Xinjiang

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Bild:Disambig-grau.png Dieser Artikel behandelt das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang der VR China, für andere Bedeutungen siehe Xinjiang (Begriffsklärung).
新疆维吾尔自治区
Xīnjiāng Wéiwú'ěr Zìzhìqū
Abkürzung:(Pinyin: Xīn)
Hauptstadt Ürümqi
Fläche

 - Gesamt
 - Anteil an der VR China:

Rang 1 von 33


1 660 000 km²
17,3 %

Bevölkerung

 - Gesamt 2002
 - Dichte

Rang 24 von 33

19 051 900 Einwohner
11,5 Einwohner/km2

Verwaltungstyp Autonomes Gebiet
Bild:China-Xinjiang.png
ISO 3166-2-Code CN-65
Bezirksebene 7 Regierungsbezirke, 5 Autonome Bezirke, 2 Städte
Kreisebene 62 Kreise, 20 Städte, 11 Stadtbezirke, 6 Autonome Kreise
Gemeindeebene 585 Gemeinden, 229 Großgemeinden, 137 Straßenviertel, 43 Nationalitäten-Gemeinden, 11 Amtsgebietsstellen

Xinjiang (deutsch, veraltet Sinkiang; chinesisch 新疆维吾尔自治区 Xīnjiāng Wéiwú'ěr zìzhìqū; uigurisch: شىنجاڭ ئۇيغۇر ئاپتونوم رايونى Shinjang Uyghur Aptonom Rayoni; türkisch: Sincan) ist ein Autonomes Gebiet im äußersten Westen der Volksrepublik China. Der nördliche Teil des Gebiets wird auch Dschungarei (UigurischDschungarai oder Dshungariä) genannt.

Das zuletzt im Jahr 1757 von dem Chinesischen Reich eroberte Land Ost-Turkestan (Chinesisch-Turkestan) ist für seine ethnische Vielfalt bekannt. Es wird überwiegend von Turkvölkern bewohnt, von denen die größte Gruppe Uiguren darstellen. Islamistische Organisationen der uigurischen Separatisten sorgen immer wieder für regionale Unruhen mit der Forderung nach Unabhängigkeit, da die Bevölkerung ihrer Ansicht nach einem Sinisierungsdruck ausgesetzt ist. Den nördlichen Teil der Region bevölkern größtenteils Kasachen, im Westen gibt es zahlreiche Minderheiten der Kirgisen, Mongolen und Tadschiken. Schon seit Altertum war Xinjiang, durch den der größte Teil der östlichen Seidenstraße führt, Gegenstand zahlreicher Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Völkern und Stämmen. Seine reiche, wechselhafte Geschichte macht Xinjiang zu einer einzigartigen kulturellen Schatzkammer, wo man die Spuren von unterschiedlichsten Zivilisationen Eurasiens vorfinden kann.

Die Hauptstadt des Autonomen Gebietes ist Ürümqi, eine relativ junge Stadt, verglichen mit solchen geschichtsreichen Städten wie Kaschgar, Yarkant, Kuldscha oder Turfan. Andere bedeutende Orte sind die moderne Stadt Shihezi, Urumqi-Vorort Changji, Erdöl-Stadt Karamay, Altay - kasachische Stadt am Fuße der gleichnamigen Gebirgskette, Korla, Hami, Manas, Aksu und Hotan - alte Stadt im Süden des Tarimbeckens.

  • Fläche: 1,66 Mio. km²
  • Einwohner: 19,0519 Mio. (2002)
  • Bevölkerungwachstum: 1,09% pro Jahr (2002)

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Bevölkerungsgeographie

Nach den Zahlen des Gebiets-Zensus des Jahres 2000 läßt sich folgende ethnische Gliederung der Bevölkerung feststellen:

Physische Geographie

Topographie: Der Norden wird durch die Dsungarei (auch: Jungarisches Becken) gebildet, während der Großteil der Region durch das Tarim-Becken mit der darin liegenden Taklamakan-Wüste beherrscht wird. Gebirge sind der Altun und der Kunlun im Süden, der Tianshan und die Altaikette im Norden. Die Region hat im Südwesten auch Anteile an den Gebirgsmassiven Himalaya, Karakorum und Pamir.

Das größte stehende Gewässer des Gebiets war einst der Lop Nor, bevor er durch Übernutzung des Tarims und des Kongque austrocknete. Für die ortsansässige Bevölkerung dürfte dies katastrophale Folgen (gehabt) haben. Die größten Flüsse des Gebiets sind bzw. waren der Tarim, der Hädik-gol mit seinen Unterläufen Kongque, Kontsche-darja und Kum-darja) und der Tschertschen-Darja, die einst alle im Lop Nor aufgingen, heute jedoch vollkommen übernutzt und chemisch belastet sind. Heute ist der Bosten-See das größte stehende Gewässer.

