Victor Klemperer
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Victor Klemperer (* 9. Oktober 1881 in Landsberg an der Warthe; † 11. Februar 1960 in Dresden) war ein deutscher Schriftsteller und Literaturwissenschaftler.
Klemperer, Vetter des Dirigenten und Komponisten Otto Klemperer, wurde als achtes Kind eines Rabbiners geboren. Das Gymnasium verließ er zunächst ohne Abschluss um auf Drängen seiner Eltern eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. 1902 holte er das Abitur nach und studierte dann Philosophie, Romanistik und Germanistik in München, Genf, Paris und Berlin. Von 1905-1912 lebte er als freier Publizist in Berlin. 1912 konvertierte er zum Protestantismus. Die Promotion erlangte er 1912, 1914 dann die Habilitation. 1914–1915 arbeitete Klemperer als Lektor an der Universität Neapel und meldete sich anschließend als Kriegsfreiwilliger. Zuerst war er als Artillerist an der Front eingesetzt, später bei der Militärzensur als Buchprüfer in Kowno und Leipzig tätig. 1920 wurde er als Professor für Romanistik an die Technische Hochschule Dresden berufen.
1935 wurde Klemperer auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entpflichtet und aus seiner Professur an der TH Dresden entlassen. Er konzentrierte sich daraufhin auf die im Juli 1933 begonnene Arbeit zur „Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert“, die in zwei Bänden 1954 und 1960 erschien. Als dann Juden auch der Zugang zu Bibliotheken und das Abonnieren von Zeitungen und Zeitschrift verboten wurde, waren ihm die Hände gebunden und er musste diese wissenschaftliche Arbeit endgültig einstellen. Um so intensiver widmete er sich darum seinen Tagebüchern und begann 1938 die Arbeit an seiner Vita. Während der Kriegsjahre legte er mit seinen Tagebuchaufzeichnungen die Grundlage für seine geplante Abhandlung zur Sprache des Drittes Reiches, der LTI. Diese Tagebuchnotizen führte Klemperer als lose Blattsammlung, die er in regelmäßigen Abständen durch seine Frau Eva bei einer Freundin verstecken ließ, da eine Entdeckung durch die Gestapo bei den permanent drohenden Haussuchungen fatale Folgen gehabt hätte. Die Tagebücher der Jahre 1933 bis 1945 gelten heute als wichtiges Dokument der Zeitgeschichte und sind Standardwerke für den Geschichts- und Deutschunterricht.
Nachdem er 1940 aus seinem erst 1934 bezogenen Haus in Dresden-Dölzschen vertrieben wurde, lebten er und seine Frau Eva in verschiedenen Judenhäusern in Dresden. Während der Luftangriffe in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurde das Paar kurz getrennt und entschloss sich das in der Stadt herrschende Chaos zu nutzen um der drohenden Deportation zu entgehen. Damit begann eine zermürbende Flucht durch die letzten Kriegsmonate.
Nach dem Krieg kehrten die Klemperers im Juni 1945 aus Bayern nach Dresden und schließlich in ihr Haus in Dölzschen zurück. Monate zwischen den Zeiten, welche für Klemperer weitere Unsicherheiten bezüglich seiner beruflichen Zukunft beinhalteten, nutzte er zur Niederschrift seines Buches LTI, der lingua tertii imperii (Sprache des Dritten Reiches), das 1947 erschien.
Eine Übersiedlung in die Westzonen lag ihm gefühlsmäßig fern, da er lieber mit den "Roten" als mit den "alten Braunen" seine restliche Lebenszeit verbringen wollte. Eva und Victor Klemperer traten nach kurzer Überlegung der KPD bei und zählten somit im weitesten Sinne zur politischen Elite in Dresden. Von 1947 bis 1960 war Klemperer an den Universitäten Greifswald, Halle und Berlin tätig. 1950 wurde er Abgeordneter des Kulturbundes der Volkskammer der DDR und war im Bildungswesen aktiv - natürlich auch mit dem Fokus der französischen Sprache die rechtmäßige Stellung bei der Sowjetisierung der SBZ einzuräumen.
1995 erhielt Victor Klemperer posthum den Geschwister-Scholl-Preis. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof in Dresden-Dölzschen.
Werke
- Die moderne französische Prosa 1870-1920, Berlin 1923
- Die französische Literatur von Napoleon bis zur Gegenwart, 4 Bde., Berlin 1925-31 (Neuausg. 1956 unter dem Titel Geschichte der französischen Literatur im 19. und 20. Jahrhundert)
- LTI - Notizbuch eines Philologen, Berlin, 1947 (Ausgabe beim Reclam Verlag Leipzig, ISBN 3-379-00125-2)
- Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert, Bd. 1: Berlin, 1954, Bd. 2: Halle 1966
aus dem Nachlass:
- Curriculum Vitae (Band I – II). Aufbau Taschenbuch Verlag 1996, ISBN 3-746-65500-5
- Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum - Tagebücher 1919 - 1932. Aufbau Taschenbuch Verlag 1996, ISBN 3-351-02391-X
- Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten - Tagebücher 1933 - 1945 (Band I – VIII). Aufbau Taschenbuch Verlag, ISBN 3-7466-5514-5
- Und so ist alles schwankend - Tagebücher Juni - Dezember 1945. Aufbau-Verlag 1996, ISBN 3-7466-5515-3
- So sitze ich denn zwischen allen Stühlen. Tagebücher 1945 - 1959 (Band I – II). Aufbau Taschenbuch Verlag 1999, ISBN 3-351-02393-6
Zitat
- Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.
Weblinks
- Literatur von und über Victor Klemperer im Katalog der DDB
- www.ub.fu-berlin.de - kommentierte Linksammlung
- Informationen über die Verfilmung der Lebensgeschichte, siehe auch Matthias Habich
- www.victor-klemperer-kolleg.de - Kolleg in Berlin
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Klemperer, Victor |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Schriftsteller und Literaturwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 9. Oktober 1881 |
| GEBURTSORT | Landsberg an der Warthe |
| STERBEDATUM | 11. Februar 1960 |
| STERBEORT | Dresden |
Seitenkategorien: Literaturwissenschaftler | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Tagebuch | Deutscher | Mann | Geboren 1881 | Gestorben 1960



