Weide (Grünland)

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Bild:Pony 1.jpg Bild:Pferdekoppel-macherslust.jpg Bild:Rinderweide-liepe.jpg Die Weide ist landwirtschaftliches Grünland, das Vieh Nahrung in Form von krautigen Pflanzen, vornehmlich Süßgräser, bereitstellt. Im übertragenen Sinne spricht man auch von Weide, wenn Wildtiere eine Fläche beweiden, also abfressen, oder von Bienenweide und Vogelweide.

Im Gegensatz zur Wiese wird die Weide nicht zur Futterwerbung (Mahd für die Konservierung wie Heu- oder Silage-Herstellung) genutzt; ihr Aufwuchs wird von den Tieren abgefressen. Übergangsformen sind Mähweiden, deren Aufwüchse innerhalb eines Jahres sowohl zeitweise abgeweidet werden als auch zur Heu- oder Silageherstellung gemäht werden können. Die landwirtschaftliche Nutzung der Weide kann als Dauerweide, Umtriebsweide oder Portionsweide erfolgen. Einteilungen sind auch nach der Viehart möglich und sinnvoll, da sich in Abhängigkeiten der Nutzungsformen und Standortverhältnisse unterschiedliche Pflanzengesellschaften einstellen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Viehweiden

In Siedlungsresten der Steinzeit findet man heute, Käfer, Pollen und Pflanzenreste, die darauf hinweisen, dass Teile Mitteleuropas bereits vor über 7000 Jahre eine relativ dicht besiedelte Landschaft mit Äckern und Weiden war. Heinz Ellenberg beurteilte aber diese auch durch andere Quellen belegte Beweidung aber als "nicht planmäßig". Die Bewirtschaftung könnte ihm zufolge dem Wanderfeldbau ähnlich gewesen sein.

Bis in die Neuzeit wurde in Mitteleuropa im Wesentlichen die Dreifelderwirtschaft angewendet, bei der die Brachen beweidet wurden (Brachweide). Der Flurzwang des Mittelalters zielte auf eine möglichst lange Nutzung der Flächen "allgemeine Weide" (Allmende), in die auch die Äcker zwischen Ernte und Schossen des Getreides mit einbezogen wurden. Die Pflanzengemeinschaften der Ackerfluren wiesen damals einen wesentlich höherern Anteil an Gräsern auf und waren auch wesentlich artenreicher als heute.

Der Verbiss des aufgelaufenen Getreides förderte die Bestockung und die Beweidung des damals rasenähnlichen Bewuchses nach der Ernte half Unkräuter zu bekämpfen und das Vieh zu ernähren. Der Kot der Tiere düngte die Äcker vor allem beim nächtlichen Einpferchen. Erst beim Schossen (Halmbildung) des Getreides wurde das Vieh von den Äckern ferngehalten. Die Flurstücken, die "Zelge" und später "Kämpe", waren mit Dornenhölzern, Mauern und Wällen eingezäunt, aus denen die teilweise wie Niederwälder bewirtschafteten Hecken und Knicks entstanden.

Außerhalb dieser Brachzelgen der Dreifelderwirtschaft des Hochmittelalters gab es natürlich auch die Hutewälder, die im Mittelalter daraus entstanden sind, dass man das Vieh zur Mast in die Wälder getrieben hat. Die Tiere schädigten die Pflanzen nachhaltig. Schließlich spielte auch die Wanderschäferei in Gegenden mit leichten und unfruchtbaren Böden eine Rolle, wie z.B. in der Lüneburger Heide.


Weidepflege

Ohne Weidepflege sind auf Weideland Pflanzen begünstigt, die dem Vieh weniger gut schmecken, z.B. dornige oder giftige Arten; durch Weidepflege wird deren Ausbreitung verhindert. Auf gepflegten Weiden sind daher solche Pflanzen anzutreffen, die häufigen Verbiss und das Betreten durch die Tiere gut ertragen (z.B. Deutsches Weidelgras oder Weißklee).

