Windsurfen
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Windsurfen ist eine Wassersportart, bei der der Ausübende auf einem Surfbrett stehend mittels eines - freibeweglich mit dem Brett verbundenen - Segels den Wind zur Fortbewegung nutzt.
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Entwicklung des Windsurfens
Der Amerikaner Jim Drake startete auf der Jamaica Bay am 21. Mai 1967 zum ersten mal seinen Windsurfer "Old Yeller". Vor ihm hatten bereits Hoyle und Diane Schweitzer sowie die Engländer Peter Chilvers und Newman Darby mit der Idee gespielt ein Surfbrett mit einem Segel zu verbinden. Jedoch hatte Jim Drake schließlich die entscheidende Idee, Brett und Segel mit einem Kardangelenk zu verbinden und moderne Materialien für Brett, Mast und Segel einzusetzen. Hoyle hat als erster die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Windsurfens erkannt und die Entwicklung weiter vorangetrieben. Die zunächst befreundeten Urväter Hoyle Schweitzer und Jim Drake haben sich dann rasch wegen Lizenzgebühren und Rechte verstritten.
In den folgenden Jahren setzte parallel zu neuen Materialen und Innovationen (Trapez, Fußschlaufen, kurze Waveboards, kürzerer Gabelbäume, durchgelattete Segel) eine starke Verbreitung der neuen Sportart ein. In der DDR wurde Windsurfen Brettsegeln genannt, auch der Begriff Stehsegeln ist noch verbreitet.
Mit den modernen Boards und Segel konnten sich neue Fahrtechniken wie Wasserstart, Gleiten, Sprünge, Powerhalse, Bottom Turns, Cut Backs und sogar Loopings entwickeln. Nach den missglückten Versuchen des dreifachen Vorwärtssaltos hat sich ab 2003 der Trend zu Flachwasser-Manövern verstärkt. Zudem wurde bei Windsurf-Regatten die Super X Disziplin eingeführt, bei dem u.a. Hindernisse auf dem Wasser zu überspringen sind.
Aus dem Windsurfen ist das Kitesurfen entstanden (seit ca. 2001 in Mitteleuropa verbreitet), bei dem das Segel durch einen großen Lenkdrachen ersetzt worden ist. Die Surfbretter zum Kiten bzw. Kiteboards sind viel kleiner und haben kaum Auftrieb. Sie gleichen am ehesten den Wakeboards beim Wasserskilaufen.
Technik
Surfbrett
Das Sportgerät besteht aus einem stromlinienförmigen Schwimmkörper, dem Surfbrett, dessen Auftriebsvolumen sich nach dem Können und Gewicht des Sportlers richtet. Das Auftriebsvolumen liegt meist zwischen 50 und mehreren 280 Litern. Die Brettlänge liegt dabei zwischen 2,0 und 3,5 Metern, bei einer Breite von 50 bis 100 cm.
Das Surfbrett für ungeübte Sportler sollte möglichst viel Auftrieb und damit Volumen haben um besonders kippstabil zu sein. Außerdem besitzt ein Anfängerbrett ein Schwert, das für bessere Richtungsstabilität sorgt und einem Abtreiben nach Lee entgegenwirkt. Bei kleineren Brettern findet man nur noch die Finne vor, da das Schwert beim Gleiten nur stören und außerdem die Geschwindigkeit veringern würde. Erfahrere Windsurfer wählen meist ein möglichst kleines Surfbrett mit weniger Auftrieb, da diese eine höhere Drehfreudigkeit haben. Dabei kann der Auftrieb geringer als das Gewicht des Sportlers sein, so dass das Brett erst beim Fahren durch den dynamischen Auftrieb an die Wasseroberfläche gehoben wird und auf der Wasseroberfläche gleitet. Solche kleinen Bretter werden auch als "Sinker" bezeichnet.
Die Variationen der Brettformen ist seit den Anfängen um 1975 stark angestiegen.
- siehe Surfbrett
Rigg
Das Surfbrett ist über eine freibewegliche Verbindung, dem Mastfuß, mit dem Rigg befestigt. Das Rigg besteht aus einen biegefähigen Mast aus Carbon, einem Gabelbaum aus Aluminium zum Festhalten und dem Segel. Die Segelfläche liegt zwischen 1,5 m² (für Kinder) und über 12,5 m² für Race Surfer, und richtet sich nach dem Körpergewicht, dem Können und maßgeblich der Windstärke.
Ein modernes Windsurf-Segel besteht aus Monofilm (durchsichtige PVC Folie), Dacron (gewebtes Polyester) und Mylar. Sensible Teile werden mit Kevlar-Gewebe verstärkt. Ausserdem haben die Segel mehrere durchgehende Segellatten.
Aktuell unterscheidet man 2 Ausführungen:
- Camber-Segel (englisch für Biegung,Krümmung). Diese Segel haben 1 bis 5 "Camber", das sind Kunststoffteile an den Enden der Segellatten, die sich an den Mast anschmiegen. Sie sorgen für ein starres Tragflächenprofil des Segels, was für Geschwindigkeit und Stabilität sorgt. Das geht aber zu Lasten der Manövrierbarkeit und wie leicht und einfach sich das Segel anfühlt. Aktuell werden Camber-Segel fast ausschließlich in größeren Segeln für Wettkämpfe eingesetzt. Die Starrheit des Segels wird außerdem durch die Anzahl an Segellatten bestimmt.
- RAF (Rotating Asymmetric Foil) Segel haben Segellatten, die über die Rückseite des Mastes hinaus ragen. Sie müssen bei Wende oder Halse auf die andere Seite des Mastes schnappen. RAF Segel erhalten durch den Druck des Windes ein Tragflächenprofil auf der Lee-Seite. Sie können ohne Wind oder abgeriggt absolut flach sein. Diese Eigenschaft wird beim Freestyle und Wave Riding sehr geschätzt.
