Usseln
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Usseln ist ein heilklimatischer Kur- und Wintersportort mit etwa 2.100 Einwohnern und gehört zur Gemeinde Willingen (Upland) im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Usseln liegt in Nordhessen im Landkreis Waldeck-Frankenberg nur etwas östlich von Willingen (zwischen Dortmund und Kassel). In dieser Region treffen Hochsauerland, Rothaargebirge und Waldeckisches Upland aufeinander. Mit Bergen bis 843,1 m Höhe Langenberg gehört die Region zu den Hochlagen des Hochsauerlandes. Der Ort, der vom Oberlauf der Diemel durchflossen wird, liegt 600 m ü. NN.
Verkehrsanbindung
- Straße: Usseln liegt direkt an der B 251 zwischen Korbach (Hessen) und Brilon (NRW)
- Eisenbahn: Bahnanschluß hat Usseln über die Strecke Korbach-Brilon-Wald
Sehenswürdigkeiten
- Heimatmuseum (Betreiber: Geschichts- und Heimatverein)
- Milchmu(h)seum (Betreiber: Upländer Bauernmolkerei)
- Hochheideflächen auf Osterkopf und Kahlem Pön
- Naturschutzgebiete "Alter Hagen" und "Jägers Weinberg"
- Altar aus dem Jahr 1693 des Barockbildhauers Josias Wolrat Brützel in der Kilianskirche
- Die Quelle der Diemel zwischen Auf'm Knoll und Kahlen Pön
Geschichte
Überblick
Usseln wurde erstmals urkundlich in einem gräflich-waldeckisches Lehensregister aus den Jahren 1332 bis 1348 erwähnt. Nach Ansicht von Fachleuten ist die erste Usselner Kirche aber bereits um 870 als Pfarrkirche gegründet worden.
Im Mittelalter entwickelte sich Usseln zum beherrschenden Ort im Upland, da er Marktort und Sitz eines Freigerichts, zu dem 12 Orte gehörten, war. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich eine Eisenindustrie mit Eisenhütten und Verarbeitungsbetrieben. Während des Dreißigjährigen Kriegs sank die Zahl der Bewohner von Usseln um zwei Drittel und der Ort erholte sich nur sehr langsam davon.
Im Jahr 1844 kam es zu einem großen Brand, dem 44 Häuser, die Hälfte des Ortes, zum Opfer fielen. 1917 wurde der Ort ans Eisenbahnnetz angeschlossen und 1920 erhielt er Elektrizität. Infolge erhielt der Fremdenverkehr eine wirtschaftliche Bedeutung für den Ort und wude nach dem Zweiten Weltkrieg wichtigster Wirtschaftsfaktor.
Details
Nach den bisherigen Kenntnissen ist Usseln in einem gräflich-waldeckischen Lehensregister aus den Jahren 1332 bis 1344 erstmals urkundlich erwähnt worden. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Ort viel älter ist. Leider ist über die frühe Usselner Geschichte nicht viel bekannt. Das Upland wird relativ spät besiedelt worden sein, weil die Landschaft lebensfeindlich war. Es waren zunächst Einzelanwesen und sehr kleine 0rte, die hier entstanden. Wer hier im Upland siedelte, musste immer einen Überlebenskampf führen, um bestehen zu können.
Die Geschichte Usselns und des gesamten Uplands war bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert durch eine große Armut der Bewohner geprägt. Die Landwirtschaft war die einzige Erwerbsquelle. Die Erträge waren auf Grund der Höhenlage, des steinigen Bodens, der schlechten Witterungsbedingungen, der harten Winter und durch weitere Umstände sehr gering. Noch um 1850 wird berichtet, dass das Verhältnis zwischen Aussaat und Ernte in guten Jahren 1 zu 3 betrug. Das bedeutete, wenn man einen Zentner Hafer säte, konnte man mit einem Ertrag von 3 Zentnern rechnen. Die "guten" Jahre waren aber selten. Missernten gab es oft und bedeuteten immer eine nachfolgende Hungersnot mit all ihren negativen Folgen.
Hinzu kam die hohe Kinderzahl, 7 bis 10 Kinder waren normal und 11 bis 15 Kinder keine Seltenheit. Die Kindersterblichkeit war hoch. Noch um 1840 starb fast die Hälfte der Kinder, bevor sie das 14. Lebensjahr erreicht hatten. Die vielen Kinderkrankheiten, die damals nicht behandelt werden konnten, und der sehr schlechte Ernährungszustand waren dafür ursächlich.
Es war ein rauher Menschenschlag, der sich im Upland entwickelte, und auch die plattdeutsche Upländer Sprache war derb und stark im Ausdruck. Im Jahre 1838, als Pfarrer Georg Christian Ludwig Jungcurt (Pastor in Usseln von 1795 bis 1842) sein 50jähriges Pfarrjubiläum feierte, schrieben seine Amtskollegen in einer Festschrift unter anderem:
"Die Bewohner des Kirchspiels Usseln standen seit Menschengedenken in dem sprüchwörtlichen Rufe der Rohheit, der Unwissenheit, der sittlichen Verwilderung. Jetzt stehen sie nach dem Zeugnisse urtheilsfähiger Personen in Rücksicht auf Gesittung hinter ihren Nachbarn nicht bloß nicht mehr zurück, sondern viele unter ihnen zeichnen sich durch Einsicht und Tüchtigkeit vielfach aus."
Das waren die alten Upländer. Ähnliche Beurteilungen ergeben sich auch aus anderen Quellen. Die "Umerziehung" wurde in der genannten Festschrift auch dem langjährigen Wirken von Jungcurt im Upland zugeschrieben.
Der Platz in diesem Buch würde nicht ausreichen, um die bisher bekannte Usselner Geschichte ausführlich zu beschreiben. Wir beschränken uns deshalb auf den nachfolgenden zeitlichen Überblick, der teils in der früheren Schreibweise wiedergegeben und dann durch "Anführungszeichen" gekennzeichnet ist.
um 7000 v.Chr. Jäger und Sammler durchzogen das Upland (Fund eines Faustkeiles in Usseln, den Fachleute um diese Zeit einordnen).
1. bis 5.Jh.n.Chr. Beginn der Besiedlung, besonders gegen Ende der Völkerwanderung um 375 n.Chr.. Das Upland galt als "Sachsenland" (sächsisches Siedlungsland, Cherusker, Vossen).
um 870 Auf diesen Zeitpunkt in der Missionszeit wird im Schrifttum die erste Usselner Kirche als Bistums-Pfarrei datiert (kein urkundlicher Nachweis). Sie soll eine der ersten Kirche im Bistum Paderborn gewesen sein. Wolfgang Medding (Stadtgeschichte Korbach) nimmt an, dass die erste Usselner Kirche schon zwischen 777 und 800 n.Chr. errichtet worden ist.
um diese Zeit Zugehörigkeit Usselns zum Bistum Paderborn.
ab 1100 Bildung der Grafschaft Waldeck (später Fürstentum).
um diese Zeit In der Nähe von Usseln lagen die drei kleinen Orte "Aestenfelde", " Otmarkusen" und "Wakenfeld". Aestenfelde und Otmarkusen hatten eine eigene Kirche. Alle drei Orte sind lange vor dem 30jährigen Krieg aufgegeben worden. Sie wurden zur "Wüstung" . Die Ortsnamen bestehen als Flurnamen weiter.
1231 Das Bistum Paderborn wurde dem Erzbischof von Köln unterstellt.
1281 "Vilmerkusen", eine kleine Siedlung Richtung Titmaringhausen, wurde erwähnt.
1289 Conrad von Otmarinchusen war gräflicher Richter in Corbach.
14. Jahrhundert Die Usselner Kirche wurde als Steinbau errichtet (dreischiffige Basilika). Die Zeitangabe ist urkundlich nicht belegt. Einige Teile (Chor und Teile vom Mittelschiff) sind noch vorhanden. Usseln wurde immer mehr kirchlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Uplandes und der weiteren Umgebung.
1332 / 1344 Die "Herren von Rhena" besaßen den "Zehnten" in Usseln. In dem oben erwähnten Lehensregister (1332 - 1344) ist dies vermerkt.
1353/1363 Gottschalk von Aestenfelde war Bürger in Corbach.
1367 Graf Otto II. sprach von seiner "grapschapft to Uslon" (Grafschaft Usseln). Usseln war zu dieser Zeit Sitz eines Freigerichts, zu dem mehrere Nachbarorte gehörten. Als dingpflichtig wurden Usseln, Willingen, Schwalefeld, Rattlar, Neerdar, Welleringhausen, Alleringhausen, Bömighausen, Eimelrod, Hemmighausen, Deisfeld und, was nicht erklärbar ist, Beringhausen in der Herrschaft Padberg genannt. Das Gericht tagte zweimal im Jahr "an dem hogen pone by der Linden, als me nach itmerckusen geht" (An dem hohen Pöne bei den Linden, wo man nach Titmaringhausen geht).
1418 Die von Itter hatten ein Lehngut in Usseln.
1440 Der "Freistuhl Usseln" wurde erwähnt.
1449 In Usseln standen 29 Häuser (alle im Bereich des "Kattwinkels").
1466 Kurt und Johann von Rhena erhielten von Graf Wolrad I. den Zehnten in Usseln.
1500 Die von Viermünden hatten Einkünfte in Usseln.
1510 Erstmalige Erwähnung der Usselner Kirchenmühle im Landregister. Die Mühle bestand schon viel länger. Die Mühle war bis 1903 verpachtet, dann wurde sie an die Müllersfamilie Wilke verkauft, die seit Jahrhunderten Pächter war.
