Ungarn
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| Bild:Disambig-grau.png | Dieser Artikel behandelt das Land Ungarn. Zum gleichnamigen Volk siehe Magyaren. |
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| Amtssprache | Ungarisch | ||||
| Hauptstadt | Budapest | ||||
| Staatsform | Republik | ||||
| Staatsoberhaupt | László Sólyom | ||||
| Ministerpräsident | Ferenc Gyurcsány | ||||
| Fläche | 93.030 km² (davon 690 km² Gewässer) | ||||
| Einwohnerzahl | 10.085.000 1 (2005) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 108,5 Einwohner pro km² | ||||
| Unabhängigkeit | am 31. Oktober 1918 | ||||
| Währung | Forint | ||||
| Zeitzone | UTC+1 | ||||
| Nationalhymne | Himnusz | ||||
| Kfz-Kennzeichen | H | ||||
| Internet-TLD | .hu | ||||
| Vorwahl | +36 | ||||
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(1) Quelle: Statistisches Zentralamt Ungarn | |||||
Die Republik Ungarn (ungarisch amtlich Magyar Köztársaság, Bild:Loudspeaker.png Bild:Hu-Magyar Köztársaság.ogg ?, allgemein üblich Magyarország) ist ein Staat im Pannonischen Becken in Mitteleuropa und grenzt an Österreich, die Slowakei, die Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien.
Inhaltsverzeichnis |
Staats- und Landesname
Die Selbstbezeichnung der Ungarn weicht stark von den ausländischen Namen für Ungarn ab. So taucht magyar (früher magyeri) schon im 9. und 10. Jahrhundert in islamischen Quellen auf. Es ist wahrscheinlich ein Kompositum aus magy (< ugrisch *mańćε = „Mensch, Mann, Geschlecht“) und er(i) (ebenfalls „Mensch, Mann, Geschlecht“). Allerdings ist zu beachten, dass das Wort anfangs nur die Bezeichnung eines von sieben (unterschiedlichen) nomadischen Stämmen war, die im 9. Jahrhundert und Anfang des 10. Jahrhundert räuberische Einfälle in Europa, vor allem in Großmähren, unternahmen. Die Stämme hießen Megyer (Magyar), Tarján, Jenő, Kér, Keszi, Kürt-Gyarmat und Nyék. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ist es dem Stamm der Magyaren – d. h. den Nachkommen Árpáds – gelungen, die restlichen Stämme unter seiner Oberherrschaft zu vereinigen. Von da an kann von Magyaren (wenn auch noch nicht im ethnischen Sinne) gesprochen werden.
Der Name „Ungarn“ gelangte aus dem Slawischen in die europäischen Sprachen. Das slawische Wort lässt sich auf die bulgarotürkische Stammesbezeichnung onogur (on = „zehn“ + ogur = „Stamm“) zurückführen, die dadurch entstand, dass die Vorfahren der Ungarn im 5. und 6. Jahrhundert in enger Verbindung mit dem Reich der Onoguren lebten, dessen führender Stammesverband „Onoguren“ hieß. Das „H-“ im lateinischen hungarus (und dadurch auch in manchen anderen Sprachen) entstand dadurch, dass der Name irrtümlicherweise mit den Hunnen (Hunni) gleichgesetzt wurde.
Das Team um Luigi Luca Cavalli-Sforza weist darauf hin, dass höchstens 10 % der heute in Ungarn lebenden Menschen von den landnehmenden magyarischen Sippen abstammen, was den Schluss zulässt, dass es zu einer weitgehenden kulturellen Verschmelzung mit den ursprünglichen Bewohnern (Kelten, Slawen, Awaren, Skythen, Hunnen usw.) des Karpatenbeckens gekommen ist. Dies würde wiederum bedeuten, dass alle anderen Abstammungslegenden (z. B. Hunnen) einen wahren Kern in sich bergen.
