Wimpertierchen

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Wimpertierchen
Bild:Stylonychia.jpg
Systematik
Klassifikation: Lebewesen
Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)
Reich: Protisten (Protista)
Unterreich: Aleoveolaten (Aleoveolata)
Stamm: Wimpertierchen
Wissenschaftlicher Name
Ciliophora
Copeland, 1956
Unterstämme

Wimpertierchen (Chilophora, Ciliata) sind eukaryotische, einzellige Lebewesen, die im Süßwasser, Meer und Boden vorkommen und deren Zelloberfläche ganz oder teilweise von Wimpern bedeckt ist, die zur Fortbewegung und zum Herbeistrudeln von partikulärer Nahrung dienen. Wimpertierchen sind ein Stamm der Protisten, zu denen etwa 7500 Arten gezählt werden. Sie gelten als die am höchsten entwickelten und am stärksten differenzierten Protisten.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Ihre Länge beträgt zwischen 50 und 300 Mikrometer. Bei bestimmten Arten beträgt die Länge sogar mehr als 1 Millimeter. Ein Netz aus kontraktilen Fibrillen, wie Actinmyosin- und Mikrotubulifilamenten, ermöglicht es den Ciliata, ihre Oberflächenstruktur zu verändern und so auf chemische wie physische Reize zu reagieren. Besonders auf Sauerstoff- und Kohlendioxidveränderungen reagieren Wimpertierchen mit Bewegungsrichtungsänderungen, bis sie in Gewässern besserer Zusammensetzungen sind.

Ähnlich wie die Wimpern angeordnete Trichocysten sind in der Lage, auf Reize einen langen Proteinfaden nach aussen zu schleudern, dessen Funktion allerdings noch nicht ganz klar ist. Zudem können bei räuberischen Arten auch sogenannte Toxicysten vorkommen, welche sich ähnlich wie die Nesselkapseln der Cnidaria entladen, durch die Membran der Opfer durchschlagen und toxische Stoffe injezieren können, um diese zu immobilisieren.


Ein besonderes Kennzeichen der Ciliaten ist der so genannte Kerndimorphismus, das heißt, es kommen bei ihnen unterschiedlich große Zellkerne vor: ein diploider kleiner Kern, der Mikronukleus, und ein polyploider großer Kern, der Makronukleus. Der Makronukleus steuert das Soma, stellt also das vegetative Zentrum der Zelle dar, und kann vom Mikronukleus, welcher die Keimbahn steuert regeneriert werden. Wird der Mikronukleus aus einem Individuum entfernt, ist es zwar noch lebensfähig, verliert aber die Fähigkeit, sich zu vermehren.

Es gibt Ciliataformen mit mehreren Mikronuklei und auch welche, die zwar mehrere Nuclei besitzen, bei denen aber noch keine Trennung von Soma und Keimbahn vollzogen ist.

Lebensweise

Ciliata kommen als Einzelindividuen meist in kolonieförmigen Ansiedlungen in allen feuchten Gebieten der Welt vor. Es gibt freischwimmende und festsitzende Formen. Einige können kommensalisch leben, wie die Enodinia im Pansen von Wiederkäuern. Diese können mit Hilfe von Cellulasen die Cellulose aus der aufgenommenen Nahrung zersetzen. Manche leben auch symbiontisch mit in der Innenschicht eingelagerte Grünalgen (Zoochlorellen). Wieder andere leben rein parasitär, wie der Ichthyophthirius Multifiliiis, ein Hauptparasit der Aquarienfische.

Fortpflanzung

Neben der Querteilung sind die Wimpertierchen in der Lage mittels einer Konjugation mit Hilfe einer sogenannten Plasmabrücke das Genmaterial zwischen verschiedenen Geschlechtsarten auszutauschen. Diese Geschlechtsarten werden dabei durch Glycoproteine auf der Oberfläche definiert, um so den Austausch gleicher "Geschlechter" zu verhindern. Bei den Ciliata können bis zu 40 verschiedene Arten existieren.

Ernährung

Die Ernährung verläuft über ein Cytostom, eine mundähnliche Öffnung, über die das Nahrungspartikel, in einer sogenannten Nahrungsvakuole verpackt, in das Zellinnere gelangt. Dort kreist sie zyklisch einmal durch den gesammten Zellkörper, wärend sie durch Acidosome angesäuert und durch Lysosome mit Hydrolasen angesetzt im Inneren die Nahrung zersetzt, durch die Zelle die lebensnotwendigen Stoffe absorbiert und die Restpartikel an einer Art Zellafter, der Cytopyge, exocytiert wird. Der zyklische Vorgang wird auch Cyclose genannt.

Osmoregulation

Die Ciliata besitzen zudem eine oder mehrere kontraktile Vakuolen, welche die Funktion eines osmoregulatorischen Drainagesystems erfüllen. Dazu liegen Mikrotubulifilamente in Verbänden um eine Art Sammelkanäle, welche sich durch das gesammte Zellinnere ziehen. Über einen Exkretionsporus gelangt das aufgesammelte Wasser nach aussen. Wie genau dieser Apparat funktioniert ist bisher umstritten, klar allerdings ist seine osmotische Funktion, da dieser Apparat nur bei Süsswasserarten vorkommt und dort auf Veränderung des osmotischen Druckes mit Kontraktionsveränderung reagiert.

Beispiele

Die berühmtesten Beispiele für Ciliata sind das Pantoffeltierchen (Paramecium), das Trompetentierchen (Stentor) und das Glockentierchen (Vorticella).


Bild:Stentor coeruleus.jpg

Siehe auch: Waffentierchen, Parasiten des Menschen

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