Wandmalerei
aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank
Wandmalerei ist eine Form der Malkunst, bei der das Bild nicht auf eine Holztafel oder Leinwand aufgetragen wird (Tafelmalerei), sondern direkt auf eine Wand. Dieselben Techniken wie bei der Wandmalerei kommen auch bei der Deckenmalerei zum Einsatz.
Die Farben werden bei der Wandmalerei entweder auf den noch feuchten Putz der Wand aufgetragen (Freskomalerei) oder oder auf den bereits trockenen Putz (Seccomalerei). Es ist ebenfalls möglich, das Gemälde erst auf einer Leinwand oder einer Tafel vorzufertigen und dann in die Wand einzulassen, was allerdings nicht als klassische Wandmalerei gilt.
Entweder versucht der Künstler dabei, das charakteristisch Flächige der Wand zu wahren (strenge Wandmalerei) oder den Eindruck von Dreidimensionalität zu erzeugen (illusionistische Wandmalerei).
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Die frühsten Zeugnisse von Wandmalerei sind die Höhlenmalereien.
Zahlreiche Wandmalereien finden sich in Gräbern und Bauwerken der Alten Ägypter und Etrusker. Besonders in Ägypten haben sich viele Aspekte des Alltagslebens in den Wandmalereien der Gräber erhalten. Darstellungen von Gärten und Gartenarbeit etwa waren ebenso Grabbeigabe wie die tatsächlichen dem Grab beigegebenen oder an den Wänden dargestellten Speisen. Sie sollten das Überleben im Jenseits garantieren, als Statussymbol den Wohlstand des verstorbenen repräsentieren und letztlich waren Gartendarstellungen religiöse Symbole für die Wiedergeburt des Toten. Oftmals hatten diese Wandmalereien religiöse und zeremonielle Bedeutung und ersetzten auch teilweise die Schrift (besonders für die Leseunkundigen).
Römisch-pompejanische Wandmalerei
Eine besondere Verbreitung, die sie nie wieder in der Geschichte der Menschheit haben sollte, fand die Wandmalerei im römischen Reich. Fast jedes Haus von Leuten eines gewissen Standes sind ausgemalt worden. Diese Entwicklung begann schon bei den Griechen, erlebte aber ihren Höhepunkt im ersten nachchristlichen Jahrhundert, wo selbst in den abgelegensten Provinzen Häuser ausgemalt waren. Die Entwicklung der römischen Wandmalerei wird in verschiedene Stile (1.-4. Stil) unterteilt. Durch den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 haben sich viele Wandmalereien in Pompeji und Herculaneum erhalten. Im dritten nachchristlichen Jahrhundert erlebt diese Form der Wandmalerei einen Niedergang um später ganz zu verschwinden. In der Folgezeit finden sich Wandmalereien fast nur noch im religiösen Bereich. Im alten Rom und Byzanz wurde die Wandmalerei oftmals durch das Mosaik ersetzt und /oder ergänzt.
Bild:Giotto - Legend of St Francis - -01- - Homage of a Simple Man.jpg Mittelalter
In romanischer Zeit erlebte die Wandmalerei durch die Christianisierung einen großen Aufschwung, denn die Kirchen wurden für die Leseunkundigen mit biblischen Darstellungen geschmückt, um sie mit dem Evangelium bekannt zu machen.
In der Gotik wurde neben der Wandmalerei die Innenraumausschmückung durch Glasmalerei bei sakralen Gebäuden immer wichtiger. Italien blieb aber weiterhin ein Zentrum der Wandmalerei, die in der Renaissance dann einen erneuten Aufschwung erlebte, während nördlich der Alpen schon die Tafelmalerei vorherrschte.
Die Wandmalerei war damit, besonders als Vorläufer der Tafelmalerei, einer der bedeutendsten Schritte in der kulturellen Entwicklung hin zu unserer modernen visuellen Wahrnehmung.
Eines der bekanntesten Beispiele für Wandmalerei ist Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci. Es war für den Speiseraum eines Klosters gedacht. Als Höhepunkt der Malerei in Freskotechnik wird die Wand- und Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle durch Michelangelo gesehen.
Im Barock nahm die Bedeutung der Wandmalerei abermals zu - nun in der Spezialform der Deckenmalerei. Besonders virtuos wurde hier die Darstellung des Himmels, mit der viele Barockkirchen an der Decke ausgestattet wurden. Bereits in der Renaissance gab es einzelne Beispiele für eine "Öffnung" der Decke als Blick in den Himmel, so vor allem die Kuppelfresken von Correggio in Parma.
Im römischen Barock wurde die Deckenmalerei schließlich zu einem wesentlichen Mittel gegenreformatorischer Kirchenausstattungen. Zu Vorbildern wurden die Fresken in den Kirchen Il Gesù von Giovanni Battista Gaulli und in Sant' Ignazio von Andrea Pozzo. Die Wand- und Deckenmalerei des Barock und Rokoko versuchte, den Betrachter ganz in den Bann der Religion oder der absolutistischen Macht zu ziehen.
Eine besondere lokale Form der Wandmalerei ist die Lüftlmalerei in den Ortschaften der Alpentäler. Einige der berühmtesten Malereien, die im 18. und Anfang des 19.Jahrhunderts geschaffen wurden, befinden sich in Mittenwald, Garmisch sowie in Unter- und Oberammergau.
Moderne Bild:150804 graffiti-lappersdorf 1-480x640.jpg Besonders im Sozialistischen Realismus wurde die Wandmalerei auch in der Moderne für Propaganda genutzt. Auf großer Fläche, etwa in Betriebskantinen oder auf öffentlichen Plätzen, wurden plakative politische Aussagen dargestellt. Politische Botschaften kontroversen Inhalts werden aber in vielen Ländern auch von anonymen Künstlern auf öffentliche oder private Wände gemalt.
Eine moderne Form der Wandmalerei ist das Graffiti. Großflächige Graffiti heißen auch Murals.
Liste wichtiger Wandmaler
Literatur
- Kurt Wehlte, Wandmalerei, Berlin 1938
- Kurt Wehlte, Werkstoffe und Techniken der Malerei, Stuttgart/Ravensburg 1967
Weblinks
| Bild:Commons-logo.svg | WikiCommons: Wandmalerei – Bilder, Videos oder Audiodateien |
- Bildergalerie
- Mural Conservancy of Los Angeles (englisch)
- Political Murals in Ireland Bildergalerie und erläuternde Texte (englisch)
- How to prepare a mural wall and protect the mural (englisch)



