Weltraummüll
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Bild:Debris-LEO1280.jpg Bild:Delta-II Stage2 XSS-10.jpg Bild:Debris-star48 3.jpg Bild:Debris-slag.jpg Unter Weltraummüll versteht man die unbrauchbaren Überbleibsel der verschiedenen Raumfahrtmissionen im irdischen Orbit.
Laut Modellen, wie z.B. MASTER (Meteoroid and Space Debris Terrestrial Environment Reference) von der ESA, befinden sich ca. 580.000 Objekte mit einem Durchmesser größer als 1 cm in Umlaufbahnen um die Erde. Nur ein Bruchteil davon, ca. 13.000 Objekte, kann mit Hilfe des amerikanischen Space Surveillance Systems kontinuierlich beobachtet werden.
Die durchschnittliche Differenzgeschwindigkeit zwischen Weltraummüll und Satellit beträgt ca. 10 km/s. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit setzt bereits der Einschlag eines nur 1 cm großen Objektes die kinetische Energie einer Handgranate frei. Bereits Einschläge von Millimeter-Objekten können die Funktion eines Satelliten beeinträchtigen oder ihn unbrauchbar machen. Die bemannten Module der Internationalen Raumstation (ISS) sind mit doppelwandigen Meteoritenschutzschilden ausgestattet und können Einschlägen von Weltraummüll bis zu einem Zentimeter Durchmesser widerstehen.
Viele Raumfahrzeuge, wie z.B. die Space Shuttles oder die Internationale Raumstation, aber auch Satelliten wie z.B. der Erdbeobachtungssatellit Envisat sind in der Lage, notfalls Ausweichmanöver durchzuführen, um eine als nicht unwahrscheinlich (z.B. 1/10.000) eingestufte Kollision mit einem der ca 13.000 Objekte, deren Bahnen kontinuierlich verfolgt werden, zu vermeiden. Im Jahr 2004 musste Envisat bereits zwei solcher Manöver durchführen. Raumfähren wie z.B. die Discovery mussten insgesamt sechs Ausweichmanöver fliegen.
Quellen von Weltraummüll sind:
- Explosionen von Satelliten oder Oberstufen - diese werden hervorgerufen durch absichtliche Sprengungen, durch die Entzündung von Resttreibstoffen von Oberstufen und durch das Verdampfen von Kryyogenen Treibstoffkomponenten in Oberstufen in denen noch Treibstoffreste zurückgeblieben sind. Duch die Ausdehnung dieser Treibstoffe während des Verdampfens können die Oberstufen gesprengt werden. Explosionen können auch von Entladungen in Batterien der Satelliten ausgelöst werden. -Es wird angenommen, daß sich seit Beginn der Raumfahrt etwa 200 Explosionen im Orbit ereignet haben
- Feststoff-Motoren - während des Abbrandes solcher Motoren entsteht Feststoffmotor-Staub, aus Aluminiumoxid, im Mikrometerbereich, am Ende des Abbrandes entstehen Schlackeobjekte mit einem Durchmesser bis zu mehreren Zentimetern
- Reaktorkühlmittel aus weltraumgestützten Buk-Kernreaktoren von sowjetischen Spionagesatelliten der im Westen als RORSAT bekannten Serie, bei 16 solcher Satelliten wurde nach Beendigung der Mission eine Abstoßung des Reaktorkerns durchgeführt, dabei wurde das Kühlmittel des primären Kühlkreislaufs, NaK-78, freigesetzt (jeweils ca. 8 kg)
- Oberflächendegradation - aufgrund der Umgebungsbedingungen im Weltraum lösen sich z.B. Farbpartikel von Satelliten und Oberstufen ab - neueste Beobachtungen des ESA Space Debris Teleskops deuten außerdem darauf hin, dass sich vermutlich häufiger auch größere Teile von Satelliten ablösen. Der zeitliche Verlauf der Bahnparameter dieser Objekte zeigte, dass sie ein sehr hohes Flächen- zu Massenverhältnis besitzen (bis zu 30 m²/kg). Daher könnte es sich hierbei um Wärmeschutzfolie handeln.
- Ejecta - durch Einschläge von Mikrometeoriten und Weltraummüll freigesetzte Bestandteile orbitaler Objekte
- West Ford Dipole - zu Beginn der sechziger Jahre im Rahmen der West-Ford-Experimente freigesetzte Nadeln
- Missionsbedingte Objekte - im Rahmen von Weltraummissionen freigesetze Objekte, wie z.B. Sprengbolzen und Abdeckungen. Ebenfalls ganze Raketenoberstufen, die mit den Satelliten in die Umlaufbahnen gelangen und dort verbleiben.
Die Teile in niedrigen Umlaufbahnen werden durch einen Rest an Luftwiderstand abgebremst und verglühen irgendwann in der Atmosphäre, nur sehr wenige sind groß genug, um auf die Erdoberfläche zu stürzen. In größeren Höhen wird diese Reibung immer geringer, so dass der Weltraumschrott in einer Höhe von 800 km bereits Jahrhunderte, in einer Höhe von 1.500 km sogar einige tausend Jahre braucht, um zu verglühen.
Da die Höhen von 800 km und 1.500 km als Umlaufbahnen bevorzugt genutzt werden, wächst die Bedrohung für die kommerzielle und wissenschaftliche Raumfahrt. Konzepte, wie dieses Problem zu lösen ist, scheitern zur Zeit an den damit verbundenen Kosten. So wäre es denkbar, die Trümmer mit einem Laserstrahl zu verdampfen. Gelingt dies aber nicht vollständig, werden nur neue Teile in größerer Zahl erzeugt. Hinzu kommt der dafür benötigte hohe Energieverbrauch.
Das einzige, was momentan unternommen werden kann, ist das Verhindern der Entstehung neuen Weltraummülls. So werden bei allen modernen Raketen die in die Umlaufbahn gelangende Stufen mit Hilfe einer zusätzlichen Triebwerkzündung wieder abgebremst, um sie in der Atmosphäre verglühen zu lassen. Bei Oberstufen, die in hohe Umlaufbahnen gelangen und keinen ausreichenden Bremsimpuls erzeugen können, werden zumindest die Reste des Treibstoffs verbraucht/abgelassen, um eine mögliche Explosion zu verhindern.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat vor wenigen Jahren ein Konzept für einen Satelliten erarbeitet, der bis zu 30 ausgediente Oberstufen und Satelliten aus dem Geostationären Ring in einen wenige hundert Kilometer darüber gelegenen Friedhofsorbit befördern kann.
Siehe auch: Weltraumhaftung
Weblinks
| Bild:Commons-logo.svg | WikiCommons: Weltraummüll – Bilder, Videos oder Audiodateien |