Die Region gilt als erdbebengefährdetes Gebiet. Im Februar 2003 wurde die Provinz von heftigen Erdbeben bis Stärke 6,8 auf der Richterskala erschüttert. Mindestens 261 Menschen verloren ihr Leben, etwa 10.000 Häuser hielten den Kräften nicht stand. Aufgrund der Abgelegenheit der Region gelangen aber nur wenige Informationen über solche Katastrophen nach außen.

Politische Geographie

Nachbarstaaten: Indien, Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland und die Mongolei. Die Grenze zu Indien und Pakistan liegt in der umstrittenen Region Kaschmir. Die Grenzlinie der Provinz von 5.600 km entspricht einem Viertel der gesamten chinesischen Grenzlinie.

Nachbarprovinzen sind Gansu, Qinghai, Xizang (Tibet).

Wirtschaft

Landwirtschaft: In Xinjiang werden z.B. Weintrauben angebaut, die für Reisende in andere Provizen ein beliebtes Mitbringsel sind. Auch Tomaten werden angebaut und in Form von Tomatenmark exportiert. Die Zuckerindustrie ist mit 12 Rübenzuckerfabriken vertreten. Die größte Fabrik der Region ist im Kasachischen Autonomen Bezirk Ili.

Bodenschätze: In den letzten Jahren sind große Erdöl- und Gasvorkommen besonders inmitten der Taklamakan-Wüste und in ihren Randbereichen gefunden worden, die nunmehr erschlossen und ausgebeutet werden. Vor allem Karamay ist stark vom Ölabbau geprägt.

Die chinesische Regierung baut derzeit im pakistanischen Gwadar einen Hafen für den Export der Bodenschätze Xinjiangs, um die wirtschaftliche Entwicklung von Xinjiang zu beschleunigen.

Geschichte

Im Altertum

Im 1. Jahrtausend v. Chr. wurde Ost-Turkestan von zahlreichen sowohl nomadisierenden, als auch sesshaften Ethnien bevölkert. Die Stämme waren zum größten Teil mongolisch- oder turksprachig, doch es gab auch indogermanische Völker wie Tocharer. Im 2-3. Jahrhundert v. Chr. geriet dieses Gebiet unter die Herrschaft der Xiongnu (Hunnen), wurde aber 104 v. Chr. während der Han-Dynastie vom Kaiserreich China erobert, das ein strategisches Interesse an der Seidenstraße besaß. Im Jahre 25 wurden die Chinesen von den Hunnen besiegt und konnten ihre Herrschaft erst 73 wieder aufbauen.

Nach dem Untergang der Han-Dynastie kontrollierten die den Hunnen verwandten Stämme der Xianbei und Ruanruan dieses Territorium. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts konnte sich im Ost-Turkestan kurz das Osttürkische Reich (Khaganat) etablieren, doch während der Tang-Dynastie eroberten die Chinesen ihre verlorenen Gebiete zurück (645 – 763). Im 9. Jahrhundert siedelte der größte Teil der nomadisierenden Stämme der Uiguren vom Baikal nach Ost-Turkestan über. Hier bauten sie im Turfan-Becken ihren eigenen Staat auf, der im 12. Jahrhundert ein Vasall der mongolischen Kitan wurde. Später wurde Ostturkestan vollständig von den Mongolen unterworfen und zuerst ins Tschagatai-Reich, danach ins Reich des Timur eingegliedert. Nach dem endgültigen Untergang dieser Reiche gründeten hier die westmongolischen Stämme der Oiraten (Dschungaren) ein Khanat.

Um 1757 wurde Ost-Turkestan vom Qing-Reich unter Kaiser Qianlong endgültig unterworfen. Nach der Unterdrückung der uigurischen Aufstände unter der Führung von Jakub-Bek (1864-77), vereinten die Chinesen Dschungarei und Ostturkestan in der Provinz Xinjiang (chin. „Neue Grenze“). Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten die in Zentralasien ansässigen Khane von Kokand ständig für Unruhen in den Gebieten um Yarkand und Kaschgar. 1876 wurde Kokand vom russischen General Skobelew eingenommen. Der Zar löste das Khanat Korkand auf und schlug das Gebiet dem russischen Turkestan zu. Bis zur Xinhai-Revolution 1911 galt es als Interessengebiet des Russischen Reiches.

