Weihrauch

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Bild:Weihrauch-Harz.jpg Der Begriff Weihrauch bezeichnet:


Inhaltsverzeichnis

Weihrauchpflanze (Olibanum)

Bild:Koeh-022.jpg Das echte Weihrauchharz wird von der Weihrauchpflanze (Olibanum) gewonnen. Er gehört zu den Burseraceae-, den Balsambaumgewächsen und umfasst folgende Arten:

  • Boswellia sacra - arabischer Weihrauch (Synonym Boswellia thurifera sensu Carter)


Der Baum wächst in Trockengebieten um das Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea, Sudan), in Arabien (Dhofar im Süden Omans, Hadramaut im Jemen) und in Indien. Der Lebensraum dieser Pflanze reicht in karger Landschaft zwischen Felsen und Klippen bis in eine Höhe von 1200 m. Der Harz spendende Baum wird 1,50 bis 8,00 m groß, hat eine papierartig abblätternde Rinde und bildet bis zu 25 cm lange Blütentrauben aus.

Weihrauchernte

Zwischen Ende März und Anfang April beginnt die Weihrauchproduktion, die über mehrere Monate verläuft. Dabei werden den Bäumen Schnitte an Stamm und Ästen zugefügt. Der erste Erntevorgang ergibt nur ein sehr minderwertiges Harz, das man früher weggeworfen hat, heute allerdings vermarktet. Erst drei Wochen später erntet man eine annehmbare Qualität, die mit den zunehmenden Wochen immer besser und reiner wird. Die Harzausbeute pro Baum hängt von Alter, Größe und Zustand des Baumes ab und liegt zwischen 3 - 10 kg Harz. Nach mehreren jährlichen Ernten erfolgt eine mehrjährige Ruhepause für den Baum.

Räucherharz (Substanz)

Ein körniges getrocknetes Harz, das schon bei den alten Ägyptern für kultische Zwecke, bei der Mumifizierung herausragender und vermögender Personen und zumindest in begüterten Kreisen im Alltag als aromatisches, desinfizierendes und entzündungshemmendes Räuchermittel und Heilmittel in Gebrauch war. Es entwickelt beim Verglühen (Räuchern) einen aromatisch duftenden Rauch und wird in verschiedenen Religionen (z. B. der katholischen und orthodoxen Kirche) seit Mitte des ersten Jahrtausends bis heute bei Kulthandlungen verwendet, meist vermischt mit anderen Räuchermitteln wie z. B. Benzoe, Myrrhe, Galbanum, Zistrose, Styrax, Lorbeer etc. Früher wurden auch andere Räucherharze als Weihrauch bezeichnet.

Ätherisches Weihrauchöl

Das ätherische Öl gewinnt man mittels Wasserdampf-Destillation aus dem Harz. Seine Inhaltsstoffe sind 75 % Monoterpene, Sesquiterpene, Monoterpenole, Sesquiterpenole und Ketone. Es hat einen vollen balsamischen und süßen Duft, während das indische Weihrauchöl ausgesprochen frisch riecht.

Es wird nicht nur in der Parfumindustrie verwendet, sondern findet sich auch in Kosmetikprodukten und Arzneimitteln wieder.

Weihrauch (Rauch)

2. Den Rauch und der Duft, die sich beim Verbrennen von Weihrauch entwickeln.

Katholische Liturgie

In der katholischen Liturgie wird Weihrauch vor allem in der Messe und in der Vesper verwendet. Der Altar und die eucharistischen Gaben, das Evangelienbuch (Evangeliar), der Priester und alle Gläubigen, auch die Osterkerze und die Weihnachtskrippe u. a. werden mit Weihrauch verehrt. Er ist dabei das Zeichen der göttlichen Gegenwart, des Opfers und der aufsteigenden Gebete der Gläubigen.

Die katholische Liturgie macht damit auch deutlich, dass der Mensch eine Geist-Leib-Seele-Einheit ist. Der Gottesdienst ist ein Gottesdienst für alle Sinne, auch für das Auge und den Geruchssinn. Weil Gottes Wort in Jesus Christus Mensch geworden ist (Inkarnation - lat. Fleischwerdung), muss sich auch der Gottesdienst leiblich ausdrücken (inkarnatorisches Prinzip). Weihrauch ist ein Zeichen der Gegenwart Gottes: Nach katholischer Auffassung ist in der hl. Messe Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch in den äußeren Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig.

