Zahnseide
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Bild:Tandflos.jpg Zahnseide dient dazu, die Zwischenräume der Zähne von Zahnbelag ( Bakterien ) und Essensresten zu reinigen. Zahnärzte empfehlen, sie täglich als ergänzendes Werkzeug zur Zahnbürste zu verwenden. Die Verwendung beugt unter anderem Parodontitis vor.
Zahnseide ist in gewachster und ungewachster Ausführung erhältlich. Gewachste Zahnseide soll angeblich besser über die Zahnflächen gleiten, rutscht in der Praxis aber leider oft leichter zwischen den Fingern weg. Weiterhin gibt es Zahnseide, die mit Fluoriden oder Pfefferminzgeschmack imprägniert ist. Zu kaufen gibt es Zahnseide unter anderem in Drogeriemärkten (gleich neben den Zahnbürsten) oder in der Apotheke.
Fädeln mit Zahnseide ist die beste Methode um Zahnbelag zu entfernen, da mit der Zahnbürste nur 70% des Zahbelages entfernt weden kann.
Die Benutzung von Zahnseide ist in Deutschland relativ wenig verbreitet. Nach groben Schätzungen haben 20% der deutschen Bevölkerung Zahnseide im Haushalt. Regelmäßig benutzt wird Zahnseide aber nur von ca. 5% der deutschen Bevölkerung. In den USA ist die Benutzung von Zahnseide wesentlich stärker verbreitet. Mit verantwortlich dafür ist der weitverbreitete Einsatz einer Dental Hygenist (Zahnmedizinische Prophylaxehelferin ) in den USA. Die weite Verbreitung von Zahnseide in den USA sieht man auch daran, dass sie gelegentlich in amerikanischen Filmen zu sehen ist, während man in deutschen Filmen mal höchstens jemanden Zähne putzen sieht So taucht Zahnseide in "Pretty Woman" auf. Julia Roberts wird von Richard Gere im Hotel-Badezimmer beim Fädeln überrascht. Sie versteckt es schnell hinter ihrem Rücken. Er hält es für Kokain und will sie schon rauswerfen... In dem Film "Mr. Jones" wird auch Zahnseide erwähnt. Hier spielt Richard Gere einen Psychatriepatienten, der in seine Psychiaterin verliebt ist. In der MItte des Filmes lässt sie ihn mit den Worten abblitzen: Lass mich in Ruhe und verhalte dich normal - "take your medicine, pay your taxe and floss your teeth" (nimm deine Tabletten, zahle deine Steuern und fädle deine Zähne). Zahnseide scheint in den USA also mit zu den drei wichtigsten Bürgerpflichenten zu gehören.
Im deutschen Gesundheitsewusstsein hat Zahnseide noch lange nicht diesen Status. In diesem Sinn ist es, weite Bevölkerungskreise schon von Kindheit an an die Benutzung von Zahnseide zu gewöhnen. In den USA gehört die Prophylaxeinstruktion oft mit zur einfachen Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt. Diese Untersuchung kostet pauschal aber 200 $. In Deutschland aber ca. 30 € (Untersuchung 01 und Individualprohylaxe IP2). Auch für deutsche Privatpatienten liegt dieser Satz höchsten bei 60 €. Für Erwachsenen gehören Individualprohylaxe-Unterweisungen überhaupt nicht zum Programm der gesetzlichen Krankenkassen.
Das falsche Sicherheitsgefühl bei vielen deutschen Zahnpatienten dient auch nicht diesem Ziel. Zahnersatz wurde bis 2004 relativ großzügig von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Im Gegensatz dazu müssen in den USA sehr viele ihren Zahnersatz ganz alleine bezahlen. Noch dazu ist Zahnersatz in den USA schätzungsweise 3x so teuer wie in Deutschland. Also kostet eine Krone in den USA ca. 1.800 €, während in Deutschland die Krone ca. 300 € Eigenanteil kostet. Das ist natürlich ein sehr starkes Motiv täglich Zahnseide anzuwenden.
Die Benutzung von Zahnseide heißt etwas unglücklich: Fädeln englisch: dental floss = Zahnseide, to floss = fädeln
Geschichte
So etwas ähnliche wie Zahnseide wurde bereits von prähistorischen Menschen benutzt. Auf Zahnseide und Zahnstoche deuten Rillen an prähistorischen Zahnfunden hin.