Schweinemast laut Landregister: " Item de emde, Item de hogen Pone, item de grebenstein, item de moeßenberch, item de kleen etterberch, Item, in solchen gehölzen, wan vull mast were, kunde me wol 6 hundert schweine dar in fethmachen." (In der Emmet, im Hohen Pön, im Grebenstein, im Musenberg, im Kleinen Ettelsberg, kann man, wenn Vollmast ist, wohl 600 Schweine darin fett machen).
1529 Beginn der Reformation in Waldeck. Georg Blefgen war erster evangelischer Pfarrer in Usseln (1529 bis 1573). Ob er vor der Reformation schon Pfarrer in Usseln war, ist nicht bekannt.
1537 Usseln war dingpflichtig zum Gogericht Flechtdorf.
1541 In Usseln standen 34 Häuser.
1542 Am Montag nach Cantate (4.Sonntag nach Ostern) wurde die gesamte Dorfschaft Usseln zum Eisenberg gefordert (geladen) und verhört. Es ging um unerlaubtes Holz hauen.
1548 Eingabe "der armen Underdanen des gantzen Kespel zu Usseln" an die Obrigkeit wegen der harten Lasten, geringen Löhnen und hohen Preisen.
1549 Am 15. August war der "Bürensche Einfall" in Usseln. Wegen Grenzstreitigkeiten mit der Grafschaft Düdinghausen rückten die Herren von Büren mit 100 Mann in Usseln ein und raubten viel Vieh (324 Stück Rindvieh, 24 Pferde, 200 Schafe, 10 Ziegen). Ein Teil wurde später zurückgegeben. Das anschließende Verfahren vor dem Reichskammergericht dauerte sehr lange.
Um 1550 Errichtung einer Eisenhütte im Stryck. Durch die Eisengewinnung mit "Adorfer Eisenstein" und "Upländer Holz (Holzkohle)" wurden im Laufe der Jahre die Laubwälder weit und breit abgeholzt, ohne dass im Rahmen einer geregelten Forstwirtschaft Neuanpflanzungen vorgenommen wurden. Die abgeholzten Flächen wurden von der Heide erobert. Die Heide wurde dann jahrhundertelang abgehackt und als Streu für das Vieh verwendet. Später wurden auch Heideflächen für die Landwirtschaft urbar gemacht.
Ab 1550 Starker Bevölkerungszuwachs im Upland (Eisenindustrie). Zahl der Haushaltungen 1541 1602 Rattlar 4 14 Schwalefeld 10 25 Usseln 34 56 Willingen 12 41 Rattlar, Schwalefeld und Willingen, die zum Kirchspiel Usseln gehörten, wurden "Filialdörfer" oder "Außendörfer" genannt.
1557 In einer Verhandlung auf Schloß Eisenberg ging es um einen Haferdiebstahl aus der herrschaftlichen Scheune in Usseln. Dem Richter Wilm Figgen aus Usseln wurde dabei bestätigt, dass er die Gemeinde gut "zusammengehalten" habe.
1558 Pestepidemie in Usseln ("viele sind unversehens dahin gerafft worden").
1560 Der Sohn Curt des Pfarrers Blefgen saß wegen einer Schlägerei auf dem Eisenberg in Haft. Die "ganze Mannschaft von Usseln" setzte sich für seine Freilassung ein, weil er sich um das Dorf und die Grafschaft im Streit mit den Kölnischen verdient gemacht und dabei Schaden erlitten habe.
1561 Curt Blefgen und sein Bruder Dietmar ackerten auf dem Pön mit 2 Pflügen auf einem Land, das die von "Ditmarckusen" für sich beanspruchten. Die von "Ditmarckusen kamen mit einer Mannschaft und trieben die beiden Pastorensöhne mit Forken und Büchsen vom Land. Es gab ein Gerichtsverfahren.
1562 Bau der Eisenhütte auf dem Alten Hagen. 4000 bis 6000 Zentner Eisen wurden hier jährlich gewonnen. Aus dem Eisen wurden neben Kleineisenteilen (Werkzeuge) auch Öfen, Herde, Büchsen, Kanonen, Kugeln, Hülsen, Zangen, Zapfen, Töpfe, Schmiedeeisen, Leichentafeln, Stabeisen, Blech und Draht hergestellt. Allmählich entstand der Upländer Wanderhandel, zunächst mit Kleineisenteilen, dann zunehmend mit Leinen.
1568 Der Richter Wilm Figgen aus Usseln beklagt sich u.a. darüber, dass das Holzgeld schlecht abgerechnet werde und die Holzfuhren zum Teil nicht in den Kerbstock geschnitten würden. Ein Kerbstock oder Kerbholz war ein längsgespaltener Holzstab, in dessen beiden Hälften Markierungen quer eingekerbt wurden, z.B. auch für Schulden für geleistete Fuhren usw. Bei der späteren Abrechnung wurden beide Hälften dann zerbrochen. Dies wurde bis ins 19. Jahrhundert so gehandhabt. Von daher stammt auch noch das Sprichwort: " Etwas auf dem Kerbholz haben".
1579 Christoffel Querl aus dem Stryck schrieb an den Grafen: " Zum andern, ..... nachdem der liebe Gott uns Auff Lender (Aufländer = Upländer) sonderlich um unserer Sünde willen ..... heimgesucht, daß unsere Früchte, die uns der getreue Gott im Felde hatte sehen (säen) lassen, über und naß heimkommen, daß wir dieselben zur Brödung (für Brot) nicht gebrauchen und nicht genießen können,... habe ich mir die Mühe und Arbeit an die Hand genommen der Armut zum Besten und Gefallen auf vieler Leute fleißiges Bitten und Anhalten Brod auf den Kauf zu Backen.....". Querl bat um 100 Mütte Korn aus den Amtshäusern in monatlichen Lieferungen.
1588 Hans Stremme wurde auf dem "Kruitberg" (Krutenberg) von Düdinghäusern umgebracht.
1590 Am 20. Februar war eine Gerichtsverhandlung in Korbach. Der Thias Wilcken klagte gegen die Usselner Schützengesellschaft, weil sie ihn nicht zum Schießen auf das Kleinord gefordert (zugelassen) hätte. Die Usselner wurden verpflichtet, den Thias in Zukunft zuzulassen. Dieser musste sich aber verpflichten, sich "Jahr und Tag bei Zechen und Biergelagen der Usselner Schützengesellschaft" zu enthalten.
1595 Am 12. September machten die "Vorsteher" von Usseln eine Eingabe an den Grafen wegen der "Zauberey". Es sei dadurch, so schrieben sie, viel Schaden entstanden und gegen die Verdächtigen müsse nun ein Verfahren zur "Hinrichtung" durchgeführt werden. Die Gerichtskosten könnten aus den Gütern der Betroffenen gedeckt werden. Wenn dieses Geld nicht ausreiche, wollten die Usselner die Kosten übernehmen. Das Schreiben wurde vom Usselner Pastor Heinrich Ebersbach beglaubigt und mit das Petschaft (Siegel) versehen. Nach dem Schreiben waren vor dieser Zeit schon einige Leute in Usseln wegen Hexerei und Zauberei hingerichtet worden.
1596 "Zwischen Dittmarshausen und dem Pön, an der Diemel bei Usseln," wurde nach Silber geschürft.
1597 Den Usselnern sollte vom Forstmeister wegen mangelnder Rückzahlung von Schulden Vieh gepfändet werden. Sie baten deshalb den Grafen um Gnade. In der Bittschrift heißt es u.a.: ....daß wir aber jetzt auf einen Sturtz und in der Eil bezahlen sollen, ist einem jeden unmöglich. Es sind zwar viele, die Holz im Werk haben, das im Sommer und Herbst gekohlt werden soll um damit zu bezahlen. Daß uns aber unser Vieh darum sollte abgenommen werden, das möge verhindert werden. Wir armen Hausleute müssen unser Weib, Kinder und Gesinde von dem Rindviehe und Milch, Butter und Käse erhalten. Wenn uns das abgepfändet wird, müssen manche mit Weib, Kinder und Gesinde verschmachten. Wir bitten zu bedenken, daß wir armen Leute, deren größter Teil und alle im ganzen Kerspel (Kirchspiel) das liebe Brot im Hause nicht haben, auch kein Roggen im Vorrat zu backen haben, noch geschweige des zugebrotes, derweil man kein Schwein und anders Vieh mästen oder fettmachen kann. Wir armen Leute haben dringende Not".
1595 Im Waldeckschen und im Sauerland war die Kribbel-Krankheit, viele Menschen sind daran gestorben. Ursache soll das Mutterkorn (ein pilziger Getreideparasit) gewesen sein.
1602 In Usseln standen 56 Häuser. Es gab 2 Vollspänner (4 Pferde). 32 Halbspänner (2 Pferde), 4 Einspänner (1 Pferd) und 18 Köther.