Siehe auch: Magyaren
Geographie
Gewässer
Flüsse
Die zwei größten Flüsse Ungarns sind:
Seen
- Balaton (deutsch: Plattensee)
- Velencei-tó (deutsch: Velencer See)
- Fertő-tó (deutsch: Neusiedler See)
Gebirge und Berge
Niedrigste Landesteile
- Theiß – 78 m ü. NN
Siehe auch: Geographie Ungarns und Nationalparks in Ungarn
Landesgrenzen
Die Länge der Außengrenze beträgt 2.009 km. Davon entfallen auf:
- Österreich: 366 km
- Slowakei: 515 km
- Ukraine: 103 km
- Rumänien: 443 km
- Serbien: 151 km
- Kroatien: 329 km
- Slowenien: 102 km
Städte
Die sechs größten Städte Ungarns sind Budapest, Debrecen, Miskolc, Szeged, Pécs und Győr. Weitere Städte sind in der Liste der Orte in Ungarn aufgeführt.
Landkarten
Klima
Bild:Klima budapest.png Wegen der Binnenlage und der abschirmenden Wirkung der Gebirge hat Ungarn ein relativ trockenes Kontinentalklima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Die mittleren Temperaturen liegen im Januar zwischen -1 °C und -3 °C sowie im Juli zwischen 21 °C und 23 °C. Im Frühsommer sind die ergiebigsten Niederschläge zu verzeichnen. Die mittlere Niederschlagsmenge beträgt im Westen rund 800 Millimeter, während in den östlichen Landesteilen in trockenen Jahren 500 Millimeter unterschritten werden können.
Bevölkerung
Die Bevölkerung Ungarns besteht mehrheitlich aus Ungarn (89 %, auch: Magyaren). Daneben gibt es Roma (5 %), Deutsche (Donauschwaben) (2,6 %), Rumänen (2 %), Serben (1 %), Slowaken (1 %) Ruthenen (0,9 %), Jenische (0,5%). Für 2001 wurde ein Bevölkerungswachstum von –0,32 % geschätzt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Minderheit der Roma stärker vertreten, und im Land lebten außerdem rund 800.000 Juden.
Religionen und Konfessionen
- 67,5 % römisch-katholische oder ungarisch-katholische Katholiken
- 20 % Calvinisten
- 5 % Lutheraner
- 7,5 % Atheisten oder andere
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Ungarns
Die Magyaren wanderten, angeführt von dem Großfürsten Árpád Ende des 9. Jahrhunderts in das Karpatenbecken ein und führten Raubzüge durch ganz Europa. Sie wurden auch von Árpáds Nachfolgern erfolgreich weitergeführt, bis 955 Otto I. die Angriffe der Ungarn durch einen vernichtenden Sieg auf dem Lechfeld einschränken konnte. Das Königreich Ungarn wurde 1000 von Stephan I. gegründet.
Im „Mongolensturm“, mehreren Angriffen der Goldenen Horde der Mongolen in den Jahren 1241 und 1242, verlor fast 50 % der Bevölkerung Ungarns ihr Leben. Daher riefen die ungarischen Fürsten unter anderem deutsche Siedler ins Land, die sich in der Folgezeit magyarisierten.
Allmählich verwandelte sich das Königreich in ein großes und unabhängiges Land mit ausgeprägter westlicher Kultur. Matthias Corvinus (1458–1490) führte diese Entwicklung fort. Unter seiner Herrschaft wurde Ungarn während der Renaissance ein Zentrum der Kultur in Europa.
Das Ende der Unabhängigkeit Ungarns kam um die Mitte des 16. Jahrhunderts gleichzeitig mit den osmanischen Eroberungen. Der größte Teil Ungarns kam unter türkische Herrschaft, die noch nicht eroberten Teile kamen entweder unter habsburgische Herrschaft (wie der Westen Oberungarns) oder wurden von Ungarn getrennt und als Fürstentum Siebenbürgen unter osmanische Oberhoheit gestellt.