Dem Zahnarzt Levi Spear Parmly (1790 -1859, New Orleans, USA) wir die Erfindung der modernen Zahnseide zugeschrieben. Er empfahl 1815 die Zahnreinigung mit Seidenfäden (ungezwirntes Seidengarn). Die Firma Codman und Shurtleft begann 1882 mit der Herstellung von ungewachseter Zahnseide. Die Firma Johnson und Johnson (heute auch in Deutschland am Markt) ließ sich 1898 die Zahnseide patentieren.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war Zahnseide auch in den USA nur gering verbreitet. Dann entwickelte Dr.Charles C. Bass die noch heute gebräuchliche Zahnseide aus Nylonfäden. Diese war elastischer, scheuerte sich nicht so schnell durch und riss nicht so schnell.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Benutzung von Zahnseide in den USA stark propagiert. In den USA wurde 1996 der National Flossing Council (www.flossing.org) gegründet. Er verleiht unter anderem den „Floscar“ (Floss-Oscar, Zahnseide-Oscar), gibt ein online-Journal heraus und propagiert Zahseide-Aufklärungs-Kampagnen. In Deutschland gibt es keine vergleichbaren Aktivitäten. Für den „Floscar“ wurden folgende Filme nominiert: „Pretty Woman“, „LA Story“, „Austin Powers“, „King Pin“, „Eiger Sanction“.
Motivation für die tägliche Anwendung von Zahnseide
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Die Zahnbürste ist kein guter Ersatz für Zahnseide.
Ziel ist es den Zahnbelag (Plaque) zwischen den Zähnen zu entfernen. Üblicherweise putzt man sich zu diesem Zweck auch die Zähne. Zwischen den Zähnen kann man aber nicht sehr effektiv mit der Zahnbürste putzen. Die Borsten der Zahnbürste erreichen nur mühsam die Zahnzwischenräume.
Auf den Außenflächen der Zähne ist die Zahnbürste sehr effektiv, da die Borsten senkrecht auf die Zahnoberfläche treffen (bei einigen Putztechniken 45 Grad). In den Zahnzwischenräumen streifen die Borsten aber nur parallel zur Oberfläche über den Zahn (tangential). Diese mechanische Kraft reicht nicht aus, um den Zahnbelag zu entfernen.
In den Zahnzwischenräumen berühren sich die Nachbarzähne an den Kontaktpunkten. Diese Berührungspunkte sind die Stellen, an denen am häufigsten eine Karies entsteht. Diesen hauchdünnen Spalt zwischen den Kontaktpunkten kann man nicht wirklich mit der Zahnbürste reinigen. Durch den frischen Pfefferminzgeschmack der Zahnpasta wird leider nur die Illusion vermittelt, dass die Zähne sauber sind.
Leider ist Karies, die an den Kontaktpunkten in den Zahnzwischenräumen entsteht nur schwer vom Zahnarzt zu erkennen. Deshalb wird diese Karies oft erst relativ spät entdeckt. Der Betoffenen selber merkt es oft erst, wenn die Karies schon so groß ist, dass die Kaufläche einbricht - also das Dach der kariöse Höhle wegbricht. Auch ein sofortiger Besuch beim Zahnarzt sollte dann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Karies schon seit 3-6 Monaten den Zahn zerfressen hat.
Um die fast unsichtbare Karies an den Zahnzwischenräumen frühzeitig zu entdecken, kann der Zahnarzt spezielle Röntgenbilder anfertigen – Bissflügelaufnahme. Aber auch eine frühzeitig entdeckte Karies an den Kontaktpunkten muss vollständig ausgebohrt werden. Der Zugang ist nur möglich, indem ein Loch in die intakte Kaufläche des Zahnnes gebohrt wird. Nur selten fehlt zufällig der Nachbarzahn, so dass dann die Kaufläche nicht mit aufgebohrt werden muss.
