Wesir

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Der Ausdruck Wesir bezeichnet ein seit der Antike bis zu den Osmanen bestehendes Regierungsamt.

In der Ägyptologie wird der Titel 'tjati' als Wesir übersetzt. Das Amt ist schon seit dem Alten Reich bezeugt. Er handelt sich um den ersten und obersten Beamten, der der zweite Mann im Staat nach dem Pharao war. Im Alten und im Mittleren Reich Ägyptens gab es jeweils nur einen Wesir. Im Neuen Reich gab es für die Reichsteile Oberägypten und Unterägypten jeweils einen Wesir. Diese Zweiteilung des Amtes ist auch für die Spätzeit bezeugt. Der Wesir war der Mittelsmann zwischen Pharao und den anderen Beamten. Er war die oberste juristische Instanz im Land und Koordinator der Provinzialverwaltung. In einigen Grabanlagen von Wesiren des Neuen Reiches fand sich die sog. 'Dienstanweisung des Wesirs', die über die täglichen Aufgaben und Pflichten der Wesire berichtet.

Die Urform des Wortes Wesir ist das persische Wazir, eine arabisierte Form des Mittelpersischen vcir. Der Titel wurde von den persischen Barmakiden eingeführt, die während der Herrschaft der Abbasiden viel Macht und Autorität erlangten.

Der Wesir war ein Helfer, aber auch Repräsentant des Kalifen, vergleichbar mit heutigen Sicherheitsberatern und Ministern, der aus der sich im Kalifat bildenden Schreiberkaste hervorging. Diese Schreiberkaste bestand hauptsächlich aus Persern. Sie übten die weltliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit im Namen des Kalifen aus und bildeten damit die Ergänzung der überwiegend durch den Islam geregelten Rechtsprechung. Der Wesir übernahm immer mehr Regierungsämter und übte damit im Laufe der Zeit ein mächtiges Hofamt aus. An der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert war der Wesir bereits der mächtigste Mann im Kalifenstaat und drängte den Kalifen in die Position des ausschließlichen geistlichen Oberhauptes. Die mächtige Wesirfamilie der Barmakiden (siehe oben) wurde erst von Harun ar-Raschid (786-809) im Jahre 803 entmachtet und aus den wichtigsten Ämtern entfernt.

In der osmanischen Türkei war der Großwesir der zweite Mann im Staate. In der Türkei wurde der Titel 1922 nach der Abschaffung des Sultanats durch "Ministerpräsident" ersetzt.

Im Iran und in Afghanistan bedeutet das Wort heute Minister und wird als solcher auch im täglichen Gebrauch benutzt.

Literatur

  • Propyläen: Weltgeschichte Band 5
  • Ference Majoros/Bernd Rill: Das Osmanische Reich, Bechtermünz Verlag 2002

Siehe auch

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