Weißdorn

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Weißdorn
Bild:Illustration Crataegus laevigata0.jpg
Systematik
Abteilung: Blütenpflanzen (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Gattung: Weißdorn
Wissenschaftlicher Name
Crataegus
L.

Weißdorn (lat. Crataegus, von griech. kratos, hart) ist eine Gattung der Rosengewächse, die mit rund 200 Arten weltweit vertreten ist. Andere Namen sind Hagedorn, Heckendorn, Weißheckdorn, Zaundorn, Mehldorn, Mehlbeerbaum, Christdorn. Englisch: Hawthorn.

In Mitteleuropa sind der Eingrifflige Weißdorn (Crataegus monogyna), der Zweigrifflige Weißdorn (Crataegus oxyacantha) und der Großkelch-Weißdorn (Crataegus curvisepala) heimisch. Die verschiedenen Arten bastardisieren leicht.

Beschreibung

Weißdorn benötigt viel Sonnenlicht und kommt in Hecken, Gebüschen und Laubwäldern vor. Die Sträucher können mehrere Meter hoch und bis zu 500 Jahre alt werden. Sie blühen im Mai und im Juni meist weiß, seltener rot und riechen auffällig. Die Früchte sind meist rot. Die Zweige sind oft stark verzweigt und besitzen Dornen. Das Holz ist besonders hart.

Früher wurde der Eingrifflige Weißdorn auch als Veredelungsunterlage für Birnen verwendet, da er aber Feuerbrand anfällig ist, ist man inzwischen davon abgekommen.

Naturheilkunde

Die Blüten und die Blätter des Eingriffligen und des Zweigriffligen Weißdorns werden in der Pflanzenheilkunde verwendet. Inhaltsstoffe sind hier das Glykosid Vitexin, Vitexin-rhamnosid und die Flavonolglykoside Hyperosid, Rutin und Spiraeosid.

Weißdorn steigert einerseits die Kontraktionskraft des Herzens, andererseits erweitert er die Gefäße, insbesondere Herzkranzgefäße und verbessert so die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Man spricht hier von einem positiv inotropen Effekt. Die meisten Herzerkrankungen sind auf einen Sauerstoff-Mangel des Herzmuskels zurückzuführen. Insbesondere Angina pectoris und der Herzinfarkt gelten als Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Die Wirkung ist also einerseits mit Digitalis, andererseits mit einem ACE-Hemmer vergleichbar, allerdings über völlig andere Wirkmechanismen und bei anscheinend viel besserer Verträglichkeit, da die unerwünschten Wirkungen der Herzglykoside entfallen. Mögliche Indikationen sind die Herzinsuffizienz, ein zu hoher oder aber auch ein zu niedriger Blutdruck. Er findet aber auch breitere Anwendung, z.B. bei Nervosität.

Weißdorn kann auch vorbeugend beliebig lange eingenommen werden, selbst bei Überdosierung sind keine Nebenwirkungen bekannt. Die Verträglichkeit während der Schwangerschaft ist nicht genau untersucht.

Die Wirkung beruht hauptsächlich auf Procyanidinen (OPC). Weitere Inhaltsstoffe sind Vitexin, Vitexin-2-rhamnosid und Acetylvitexin-2-rhamnosid. Hyperosid, Rutin und Spiraeosid gehören zu den Flavonoiden. Die Wirkung tritt im Vergleich zu anderen herzwirksamen Substanzen verzögert ein. Zur Herstellung werden die Enden der Zweige mit den Blüten und Blättern abgeschnitten und getrocknet, um daraus Fertigpräparate oder Tee herzustellen.

In der Homöopathie findet Weißdorn als sog. Crataegus-Komplex Anwendung.

Geschichte

Vom Weißdorn sind vielerlei mystische und rituelle Bedeutungen aus unterschiedlichen Epochen überliefert. Die verschiedenen Namen resultieren aus seiner Verwendung als Heckenpflanze zur Abgrenzung von Grundstücken und aus seiner Kraft, böse Geister abzuwehren oder vor Verhexung zu schützen.

Als Heilmittel wird er in unserem Kulturraum erstmals im 1. Jahrhundert nach Christus von Dioskurides erwähnt. Die Verwendung von Heilkräutern wie beispielsweise Weißdorn ist aber auch Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Auch von Indianerstämmen in Amerika ist bekannt, daß sie Weißdorn verwendeten.

Der Neuntöter ist ein Vogel und hat seinen Namen daher, daß er Insekten an den Dornen als Vorrat aufspießt um sie später aufzubrauchen.

Bertolt Brecht dichtete in der Dreigroschenoper (3. Akt, 'Lied aus der Gruft'):

Nun hört die Stimme die um Mitleid ruft
Macheath liegt hier nicht unter'm Hagedorn
nicht unter Buchen nein in einer Gruft
hierher verschlug ihn des Geschickes Zorn

Auch in Marcel Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit" spielt der Weissdorn und seine Blüte eine bedeutende Rolle.


Bild:Erste hilfe.png Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!


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