Mechanische Pflege

  • Das Walzen ist im Frühjahr besonders auf Moorböden erforderlich. Durch den hohen Wassergehalt mooriger oder anmooriger Böden kommt es im Winter durch Frosteinwirkung zum periodischen Hochfrieren. Das Walzen dient vor allem dazu, den hochgeforenen stark humosen Bodenschichten, Rohhumus- bzw. Torfschichten wieder an untere Horizonte anzuschließen und die Wasserführung zu verbessern.
  • Das Schleppen wird im Frühjahr durchgeführt und bei Notwendigkeit im Jahresverlauf wiederholt. Beim Schleppen, wird eine schonende "Weideegge" über die Grasnarbe gezogen, die alte Pflanzenteile ausreißt, Maulwurfshaufen einebnet und und Kuhfladen sowie Kotstellen verteilt. Auf diesen Stellen wird der bewuchs unterdrückt. An Kothaufen können Geilstellen entstehen, da das Vieh bekotete Pflanzen meidet und diese Bereiche stark überdüngt sind. Wo die Grasnarbe durch maulwurfshügel oder Kotstellen bedeckt wird können auch ungewünschte Arten keimen, da ihre Samen im Gegensatz zu den gewünschten Arten durch Samen in der Diasporenbank vertreten sind, da bei Weide- oder Schnittnutzung das Gras geerntet wird, bevor es zu Blüte kommt.
  • Ausmähen: Das nachträgliche Abmähen (Aus- oder Nachmähen) von Weiden, die nur durch eine Viehart extensiv beweidet werden, nach deren Abweidung fördert eine günstige Futterpflanzenzusammensetzung. Das Vieh hat Nahrungspräferenzen und verbeißt die wertvollen Futterpflanzen, während die ungewünschten Pflanzen besonders an Geilstellen (Kothaufen) nicht beschädigt werden und sich durch diesen Vorteil ausbreiten können. Die Nahchmahd verhindert dies.


Ökologie

Durch die Beweidung von Grünflächen kommt es durch das ständig kurz gehaltene Gras zu höheren Feuchtigkeitsverlusten durch Evapotranspiration als bei Wiesen. . Wenn Pflanzen zu lange oder ohne ausreichende Erholungsphase einer Beweidung durch zu viele Tiere ausgesetzt sind, die also Aufwuchsmenge über einen längeren Zeitraum niedriger als der Futterbedarf der Tiere ist, spricht man von Überweidung. Auch eine zu geringe Beweidung kann zu einer unerwünschten Veränderung der Pflanzenzusammensetzung und damit zu erhöhten Pflegeaufwand führen.

Der Lebensraum Viehweide wurde 2004-2005 durch das Naturschutzzentrum Hessen als Biotop des Jahres ausgerufen, um auf die Gefährdung dieses Lebensraumes aufmerksam zu machen.

Literatur

  • Ellenberg, Heinz 1996: Vegetation Mitteleruropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart, 1996.
  • Küster 1992: 7000 Jahr Ackerbau in Bayern. Botanische Untersuchungen zu historischen Problemen. Naturwissenschaftliche Rundschau 45: 385 -391.
  • Schön, Stefan: Spuren im Schlamm. Sächsische Zeitung vom 15. April 2005.
  • Pott, 1992b: Entwicklung von Pflanzengesellschaften durch Ackerbau und Grünlandnutzung. Gartenbauwiss. Stuttgart, 57: 157 - 166
  • Willerding 1986: Zur Geschichte der Unkräuter Mitteleuropas. Göttinger Schriften zur Vor- und Frühgeschichte, Bd. 22, Verlag Karl Wachholz, Göttingen.
  • Willerding 1986:Aussagen von Pollenanalysen und Makrorestanalysen zur Frage der früheren Landnutzung. In Behre: Anthropogenic indiv´cators in pollen diagrams. A. A. Balkema, Rotterdam.


Siehe auch

Weidegerechtigkeit

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