Andere Liturgien

Aus der Liturgie der evangelischen Kirchen wurde der Weihrauch verbannt, weil er mit der katholischen Lehre vom Opfercharakter der hl. Messe verbunden wurde. In neuerer Zeit wird zuweilen wieder Weihrauch in Anlehnung an Psalm 141 als Zeichen des Gebetes verwendet. In der orthodoxen Liturgie z. B. des byzantinischen Ritus und in der orientalischen Liturgie wird Weihrauch als Duft des Himmels verwendet. Nach alter orientalischer Vorstellung ist eine Gottesbegegnung mit einem Dufterlebnis verbunden. Auch die Christengemeinschaft verwendet Weihrauch.

Ursprünge

Historisch wird die Verwendung von Weihrauch im Christentum gerne auf den Kult der Israeliten zurückgeführt, in deren Tempel oft Weihrauch verbrannt wurde. Ursprünglich aus dem kanaanäischen Privaträucherkult kommend, wurde der Weihrauch im alten Israel zunächst als "Neuerung" abgelehnt. Erst später findet er Eingang im Tempel-Gottesdienst. Spätestens im nachexilischen, zweiten Tempel von Jerusalem (ab ca. 540 v. Chr.) befand sich vor dem Vorhang des Allerheiligsten der Rauchopferaltar, an dem morgens und abends ein Rauchopfer dargebracht wurde.

In den verschiedenen Epochen der ägyptischen Pharaonen wurde Weihrauch bei vielen Kulthandlungen und bei der Mumifizierung verwendet. So nannten die alten Ägypter die Harzperlen des Weihrauchs den "Schweiß der Götter". Viele andere antike Religionen und der orientalische und römischen Herrscherkult kannten den Weihrauch. Während der republikanischen Zeit ersetzte bei den Römern das Verbrennen von Weihrauch die alten, vorgeschriebenen Opfer. Bei Bitt- und Dankesgebeten ließ man die Weihrauchkörner in speziell dafür bestimmten Gefässen, acerra, im Feuer verbrennen. Kaisern und Statthaltern wurde beim Einzug in eine Stadt Weihrauch vorangetragen - als Zeichen der Huldigung, aber auch zur Verdrängung des Kloakengestanks. Die römischen Kaiser ließen sich als "Dominus et Deus" ("Herr und Gott") verehren und verlangten Rauchopfer vor ihrem Bild. Die frühen Christen lehnten diese göttliche Verehrung des Kaisers ab und mussten dafür Verfolgungen erdulden. Aus diesem Grunde war der Weihrauch in der christlichen Liturgie zunächst verpönt; die Kirchenväter sprachen sich explizit dagegen aus. Bei Beerdigungen wurde der Weihrauch allerdings auch von den frühen Christen verwendet . Erst mit zeitlichem Abstand zur Christenverfolgung und mit der Übernahme von Elementen des heidnisch-römischen Kaiserkultes in den christlichen Gottesdienst wurde der Weihrauch akzeptiert.

Ausschlaggebend war die Förderung des Christentums durch Kaiser Konstantin und in der damit einhergehenden Änderung der Organisation der Kirchenführung. Die Geistlichen, vor allem die Bischöfe, erhielten einen völlig neuen Rechtsstatus. Sie waren nun Reichsbeamte geworden und zwar in einer sehr hohen Stellung. Dazu erhielten die Bischöfe 318 von Konstantin den Auftrag, in bestimmten Zivilprozessen höchstinstanzlich Recht zu sprechen. Mit dieser Rangerhöhung ging wohl auch das Recht auf die dazugehörigen Statussymbole einher. Deshalb ist wohl auch der Brauch zu erklären, beim Einzug des Bischofs Leuchtenträger und Weihrauchfass vorauszuschicken. Das ist die Form, in der uns der Weihrauch zum ersten Mal in einer schriftlichen Quelle in der römischen Liturgie begegnet. Das Beräuchern des Altars war hingegen in Rom Mitte des neunten Jahrhunderts noch unbekannt. Die heutige Verwendung des Weihrauchs in der katholischen Kirche ist vor allem durch die gallikanische Liturgie in die römische eingedrungen. Das muss nicht heissen, dass diese spätere Entwicklung ausschließlich das Resultat karolingischer Liturgieveränderung war. Denn die gallischen Formen der westlichen Liturgie war stark von Konstantinopel beeinflusst. Die Liturgie von St. Denis z.B. bringt viele direkte Zitate aus der griechischen Liturgie, darunter finden sich auch vier Formen der Räucherung.