Beliebt ist auch die Ausrede: „Ich habe keine Zeit für täglich 3 Minuten Zahnseide, nachdem ich schon 3 Minuten mit der Zahnbürste geputzt habe.“ Das kann man nachrechnen: Im Schnitt braucht man in 30 Jahre 20.000 € Eigenanteil für Zahnersatz (Kronen, Brücken, Prothesen). Also ca. 666 € jährlich. Wenn man sich durch die tägliche Benutzung von Zahnseide die Hälfte einsparen kann, dann hat man sich 333 € im Jahr verdient (oder gespart). Dafür muss man an 365 Tagen je 3 Minuten arbeiten – also ca. 18 Stunden. Das ergibt einen Durchschnittslohn von 18 €/Std – noch dazu steuerfrei. Und seine Zähne behält man dabei auch noch länger.
Benutzung der Zahnseide
Benutzung – kurze Beschreibung
Die Zahnseide wird C-förmig um den Zahn geschlungen. Der Zahn wird vorsichtig unter dem Zahnfleischsaum gereinigt – durch dreimalige Aufwärts- und Abwärtsbewegung.
Benutzung - lange Beschreibung
Die ersten Übungen sollten im Unterkiefer kurz hinter dem Eckzahn erfolgen. Es gibt einige Handpositionen, die sich bewährt haben, aber prinzipiell ist jede Technik erlaubt, die den Zahnbelag aus den Zahnzwischenräumen entfernt.
Folgende Fehlerquellen sind verbreitet:
1. Es wird ein zu kurzes Stück Zahnseide verwendet. 30 cm (die Breite des Buchstabenfeldes auf der PC-Tastatur) sollte das Zahnseidestück mindestens sein.
2. Es wird versucht gleichzeitig vier Finger in den Mund zu stecken. Das sind Daumen und Zeigefinger beider Hände. Dabei wird zwischen Daumen und Zeigefinger jeweils eine Seite der Zahnseide gehalten. Das kann nicht funktionieren. Praktischer ist es, wenn man die rechte Hand zur Pistole formt (der Zeigefinger steht nach vorne, der Daumen nach oben) und sich nur den Zeigefinger in den Mund steckt. Mit der linken Hand tut man das gleiche, so dass nur zwei Zeigefinger im Mund Platz haben müssen. Da man dazu neigt die Daumen mit in den Mund zu stecken, sollte man sie für die Dauer der Zahnseideanwendung gedanktlich mit einer Rosenscheere abschneiden.
3. Es wird versucht sich die Zahnseide mehrmals um den rechten und linken Zeigefinger zu wickeln. Gerade der Zeigefinger ist dafür aber sehr ungeeignet. Viel praktischer ist es, sich die Zahnseide um den Mittelfinger zu wickeln, da dieser nicht in den Mund gesteckt wird. Man könnte auch problemlos den Ringfinger oder Kleinfinger nehmen. Nicht dagegen empfiehlt sich der Daumen, da er unter anderem gedanklich mit der Rosenscheere abgeschnitten wurde.
4. Es wird nicht ausreichend lange mit der Zahnseide auf dem Zahn geschrubbt. Nur einmal kurz rein und raus mit der Zahnseide reicht nur, um die Fleischfasern vom „Griechen“ zu entfernen. Genauso lange, wie der Zahn von außen und innen mit der Zahnbürste geputzt wird, müssen die Zahnzwischenräume mit der Zahnseide geschrubbt werden. Also ca. 5 Sekunden je Fläche.
5. Der Zeigefinger, der die Zungenseite des Zahnes berührt wird beim Reinstecken in den Mund fälschlicherweise weggedreht (90 Grad um seine Achse). Dadurch rutscht die Zahnseide von der Zeigefingerspitze und kann nicht mehr von der Fingerspitze des Zeigefingers geführt werden. Ursache dafür sind unbewusste Armdrehungen. Diese Drehung des Fingers muss bewusst vermieden werden, damit die Zahnseide nicht vom Finger rutscht. Die beiden „Pistolenhände“ müssen also schön senkrecht bleiben, wie man es von einer Pistole erwartet. Die "Pistolenhand" darf nicht in die Horizontale gedreht werden.
– Zahnseide im Oberkiefer anwenden: Im Seitenzahnbereich kann es bequemer sein, statt den Mittelfingen außerhalb des Mundes zu nehmen, den Daumen zu verwenden. – Eine völlig andere Technik für die Zahnseide: die Zahnseiden-Enden jeweils um den Zeigefinger wickeln. Die Handflächen zum Körper richten (Daumen und Zeigefinger nach oben). Die Zahnseide zwischen die Mittelfinger spannen. Nur die Mittelfinger werden in den Mund gesteckt. Bei dieser Technik muss man die Ellenbogen und Handgelenke nicht so verdrehen. Allerdings ist diese Technik im Oberkiefer nicht anwendbar.
