Vorschule

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Vorschulerziehung meint die Erziehung vor dem Schuleintritt, z. B. im Kindergarten und gesonderten Vorschuleinrichtungen (Schulsystem), die schulische Leistungen vorbereiten und besonders die Benachteiligung von Kindern aufgrund ihrer sozialen Herkunft abbauen soll. Die Vorschulerziehung wird in den deutschsprachigen Staaten sehr unterschiedlich gehandhabt.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Vorschule

Eine typische Vorschule - zwischen Kindergarten und Grundschule - gibt es hier kaum noch. Schulkindergärten oder Vorschulklassen werden, wo sie noch bestehen, abgebaut und dem Kindergartenbereich zugeordnet. Eine solche (auf das letzte Jahr vor der Einschulung konzentrierte) Vorbereitung auf die Schule wurde als spät einsetzend und zu kurz greifend kritisiert. In der Bildungsdebatte der 70er Jahre in der BRD stand die Frage der Zuordnung der 5-jährigen Kinder schon einmal auf der Tagesordnung und wurde bereits damals zugunsten des Kindergartens entschieden. In der DDR war dies immer unumstritten. Die im Zuge der Pisa-Studien kritisierten Defizite der frühen Bildung richten sich nicht auf das Fehlen einer Vorschule, sondern auf die zu wenig systematische und ungenügend neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen folgende frühe Bildung in der Kindertagesbetreuung.

Kindergarten

In Kindergärten, die die Kinder ab dem dritten Lebensjahr besuchen, gibt es im Gegensatz zur Schulen keinen allgemeinverbindlichen Lehrplan. Art. 7 Grundgesetz billigt zwar der Schule einen (gegenüber dem Elternwillen) eigenständigen Bildungsauftrag zu, nicht aber den Einrichtungen der Kindertagesbetreuung. Die inhaltliche Gestaltungshoheit, auch die Festsetzung von Bildungszielen, liegt beim Träger der Einrichtung. Seit 2004 gibt es (auch in Folge der PISA-Diskussion) eine verstärkte Diskussion über die frühe Bildung. Inzwischen haben fast alle Bundesländer Bildungspläne, die zumeist über Vereinbarungen mit den Trägern eine gewisse Verbindlichkeit erlangen sollen. Ein Auslöser einer breiten und auch in der Presse geführten Diskussion war das Buch von Donata Elschenbroich "Weltwissen der Siebenjährigen". Bei aller Kritik an den Defiziten der Kindergartenpädagogik bescheinigt sie dem Kindergarten für die Bildung in den frühen Jahren ein ideales Bildungsmilieu und kommt zu dem Ergebnis "Die Zukunft lernt im Kindergarten."

Schule

In Grundschulförderklassen (in Baden-Württemberg) werden Kinder aufgenommen, die bei Erreichen des Alters für die allgemeine Schulpflicht noch nicht die erforderliche Schulreife haben. In den Förderklassen erwerben die Kinder in kleinen Klassen neben den sozialen Kompetenzen auch fehlende sprachliche, graphomotorische und kognitive Fähigkeiten. Ziel der Grundschulförderklassen ist es, eine Einschulung in einer Grundschule zum Beginn des nächsten Schuljahres zu ermöglichen.

Im Schulversuch (in Hessen) wurde in den 1970er Jahren die Grundschulzeit um ein Jahr verlängert. Die Kinder wurden auf Wunsch der Eltern bereits ein Jahr vor Erreichen der Schulpflicht in die Schule aufgenommen. Im Rahmen des Schulversuchs sollten die Kinder spielerisch in den Schulalltag und an das Lernen herangeführt werden. Wegen der vorzeitigen Einschulung wurde der Schulversuch umgangssprachlich auch Vorschule genannt.

In Berlin wurde im Rahmen einer Schulreform die Vorschule zum letzten Mal im Schuljahr 2004/2005 durchgeführt. Gleichzeitig wurde das Einschulungsalter der Kinder um ein halbes Jahr vorverlegt. Dies hat zur Folge, dass 2005 anderthalb Jahrgänge eingeschult werden. Die vorschulische Erziehung soll zukünftig dann in den Kindergärten umgesetzt werden. Danach sollen die Kinder dann in einer "flexiblen Eingangsphase", die zwischen 1 und 3 Jahren dauern kann, kommen. Nach der Eingangsphase kommen die Kinder dann in die 3. Klasse. Mit diesem Kozept soll erreicht werden, dass die Kinder in der 3. Klasse in etwa den gleichen Leistungsstand haben.

Kaiserreich / Grundgesetz

Im deutschen Kaiserreich (bis 1918) bezeichnete das Wort "Vorschule" eine Schulform, die von der 1. bis zur 3. Klasse reichte. Sie konnte anstelle der Grundschule besucht werden, war ein Jahr kürzer und bereitete aufs Gymnasium vor. Ihr Besuch kostete erhebliche Gebühren, so dass ihr Besuch den wohlhabenderen Bevölkerungsschichten vorbehalten war. Dadurch hatten die Kinder aus diesen Schichten einen Vorteil in der weiteren höheren Bildung (Gymmnasium, Universität). In der Weimarer Republik wurden die Vorschulen deshalb abgeschafft.

Noch heute findet sich im Grundgesetz der Satz "Vorschulen bleiben abgeschafft", der aus der Weimarer Reichsverfassung übernommen wurde. Dieser ist heute nur noch als kurios zu bezeichnen, da sich die Bedeutung des Wortes längst gewandelt hat. Die im Grundgesetz gemeinten Schulen sollen die Grundschule ersetzen, die im heutigen Sprachgebrauch gemeinten sollen jedoch darauf vorbereiten.

Finnland

Finnland hat, wie die Pisa Studie zeigt, eines der erfolgreichsten Bildungssysteme weltweit. Im Vergleich scheint das finnische Bildungssystem dem Deutschen deutlich überlegen zu sein. Bereits in den frühen Jahren wird in Finnland die Bildung der Kinder als förderungs- und unterstützenswürdig angesehen, ohne dass schulische Bildungsformen auf den vorschulischen Bereich übertragen werden. Die Kinder werden relativ spät eingeschult (7 Jahre). Statt einer frühen Einschulung wird auf die Qualifikation der Fachkräfte im Vorschulbereich, die Personalausstattung, einer wissenschaftliche Begleitung und Unterstützung besonderen Wert gelegt.

Siehe auch

Weblinks

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