Auch privat war das regelmäßige Ausräuchern des Hauses mit verschiedenen aromatischen Mischungen in der Antike verbreitet. Im altägyptischen Totenkult wurde dem Weihrauch eine apotropäische (bannende) Wirkung gegen die Macht und den Geruch des Todes zugesprochen. Auch die Sumerer, Babylonier und Perser kannten den Weihrauch.

Heilkunde

Traditionelle orientalische Heilkunde

In der traditionellen orientalische Heilkunde wird die innere Anwendung von Weihrauchharzperlen (Boswellia serrata, Boswellia sacra) zur "Stärkung des Geistes und des Verstandes" empfohlen (der persische "Hakim" Avicenna). Diese in Europa bislang unbekannte Wirkung, eine Steigerung der Lern- und Gedächnisleistung, wurde in letzter Zeit in Tierversuchen und Testreihen mit Menschen an der Medical University of Isfahan (Iran) durch Prof. H. Alaei eindeutig bestätigt.

Klassische europäische Naturheilkunde

In der klassischen europäischen Naturheilkunde wurde der Weihrauch hauptsächlich zur Linderung von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. So war Weihrauch noch 1850 zur inneren und äußeren und 1870 lediglich zur äußeren Anwendung in pharmakologischen Büchern zu finden. Nach 1875 geriet der Weihrauch, wie so viele andere Erfahrungsarzneimittel, durch chemisch definierte Medikamente in Vergessenheit.

Moderne Medizin

Heute wird der pharmazeutisch auf seinen Wirkstoffgehalt hin standardisierte Weihrauch als nebenwirkungsarmes Heilmittel bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie z. B. Morbus Crohn oder Polyarthritis, aber auch der kollagenen Kolitis wiederentdeckt. Erste Studien mit hoffnungsvollen Ergebnissen wurden z. B. im Mannheimer Universitätsklinikum der Universität Heidelberg (Dr. Henning Gerhardt) durchgeführt.

Die Universität Tübingen hat Weihrauch als unterstützendes Heilmittel zur Verringerung der Gewebsschwellung bei Hirntumoren eingesetzt, welche sonst meist mit Glucokortikoiden behandelt wird und einen zusätzlichen Rückgang ödembedingter neurologischer und psychomotorischer Defizite beschrieben.

Wirksames Prinzip sind anscheinend die in Weihrauch vorhandenen Boswellia Serrata Säuren. Allerdings sollte man beachten, dass die hierzulande verkauften Weihrauchpräparate keine auf dem üblichen Wege zugelassenen Fertigarzneimittel sind, also nicht den üblichen strengen Kontrollbestimmungen unterliegen.

Anerkannte Arzneimittel

In der Bundesrepublik Deutschland sind zwei als Arzneimittel anerkannte Präparate zu erwerben, die beide apothekenpflichtig sind. Das eine ist ein Import aus der Schweiz, das andere ein Produkt aus Koblenz, BRD. Beide Präparate basieren auf boswelliasäurehaltigen Extrakten.

Weihrauch kam immer wieder in die Kritik, da es angeblich psychoaktive Stoffe enthält, die das Bewusstsein verändern können, diese Inhaltsstoffe wurden aber bisher nachweislich nicht gefunden.

Bild:Erste hilfe.png Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Siehe auch

Links

Bild:Commons-logo.svg WikiCommons: Frankincense – Bilder, Videos oder Audiodateien


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