Letztendlich sollte man sich frühzeitig auf seine bevorzugte Technik festlegen und diese vervollkommnen.
Häufige Fragen zur Zahnseidebenutzung
Altersstufen für die Anwendung von Zahnseide
Die Anwendung von Zahnseide kann erst ab dem 10. Lebensjahr effektiv geübt werden. Kleinkinder verbessern erst allmählich ihre Feinmotorik. Beginnend beim Schultergelenk, später im Handgelenk und erst zum Schluss die Finger.
Da die bleibenden Zähne erst mit 6 bis 7 Jahren durchbrechen, muss vorher keine Zahnseide benutzt werden.
Auch wenn in den ersten Jahren die Handhabung der Zahnseide durch die Kinder ziemlich uneffektiv ist, so werden damit doch gewisse Pflegegewohnheiten für das gesamte spätere Leben geprägt.
Im Laufe des Lebens wird das Zahnfleisch immer anfälliger für Entzündungen. Ein 12-Jähriger, der sich 1 Woche keine Zähne putzt bekommt damit noch keine Gesundheitsprobleme. Während ein 40-Jähriger nach 3 Tagen ohne Zähneputzen schon eine schwere Zahnfleischentzündung bekommen kann. Es ist deshalb in keinem Alter zu spät endlich mit der regelmäßigen Benutzung von Zahnseide zu beginnen. Zahnbelag führt mit zu Mundgeruch.
Die Benutzung von Zahnseide empfielt sich bis ins hohe Alter, bis der letzte Zahn weg ist. Allerdings nehmen im hohen Alter die motorischen Fähigkeiten wieder ab.
Auch überkronte Zähne sollten mit Zahnseide gereinigt werden. Der Schwerpunkt liegt dann aber auf den Kronenrändern, die oft besonders anfällig für die Bildung von Zahnbelag sind.
Zahnseide vor oder nach dem Zähneputzen?
Es ist eigentlich egal. Nach dem Zähneputzen hat man durch die Zahnpaste einen frischen Pfefferminzgeschmack im Mund und hält dann vielleicht die Zahnseide nicht mehr für ganz so wichtig. Da die Zahnseide fast wichtiger ist, als die Zahnbürste, wäre es vielleicht schöner damit anzufangen. Aber nur aus psychologischen Gründen.
Wie oft Zahnseide?
Ein mal am Tag ist das Optimum - am besten abends. Lieber 1x gründlich als 3x am Tag nur nachlässig. Das Zahnbelag nach vollständiger Entfernung 48 Stunden braucht, bis er wieder so dick wächst, dass er schädlich wird, reicht es theoretisch aus, nur alle 2 Tage Zahnbürste und Zahnseide zu benutzen. Der Haken in der Praxis ist, dass man es nie schafft, den Zahnbelag völlig zu entfernen.
Anwendung von Zahnseide unter Brücken?
Bei Zähnen ohne Brücken kommt man ganz einfach von oben (von der Kaufläche her) mit der Zahnseide an die Zahnzwischenräume. Bei einer Brücke geht das naturgemäß nicht, da das Brückenglied zwischen den beiden Pfeilerkronen einen Zugang von oben (von der Kaufläche her) unmöglich macht.
Die Zahnseide muss "einfach" von der Seite her in den Kontaktpunkt "eingefädelt" werden. Mit normaler schlabbriger Zahnseide gelingt das nicht.
Dazu gibt es Einfädelhilfen (Threader). Sie sehen aus wie Angelsehne mit einer großen Öse an einem Ende. Diese "Angelsehnen" werden wie Nadeln verwendet. Zuerst wird durch die Öse die Zahnseide geführt. Dann wird die "Angelsehnenadel" von der Seite unter dem Kontaktpunkt durchgeführt (von der Außenseite Richtung Zunge).
Die Lösung mit extra gestärkten Zahnseidefäden (die ersten 5 cm sind steifer) ist für viele Anwender nicht ganz so komfortabel.