Bei dem Schießen aufs Kleinod kam es zu einem schweren Zwischenfall, welcher ein "Verfahren" nach sich zog. Der Pastor schreibt, "daß seine Pfarrkinder nach altem Brauch ums Kleinod geschossen und ein Fuder Bier zum Besten gehabt hätten". Die Brüder Hans und Michael Figgen (Klencken) hatten sich "der Güter wegen" gestritten und waren dabei massiv handgreiflich geworden.
1607 Das Buch von Dietmar Blefgen, dem Pastorensohn von Usseln, mit dem Titel "Islandia", wird in Leiden in Holland gedruckt. In dem Buch beschreibt Dietmar Blefgen seine Reise nach Island gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Er verfasste noch mehr Beschreibungen über seine Reisen mit Fürsten und Grafen.
1620 In Usseln standen 69 Häuser
1618 bis 1648 Der Dreißigjährige Krieg war für das Upland eine große Katastrophe. Am Ende des Krieges waren in Usseln von 69 Häusern 43 zerstört. Die Bevölkerung war von 300 bis 350 auf 120 bis 150 zurückgegangen. Viele Länder lagen brach. Schuld waren die Kriegsereignisse und mehrere Pestepidemien. 1622 plünderten bayerische Soldaten das Upland. Im Jahre 1634 kam es zu Plünderungen durch die Olkreutischen Reiter, die in Korbach lagerten ("uns armen Untertanen des Dorfes Usseln von den Reitern unsere Habe und Vieh ist gänzlich abgeraubt worden"). Die Reiter des Obersten von Haxthausen raubten 1635 in Usseln unter anderem auch 22 Pferde. Am 29.September 1635 schrieb Georg Schefer aus dem Stryck an den Amtssekretär folgendes: " ....wie den armen Leuten im Kirchspiel Usseln alles abgenommen sei, Pferde, Kühe, Schweine, Hafer und Roggen. Auch die Eisensteinfuhren zur Hütte seien durch das Kriegswesen noch verhindert". 1636 war der Obrist Lorch mit seinem Regiment in Usseln. Um Hundert Reichsthaler wurden die Usselner erpresst. 1636 bis 1638 waren drei große Pestepidemien. Vier Pfarrer starben in diesen Jahren an der Pest. Der erste, der starb, war Pastor Engelhard. Er schrieb kurz vor seinem Tode an die gräfliche Obrigkeit, dass "das Leben im Kirchspiel Usseln kläglich, erbärmlich und elendiglich sei. Krieg, Pestilenz und Teuerung seien die Ursache. Den Predigtkindern im ganzen Kirchspiel seien Substanz, Nahrung und Unterhalt für Mensch und Tier entzogen". Am 9.Juni 1641 schrieb der Hüttenschreiber aus dem Stryck, dass viele Hüttenleute, Hammerschmiede, Köhler und andere Untertanen wegen des Krieges und der Hungersnot "aus dem Lande weichen" und die Hütten und Hämmer verfallen.
1640 Nach jahrelanger Vakanz kam der aus Marburg berufene Student Heidericus Hennemann (Hedderich) als 7. evangelischer Pfarrer nach der Reformation nach Usseln. Schone einige Monate später bat er um seine Entlassung aus dem Pfarramt in Usseln. Dabei schilderte er die erbärmlichen Verhältnisse im Upland. Die Früchte seien vernichtet, keine Kornfrucht sei ausgesät, und die Pfarrgüter lägen öd und wüst. Durch den jüngst geschehenen Einfall (Überfall) sei den Leuten das wenige vorhandene Vieh restlos abgenommen, so dass er wie alle seine Kirchspielleute am Hungertuch nagen müsste. Nachdem seine Eingabe erfolglos blieb, flüchtete er nach 6 Monaten im Upland zur Nachtzeit mit seiner Frau und einer Kuh, die ihm die Upländer bei Amtsantritt gegeben hatten. Er soll später in Oberhessen Pfarrer gewesen sein.
1642 Am 1. November brannten in Usseln 14 Häuser (einschl. Pfarrhaus) und die Kirche (bis auf den Ostchor) ab. Von den drei Kirchenglocken fielen zwei herunter und zerbrachen, eine zerschmolz. Man nahm damals an, dass das Feuer von Fremden gelegt worden sei, um die Dorfschaft wegen eines beabsichtigten Diebstahls oder eines Überfalls abzulenken.
1650 Die ausgebrannte Kirche wurde mit Stroh abgedeckt, das aber bald durch Regen und Schnee verfaulte. In der Kirche konnte kein Gottesdienst abgehalten werden.
1653 Von den wenigen Kinder, die zunächst nach dem Krieg geboren wurden, starben in diesem Jahr 13 an den Blattern (Pocken).
1654 " Am 20. Oktober wurde Conrad Stremmen Tochter von einem Knaben mit einem Buchstaben Griffel durch das Ohr in den Kopf gestochen, daß es am dritten Tage hiernach, im 12. Jahr seines Alters starb".
1660 Das Durchschnittsalter der Verstorbenen im Upland lag bei etwa 18/19 Jahren, schwankte danach bis um 1800 zwischen 25 und 35 Jahren, erreichte dann noch einmal einen Tiefpunkt von 20 Jahren und ist danach allmählich angestiegen (1900 = 35 Jahre).
1662 "Als am 29. April Hildebrand Volbracht und Anna Marie Schmidt copuliert wurden, ist durch das Schießen von der leichtfertigen Jugend ein groß Unglück entstanden, indem sechs Gebäude abbrannten und in die Asche gelegt wurden".
1664 Die Jahrhunderte dauernden Grenzstreitigkeiten zwischen Waldeck und Köln wurden durch den "Usselschen Vergleich" vom 19./29.Juli 1664 beendet. Dabei verzichtete u.a. das Kloster Glindfeld auf seine Rechte am Alten Hagen.
1666 Von der gräflichen Verwaltung wurde ein "Salbuch" für Usseln erstellt. "Salbuch" bedeutet nach dem Wörterbuch der Brüder Grimm ein Buch, in dem alle einem Eigentümer gehörenden Grundstücke aufgeführt sind und ist demnach verwandt mit dem heutigen Grundbuch. In dem Salbuch wurden die landwirtschaftlichen Grundstücke wie folgt in Klassen eingeteilt:
Klasse a) "Welches nach ihren (der Usselner) Angaben mit 100 Fudern Mist getünget, einmal sommer Roggen und 3 mal Hafer tregt, alsdann 10 Jahre ruhend, 3 Jahre nichts, 3 Jahre Mehe-gras gibt und so dann in moß wechst." Klasse b) " auch also, aber nach der 4ten saat wieder 10 Jahre ruhend, ein Par Jahre gemehet oder gehütet wird. Klasse c) " Welches sich in der entlegenheit und wachstums so wol an der frucht und grase ringert, und nicht gemehet, sondern nur 2 Jahre gehüdet wird. Klasse d) "Das außen umbher ligt, ein Par mal Hafer tregt und so 10 - 15 Jahre Jahre in Heide ligt und keine grasnutzung gibt. Klasse e) " Ist ganz wild und unbrauchbar".
Wegen des Holzes sagen die Usselner, dass sie seit alters hergebracht freie Holzgerechtigkeit von ihren Voreltern geerbt hätten".
1673 Johannes Genuit aus Hofgeismar wurde erster Kirchspielslehrer in Usseln. Er nannte sich Magister und kam "eben zu der Zeit, als die Frantzosen hier gewesen sind", nach Usseln. Seine Vorfahren stammen vom Niederrhein. Die Lehrerfamilie Genuit hat 210 Jahre lang, bis 1883, den Lehrer in Usseln gestellt, immer vom Vater auf einen Sohn übergehend. Es ist überliefert, dass die Kinder in der Schule auf Baumstämmen saßen, weil die Gemeinde kein Geld für Bänke hatte. Erstes Schulgebäude war anscheinend das "Untere Kösterhaus" .
" Im May trug sich das Unglück zu, dass Abel Bender von den Franzosen auf dem Walde erschossen wurde und nach Willingen wegen der Kriegsgefahr auf den dasigen Friedhof zur Beerdigung musste abgefahren und daselbst auch begraben werden, aus Rattlar bürtig".
In diesem Jahr starben in Usseln über 30 Menschen. Bei der noch geringen Einwohnerzahl waren dies 10 - 15 % der Bevölkerung. Die Sterbeursache wurde damals meist nicht in die Kirchenbücher eingetragen.
1674 Auch in diesem Jahre waren etwa 20 Sterbefälle noch verhältnismäßig viel.
1679 "Am 4. Januar ist Johan Adam Rennemann, welcher einem Münsterischen Soldaten den Weg nach Adorf hat weisen müssen, auf dem Heimweg auf offenem Felde nicht weit von Usseln umgekommen und tags darauf gefunden".
" Am 18. May ist Joh. Wilm Wilcke von einem Münsterschen Soldaten erschossen worden".
1681 Das Abbrennen von Osterfeuern ist als alte heidnische Sitte den jungen Leuten durch die Obrigkeit erneut verboten worden.
1682 In Usseln befanden sich 1.355 Morgen Ackerland und 538 Morgen Wiesen. Die Erträge waren mit den heutigen nicht zu vergleichen.
1690 An den Blattern und an der Roten Ruhr starben 16 Kinder, die meisten im August bis Oktober.
1693 In der Kilianskirche wurde der von dem bekannten waldeckischen Holzschnitzer Josias W. Bruetzel geschnitzte Altaraufsatz aufgestellt.
