Wildkaninchen

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Wildkaninchen
Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Gattung: Oryctolagus
Art: Wildkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Oryctolagus cuniculus
(Linnaeus 1758)

Das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) ist die einzige Art in der Gattung Oryctolagus innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae). Es ist die Stammform aller bei uns bekannten Hauskaninchen. Kreuzungen zwischen Feldhasen und Wildkaninchen gibt es nicht.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Im Altertum war das Wildkaninchen fast ausschließlich auf die Iberische Halbinsel und Südfrankreich beschränkt. (Der Name „Spanien" leitet sich übrigens vom Phönizischen „Küste der Kaninchen“ ab.) Bereits in der Antike wurde es in Italien und Nordwestafrika eingebürgert. Im Mittelalter wurde es nach Frankreich und auf die Britischen Inseln gebracht, in der frühen Neuzeit nach Deutschland sowie auf viele Inseln in allen Ozeanen. Heute lebt es in ganz West- und Mitteleuropa. Im 19. Jahrhundert wurden Kaninchen in Australien und Neuseeland ausgesetzt, wo sie sich explosionsartig vermehrten. Darüber hinaus wurden sie in Südafrika, Nord- und Südamerika eingebürgert.

Beschreibung

Wildkaninchen haben ein graubraunes Fell. Im Gegensatz zum Feldhasen hat es relativ kurze Ohren (6-8 cm), ist deutlich zierlicher (1,3 bis 2,2 kg) und hat kürzere Hinterbeine. Die Kopfrumpflänge liegt zwischen 35 und 45 Zentimetern, der Schwanz wird vier bis sieben Zentimeter lang.

Lebensweise

Wildkaninchen leben gesellig in mehr oder weniger großen Kolonien. Sie legen unterirdische Bauten in sandigem Boden an, diese können bis zu drei Meter tief und 45 Meter lang sein. Es sind nachtaktive Tiere, manchmal kann man sie allerdings beim Sonnenbaden am frühen Morgen beobachten. Bei Gefahr können Kaninchen laut pfeifen und klopfen mit den Hinterläufen auf die Erde, sie trommeln.

Wildkaninchen sind Pflanzenfresser, die sich vorwiegend von Gräsern und Kräutern ernähren. Bei Bedarf verzehren sie auch Rinde und Zweige.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit hängt vom Verbreitungsgebiet ab, in Spanien liegt sie zwischen Herbst und Frühling, in Mitteleuropa zwischen Februar und Juli, auf der Südhalbkugel in den anderen Jahreshälfte. Die Vermehrungsrate ist enorm, das Weibchen kann fünf bis sieben Würfe pro Jahr austragen, die Tragzeit beträgt zwischen vier und fünf Wochen und die Wurfgröße durchschnittlich fünf bis sechs, in Ausnahmefällen bis zu neun Jungtiere. Sie hat sogar eine zweigeteilte Gebärmutter in der sie verschieden alte Junge austragen kann.

Zur Geburt legt das Weibchen einen eigenen Bau abseits vom Gemeinschaftsbau, die so genannte Setzröhre. Es verschließt die Röhre mit Gras und Blättern und scharrt Erde darüber. Neugeborene sind nackt und blind und wiegen rund 40 bis 50 Gramm. Nach zehn Tagen öffnen sie die Augen, mit drei Wochen verlassen sie erstmals die Setzröhre und nach vier Wochen werden sie entwöhnt. Wenn sie auch schon früher geschlechtsreif werden, so pflanzen sich die meisten Tiere erstmals in ihrem zweiten Lebensjahr fort.

Die Lebenserwartung liegt bei maximal neun Jahren, viele Tiere sterben aber schon in ihrem ersten Lebensjahr.

Krankheiten

Kaninchenbestände werden durch die Myxomatose, eine durch Pockenerreger ausgelöste Viruserkrankung, dezimiert. Während die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung jedoch nur bei 40 bis 60 Prozent liegt, hat sich das in den letzten Jahren gehäufte Auftreten der Chinaseuche (RHD, Rabbit hemorrhagic disease) mit einer Sterblichkeitsrate von 100 Prozent geradezu katastrophal auf die Bestände in ganz Mitteleuropa ausgewirkt.

Wildkaninchen und Menschen

Wie oben erwähnt, wurden Wildkaninchen bereits in der Antike in verschiedenen Regionen des Mittelmeerraumes eingeführt. Die Zucht von Hauskaninchen begann wahrscheinlich in französischen Klöstern in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends.

Kaninchen sind ein beliebtes Jagdwild, und werden manchmal auch in Tierversuchen eingesetzt. Sie wurden in vielen Regionen eingeführt, wo sie sich beträchtlich ausbreiteten und vielfach zur Plage wurden. Sie gefährden als Neozoon die einheimische Fauna, zum Beispiel in Australien. Bei massenhaftem Auftreten verursachen sie erhebliche Wildschäden, indem sie Jungpflanzen, Sträucher und Feldfrüchte verbeißen. Durch künstlich erzeugte Krankheiten und Bejagung wird versucht, den Bestand in Grenzen zu halten, was oft misslingt.



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