Weiblichkeit
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Bild:Sunbath-1.jpg Weiblichkeit (auch seltener: Fraulichkeit) steht als Schlagwort oder Begriff immer einem anderen Begriffspol, der "Männlichkeit", gegenüber; entweder konträr (dann gibt es Zwischenformen) oder kontradiktorisch (dann schließt Eines das Andere aus: Was "nichtweiblich" ist, ist dann immer "männlich") - vgl. auch Yin und Yang.
Inhaltsverzeichnis |
Biologie
"Weiblichkeit" lässt sich biologisch als "die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht" definieren, oder über die Produktion weiblicher Gameten, welche bei Mehrzellern i.d.R. mit dem Legen von Eiern oder der Geburt von Nachwuchs einhergeht. Zoologisch vgl. "Weibchen".
Soziologie, Sozialpsychologie
Soziologisch bzw. sozialpsychologisch gesehen kommt neben dem biologischen Geschlecht ein weiterer Faktor hinzu: die Geschlechtsrollenkonformität (vgl.: Soziale Rolle). Als weiblich, fraulich oder feminin gelten die - und nur die - Frauen, die den Vorstellungen des jeweiligen soziokulturellen Umfeldes von "Weiblichkeit" entsprechen. Auf diese Weise entstehen vermeintliche Paradoxa wie das Attribut "unweibliche Frau". Da es für manche Menschen schwer ist, zu verstehen, daß sich Menschen nicht in dieses binäre Raster einteilen lassen, werden Erklärungen für nicht-konforme Frauen (und Männer) in der Biologie gesucht. Ein Beispiel für diese Unzulänglichkeit mit Menschen, die ihrer zugeschriebenen Rollen nicht entsprechen, umzugehen und erfolgreiche Frauen zu diffamieren, ist die Konstruktion der sogenannten Virago.
Darüber hinaus ist "Weiblichkeit" jedoch auch die Projektion eines Bündels von Normen, die von der Gesellschaft oder Gruppen einer Gesellschaft für Mädchen und Frauen gesetzt werden. Wie andere Normen kann man sie für sich zum Beispiel auch anders definieren, sich mit ihnen sogar vollkommen identifizieren oder sie ganz ablehnen.
Diese Normen bezüglich der Weiblichkeit betreffen Aussehen, Verhalten, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Rechte und Funktionen in der Gesellschaft usw. und leiten sich aus den Geschlechtermodellen, Frauenbild usw. ab.
"Weiblichkeit" unterliegt dem sozialen Wandel - so wie auch die Vorstellungen von Männlichkeit einem Wandel unterliegen (vgl. Zeitgeist).
Der Soziologe Ferdinand Tönnies (der übrigens die Frauenbewegung begrüßt hat) hielt in "Gemeinschaft und Gesellschaft" 1887 die Beobachtung fest, dass gerade zu seiner Zeit, aber auch sonst in vielen Kulturen das "Weibliche" der Gemeinschaft, das "Männliche" der Gesellschaft zugeordnet wird. Die frühe deutsche Soziologie umging dann dies umstrittene Thema lieber, ungeachtet subtiler Beiträge z.B. von Georg Simmel.
Soziale Muster von "Weiblichkeit" im westlichen Kulturraum
Folgende Charakteristika gelten im Kulturraum Mitteleuropas als "besonders weiblich":
- Konformität mit dem jeweils (oft nur teilweise) geltenden Schönheitsideal:
- Aussehen: Tadelloser Teint, tadellose Nägel; gepflegte Magerkeit, jedoch Figurbetonung (vgl. Diät): prominenter Busen (vgl. Brustvergrößerung), schmale Taille (bis hin zur "Wespentaille"), eher üppiger Po; kleine Füße; Langhaarigkeit bei sonst sparsamer Körperbehaarung (vgl. dazu Locken, Dauerwelle, Zopf, Haarmensch); - siehe auch: Lifting,Schönheitschirurgie, Sexbombe;
- Kleidung: Kleid (aber auch: Schürze, Bikinis, Korsagen); schmale, ggf. spitz zulaufende Schuhe; bei Säuglingen lange noch Rosa als Farbe (die gegenüber dem Hellblau für männliche Babys jedoch bis ins Erwachsenenalter als angemessen gilt) u.a.m.