1695 Im Kirchspiel Usseln hatten die Wölfe viel Schaden angerichtet. Sie waren aus dem "Stellnetz" (Fangnetz) ausgebrochen, weil das Wolfsgarn zu schlecht war.
1697 "Am 15. Juli wurde Henrich Bender vom Donnerstrahl gerührt und blieb uhrplötzlich Tod, geschah auf dem Bruche, nicht weit von dem Pfarrlande".
1701 Durch Fahrlässigkeit des Kirchenmüllers Wilm Mörchen brannte die Usselner Kirchenmühle im unteren Diemeltal ab. Sie wurde wieder aufgebaut.
1710 " Das Pfarrhaus ist gebaut anno 1710, am 1. Mai auf dem Walde hinter Freienhagen, nach Wolfhagen hin, soll es gezimmert worden seyn"
1711-13 In diesen drei Jahren starben wieder unverhältnismäßig viele Menschen in Usseln, zusammen über 50, darunter fast 40 Kinder.
1712 Dem Johan Daniel Jäger wurden zugleich 3 Kinder geboren und zusammen begraben.
1725 Die Zahl der Toten betrug in diesem Jahr fast 30, davon 2/3 Kinder. Leider sind auch hier die Todesursachen nicht mit eingetragen worden. Usseln wird um diese Zeit etwa 350 - 400 Bewohner gehabt haben.
1727 Im Februar wurde Justus Schalck, ein armer und unverständiger Mensch, zwischen Schwalefeld und Willingen tod gefroren, angetroffen".
1732 In Usseln gab es 68 Pferde, 188 Stück Rindvieh, 743 Schafe, 9 Ziegen und 15 Schweine.
1733 In diesem Jahr wüteten wieder die Blattern (Pocken) in Usseln, an der 15 Kinder starben.
1735 " Den 18. August wurde aus Usseln Catharina Elisabeth Figgen begraben, worüber ein Heuwagen gegangen, daß es bald darauf gestorben, 16 Jahr alt".
1736 In diesem Jahr starben in Usseln über 30 Menschen. Dabei waren 20 Kinder.
1739 Mit 25 war die Zahl der Sterbefälle wieder sehr hoch.
1742 " Im Junio hat sich Johan Wilm Figgen, so allein zu Haus gewesen, verbrannt und ist alsbald hernach verstorben, alt 4 Jahre und gehörete Engelbrachts Hermen Figgen zu".
1744 In diesem Jahr starben in Usseln erneut über 30 Personen, über 25 davon waren Kinder. Leider ist auch hier bei den Kinder die Todesursache nicht vermerkt. Es wird wieder eine Epidemie im Dorf gewesen sein.
1748 Es waren wieder 30 Sterbefälle zu verzeichnen.
In Usseln wohnten jetzt 480 Personen
1750 Beginn des allmählichen Anbaues von Kartoffeln.
1750/51 In diesen beiden Jahren starben in Usseln über 50 Personen, darunter sehr viele Kinder, und Hermannus Stremme, dessen Alter mit 97 Jahren angegeben wurde.
1756 In den Orten mussten nun Fruchtmagazine" für Notfälle angelegt werden. Zwei ernannte "Magazinverwalter" waren für den Notvorrat an Getreide verantwortlich.
1758 In diesem Jahr starben wieder 18 Kinder ohne Angabe der Todesursache.
1760 In diesem Jahr grasierte die Rote Ruhr in Usseln. 40 Menschen starben, darunter 25 Kinder. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 450 bis 500 wird deutlich, wieviel Kinder geboren werden mussten, um den Bevölkerungsstand des Dorfes zu steigern bzw. zu halten. Auch in den folgenden Jahren war die Sterberate sehr hoch.
1759/60 Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) wurden durch die fremden Soldaten die Früchte auf den Feldern abgemäht, die Untertanen misshandelt "und sowohl von Franzosen als den alliirten Soldaten Gewaltthätigkeiten verübt, welche die Nachwelt kaum glauben wird". Die "alliierten" Soldaten waren Preußen und Engländer.
1762 "Den Beschluß der Kriegsdrangsale empfand Usseln auf eine kränkende Art, indem 1762, den 11. October, der hannoversche Major Hattorf mit einem Kavellerie-Regiment hinten vorm Dorf, an der Höhe genannt, ein Lager schlug und das Infanterie-Regiment von Dasel ins Dorf rücken ließ. Beide Regimenter brachen teils den 14., teils den 18. October wieder auf". Sie haben viel Schaden angerichtet.
1768 Ein neues Schulhaus ist an dem Rattlarer Weg erbaut worden. Es hatte früher den Hausnamen "Oberes Kösterhaus" (später Jaustwilmes).
1769 In Schwalefeld starben viele Menschen an der "Kribbelkrankheit", die hier besonders stark auftrat.
Wieder waren es die Blattern, an der in Usseln viele Menschen starben. Es waren allein 23 Kinder, die dieser Krankheit zum Opfer fielen.
1770/71/72 Die Sommer waren kalt und regnerisch. Misswuchs und große Teuerung waren die Folge. Allenthalben war eine große Hungersnot zu spüren
1770 Usseln hatte etwa 500 Einwohner (in 74 Häusern) - Einwohner errechnet nach der Anzahl der Häuser -.
1777 Dieses Jahr waren es wieder die Blattern, an denen 18 Kinder starben.
1784 Wieder starben 33 Usselner, darunter 22 Kinder.
1786 Dieser Herbst war wieder (wie 1785) sehr nass, der Winter kam früh herein, die Sommerfrüchte wurden nicht reif, viele Kartoffeln blieben draußen (Eintragung des Pastors).
"Der Johannes Vollbracht aus Usseln wurde begraben, der auf dem Heimweg von der Bericher Hütte in der Neerdar bei Henselers Bruch starb".
1787 "Den 13. Merz wurde der Richter Brühne Brocken, da er einen Mistwagen nach der Leimenkuhle gefahren hatte, auf dem Rückwege, weil die Pferde wild geworden, von Ihnen todt getreten".
1791 Der Johannes Hofmann-Knoche starb an der "dullen Fuchs Krankheit" (Tollwut ?).
1793/94 Die Rote Ruhr wütete im Dorf. In den 2 Jahren starben 50 Personen, darunter 33 Kinder.
1795/97 Das waren sehr schlimme Jahre für das Dorf. Es starben 80 Personen, darunter 55 Kinder. Man sollte meinen, es hätte nun keine Kinder mehr in Usseln gegeben. Als Todesursachen waren unter anderen angegeben: " Auszehrung, Engbrüstigkeit, Masern, Halsweh und Friesel (Hautausschlag, z.B. bei hohem Fieber), Blattern, hitziges Fieber".
1796 Da die Untertanen des Kirchspiels Usseln durch den Verkauf von Hafer zu ihrer Brotfrucht kommen müssen, erlaubt die Fürstl.Waldeckische Regierung unter strengen Auflagen die Ausfuhr von Hafer ins Ausland. Mit dem Verkaufserlös wurde Roggen eingekauft. Damit nicht auch der Saathafer für das nächste Jahr verkauft wurde, mussten die Untertanen diese zur Kontrolle durch den Dorfrichter auf einen besonderen Haufen schütten.
1797 Letzte Mitteilung über die Benutzung des Prangers bei einer Straftat ("zum abschreckenden Exempel").
1802 In Usseln wurden - wie immer - drei Märkte abgehalten, und zwar jeweils am Dienstag, dem 4. Mai, dem 3.August und dem 9. November.
1808 In Usseln werden wegen der "Spitzbuberei und Dieberei" einige Soldaten stationiert, die an der Grenze "patrolge" gehen mussten.
Um 1808 (Franzosenzeit) Auf dem Kahlen Pön stand ein hölzerner französischer "Signalturm", den die Usselner instandhalten mussten.
1816 In Usseln wurden 40 Zugochsen gehalten.
1816/17 Im Upland und auch anderswo herrschte eine große Hungersnot. Der Sommer 1816 war so nass, dass die Früchte zu einem großen Teil nicht geerntet werden konnten. Im Frühjahr 1817 wurden die gepflanzten Kartoffeln aus der Erde gestohlen und gegessen. Viele Upländer gingen betteln, um nicht zu verhungern.
1816 Auf gemeindeeigenen Ländern auf dem Alten Hagen, auf dem Luer, unter dem Hohen Pön, am Dicken Busch und über der Rummelnschlade wurde zu jener Zeit jahrzehntelang im Hand- und Spanndienst der "Gemeindehafer" angebaut und geerntet. Im Jahre 1816 ist darüber im erhalten gebliebenen "Gemeinsbuch" folgendes vermerkt: " Am 12. März sind die beiden länder unter dem hohen Pön und am Dicken busch geseht. Darzu sind bestelt von pickes bis riepen. Hir bey sind übrig gebliben 3 Spint welche ich vergüten und habe aber von der Gotschen 1 Spint nicht erhalten können weil sie nichts hat. Am 21. Oktober hat die Halbheit der Gemeinde von suren bis Engelbrächter die Gemeinde Haffer gemehet, und künftig Jahr die andere Halbheit, nehme zur Nachricht". Am 29. Oktober wurde der Hafer verkauft Es waren insgesamt 274 Bunde. Davon wurden 88 Bunde für Saathafer zurückbehalten. Bei dem Verkauf wurde für "Brantwein" 1 Thaler und 19 Groschen bezahlt.