Handelsname: Superfloss
Die gestärkte Zahnseide knickt einfach viel leichter um, als die "Angelsehne" der Einfädelhilfe.
Fadenförmige oder bandförmige Zahnseide benutzen?
Es ist egal. Die in Deutschland erhältliche Zahnseide ist meist fadenförmig.
Gewachste oder ungewachste Zahnseide?
Es ist egal. Man sollte einfach beides ausprobieren. Die gewachste Zahnseide flutscht einigen Ungeübten vielleicht aus den Fingern. Es gibt einige wenig verbreitete Zahnseidemarken, die unwahrscheinlich glatt sind. Man kann diese Zahnseide 5x um den Finger wickeln und trotzdem flutscht sie schon bei leichtem Zug wieder vom Finger. Diese Zahseide ist für den Anfänger völlig ungeeignet.
Kann man auch Nähgarn nehmen?
Jein, sie reinigt sicherlich auch etwas, aber sie ist nicht so steril hergestellt wie richtige Zahnseide
Warum reißt die Zahnseide beim Putzen?
- Es könnte ein überstehender Füllungsrand (Amalgam oder Kunststofffüllung) mit einer scharfen Kante vorhanden sein.
- Es könnte ein überstehender Kronenrand mit einer scharfen Kante vorhanden sein.
- Es könnte bereits eine Karies mit scharfen Zahnschmelz-Rändern vorhanden sein. Karies (Zahnfäule) stinkt faulig. Man braucht also nur an seiner Zahnseide riechen, um die Diagnose selber zu stellen.
- Die benachbarten Zähne sind vielleicht völlig gesund, aber berühren sich mit so starkem Druck, dass die Zahnseide trotzdem reißt.
Mein Zahnfleisch blutet wegen der Zahnseide.
Wenn man mit Zahnseide beginnt ist das fast normal. Vielleicht blutet es am Anfang etwas, weil man noch etwas ungeschickt ist und sich leicht ins Zahnfleisch schneidet. Das heilt problemlos wieder ab und nach zwei Wochen wird man geschickter. Wahrscheinlich blutet aber das Zahnfleisch, weil es leicht entzündet ist. Bei 95% der Deutschen ist eine leichte Zahnfleischentzündung vorhanden. Diese Entzündung wird durch regelmäßige Anwendung von Zahnseide schnell besser. Spätestens nach 2 Wochen hört es auf zu bluten. Manche Zahnärzte beweisen ihren Patienten die entzündliche Ursache der Blutung, indem sie ihnen täglich die Zahnzwischenräume nur auf einer Seite reinigen. Und siehe da, die Blutung hört nach einigen Tagen nur auf dieser Seite auf. Nach dieser falschen Logik ("Ich nehme keine Zahnseide mehr, weil mein Zahnfleisch blutet") wäre es eigentlich noch konsequenter gar nicht mehr die Zähne zu putzen.
Ich komme einfach nicht mit Zahnseide zurecht.
Ihr Zahnarzt oder sein Zahnarzthelfer kann helfen.
Zahnstein und Zahnseide
Mit Zahnseide kann man nur Zahnbelag (weicher Zahnbelag = Plaque) entfernen. Zahnstein ist zu fest für Zahnseide. Er muss von ihrem Zahnarzt oder seinem Zahnarzthelfer entfernt werden. Zahnstein tritt besonders stark an den Unterkieferfrontzähne an der Zungenseite auf, weil dort der Ausführungsgang von großen Speicheldrüsen ist (Glandula sublinguali, Glandula submandibularis). Der frisch austretende Speichel hat einen besonders hohen Mineralgehalt und schlägt sich wie Kesselstein an den unmittelbar benachbarten Zahnflächen nieder. Aber Zahnstein braucht Zahnbelag, um sich zu bilden. Auf einer sauberen Zahnfläche bildet sich kein Zahnstein. Deshalb bildet sich zum Beispiel auf den Schneidekanten kein Zahnsein. Denn die Schneidkanten werden durch das Essen regelmäßig vom Zahnbelag entfernt. An den Unterkieferfrontzähne kann sich nur Zahnstein ablagern, wenn dort vorher dicker Zahnbelag vorhanden ist. Durch regelmäßige Anwendung von Zahnseide wird Zahnbelag schon im Ansatz beseitigt, so dass als weitere Folge auch kein Zahnstein entstehen kann. Hat sich aber bereits Zahnstein gebildet, so ist zuerst der Zahnarzt gefragt, bevor man selber wirksam mit Zahnseide reinigen kann.
