaler Alpen, in der Schweiz im Wallis und im Oberengadin. In Deutschland gibt es kleinere Bestände bei Berchtesgaden.

Die Sibirische Zirbe hat ein großes Verbreitungsgebiet vom Ural bis Ostsibirien. Zwischen dem 45. und 68. Breitengrad wächst sie fast in der gesamten russisch-asiatischen Taiga bis nach Nord-China, Mongolei und Korea. Sie besiedelt dort im Vergleich zu Europa häufig feuchtere bis nasse Standorte und kommt neben dem Bergland auch im Tiefland vor.

Da nur noch kleine Zirbenbestände in Europa vorhanden sind und die Zirbe sehr langsam wächst, ist dieser Baum teilweise geschützt. So ist in Oberösterreich das Ernten von Zirbenzapfen verboten, in der Steiermark und in Tirol jedoch erlaubt.

Die Zirbelkiefer in ihrem Lebensraum

Lärche, Zirbelkiefer und Grauer Lärchenwickler

Gemeinsam mit der Zirbelkiefer bildet die Europäische Lärche den Arven-Lärchenwald, den typischen Waldtypus der oberen Baumgrenze in extremen Hochgebirgslagen. Heute finden sich zahlreiche Gebirgswälder, die aus reinen Lärchenbeständen bestehen. Sie befinden sich im wesentlichen im Hangfußbereich der Berge und auf leicht zugänglichen strahlungsexponierten Hängen. Dieses heutige Verbreitungsbild reiner Lärchenbestände geht zu einem großen Teil auf die jahrhundertelange Beeinflussung der Gebirgswälder durch den Menschen zurück. Ohne menschlichen Eingriff hätte die schattenverträglichere Zirbelkiefer die lichthungrige Lärche über die natürliche Waldsukzession allmählich verdrängt. Wo sich Gebirgsflächen jedoch zur Weidenutzung anboten, hat der Mensch gezielt die Zirbelkiefern und Fichten herausgeschlagen. Entstanden sind auf diese Weise lichtdurchflutete Wälder, die sich ähnlich wie die für die Eichelmast genutzten Eichenwälder der Tiefebene für die Weidewirtschaft eigneten.

Diese Artenverschiebung im Gebirgswald zugunsten der Lärche wurde außerdem dadurch unterstützt, dass die Zirbelkiefer sehr viel stärker durch Verbiss und Vertritt Schaden nimmt. Lärchen waren aufgrund ihrer dicken und korkähnlichen Borke resistenter gegenüber den früher sehr häufig auftretenden Waldbränden.

Die alpine Weidewirtschaft ist heute nur noch von nachrangiger Beddeutung; damit müsste durch die natürliche Waldsukzession die Zirbelkiefer wieder einen stärkeren Anteil des Baumbestandes im Gebirgswald gewinnen. Tatsächlich bilden Zirbelkiefern in vielen Regionen mittlerweile eine zweite Baumschicht unterdem lichten Kronendach der Lärchen. Untersuchungen von Friedrich-Karl Holtmeier zeigen jedoch, dass durch den Grauen Lärchenwickler hier ein neues Ökosystem von einer bislang nicht vorhandenen Stabilität entstanden ist, die die Sukzession durch die Zirbelkiefer verhindert. Der Graue Lärchenwickler zeigt in mehrjährigen Abständen eine Massenvermehrung, bei der die Lärchen kahlgefressen werden. Stehen ihnen Lärchen nicht mehr zur Verfügung, wechseln diese auf den Zirbelkiefernbestand über und zerstären deren Nadeln gleichfalls. Während Lärchen in der Regel durch einen Lärchenwicklerbefall nicht absterben, leiden die Zirbelkiefern sehr nachhaltig unter diesem Befall. Geschwächte Zirbelkiefern sind dann anfällig für den Befall durch weitere Schädlinge wie etwa den Echten Kiefernrüssler, die Arvenwolllaus oder den Borkenkäfer, sterben dann ab oder entwickeln sich zu Kümmerwuchsbäumen.

Zirbelkiefer und Tannenhäher

Die Zirbelkiefer steht in enger Lebensgemeinschaft mit dem Tannenhäher, dessen Hauptnahrungsquelle die Zirbelnüsse sind. Der Tannenhäher ist maßgeblich an einer natürlichen Verjüngung der Bestände beteiligt und verbreitet diese anders als andere Samenfresser wie etwa Spechte, Eichhörnchen oder Mäuse über die Waldgrenze hinaus.

