Warenfetischismus

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Der Warenfetischismus bezeichnet bei Karl Marx in seiner Schrift Das Kapital die Versachlichung der gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus. Der gesellschaftliche Charakter der Warenproduktion wird, weil er als durchgängige Warenproduktion auf die Menschen wirkt, nicht erkannt. Dergestalt entwickeln sich die Beziehungen der Menschen in der Warenproduktion nicht als Beziehungen zwischen Menschen, sondern als Verhältnis zwischen Sachen und Dingen.

Inhaltsverzeichnis

Der Warenfetischismus als Teil der Marxschen Wert- und Geldtheorie

Die Theorie des Warenfetischismus ist ein unabdingbarer Bestandteil der Marxschen Wert- und Geldtheorie. Aus der Tatsache, dass der Wert der Ware nur im Austauschverhältnis von Waren, d.h. von Dingen, erscheinen kann, folgt bei Marx notwendig die Fetischisierung der Produktionsverhältnisse als Verdinglichung, als die Herrschaft der Sachen über die Personen. Dabei ist zwischen objektiven und subjektiven Formen des Warenfetischismus zu unterscheiden.

Zur objektiven Form des Warenfetischismus

Die offensichtliche objektive Form des Warenfetischismus ist die der privaten Warenproduktion zugehörige Herrschaft der Dinge über die Menschen. Die privaten Warenproduzenten treten nicht unmittelbar, sondern nur vermittels der Dinge, der Waren, in gesellschaftlichen Kontakt zueinander. Die Dinge selbst treten ihrerseits im Austauschprozess in ein gesellschaftiches Verhältnis. Die gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen den Menschen stellen sich somit als Verhältnisse zwischen Dingen dar. Das primär ökonomische Schicksal der privaten Warenproduzenten hängt ab vom Verhalten der von ihnen selbst produzierten Dinge, der Waren, auf dem Markt ab. Kann er seine prognostizierten Warenpreise realisieren, so erhält er den erwarteten Ertrag. Fallen dagegen die Warenpreise oder der Absatz stagniert über unerwartet lange Dauer, so wird er durch die eigenen Waren letztlich ruiniert.

Von der "Personifizierung der Sachen" zur "Versachlichung der Personen"

Die Bewegung der Waren auf dem Markt beherrscht als objektive Gewalt die Menschen, schreibt ihnen vor, was sie zu tun und zu unterlassen haben. Nicht die Menschen kommandieren die Arbeitsprodukte, sondern die Arbeitsprodukte als Waren ordnen sich ihre Schöpfer unter. Damit vollzieht sich eine eigentümliche Verdoppelung der gesellschaftlichen Verhältnisse, in der die Sachen sich in gleichsam selbständig handelnde Pesonen verwandeln und bestimmte gesellschaftliche Funktionen ausführen. Diesen Vorgang nennt Marx "Personifizierung der Sachen". Ihre Kehrseite ist die "Versachlichung der Personen". Die Menschen werden gleichsam zu Anhängseln von Sachen, verwandeln sich in ausführende Organe des scheinbaren Willens der Sachen. Wird die Sache in der privaten Warenproduktion zur selbständig agierenden Person, die eine bestimmte gesellschaftliche Gewalt ausübt, so wird diese Gewalt auch zur Gewalt ihres Besitzers.

Zum Tatbestand "Herrschaft der Dinge über die Menschen"

Welchen Platz die Menschen in der Gesellschaft einnehmen, das hängt von den Sachen ab, über die sie verfügen. Der Kapitaleigentümer gilt mehr als der bloße Eigentümer einer akkumulierten Geldmenge, und dieser Geldeigentümer wieder mehr als der Wareneigentümer. Personifizierung der Sachen und Versachlichung der Personen sind der Ausdruck ein und desselben Tatbestandes - der Herrschaft der Dinge über die Menschen.

Zu den gesellschaftlichen Eigenschaften der Sachen

Dieser Fetischcharakter der Waren entspringt nach Marx dem eigentümlichen gesellschaftlichen Charakter der warenproduzierenden Arbeit. Die Herrschaft der Dinge über die Menschen als objektiven Vorgang spiegelt sich im Bewußtsein der privaten Warenproduzenten in verschiedenen subjektiven Formen des Warenfetischismus wider. Die einfachste dieser Formen besteht darin, dass den Dingen besondere, übernatürliche Eigenschaften angedacht werden. Die Dinge werden dann quasi vergöttlicht, weil das Schicksal des Privatproduzenten vom Schicksal seiner Waren auf dem Markte abhängt. Die Mehrzahl der Ökonomen behauptet, dass die gesellschaftlichen Eigenschaften, die die Ware charakterisieren, den Sachen von Natur aus innewohnen und daher ewigen Charakter besitzen. Die gesellschaftlichen Eigenschaften der Sachen werden aus ihren natürlichen Eigenschaften abgeleitet: Gold sei von Natur aus Geld, die Produktionsmittel hätten die natürliche Eigenschaft Gewinne und Profite abzuwerfen u.a. Dies ist die Hauptform des subjektiven Warenfetischismus, der den natürlichen Eigenschaften der Dinge zuschreibt, was in Wirklichkeit Ausdruck historisch bestimmter gesellschaftlicher, ökonomischer Verhältnisse sei.

Zum Kapital als höchste Form des Warenfetischismus

Im Kapital als der abstrakten Form des Geldes erfährt der Warenfetischismus seine höchste Steigerung. Das Geld dringt im Kapitalismus in alle gesellschaftlichen und privaten Sphären des Menschen ein:

"Das Geld, indem es die Eigenschaft besitzt, alles zu kaufen, indem es die Eigenschaft be-
sitzt, alle Gegenstände sich anzueignen, ist also der Gegenstand im eminenten Sinn. Die
Universalität seiner Eigenschaft ist die Allmacht seines Wesens; es gilt daher als allmäch-
tiges Wesen...
Jeder Mensch spekukliert darauf, dem anderen ein Bedürfnis zu schaffen, um ihn zu einem
neuen Opfer zu zwingen, um ihn in eine neue Abhängigkeit zu versetzen und ihn zu einer
neuen Weise des Genusses und damit des ökonomischen Ruins zu verleiten. Jeder versucht
eine fremde Wesenskraft über den anderen zu schaffen, um darin die Befriedigung seines
eigenen eigennützigen Bedürfnisses zu finden. Mit der Masse der Gegenstände wächst daher
das Reich der fremden Wesen, denen der Mensch unterjocht ist, und jedes neue Produkt ist
eine neue Potenz des wechselseitigen Betrugs und der wechselseitigen Ausplünderung.
Der Mensch wird um so ärmer als Mensch, er bedarf um so mehr des Geldes, um sich des
feindlichen Wesens zu bemächtigen, und die Macht seines Geldes fällt gerade im umgekehr-
ten Verhältnis als die Masse der Produktion, d.h., seine Bedürftigkeit wächst, wie die Macht
des Geldes zunimmt"(in: Karl Marx, Das Kapital)


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