Wohlen AG

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Wappen
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4082
PLZ: 5610
Koordinaten: 47° 21' n. Br.
8° 17' ö. L.
Höhe: 421 m ü. M.
Fläche: 12.48 km²
Einwohner: 13'932 (31. Dezember 2004)
Website: www.wohlen.ch
Karte

Wohlen ist eine Schweizer Gemeinde im Südosten des Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Bremgarten und ist das Regionalzentrum des Freiamts. Die Einwohner nennt man Wohler (und nicht etwa Wohlener). Zu Wohlen gehört auch der 1914 eingemeindete Ortsteil Anglikon. Mit fast 14'000 Einwohnern ist Wohlen die viertgrösste Gemeinde des Kantons.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gemeindegebiet wird von Südost nach Nordwest von der Bünz durchflossen. Etwa zwei Drittel der überbauten Fläche befindet sich in der flachen Ebene des Bünztals, ein Drittel am Südwesthang des Wagenrains, einem bewaldeten Hügelzug zwischen Bünz- und Reusstal. Dort befinden sich auch einige markante Findlinge wie der Erdmannlistein oder der Bettlerstein, die während der Würmeiszeit vom Reussgletscher hierher transportiert wurden. Die Hanglage ist stellenweise sehr steil, geht jedoch in eine flache Hochebene über, die sich rund achtzig Meter über dem Talboden befindet. Das eigentliche Dorfzentrum mit der Kirche liegt auf einem flachen Moränenhügel, der in die Ebene hineinragt.

Wohlen und der früher selbständige Ort Anglikon sind mittlerweile zusammengewachsen. Die tiefste Stelle des Gemeindegebiets liegt auf 408 Metern bei der Kläranlage nordwestlich von Anglikon. Die höchste Stelle liegt auf 549 Metern im Gebiet Dreihägen nördlich von Anglikon. Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1248 Hektaren, davon sind 349 mit Wald bedeckt und 401 Hektaren überbaut.

Nachbargemeinden sind Hägglingen und Niederwil im Norden, Fischbach-Göslikon im Nordwesten, Bremgarten im Osten, Waltenschwil und Büttikon im Süden, Villmergen im Westen sowie Dottikon im Nordwesten.

Geschichte

Funde deuten auf eine Besiedlung während der Hallstattzeit vor 3300 bis 2500 Jahren hin. Überreste eines römischen Gehöfts und Gräber der Alemannen weisen auf eine ständig bewohnte Siedlung hin. Erstmals wurde Wohlen 1178 in einer Urkunde mit der alten Schreibweise "Wolon" erwähnt. Die Namensgebung "Wolon", "Walen", Walchen", "Welschen" etc. weist daraufhin, dass die alemannische Siedlung nahe bei einer Siedlung der "Welschen" entstanden war. Ab 1185 gehörte Wohlen zum habsburgischen Hausbesitz und somit zu den österreichischen Vorlanden. Nachdem die Eidgenossen im Jahr 1415 den Aargau erobert hatten, war Wohlen Teil der Freien Ämter, einer Gemeinen Herrschaft.

1529 schloss Wohlen sich dem neuen Glauben an und wurde reformiert. Die eidgenössischen Untertanen mussten allerdings 1531 nach dem Zweiten Kappelerkrieg und obrigkeitlichem Entscheid wieder zum katholischen Glauben zurückkehren. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wohlen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden; seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Bild:Strohindustrie.jpg In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand vorab im Raum Wohlen eine Industrie, die hauptsächlich Strohgeflechte herstellte. Daraus wurden in den Modezentren der Welt die bis in die Neuzeit hinein unentbehrlichen Damenhüte kreiert. Wohlen erhielt dadurch den Spitznamen Chly Paris (kleines Paris). Es entstanden in der Folge zahlreiche Fabriken. Aber die bis zur Einrichtung der Maschinenflechterei zumeist von einer ärmeren Unterschicht von Hand hergestellten kunstvollen Geflechte hatten einen Zustupf zu der sonst eher bäuerlich geprägten Lebensweise gebracht. Neben Stroh verwendete man zeitweise auch Pferdehaar und später Kunststoffe. Mit der Hutmode verschwand um die Mitte des 20. Jahrhunderts auch die Strohindustrie. Eine der Voraussetzungen für die Entstehung der Strohindustrie war ein gut organisiertes Handwerk und die Tatsache, dass Reisläufer die Kunst des Strohflechtens aus dem südlichen Europa mitbrachten. Die von der mäandrierenden Bünz immer wieder übschwemmten Feuchtgebiete bildeten eine weitere Voraussetzung für die Produktion des benötigten Rohmaterials.

Am 23. Juni 1874 erhielt Wohlen einen Anschluss ans Eisenbahnnetz durch den ersten Abschnitt der Aargauischen Südbahn von Rupperswil aus; die Verlängerung nach Muri nahm am 1. Juni 1875 den Betrieb auf. Am 1. September 1876 folgte eine Verbindung nach Bremgarten. 1881 wurde die Südbahn von Muri nach Rotkreuz verlängert; Wohlen hatte dadurch ein Jahr später Anschluss an die Gotthardbahn. Heute führt der grösste Teil des Güterverkehrs auf der Nord-Süd-Achse (Basel-Milano) durch Wohlen. Am 18. Dezember 1916 wurde die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn eröffnet, die allerdings am 31. Mai 1997 auf Busbetrieb umgestellt wurde.