Im 20. Jahrhundert

Mit Unterstützung des neuen Präsidenten von China, Yuan Shikai, hat der Gouverneur Yang Zengxin eine Militärdiktatur in Xinjiang eingerichtet. Nach seiner Ermordung 1928 und kurzem Intermezzo der Herrschaft von Jing Shuren („Erste Republik Ost-Turkestan“), kam 1933 Sheng Shicai an die Macht in Ürümqi. Er akzeptierte den Einfluss der Sowjetunion und baute mit ihrer Hilfe die Wirtschaft von Xinjiang auf. Nicht desto trotz führte seine nationalistische Einstellung und minderheitenfeindliche Politik häufig zu Aufständen. Auf der Suche nach Verbündeten wandte sich Sheng in den 40-er Jahren an die Guomindang und wurde nun zum extremen Antikommunisten. Am 5 Januar 1945 wurde seine Herrschaft in Folge der „Drei-Regionen-Revolution“ (benannt nach Altai, Kuldscha und Chochek) gestürzt. Die Revolutionäre proklamierten eine zweite „Republik Ost-Turkestan“, deren Territorium ca. 25% des heutigen Xinjiangs deckte. Ein Jahr später erreichten nationalistische und revolutionär-demokratische Kräfte in Xinjiang eine Übereinkunft, es wurde eine Koalitionsregierung gebildet, die weitgehend sozialistisch eingestellt war.

Im Jahre 1949 erreichten die chinesischen Kommunisten, durch feste Versprechen, weitgehende Autonomie Ost-Turkestans beizubehalten, eine friedliche Eingliederung Xinjiangs in die Volksrepublik China. Im September 1955 wurde das „Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang“ geschaffen. Während der Kulturrevolution (1966-76) musste Xinjiang, wie ganz China, den „Roten Terror“ über sich ergehen lassen, der viele Menschenleben gekostet hat und nachhaltige Folgen hinterließ. Viele Kulturgüter wurden zerstört, ethnische Minderheiten stark diskriminiert, die Autonomie war während dieser Jahre kaum mehr als eine Fiktion. Seit der Ära Deng Xiaopings profitiert Xinjiang im großen Maße vom „Chinesischen Wirtschaftswunder“. Auch kulturell ist Ost-Turkestan inzwischen aufgeblüht, die Sinisierunspolitik der Zentralregierung wurde aber nicht aufgegeben, bloss zurückgefahren.

Aktuelle politische Lage

Bild:Ostturk.gif Das früher starke Bevölkerungswachstum ist neben dem traditionellen Kinderreichtum auch auf Ansiedlung von Han-Chinesen zurückzuführen. Allein von 1949 bis 1973 nahm der Anteil der Han-Chinesen von 3,7% auf 38% zu. In der Hauptstadt sind heute bereits 50% der Bevölkerung Han-Chinesen. Es gibt Vorwürfe, die chinesische Regierung strebe eine Sinisierung der einheimischen Bevölkerung an. In den 50er Jahren wurde zwangsweise das lateinische Alphabet für die uigurische Sprache eingeführt, was jedoch vor mehr als 20 Jahren wieder rückgängig gemacht wurde. Über 300.000 uigurische Bücher über Geschichte und Kultur wurden in der Hauptstadt im Zuge der Kulturrevolution - wie auch im übrigen China - verbrannt. Vorlesungen und Schulen in der Uigurischen Sprache wurden damals geschlossen, sind jedoch dank politischer Lockerungen jetzt wieder zugelassen. Seit 1964 führt die Volksrepublik China Kernwaffentests in Xinjiang durch. Darüberhinaus begeht China eine Modernisierung, so werden unmittelbar neben und vor Moscheen Einkaufszentren gebaut. Obwohl uigurische Geistliche angeblich nicht zu terroristischen Aktivitäten aufrufen, nahmen in letzter Zeit vereinzelte Anschläge zu. Durch eine teilweise Verfolgung flüchteten vereinzelte Gruppen uigurischer Separatisten in die benachbarten Staaten wie z.B. Kasachstan.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker - eine internationale Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den Vereinten Nationen und dem Europarat - berichtet, dass die Bedeutung und der Gebrauch uigurischer Sprache katastrofal zurückgegangen sei, weil im April 2004 China in einer neuen Richtlinie für das Erziehungswesen die Abschaffung der Minderheitenschulen anordnete, in denen auch in Uigurisch unterrichtet wird. Zukünftig soll vor allem in Chinesisch unterrichtet werden, auch in Minderheitengebieten wie in Ostturkistan, die stattdessen seit 1998 im Aufbau befindlichen "Versuchsschulen" bieten Uigurisch nur noch als Wahl- und nicht mehr als Pflichtfach an. Diese Informationen werden von vielen anderen Quellen nicht bestätigt.

Wikilinks

Literatur

  • Oskar Weggel. Xinjiang /Sinkiang: Das zentralasiatische China. Eine Landeskunde, Hamburg 1985, ISBN 3889100198
  • Sven Hedin, Im Herzen von Asien, Leipzig (F. A. Brockhaus) 1903
  • Andreas Gruschke, Neulanderschließung in Trockengebieten der VR China und ihre Bedeutung für die Nahrungsversorgung der chinesischen Bevölkerung, Mitteilungen des Instituts für Asienkunde Nr. 194, Hamburg 1991, ISBN 3889100872

Weblinks




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