Im Vergleich zu Camber Segel liefern RAF Designs weniger Vortrieb und Stabilität, dafür sind sie im Manöver einfacher zu handhaben. Außerdem sind RAF Segel einfacher zu riggen.
Windsurfen lernen
Die Schwierigkeit beim Windsurfen besteht hauptsächlich aus der Fähigkeit, das Gleichgewicht des eigenen Körpers mit der Segelstellung zum Wind zu kontrollieren.
Die grundlegenden Techniken des Windsurfen werden in Surfschulen bereits in drei Tagen vermittelt, so dass das Surfbrett sicher bei leichtem Wind gesteuert werden kann. Die richtige Verwendung von Fußschlaufen und Trapez kann in Fortgeschrittenen Kursen gelernt werden und gestaltet sich schon zeitaufwändiger. Bei höheren Geschwindigkeiten wird die Fahrrichtung fast nur noch über das Ankippen des Brettes mit den Füßen gesteuert. Die Füße stecken dabei bis zum Rist in den am Brett fest verschraubten Fußschlaufen. Surfer verringern die Beanspruchung der Arme beim Halten des Segels durch ein Trapez. Das ist ein kompakter Hüftgürtel, an dem vorne ein Metallhaken befestigt ist. In diesen unten offenen Trapezhaken wird ein kurzes Seil - der Trapeztampen - geschwungen, das am Gabelbaum befestigt ist und den größten Teil der Zugkraft des Windes aufnimmt. Zum Aushaken des Trapeztampens wird der Gabelbaum kurz zum Körper gezogen, so dass der Tampen aus dem Haken herausfällt. Der Surfer ist so mit den Händen, mit der Hüfte und mit den Füßen mit dem Sportgerät verbunden und kann so eine stabilen Lage einnehmen.
Daneben ist auch die Startechnik zu erlernen. Das Brett sollte zum Starten in Lee und idealerweise auf Halbwindkurs liegen, um den Segeldruck möglichst leicht kontrollieren zu können. Als Anfänger übt man zunächst den Schotstart, wobei man auf dem Brett stehend das Rigg mit einem Seil, der Startschot, aus dem Wasser gezogen wird. Als Nachfolgetechnik wird der Beachstart gelehrt. Hierbei wird das Rigg in Segelstellung gehalten und das Surfbrett aus stehtiefem Wasser von Luv her in Richtung Mastfuss bestiegen. Je tiefer das Wasser ist, umso mehr Wind wird benötigt um sich vom Wind auf das Brett ziehen zu lassen. Als letzte Startmethode lernt man den Wasserstart. Hier ist entsprechend mehr Wind als beim Beachstart notwendig und das Ausrichten des Brettes und Segels muss schwimmend geschehen.
Als erstes zu lernendes Manöver gilt die Halse, die meisten Windsurfer geben sich dann mit diesem Niveau zufrieden. Um die Windsurfmanöver der Freestyler oder Profis zu erlernen, ist reichlich Übung und eine gewisse Begabung notwendig.
Wettkämpfe
Offizielle Windsurfwettkämpfe verlangen eine Windgeschwindigkeit von 10 Knoten (18,5 km/h). Das entspricht der Windstärke 4, oder der Meldung "mäßiger Wind" im Wetterbericht. Bei dieser Windstärke beginnen die Surfbretter auf dem Wasser zu gleiten und werden dabei deutlich schneller als 20 km/h. Das Windsurfen wurde für Männer 1984 in Los Angeles Olympische Disziplin, die Frauen folgten 1992 in Barcelona:
- olympische Klasse
Jährlich wird durch die PWA die Surf-Weltmeisterschaft mit folgenden Disziplinen ausgetragen:
- Wave
- Freestyle
- Speed Racing
- Formula Klasse
- Slalom
- Super X
- Indoor
- Long Distance
Daneben gibt es die Europameisterschaften im Freestyle, ausgetragen durch die EFPT.
Freestyle und Wave sind durch Kampfrichter bewertete Bewerbe, der Surfer mit der besten Technik und höchsten Vielfalt der Windsurfmanöver gewinnt. Olympische Klasse, Formula Klasse, Slalom und Super X sind Rennen bei denen viele Teilnehmer einen Kurs absolvieren. Und Speed ist ein Rennen bei dem die Teilnehmer nach einander einen geraden 500 m Kurs befahren. Indoor sind Hallenbewerbe meist für Freestyle (z.B. in Paris) und Long Distance sind Langstecken Wettfahrten.
Idole - Rekorde
Gewöhnlich gleiten die Surfbretter mit 30 bis 45 km/h über das Wasser. Die Rekordgeschwindigkeiten über 80 km/h werden nur bei Sturmstärken auf sehr glattem Wasser mit speziellen ca. 25 cm breiten Surfbrettern (sogenannten Speedneedles) erreicht. Am 10. April 2005 wurde Finian Maynard mit 48,7 kn (90,2 km/h) gemessen und stellt dabei einen neuen Weltrekord für segelgetriebene Wasserfahrzeuge auf. Die Ratifizierung durch den World Sailing Speed Record Council erfolgte am 11. April 2005. Windsurfer sind seit November 2004 die schnellsten segelgetriebenen Wasserfahrzeuge.
Lebende Legenden dieses Sportes sind der Hawaiianer Robby Naish und der 34malige Weltmeister Björn Dunkerbeck.
Siehe auch
Weblinks
Surfseiten
Organisation und Verbände
- Deutsche Windsurfing Vereinigung
- Verband Deutscher Windsurfing- und Wassersportschulen e.V.
- Professional Windsurfers Association
Windvorhersage
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