Der Tannenhäher legt ab August zahlreiche Vorratsverstecke mit Zirbensamen an. Dabei bevorzugt er weichen oder lockeren Untergrund und legt in diesem auch größere Depots an als in festen. Etwa aus 20 % der versteckten Zirbensämlinge wachsen Keimlinge, da sie der Tannenhäher im Winter nicht wieder findet und sie auch dem Verzehr durch andere Samenräuber wie beispielsweise Rötelmäuse oder Eichhörnchen entgangen sind.

Die Zirbelkiefer profitiert in ihrer Ausbreitung durch die Versteckausbreitung über den Tannenhäher, da dieser solche Stellen zur Anlage von Vorratslager bevorzugt, die hinsichtlich des Keimungserfolges und des Wachstums der Jungbäume relativ günstig sind. Sie ist aus diesem Grund auch der Sukzessionsbaum der Lärche. Die Lärche, die eine typische Rohbodenbesiedlerin ist, verbreitet anders als die Zirbelkiefer ihren Samen durch den Wind (sogenannte Anemochorie). Nur wenige Samen finden jedoch ein geeignetes Keimbeet, da nach dem Rückgang der Beweidung die Rasen- und Zwergstrauchdecken dichter geworden sind und der Samen nur selten auf den zur Keimung benötigten vegetationslosen Stellen anfliegt. Der Keimungserfolg der auf dem Boden aufliegenden Samen der Lärche ist außerdem von günstigen Witterungsbedingungen abhängig.

Vergesellschaftung mit Pilzen

Mit der Zirbelkiefer vergesellschaftet sind eher seltene Pilzarten. Dazu zählt der Zirbenröhrling, der gelegentlich auch Arvenröhrling genannt wird. Zwei weitere Pilzarten, der Elfenbeinröhrling und der Helvetische Körnchenröhrling gehen außer mit der Zirbelkiefer auch mit der Weymouths-Kiefer Partnerschaften ein.

Nutzung

Holz

Die Zirbelkiefer ist ein Kernholzbaum. Der schmale Splint ist gelblich, das Kernholz rötlich und stark nachdunkelnd. Das Holz ist harzreich, weich, zäh, sehr dauerhaft und verströmt einen angenehmen Duft. Es wird im Innenausbau für Vertäfelungen, als Möbelholz (für Bauernküchen), für Schindeln und für Schnitzarbeiten genutzt. Es sollen auch, mangels anderer Holzarten im alpinen Gelände, Almhütten daraus gezimmert worden sein. In In Si Bild:Zirben Zapfen.jpg

Zirbelkerne

Die wohlschmeckenden Samen, die 70 % Fette und 20 % Eiweiss enthalten, wurden früher im Alpenraum als Nahrungsmittel verwendet und werden heute noch in Sibirien in großen Mengen gehandelt. Im Unterschied zu den sehr ähnlich aussehenden Pinienkernen sind diese meist nicht ganz so länglich in der Form und etwas feuchter in der Konsistenz. Auch ist der Geschmack weniger harzig und erinnert mehr an Walnüsse.

Nahrungsmittel

Eine Spezialität ist der Zirbengeist, bei dem drei bis vier Zirbenzapfen pro Liter Schnaps mehrere Wochen eingelegt werden, bis der Sud eine dunkelbraune-rötliche Farbe angenommen hat. Rezept:

  • 1 Liter Kornschnaps
  • 3 mittelgroße Zirbenzapfen, in 5 Millimeter dicke Scheiben geschnitten
  • Zucker (je nach Geschmack)

Den Sud in der Sonne stehen lassen und immer mal wieder umrühren; nach 2 Wochen abschütten.

Sonstiges

Der Zapfen der Zirbelkiefer wird auch irreführend Zirbelnuss genannt und hat im mitteleuropäischen Raum seit römischer Zeit Bedeutung als Fruchtbarkeits- und Unsterblichkeitssymbol. Die Zirbelnuss ist bis heute im Stadtwappen von Augsburg abgebildet.

Die im Zwischenhirn des Menschen befindliche Zirbeldrüse (Corpus pineale) trägt ihren Namen, da sie in ihrer Form an den Zirbelkiefernzapfen erinnert.

Literatur

  • Ulrich Hecker; Bäume und Sträucher, BLV Verlag München, 1995, ISBN 3-405-14738-7
  • Fiedrich-Karl Holtmeier; Tier in der Landschaft – Einfluss und ökologische Bedeutung, Ulmer Verlag Stuttgart 2002, 3-8001-2783-0. Holtmeier geht in diesem Buch ausführlich auf die Wechselbeziehung zwischen Lärche, Zirbelkiefer und Grauem Lärchenwickler sowie zwischen Zirbelkiefer und Tannenhäher ein.


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