1818 Usseln hatte 519 Einwohner.
1821 In Usseln wurden die ersten Fichten angepflanzt.
1826 Nach einer Aufstellung von Pfarrer Jungcurt hatte Usseln 778 Bewohner. Es waren bei 89 Häusern 2 Ganzspänner, 22 Halbspänner, 16 Einspänner, 32 Köthener und 9 Beiwohner vorhanden.
Da im Fürstentum Waldeck ein fühlbarer Mangel an brauchbaren Personen zur Verrichtung des Gesindedienstes bestand, ging die Fürstl. Waldeckische Regierung gegen "das Überhandnehmen des Vermiethens der Knechte, Mägde und Tagelöhner ins Ausland" vor.
1827 In diesem Jahr wurden in allen 4 Dörfern des Kirchspiels außerhalb der Ortschaften neue Totenhöfe (Friedhöfe) angelegt. Bis dahin wurden die Toten der Orte um die Kilianskirche in Usseln herum beerdigt. In Usseln befand sich der neue Totenhof im unteren Diemeltal in Höhe der Mühle.
Ab 1830 Beginn des Anbaues von Winterroggen, dadurch Verbesserung der Ernährungssituation.
1832 bis 1841 In den 10 Jahren sind im Kirchspiel Usseln 867 Kinder geboren und 627 Menschen gestorben. Über 40 % der Kinder starben im Alter bis zu 14 Jahren (davon im ersten Lebensjahr über 26 %). Von 100 Verstorbenen war einer über 80 Jahre alt.
1836 Am 4. August fand der letzte der früheren Schnadezüge statt. Er war wegen einiger Grenzstreitigkeiten von der Obrigkeit angeordnet worden.
1844 Die Ziegelbrennerei hinter der Emmet (Flurname "An den Ziegeleien") wurde von dem Ziegelbrenner Becker aus dem Lippeschen wieder in Betrieb genommen. Bis zu 10 Arbeiter waren hier beschäftigt. 1858 wurde die Ziegelei an den Brenner Tiemann verkauft. Um die folgende Jahrhundertwende musste der Betrieb aufgegeben werden. Er war wegen Qualitätsproblemen nicht konkurrenzfähig.
In diesem Jahr war der größte Brand in der Usselner Geschichte. An einem Tage brannten 44 Häuser ab, das halbe Dorf. Betroffen war der Ortsteil östlich (rechts) der Diemel. Danach wurde für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser eine Art Bebauungsplan durch die Fürstliche Verwaltung aufgestellt (Gebiet Souggeplatz und Hönnerecke). Die Feuersbrunst brachte in den sowieso sehr schlechten Zeiten weiter Not und Elend in das Dorf. In ganz Waldeck wurde für die armen Abgebrannten in Usseln gesammelt. In Korbach wurde sogar ein Feuerwerk zum "Besten der Abgebrannten von Usseln"veranstaltet.
1846 In Usseln standen 74 Häuser mit 683 Bewohnern (Abnahme der Bevölkerung wegen zunehmender "Auswanderung" an Rhein und Ruhr).
1847 Es starben in Usseln 36 Personen, davon 21 Kinder.
1848 Bei der Frühjahrsrevolution standen die Upländer auf Seiten des Fürstenhauses. Am 19.April marschierte ein großer Haufen Upländer unter Führung des Bergfactors Rock vom Herrnwiesenhammer nach Arolsen, um sich der Fürstin zur Verfügung zu stellen. Die "Streitmacht" war mit Dreschflegeln, gerade gerichteten Sensen und anderen "Waffen" ausgerüstet. Sie wurden in Arolsen in der fürstlichen Reitbahn einquartiert und verpflegt. Am nächsten Tag konnten sie ohne Kampfeinsatz wieder ins Upland ziehen.
Pfarrer Steinmetz aus Usseln wurde im April in die verfassungsgebende Versammlung in Arolsen gewählt.
1849 Der "herrschaftliche Zehnt" wurde abgelöst. Die Usselner Abgabepflichtigen zahlten zusammen 1.518 Reichsthaler 3 Silbergroschen und 4 Pfennig.
Um 1850 Eine Verbindungsstraße zwischen Korbach und Brilon wurde als "Staatsstraße" gebaut (später Reichsstraße 251, jetzt Bundesstraße 251). Die Straße war für die Entwicklung des Uplandes sehr wichtig.
1855 Durch die Schulordnung von 1855 wurde für die Schulmädchen ab 10 Jahre ein Näh-und Strickunterricht eingeführt (Strickschule).
1858 Das neue Pfarrhaus wurde von dem Zimmermann Bangert aus der Olmecke (Ohlenbeck) an der Korbacher Straße gebaut. "Bauunternehmer war Brühne, Hamerjohan, zu Willingen, welcher den Bau zu billig übernommen und äußerst schlecht hergestellt hatte, so daß nachträglich unverhältnismäßig große Reparaturen nötig wurden". Die 1804 erbaute Pfarrscheune wurde vom alten Platz (nördlich der Kirche) an den neuen Platz versetzt.
1859 Die "Schafzählabgabe" wurde abgelöst. Der Ablösungsbetrag wurde auf insgesamt 1.212 Reichsthaler 13 Silbergroschen und 6 Pfennig festgesetzt.
Um 1860 Viele Usselner Frauen, selbst "mittlere" Bauersfrauen, gingen wegen der allgemeinen Armut in besseren Gegenden betteln.
1860 In Usseln gab es vier Schafherden mit 1.200 Schafen, die jeweils von einem "Konsortium" (Zusammenschluss mehrerer Schafbesitzer) gehalten wurden. Unter den Schafen waren viele "Gastschafe" aus dem "Niederland" (Vorupland).
Usseln wurde neben anderen Uplandorten von dem Katasterkontrolleur Spitz in einer "Statistik" beschrieben. Über die ältesten Häuser in Usseln schrieb er u.a: " Die alten Häuser des Dorfes sind nun zum großen Teil sehr baufällig und geben im allgemeinen auch eine große Armut der Besitzer zu erkennen. Wände und Dächer gestatten bei mehreren Gebäuden den Vorbeigehenden eine freie Einsicht in die inneren Räume und man muss wirklich die Sorglosigkeit bewundern, mit welcher die Leute noch solche Häuser bewohnen".
1861 Bodennutzung in Usseln: 1547 Morgen Ackerland, 46 Morgen Gärten, 315 Morgen Wiesen, 997 Morgen Weiden, 1066 Morgen Drieschland, 2088 Morgen Wald.
Viehbestand in Usseln 38 Pferde, 209 Stck. Rindvieh, 117 Milchkühe, 317 Schafe, 29 Ziegen, 72(?) Schweine.
Notiz im Waldecker Anzeiger: " .... muß es uns aber nicht betrüben, wenn wir die Noth in unserer nächsten Umgebung, besonders aber in der ohnehin stets armen Berggegend, in höchst bedenklicher Weise sich steigern sehen, ohne daß durch Privatwohltätigkeit oder von Seiten des Staates irgend Etwas zur Linderung derselben geschieht. Die meiste Noth herrscht, nach der uns zugegangenen Mittheilung, wohl in den Orten Usseln, Willingen und vor allem in Rattlar, und rührt namentlich daher, daß Acker-Güter, in welchen oft starke Familien sitzen, die nicht selten aus mehreren, ja 3 oder 4 Generationen bestehen, ganz oder zum größten Teil unbebaut liegen, - eine Folge der Erwerbslosigkeit und des Mangels an Credit, es fehlt das Geld zur Anschaffung der Saatfrüchte und zur Bestreitung der Bestellungskosten. Das Mobiliarvermögen der Betreffenden ist natürlich durch den Steuerexecutor oder den Herrn Gerichtsvollzieher auf ein Minimum reduciert".
1863 In Usseln starben in diesem Jahr 71 Menschen (mehr als 10 % der Bevölkerung), darunter 58 Kinder. Die Kinder starben besonders in den Monaten Februar (11), März (24) und April (11) an den Masern ( ".... die ältesten Leute im Dorf wissen sich an eine solche Sterblichkeit nicht zu erinnern").
Der von der Gemeinde bestellte Maulwurfsfänger erhielt als Jahresentgelt 15 Taler.
1866 Der Usselner Gemeinderat beschließt die Anschaffung eines "Landbriefkastens".
1867 Am 29.Juni brannten, ausgehend vom Haus Sonnenschein (Richts an der Lieth), 16 Häuser ab. Es waren folgende Anwesen, die ein Opfer der Flammen wurden: " Richts an der Lieth, das Benderhäuschen, das alte Heerenhaus, Heckmanns, Alten Klaggeses, Schniedermanns, Obersten Habichts, Mitze-Suren, Dicken, Klorens, Papenheims, Kanns, Matzhenderks, Matzes, Dullen und Megges". Alle Häuser waren mit Stroh gedeckt. Ein starker Wind vom Heimberg her hatte das Feuer begünstigt. Die Not war groß. Für die Betroffenen wurde in ganz Waldeck "kollektiert" (gesammelt).