Die kleine Gemeinde Anglikon hatte sich am Bau eines eigenen Schulhauses finanziell übernommen, woraufhin der Grosse Rat des Kantons 1912 Anglikon per Dekret Wohlen zuschlug. Der Beschluss wurde 1914 rechtskräftig, nachdem Wohlen sich erfolglos dagegen gewehrt hatte. Heute ist Anglikon ein Ortsteil von Wohlen.

Zwischen 1920 bis 1930 wurde die Bünz begradigt und in einen Kanal gelegt, wodurch die einst häufigen Überschwemmungen verhindert wurden; gleichzeitig verschwanden die früher ausgedehnten Feuchtgebiete. Die damit verbundene landschaftliche Verarmung wird durch den Versuch einer Renaturierung des Bünzkanals etwas gemildert.

1925 erhielt die reformierte Minderheit eine eigene Kirche. Ab 1955 stellte die Ferrowohlen AG durch Einschmelzen alten Materials Stahl her, musste aber 1994 den Betrieb einstellen. Die zwei riesigen, leerstehenden Fabrikhallen sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden; das Projekt Ferropolis sieht den Bau eines neuen Stadtteils vor.

Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche St. Leonhard - 1804-07 im klassizistischen Stil erbaut
  • St.-Anna-Kapelle - 1513-14 im spätgotischen Stil erbaut
  • Kapelle des hl. Franz Xaver in Anglikon (1748 erbaut)
  • Erdmannlistein - grosser Findling aus der letzten Eiszeit im Bremgarterwald
  • Strohmuseum - erinnert an die einst bedeutende Strohindustrie
  • Andy Hug-Gedenkstätte auf dem Areal des Schulhauses Bünzmatt

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1900 3695
1930 5862
1950 6670
1960 8636
1970 12'024
1980 11'704
1990 12'498
2000 13'329

Am 31. Dezember 2004 lebten 13'932 Menschen in Wohlen, der Ausländeranteil betrug 31,8%. Bei der Volkszählung 2000 waren 56,5% römisch-katholisch, 19,7% reformiert, 3,6% christlich-orthodox und 8,1% moslemisch; 1,2% gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 79,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 8,1 % Italienisch, 3,1 % Albanisch, 2,3 % Serbokroatisch, 1,4% Türkisch, 0,8 % Portugiesisch, 0,7 % Spanisch, 0,5 % Französisch.

Behörden

Die gegenwärtige Gemeindeordnung datiert von 1992.

Legislative

Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Wohler Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat existiert seit 1965 und wird im Proporzwahlverfahren gewählt.

Bei den Wahlen im November 2001 erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

  • SVP: 9
  • FDP: 7
  • CVP: 7
  • SP: 4
  • Grüne / Eusi Lüüt: 4
  • Freis Wohle: 4
  • Junge CVP: 3
  • EVP: 1
  • Dorfteil Anglikon: 1

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden, sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive

Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Lediglich der Gemeindeammann (Gemeindepräsident) übt seine Tätigkeit hauptamtlich aus (seit 1989).

Die sieben Gemeinderäte sind:

  • Walter Dubler (parteilos), Gemeindeammann
  • Dieter Gerber (parteilos), Vize-Gemeindeammann
  • Harold Külling (FDP)
  • Erwin Meier (CVP)
  • René Meier (parteilos)
  • Christian Müller (SVP)
  • Marianne Piffaretti (CVP)

Judikative

Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter. Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig.

Wirtschaft

In Wohlen gibt es rund 6000 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 35 % in der Industrie und 63 % im Dienstleistungssektor. Neben wenigen Grossbetrieben gibt es mehr als 700 kleine und mittelgrosse Unternehmen. Besonders bedeutend ist die Herstellung von Kunststoffen. Der Tourismus hat für Wohlen praktisch keine Bedeutung.

Verkehr

Wohlen liegt an der SBB-Bahnlinie Lenzburg - Rotkreuz und ist der westliche Endpunkt der Bremgarten-Dietikon-Bahn. Wohlen verfügt auch über einen eigenen Busbetrieb, den Ortsbus, und ist der Ausgangspunkt der Postautolinien nach Hägglingen, Mellingen, Muri und Uezwil sowie die durch die BDWM Transport AG betriebene Buslinie nach Meisterschwanden.

Bildung

In Wohlen gibt es das gesamte Bildungsangebot des Kantons. Mehrere Kindergärten, sowie vier Primarschulen (Junkholz, Halde, Bünzmatt, Anglikon), zwei Realschulen (Junkholz, Bünzmatt), zwei Sekundarschulen (Junkholz, Bünzmatt), eine Bezirksschule (Halde) und die Kantonsschule ermöglichen es allen Wohler Kindern, ihre gesamte Schulzeit im Heimatdorf absolvieren zu können.

Sport

2004 wurde im Gebiet Niedermatten die grösste Sportanlage des Kantons eröffnet, bestehend aus Fussballstadion, Leichtathletikanlage und Tennisplätzen. Der Fussballclub FC Wohlen spielt in der Challenge League, der zweithöchsten Liga der Schweiz.

Persönlichkeiten

Weblinks


Koordinate: 47° 21' N, 8° 17' O



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