Weitere Hilfsmittel zur Zahnreinigung
- Zahnzwischenraumbürsten (Interdentalbürsten): ähneln kleinen Pfeiffenreinigern oder Flaschenbürsten. Sie sind nicht so effektiv wie Zahnseide, da sie nicht bis ganz in die engsten Stellen der Zahnzwischenräume reichen. Sie sind einfach dicker als Zahnseide. Aber zwischen Zähnen, die etwas mehr Abstand voneinander haben, sind sie als Ergänzung sehr praktisch anzuwenden. Da einige Zähne (4er, 5er) im Querschnitt nicht rund oder oval sind, sondern eher einer 8 ähneln (also "tailliert" sind), kann die Zahnseide nicht den Belag in diesen "Taillen" entfernen. Hier sind dann Interdentalbürsten ideale Hilfsmittel, da sie sich nach dem Durchtritt durch den engeren Eingang wieder entfalten. Vorraussetzung ist natürlich, dass sie überhaupt zwischen die Zähne passen.
- Zahnhölzer: sind in einigen Kulturen traditionell weit verbreitet (Balkan, Arabien), dienen dann aber eher dem Entfernen von Fleischfasern aus den Zahnzwischenräumen. Diese Zahnhölzer sind kreisrunde angespitzte Stäbchen (Zahnstocher), im Gegensatz zu unseren "modernen" und anatomisch geformten Zahnhölzern mit dreieckigem Querschnitt. Diese Zahnstocher werden dann z.B. auf dem Balkan auf dem Esstisch serviert. Gemeinsam mit Salz- und Pfefferstreuer stehen die Zahnstocher auf einem kleinen Tray. Die Tischsitte erlaubt die Benutzung der Zahnstocher bei Tisch. Während die rechte Hand mit dem Zahnstocher im Mund stochert, wird die linke Hand als Sichtblende davor gehalten (wie ein Schleier; die linke Hand berührt dabei die Oberlippe). Das sieht für Deutsche etwas unappetitlich. andere Länder andere Sitte. Übrigens finden es die Japaner eklig, dass die Deutschen ihre benutzten Taschentücher (und damit ihre Körpersekrete) mit sich in der Hosentasche rumtragen. Zahnhölzer sind nicht sehr effektiv bei der Entfernung von Zahnbelägen. Sie sind noch wesentlich ineffektiver als Zahnzwischenraumbürsten.
- Mundduschen: können den Zahnbelag nicht entfernen. Die mechanische Kraft des Wasserstrahls reicht nicht aus, um den fest haftenden Zahnbelag mechanisch von der Zahnfläche zu entfernen. Analog einem Auto, dass man nur mit einem Wasserschlauch, ganz ohne Bürste, auch nicht reinigen kann. Die Zeit, die man für die Munddusche verwendet, wäre im Sinne der Plaque-Entfernung besser in eine gründlichere Anwendung der Zahnseide investiert. Von vielen wird allerdings die Anwendung der Munddusche als sehr angenehm empfunden. Da die Munddusche nicht schadet, ist aus zahnmedizinischer Sicht nichts dagegen einzuwenden. Ihre Anwendung entfernt allerdings keine Zahnbeläge. Bei tiefen Zahnfleischtaschen (ca. über 4 mm tief), die mit Zahnseide nicht mehr bis in die unterste Ecke gereinigt werden können, mag die Munddusche ein letztes Mittel sein, um wenigstens die Speisereste aus den Taschen zu entfernen.
- Zahnseidehalter: Meistens kleine Griffe aus Kunststoff (Y-Form oder bogenförmig), die man sich selber mit Zahnseide umwickeln kann. Es gibt auch Einmal-Zahnseidehalter, an denen ein Stück Zahnseide bereits fest montiert ist. Zahnseidehalter kommen der Gewohnheit entgegen, seine Finger nicht in den Mund zu stecken.
- maschinelle Zahnseideanwendung
- Kaugummi
- The National Flossing Council (englischsprachig)
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