1869 Ein neuer Friedhof an der jetzigen Sportstraße wurde angelegt.
1870/71 An dem deutsch-französischen Krieg nahmen 10 Usselner teil. Sie erhielten von der Gemeinde je 1 Taler und 6 Silbergroschen Marschgeld, und kehrten alle wieder heim.
1872 Das neue Schulgebäude an der Staatsstraße nach Willingen wurde eingeweiht (jetzt Hausnamen "Alte Schule")
Die alten Holzberechtigungen der Usseln Bürger wurden durch das Domanium abgelöst. Es waren zusammen 19.110 Taler, die an 66 Usselner ausgezahlt wurden.
1873 Eine Posthalterei für Usseln, Welleringhausen und Ohlenbeck wurde im Hause Brüne-Brocke eröffnet.
1875 Zum ersten Usselner Standesbeamten (für die vier Uplandgemeinden) wurde Bürgermeister Friedrich Brüne-Brocken, zu seinem Stellvertreter Christian Brüne-Dribbesche ernannt.
In Usseln standen 122 Wohnhäuser mit 142 Haushaltungen und 676 Bewohnern (301 männliche und 375 weibliche). Als abwesend wurden 27 Männer bezeichnet (auf dem Handel).
Um 1875 Nach jahrelangen Bemühungen der vier Uplanddörfer ließ sich der erste Arzt in Usseln nieder. Es war ein Dr. Frese aus Titmaringhausen.
1876 Fahrplan der Personenpost Brilon-Bahnhof - Corbach: "Aus Corbach 3.35 Uhr früh, in Usseln 5.55 Uhr früh, aus Usseln 6.05 Uhr früh, in Brilon-Bahnhof 7.35 Uhr früh. Aus Brilon-Bahnhof 1.10 Uhr, in Usseln 3 Uhr Nachm., aus Usseln 3.10 Uhr Nachm., in Corbach 5.20 Nachm".
1877 Der "Kriegerverein Usseln wurde gegründet (1919 Umbenennung in Schützenverein, 1947 Umbenennung in Bürgerverein, dann wieder in Schützenverein, 1973 Umbenennung in "Schützengesellschaft Usseln" in Anknüpfung an die mittelalterliche Usselner Schützengesellschaft.
Der Usselner Gemeinderat legte fest, dass Kinder keinen Handdienst mehr leisten duften.
Aus einem Pressebericht über das Kriegerfest in Willingen: "Hält man doch im Ganzen die Bewohner des Upplandes für etwas derbe Menschen in ihren Ausdrücken und Benehmen".
Bericht im Waldecker Anzeiger: " Aus dem Uppland. Am 25. September fiel der erste Schnee und hatten wir am 26. Morgens 5 Grad Kälte. Es scheint, als wollte das Regenwetter nachlassen, was sehr nöthig, da noch viel Grummet und Hafer im Felde ist, auch dann die schon von der Fäule ergriffenen Kartoffeln doch trocken einkämen".
1878 Seit über 30 Jahren bemühten sich die Upländer um " die Anlegung einer Apotheke" in Usseln. Sie wurde 1878 vom Apotheker Götte aus Mengeringhausen mit dem Namen "Einhornapotheke" eingerichtet. Die Gemeinden mussten sich verpflichten, im ersten Jahr eine Starthilfe von 375 Mark zu zahlen.
1879 Die "Freiwillige Feuerwehr Usseln" wurde gegründet.
1880 Die alte Hute- und Streulaubberechtigung der Usselner auf den Domanialgrundstücken (hauptsächlich Wald und Hute) wurde durch Zahlung von Geld abgelöst.
1882 Am 12. Juli gab es einen schweren Hagelschlag in Usseln, Willingen und Schwalefeld. Öffentliche Hilferufe waren die Folge.
1883 Der letzte Lehrer aus der Usselner Lehrerfamilie Genuit, Friedrich Genuit, starb am 15. April im Alter von 65 Jahren.
Usseln erhielt eine öffentliche Fernsprechstelle. Es wurde eine Telefonverbindung mit Willingen geschaffen.
Der Männergesangverein "Eintracht" wird aus der Taufe gehoben.
1885 Der "Usselner Frauenverein" wurde gegründet.
In Usseln standen 125 bewohnte und 4 unbewohnte Wohnhäuser. Die Zahl der Haushaltungen betrug 151, die Zahl der Bewohner 728.
1887 Amtliche Bekanntmachung: "Die Schafheerde des Landwirths Heinrich Wilke v. Kesting und Genossen zu Usseln ist vom beamteten Kreisthierarzt für räudig erklärt, was hiermit veröffentlicht wird".
1894 Im Mai brannten die beiden letzten Usselner Wohngebäude mit Strohdächern ab (Wilke-Vordersten Fiesen und Genuit-Untersten Kösters).
1897 bis 1903 Durchführung der "Verkoppelung" (Flurbereinigung) in Usseln. Vorher waren die landwirtschaftlich genutzten Länder "bonitiert" worden (Schätzung der Bodenqualität). Die letzten gemeindlichen Viehherden (Rinder, Schweine, Ziegen) wurden aufgelöst.
1898 Die Sparkasse Korbach eröffnete in Usseln im Hause Küthe-Hertigen eine Zweigstelle.
Die "Upländer Gebirgsmolkerei" (Genossenschaft) eröffnete ihren Betrieb in Usseln. Der Betrieb wurde am 30.Juni 1995, nachdem die alte Molkerei-Genossenschaft 1994 mit den Milchwerken Köln/Wuppertal (Tuffi) fusioniert hatte, geschlossen, die Mitarbeiter in Usseln entlassen und finanziell abgefunden. Im September 1996 nahm die "Upländer Bauernmolkerei" in der von der Gemeinde angemieteten ehemaligen Molkerei ihren Betrieb auf.
Ein "Upländer Gebirgsverein" wurde gegründet (Aufgabe u.a.: Erschließung des Uplandes für den Fremdenverkehr).
1900 In Usseln wohnten in 131 Wohnhäusern und einer anderen bewohnten Baulichkeit (zusammen 149 Haushaltungen) 726 Personen, 334 männliche und 392 weibliche. Davon waren 720 evangelisch, 1 katholisch, 1 anderer Christ und 4 Juden. In allen Häusern in Usseln wurde Vieh gehalten. Insgesamt waren nach der Viehzählung vorhanden: " 65 Pferde, 396 Stück Rindvieh, 419 Schafe, 364 Schweine, 130 Ziegen, 1025 Stück Federvieh und 57 Bienenstöcke. Die Zahl der Obstbäume wurde mit 417 (?) angegeben.
Um 1900 Eine Lehrlings-und Handwerkerschule (auch Fortbildungsschule genannt) wurde in Usseln eingerichtet.
In Usseln bestand bei etwa 130 Ziegen ein Ziegenzuchtverein. Die Gemeinde hielt einen gemeindlichen Ziegenbock.
1907/08 Das Teilstück der Rattlarer Straße durch die untere Lieth wurde gebaut. Man brauchte nun nicht mehr über den alten steilen Liethweg zu fahren.
Um 1910 In Usseln wurde durch die neu gegründete Dreschgenossenschaft die erste Dreschmaschine angeschafft.
Um 1911 In Usseln hatte die Gemeinde noch einen Nachtwächter angestellt.
1911/12 Nach jahrelanger Forderungen der Schulaufsicht baute die Gemeinde eine neue Schule (die jetzige Grundschule). Sie musste dafür 40.000 Mark Darlehen aufnehmen. Die alte Schule wurde für 8.140 Mark an Bender-Altenrichts verkauft. Später kaufte sie dann Karl Schulze aus Wiesemanns. Der Hausname "Alte Schule" entstand.
1912 Die erste zentrale Wasserversorgungsanlage wurde in Usseln von der Essener Firma Johannes Wiedemann gebaut (vorher gab es einige Interessentenleitungen und Dorfbrunnen).
1913 In Usseln wurde ein "Fußballspielclub" mit 30 Mitgliedern gegründet. Als Sportplatz diente das Marktgelände. Im gleichen Jahr wurde dem Verein eine "Wintersportabteilung" angegliedert.
Preise für Lebensmittel: Schweine 60 - 65 Mark je Zentner Lebendgewicht, Weizen und Hafer 10 Mark je Zentner, Roggen und Gerste 9 Mark je Zentner, Zucker 21 Pfennig je Pfund, Sanella (Margarine) 90 Pfennig je Pfund, Heringe 7 Pfennig je Stück, Kaffee 1,20 bis 2 Mark je Pfund, Schokolade 20 bis 60 Pfennig je Tafel, Äpfel 16 bis 30 Mark je Zentner, Saatkartoffeln 3 bis 6 Mark je Zentner.
1914 Die Usseln Schützenhalle, damals "Kriegerhalle" genannt" wurde gebaut, nachdem schon seit 1903 auf dem Gelände die "Kriegerfeste" veranstaltet wurden. Vorher hatten diese Feste auf "Riepen Wiese" und einige Jahre auf "Klenken Scheune" stattgefunden.
1914 - 1918 Im ersten Weltkrieg starben 42 Usselner Männer an allen Fronten.
1917 Am 1. April wurde die Bahnlinie von Korbach nach Brilon-Wald durchgehend in Betrieb genommen (Baubeginn 1909). Bei den Bauarbeiten waren viele ausländische Arbeiter und Kriegsgefangene im Einsatz. Die Teilstrecke von Korbach nach Usseln wurde schon ab 1. August 1916 befahren. Um die Anlegung der Bahn hatten sich die Upländer seit über 30 Jahren bemüht.