- Konformität mit dem gesellschaftlich erwarteten Geschlechtsrollenverhalten:
- Verhalten: Freundlichkeit (auch: Mitleid); Fügsamkeit; Heiterkeit (bereitwilliges Lächeln in der Konversation); "soziale" eher als "technische" Fähigkeiten, Handfertigkeit und feinmechanisches Geschick (gegenüber 'männlicher' Kraft und grobmechanischer Patentheit); Spontanität (gegenüber 'männlichem' Organisationsgeschick); Zaghaftigkeit (gegenüber 'männlichem' Mut); zurückhaltende, wenig ausladende Bewegungen, gesenkter Blick.
- Gesellschaftliche Stellung: Tendenzielle Unterordnung gegenüber "männlichen" Autoritäten - merklich in der Politik (s.u.); erschwerter Zugang zu vielen Berufen (vgl. hier auch: Hausfrau und "Häuslichkeit").
Dem gegenüber tritt, im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturen, seit dem 20. Jahrhunderts "Fruchtbarkeit" zurück, obwohl die Diskussionen um mehr Kinder (vor allem der eigen Nation) immer wieder auftauchen (d.h. Kinderreichtum - vgl. Fertilität, Fruchtbarkeitssymbole, Venus von Willendorf).
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Weiblichkeit im Islam
Das Frauenbild in so genannten islamischen Ländern kann eher unter Patriarchat abgebucht werden. Der Koran erkennt die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau (Fürwahr, eure Aufgabe ist in der Tat verschieden., Sure 92:4), betont aber gleichzeitig deren Gleichwertigkeit (Ich lasse das Werk des Wirkenden unter euch, ob Mann oder Weib, nicht verloren gehen. Sure 3:190) Den Frauen werden explizit Rechte zuerkannt (Und wie die Frauen Pflichten haben, so haben sie auch Rechte. Sure 2:228) die es nach einem Hadith auch zu verteidigen gilt. Weiter verlangt der Islam von jedem Muslim, ob Frau ob Mann, sich Wissen anzueignen, woraus sich das Recht auf Bildung ergibt.
Zu der Unterschiedlichkeit gehört es, dass es Aufgabe der Frau ist, Nachwuchs zu gebären, während der Mann als sozusagen ausgleichende Pflicht eher für den Unterhalt zuständig ist. Die Idee des Geschlechterkampfes ist dem Islam fremd. Die Vorstellung ist, dass Mann und Frau einander komplementär zu einer Einheit ergänzen (vgl. Yin und Yang). Das Rollenmodell ist partnerschaftlich (Sie sind euch ein Gewand, und ihr seid ihnen ein Gewand. Sure 2:187, Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Beschützer., Sure 9:70). Der Umgangston ist die Zärtlichkeit (Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er Gattinnen für euch schuf aus euch selber, auf dass ihr Frieden in ihnen fändet, und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt., Sure 30:21); ein Hadith ermahnt die Männer im Umgang mit Frauen, dass sie (zerbrechlich wie) aus Glas seien, dh. entsprechend vorsichtig zu behandeln wären. In einem anderen Hadith wird der Prophet Muhammad zitiert Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt, und ich bin ein Vorbild in der Behandlung meiner Familie. In der Sexualität hat der Mann seine Frau ebenso vorsorglich und pfleglich wie ein Landwirt seinen Acker zu behandeln (Sure 2:223).
Der Mann ist als Hausvorstand verantwortlich für die Familie und ist in dieser Rolle ausgezeichnet (Sure 4:34), quasi als primus inter pares. Ein hierarchisches Ehemodell ist dem Koran fremd, was sich aber nicht immer in der Lebenswirklichkeit von Muslimen wiederfinden lässt. Das allgemeine islamische Prinzip muss auch in der Ehe zur Geltung kommen: Ergebenheit in Allahs Willen, Gebet und gegenseitige Beratung (Sure 42:38).
Die wesentliche Kritik des islamischen Feminismus am westlichen ist die Postulierung einer Gleichheit zwischen Mann und Frau, die es so gar nicht gäbe, und die in der Praxis nur dazu führe, dass Frauen an männlichen Maßstäben gemessen werden (z.B. Erfolg im Beruf und Karriere).
Siehe auch
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