Walpurgisnachtstraum
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Entstehung
Der Walpurgisnachtstraum entstand vor Faust I und ist als Fortsetzung der Xenien aufzufassen.
Johann Wolfgang von Goethes erste Idee bei der Verfassung war es den Walpurgisnachtstraum als kurzes Intermezzo in den Faust I einzufügen. Von dieser Idee kam er dann zeitweise ab und wollte ihn in Friedrich von Schillers Musen-Almanach veröffentlichen, dieser jedoch lehnte ab und so erschien der Walpurgisnachtstraum dann doch in Faust I.
Anmerkung: Obwohl Johann Wolfgang von Goethe den Walpurgisnachtstraum ursprünglich für Faust I geplant hatte, so fügt er sich doch nicht vollständig homogen in das restliche Werk ein, sondern bildet einen einzelnen Abschnitt innerhalb des Werkes (sozusagen ein "Spiel im Spiel").
Form
Einfache vierzeilige Strophen, je nach Sprecher mehr oder weniger flüssig.
Funktion
- Eine ironische Paraphrase des "Sommernachtstraums" von Shakespeare (Figuren Titania, Oberon und Puck sind Figuren aus dem Sommernachtstraum).
- Der Leser ist gespannt auf den Fortgang des Werkes (kurz nach dem Walpurgisnachtstraum zwingt Faust Mephisto Gretchen zur Hilfe zu kommen ("Trüber Tag – Feld", S.138,Z.26ff.)) somit hat der Walpurgisnachtstraum hier die Funktion eines Retardierenden Moments
- "Abrechnung" mit einigen Zeitgenossen Goethes, die er sich im Walpurgisnachtstraum verspottet.
Der Traum ist also eine anspielungsreiche Satire auf Faust/Gretchen = Oberon/Titania, die Faustdichtung, Goethe/nord. Dichter, philosophische, literarische und politische Probleme und Personen.
Aufbau
- Vorspiel
- Vier Hauptteile
- Erster und zweiter Teil - Verspottung von Literaten.
- Dritter Teil - Verspottung von Philosophen.
- Vierter Teil - Verspottung von Politikern.
Beispiele
- Der Idealist ist Johann Gottlieb Fichte.
- Der Supernaturalist ist Friedrich Heinrich Jacobi.
- Der Orthodoxe ist der Graf Friedrich von Stolberg.
- Der neugierige Reisende ist Friedrich Nicolai, der als übereifriger Aufklärer überall den Katholizismus argwöhnte.
- Hinter dem Kranich verbirgt sich Johann Caspar Lavater, wie Goethe vor Johann Peter Eckermann ausdrücklich bestätigte; er belog sich und andere.
- Im Weltkind sieht sich Goethe selbst.
- Hennings setzte in einem Artikel "Der Musaget. Ein Begleiter des Genius der Zeit" die Dichtungen Goethes herab.
- Hinter der Windfahne versteckt sich der Journalist Johann Friedrich Reichardt.
- Hinter Servibilis verbirgt sich Böttiger, ein Dilettant des Theaterwesens.
- Politische Satire steckt in dem Wort Sanssouci; es sind die Sorglosen aus der Zeit der Französischen Revolution, ein Hieb gegen Napoleon, der sich schon als Alleinherrscher aufspielt.
- Mit Massive sind die revolutionären Massen gemeint.
- Das Hochzeitsfest wurde zugleich als Feier von Goethes und Schillers Freundschaftsbund verstanden.