1918 Im Rahmen der Bewirtschaftung von Lebensmitteln wurde im Februar der Gemeinde Usseln auferlegt, im Laufe des Jahres 28.526 Eier abzuliefern. Im gleichen Jahr wurden Mutterschafe gegen Thomasmehl ( Düngemittel) getauscht.
Nach dem Krieg wurde in Usseln ein Arbeiter- und Bauernrat gebildet, der die politische Macht im Ort ausübte, aber nicht lange bestand.
1919 Beim Schützenfest wurde erstmals ein "Schützenkönig" ermittelt. Es war Fritz Emde- Hint. Fiesen, der Adelheid Mitze-Suren zur Königin erwählte.
1920 Der Ort wurde an die "Überlandzentrale" und damit an das Stromnetz angeschlossen. 1914 hatte sich die Gemeinde verpflichtet, im Falle des Anschlusses mindestens für 2500 Mark Strom im Jahr abzunehmen. Durch den 1. Weltkrieg hatten sich die Arbeiten verzögert.
Der Turn-Verein Usseln wurde gegründet
Um 1920 Das Usselner Kornhaus wurde gebaut ( Ende 1988 geschlossen). Das Grundstück wurde von der Gemeinde gekauft und das Gebäude im Januar 1991 abgebrochen)
Gründung eines "Dramatischen Vereins", der das Laienspiel förderte, aber nur wenige Jahre bestand.
1921 Usseln hatte 883 Einwohner, die in 134 Häusern wohnten. Die Zahl der Haushaltungen betrug 168. In 131 von den 134 Häusern wurde Vieh gehalten. Insgesamt waren es: 59 Pferde, 478 Stück Rindvieh, 512 Schweine, 331 Schafe, 97 Ziegen, 178 Kaninchen und 1423 Stück Federvieh. Außerdem waren noch 10 Bienenstöcke vorhanden.
1923 Das Usselner "Kriegerdenkmal" (jetzt Ehrenmal) wurde gebaut. Die Baukosten betrugen, bedingt durch die Inflation (Geldentwertung), mehrere Hunderttausend Mark.
Im November hatte die Inflation ihren Höhepunkt erreicht. Ein Ei kostete 70 000 000 000 Mark, ein Pfund Mehl 800 000 000 000 Mark und ein Drei-Pfund-Brot 1 000 000 000 000 Mark (eine Billion).
1924 Mit dem Bau des ersten Usselner Schwimmbades (amtlicher Name: Gemeindeschwimmanstalt) wurde begonnen (weiter ausgebaut 1926 und 1930). Im Bereich des jetzigen Dorfgemeinschaftshauses wurde das Diemelbett verbreitert, mit einer Mauer umgeben und der Bach angestaut. Das Diemelwasser floss durch das Schwimmbad, dadurch war das Wasser immer recht kalt.
1925 Der "Musikverein Usseln" wurde gegründet. Die Kapelle spielte auf Festen in Usseln und den Nachbarorten. Der Verein kam in der NS-Zeit zum Erliegen.
Der "Wintersportverein Usseln" wurde gegründet.
Das "Spritzenhaus" für die Feuerwehr wurde oberhalb der Schützenhalle erbaut. Das Gebäude wurde um 1970 abgebrochen, nachdem die Feuerwehr einen "Stützpunkt" im neuen Schwimmbad erhalten hatte. Bis 1925 stand das 1874 erbaute Usselner Spritzenhaus am "Souggeplatz" (unterhalb des Anwesens Stapel-Benecke).
1926 Der evangelische "Posaunenchor Usseln" wurde gegründet.
1927 Die Abteilung Usseln des Sauerländischen Gebirgsvereins wurde gegründet.
Der Usselner Verkehrsverein wurde gegründet (Förderung des Fremdenverkehrs).
1928 Die "Ortsgruppe Usseln" der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde gegründet.
Die Gemeinde hielt 5 Gemeindebullen. Den "roten" hatten Brüne-Brocken, die drei "rotbunten" Brüne-Driebischen und Stöcker-Mariegerdes und den "schwarzbunten" Mitze-Suren in "Pension".
Am 1. März 1928 versuchten die Upländer, mit einer großen Protestdemonstration in Arolsen nach jahrelangen Bemühungen und Streitigkeiten doch noch zu erreichen, dass die Upländer Waldungen an die Gemeinden zurückgegeben wurden. Diese letzte Aktion war auch vergebens. Die Bestrebungen der Upländer hatten nach dem 1. Weltkrieg eingesetzt.
1931 Die Sprungschanze in der Lieth an der Rattlar Straße wurde gebaut (Weiten bis um 15 m möglich).
Am 28. November fand zum ersten Mal in Usseln eine "Werbeflugveranstaltung" mit Segelflugzeugen auf dem Kahlen Pön statt.
1932 Die Gemeinde verkaufte den "Alten Hagen" (116 Morgen Hute und Wiesen sowie 10 ½ Morgen Wege und Bäche) für zusammen 20.000 Reichsmark an den Zweckverband (Domanium), um mit dem Geld Notstandsarbeiten (Ausbau der unteren Ringstraße mit einer wassergebundenen Decke) zu finanzieren. Bei rund 900 Einwohnern gab es damals 60 Arbeitslose in Usseln.
Turnverein und Sportverein schlossen sich unter dem Namen "Verein für Leibesübungen Usseln" zusammen. In dem neuen Verein ging auch der Wintersportverein auf. Nach dem 2.Weltkrieg wurde der Verein mit dem Namen "Turn- und Sportverein Usseln" und der Abteilung "Skiclub Usseln" neu gegründet (1946).
1933 Usseln hatte 894 Einwohner
Ergebnis der Reichstagswahl am 5. März in Usseln Stimmberechtigt 524 Nationalsozialisten 346 (68,92 %) Sozialdemokraten 80 (15,94 %) Kommunisten 24 ( 4,78 %) Kampffront Schwarz-weiß-rot 45 ( 8,96 %) Deutsche Volkspartei 4 ( 0,80 %) Christlich-sozialer Volksdienst 3 ( 0,60 %) Wähler 502, Wahlbeteiligung 95,80 %
1934 Die Gemeinde baute gegenüber dem Sportplatz ein "Arbeitsdienstlager", das vom Reichsarbeitsdienst angemietet und mit ca. 250 Männern (Arbeitsdienstabteilung 5/221 Usseln) belegt wurde. Vorher waren die Arbeitsdienstmänner vorübergehend in der Schützenhalle untergebracht. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in den Baracken viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge untergebracht. Der letzte Teil des Lagers wurde 1969 abgebrochen (Platz für neues Schwimmbad).
Um 1935 Usseln wurde als "Luftkurort" anerkannt.
Die Sprungschanze am Kahlen Pön wurde gebaut (Weiten bis 20 m waren möglich).
1936 Am 18. April fielen 60 cm Neuschnee, der zum Teil verwehte. Die Straßen waren unpassierbar, die Eisenbahnzüge blieben stecken und entgleisten sogar. Usseln und Willingen waren von der Außenwelt abgeschnitten.
1939 Das zweite Usselner Schwimmbad wurde 1939 oberhalb des Sportplatzes von der Gemeinde unter Mithilfe des Usselner Reichsarbeitsdienstes gebaut. Es erhielt den Namen "Diemelbad".
1941 In Usseln wohnten 1.081 Personen
1945 Am 29. März rückten amerikanische Truppen von Süden kommend in Usseln ein. Der zweite Weltkrieg war hier nun beendet. Kurz danach sprengten deutsche Soldaten die Straßenbrücke über die Eisenbahn auf der Breite. Sie wurde noch 1945 wieder aufgebaut, 2004 abgebrochen und durch eine neue Brücke ersetzt.
1939 bis 1945 Im zweiten Weltkrieg fielen an allen Fronten 61 Usselner bzw. blieben vermisst.
1945 bis 1948 Usseln nahm etwa 250 Flüchtlinge und Heimatvertriebene auf.
1948 Die örtliche Landwirtschaft befand sich noch nicht im großen Umbruch. Nach der Viehzählung vom 3. Dezember 1948 wurde in 170 Haushaltungen Vieh gehalten. Es wurden gezählt: 79 Pferde einschl. Fohlen, 475 Stück Rindvieh einschl. Jungvieh und Kälber, darunter 3 Zuchtbullen und 3 Zugochsen, 407 Schweine, darunter 10 Eber und 35 trächtige Zuchtsauen, 219 Schafe, 56 Ziegen, 932 Hühner, 35 Gänse, 22 Enten, 16 Truthühner und 11 Bienenstöcke. Es gab noch über 50 Kuhgespanne in Usseln.
1948 Die Usseln wohnen 1.306 Personen
Die "Lohwaldschanze" wurde gebaut ( Schanzenrekord 44 m ). 1961/62 wurde "Flutlicht" installiert. Nun waren auch Nachtspringen möglich. Die Schanze wurde 1985 zu einer Jugendschanze umgebaut (Kritischer Punkt 33 m ).
1949 Zum Viehmarkt (verbunden mit dem Schützenfest) veranstaltete die Gemeinde wie auch 1950 eine "Viehmarktlotterie".
1950 Viehbestand in Usseln: 72 Pferde, 508 Stück Rindvieh, davon 296 Milchkühe, 624 Schweine.
Ab 1950 Die erste Usselner Fußballmannschaft wurde innerhalb von 12 Jahren 9 mal Sieger im Wettbewerb um den "Waldecker Pokal".
1955 In Usseln wohnten 1.138 Personen. Die Verringerung war auf den Wegzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen zurückzuführen, weil hier nicht genug Arbeitsplätze vorhanden waren.
1956 Walter Hanschen, der sich nach dem Krieg als Zahnarzt in Usseln niedergelassen hatte und Vorsitzender des Turn- und Sportvereins war, gründete die Jugend-Musikgruppe "Die Diemelspatzen".
1957 Das Dorfgemeinschaftshaus mit Tiefgefrieranlage und öffentlicher Badeeinrichtung wurde gebaut.
1958 Ein kleiner transportabler Skilift wurde am Heimberg aufgestellt.
1959 Die Zahl der Gästeübernachtungen stieg auf 65.000 (mit 2 Heimen).
1960 Der Sportplatz wurde grundlegend saniert.
Die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße wurde ausgebaut und verbreitert. Die letzten Bäume der ehemaligen Ahornallee wurden entfernt.
1961 Das Skilift "Büller Höh" wurde gebaut.
1962 - 1964 Usseln wurde voll kanalisiert und die erste gemeindliche Kläranlage gebaut.
1964 Viehbestand in Usseln: 18 Pferde, 486 Stück Rindvieh, davon 192 Milchkühe, 524 Schweine
1965 In Usseln wurden 179 Hektar Ackerland (29,7 %) und 425 Hektar Dauergrünland (70,3 %) bewirtschaftet.
1967 Am 24.September veranstaltete die Schützengesellschaft den 1. Schnadezug der Neuzeit.
Gründung des "Wasserbeschaffungsverbandes Upland", der Grundwasser aus der "Ense Scholle" südwestlich von Korbach zur Wasserversorgung des Uplandes fördert und mittels einer Verbundleitung bis nach Willingen leitet.
1969 Die Bevölkerungszahl betrug 1.345.
1970 Das neue Schwimmbad Usseln mit Umwälz- und Erwärmungsanlage wurde gegenüber dem Sportplatz gebaut und in den Jahren 1988/89 renoviert und modernisiert. Das alte Diemelbad wurde zur Teichanlage mit 2 Springbrunnen umgestaltet.
Im Rahmen der kommunalen Neugliederung schloss sich die Gemeinde Hemmighausen an Usseln an. Usseln hatte nun 1.374 Einwohner.
1971 Die katholische "St.Sturmius-Kirche" wurde eingeweiht.
Die Zahl der Gästeübernachtungen betrug 115.000.
1972 Ab 1. Januar 1972 schlossen sich Usseln, Eimelrod, Neerdar, Bömighausen und Welleringhausen zur neuen Gemeinde Upland in der Erwartung zusammen, dass diese Gemeinde Bestand haben würde.
1974 Die Gemeinden Upland und Willingen (mit Schwalefeld und Rattlar) wurden durch ein hessisches Gesetz ab 1. Januar 1974 zur neuen Gemeinde "Willingen (Upland)" zusammengeschlossen. Durch späteren Beschluss der Gemeindevertretung wurde die Gemeindeverwaltung im Ortsteil Willingen eingerichtet.
1976 Iris Schulze -Alte Schule- nahm an den Olympischen Winterspielen in Innsbruck teil (5 und 10 km Langlauf in Seefeld). Über 100 Usselner unterstützten sie bei den Wettkämpfen.
Usseln wurde als "Heilklimatischer Kurort" anerkannt.
1977 Vor der Emmet, am Loh und am Osterkopf werden neue Baugebiete ausgewiesen.
1978 Der SPD-Vorsitzende und frühere Bundeskanzler Willy Brandt begann auf dem Kahlen Pön mit großem Gefolge eine Wanderung durch das Upland.
1980 Die "Sporthalle Usseln" wurde mit einem Kostenaufwand von 1,6 Millionen Mark gebaut und am Pfingstsportfest eingeweiht.
Karin Jäger-Brügges nahm an den Olympischen Winterspielen in Lake Placid teil (Langlauf).
1982 Das "Usselner Heimatmusuem" wurde im Hause Ringstraße 52 (ehem. Haus Vogel-Klorens) eröffnet.
Vor der Emmet entstand ein Ferienpark.
Die Lebensmittelkette "Aldi" eröffnete einen Markt in Usseln.
1983 Der Männergesangverein Eintracht feierte sein 100-jähriges Bestehen und weihte das neue "Backhaus" im Diemeltal ein.
1984 Der neue Friedhof am Loh mit einer neuen Friedhofskapelle wurde eingerichtet.
Karin Jäger-Brügges nahm an den Olympischen Winterspielen in Sarajevo teil (Langlauf).
Das "Fewotel Sauerland Treff" am Schneppelnberg wurde eröffnet.
Usseln wurde Bundessieger im Wettbewerb für besonders familienfreundliche Ferien.
1985 Eine neue 110 KV-Stromleitung wurde durch die Usselner Gemarkung verlegt.
Der Burschenclub Usseln mit einer sehr langen Tradition wurde wiedergegründet.
1987 Usseln hatte 1.432 Einwohner (Hauptwohnung).
1988 Der Ort veranstaltete unter Federführung der örtlichen Vereine eine "650-Jahrfeier" mit Festakt und zweitägigem historischem Straßenfest.
Karin Jäger-Brügges nahm an den Olympischen Winterspielen in Calgary teil (Langlauf).
Die Usselner Kilianskirche erhielt 4 neue Glocken.
Usseln wurde in das "Dorferneuerungsprogramm" aufgenommen. Zahlreiche kommunale und private Vorhaben wurden in den folgenden Jahren von Bund und Land finanziell gefördert.
1989 Die Zahl der Gästeübernachtungen betrug 231.000.
Der "Usselner Geschichts- und Heimatverein e.V." wurde gegründet.
1991 "Riepen Wiese" wurde im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms zum Freizeitpark mit Minigolfanlage umgestaltet.
1993 Das für über 600 000 DM um- und ausgebaute Heimatmuseum wurde eingeweiht.
1994 Der Usselner Bahnhof wurde geschlossen und ein Fahrkartenautomat aufgestellt.
Mit dem Um- und Ausbau der Schützenhalle im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms wurde begonnen. Das Eigentum an der Halle wurde der Gemeinde übertragen.
1995 Der Betrieb der Usselner Molkerei wurde am 30.Juni, nachdem die Molkereigenossenschaft 1994 mit den Milchwerken Köln/Wuppertal (Tuffi) fusioniert hatte, eingestellt. Die Mitarbeiter wurden finanziell abgefunden und entlassen.
1996 Die "Upländer Bauernmolkerei" wurde in den Räumen der ehemaligen Upländer Gebirgsmolkerei eröffnet. Die Gemeinde Willingen (Upland) hatte die Molkereigebäude erworben und an die neue Betriebsgesellschaft vermietet.
1996/97 Neubau des Feuerwehrgerätehauses "Oben auf der Höhe".
Die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße wurde "zurückgebaut" und zur wesentlichen Verschönerung des Ortsbildes umgestaltet.
1998 Im Gewerbegebiet "Am Gottenborn" entstanden eine REWE-Markt, ein REWE-Getränkemarkt und ein neuer ALDI-Markt.
Auf dem Roth wurde eine beleuchtete Strecke für Langlauf und Biathlon eingeweiht. Die Anlage wurde 2000 durch einen Biathlon-Schießstand erweitert.
1999 Am 8.Juni wurde eine Postagentur im Geschäft der Bäckerei Schumann eröffnet. Die bisherige Postfiliale wurde geschlossen.
2000 Ab 10. Januar fuhren keine Züge mehr auf der Eisenbahnstrecke von Korbach bis Willingen. Als Begründung wurden Sicherheitsmängel bei den Eisenbahnbrücken in diesem Streckenabschnitt angegeben.
Seit 1948 wurden in Usseln bald 400 neue Häuser gebaut, mehr als vorher in der ganzen Usselner Geschichte zusammen. Die Häuser sind besonders in den Neubaugebieten, auch südlich der Eisenbahnlinie, entstanden.
Die Zahl der Gästeübernachtungen betrug um 220.000.
Mit mehrjährigen Umbau- und Renovierungsarbeiten an der Kilianskirche wurde begonnen.
2001 Der "Upländer Bauernmolkerei" wurde ein Milchmuseum angeschlossen.
2002 Die neue Usselner Kläranlage im unteren Diemeltal wurde in Betrieb genommen.
2003 Die Sanierung der Usselner Eisenbahnbrücke im oberen Diemeltal (Kosten um 2,5 Mio. Euro) wurde abgeschlossen. Am 14.Dezember wurde die Bahnstrecke wieder eröffnet, nachdem auch die Willinger Brücke saniert worden war.
Mit dem Neubau einer Straßenbrücke über die Eisenbahn Richtung Willingen (auf der Breite) wurde begonnen. Die Straßentrasse wurde dadurch etwas verändert. Die Arbeiten wurden 2004 beendet.
2004 Die Gleisanlagen auf dem Usselner Bahnhof wurden erneuert.