Nach 145 Jahren türkischer Besetzung Ungarns fiel Buda im Jahre 1686, und Ungarn wurde von den Habsburgern zurückerobert. Die Ungarn missbilligten aber die harte Herrschaft der Habsburger, so dass es von 1703 bis 1711 zum Kuruzenaufstand unter Fürst Franz II. Rákóczi kam, einem Adeligen aus Siebenbürgen. Da die Spannungen durch den niedergeschlagenen Aufstand nicht beseitigt wurden, entluden sie sich in der Revolution von 1848/1849, die allerdings auch, zwar mit Hilfe Russlands, blutig niedergeschlagen wurde.
Nach anhaltenden Unruhen im Land wurde Ungarn durch den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 Teil Österreich-Ungarns und damit nahezu unabhängig. Allerdings hielt dieser Vielvölkerstaat den inneren Unruhen nicht lange Stand und zerfiel nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in seine nationalen Bestandteile. Ungarn erklärte am 31. Oktober 1918 den Austritt aus der österreichisch-ungarischen Monarchie. Schon kurz darauf, am 16. November 1918, wurde eine demokratische Republik ausgerufen. Erster Präsident wurde Graf Mihály Károlyi. Die sozialen Missstände in Folge des verlorenen Krieges hielten jedoch an. Die Regierung wurde von Kommunisten unter Führung Béla Kuns gestürzt und eine Räterepublik gegründet, die allerdings nicht lange Bestand haben sollte. Unter Billigung der Entente-Staaten marschierten tschechoslowakische, serbische und rumänische Truppen ins Land ein und stürzten die Räterepublik bereits nach 4 Monaten Regierungszeit.
Im Januar 1920 wurde Miklós Horthy von der Nationalversammlung zum Reichsverweser gewählt. Die Regierung erkannte daraufhin den Friedensvertrag von Trianon an, nach dessen Bedingungen Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets abtreten musste. Ungarn näherte sich aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland an. Daraus folgte auch der Kriegseintritt am 27. Juni 1941 auf Seiten der Achsenmächte. Als Ungarn ab Mitte März 1944 von deutschen Truppen besetzt und eine Kollaborationsregierung unter Döme Sztójay eingesetzt wurde, begann die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Über 200.000 der auf dem Staatsgebiet von 1937 lebenden Juden kamen in Konzentrations- und Vernichtungslagern ums Leben. Weitere über 200.000 Opfer stammten aus den Gebieten, die Ungarn nach den Wiener Schiedssprüchen besetzt hatte. Nach dem Sturz Horthys 1944 wurde die Kriegsbeteiligung unter der faschistischen Bewegung der Pfeilkreuzler von Ferenc Szálasi fortgesetzt. Für Ungarn endeten die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs mit dem Einmarsch der Roten Armee am 4. April 1945.
Ungarn kam unter sowjetischen Einfluss, und am 20. August 1949 wurde eine Verfassung nach russischem Vorbild beschlossen. Bis 1953 verfolgte Ungarn unter Mátyás Rákosi einen stalinistischen Kurs. Am 23. Oktober 1956 kam es zu einem Volksaufstand, in dessen Verlauf Imre Nagy, der bereits von 1953 bis 1955 Ministerpräsident war, erneut zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. Er bildete eine Mehrparteien-Regierung, forderte die parlamentarische Demokratie und die Neutralität Ungarns. Der Aufstand wurde jedoch durch die sowjetische Armee blutig niedergeschlagen, und viele Ungarn verließen nach dem gescheiterten Volksaufstand das Land und emigrierten nach Westeuropa und Nordamerika.
Danach erfolgten erste Wirtschaftsreformen, die unter János Kádár (1956–1988) durchgeführt wurden. 1987 bildeten sich Oppositionsgruppen, die den friedlichen Systemwechsel vorantrieben. Auch in der kommunistischen USAP gab es immer mehr oppositionelle Stimmen, die freie Wahlen und den Abzug der sowjetischen Truppen forderten. Dies leitete die Grenzöffnung nach Österreich und damit die Zerschneidung des Eisernen Vorhangs ein. Somit hatte Ungarn entscheidenden Anteil an der politischen Wende 1989 in den ehemaligen Ostblockstaaten und damit auch der friedlichen Revolution in der DDR, die den Weg zum Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ebnete. Seit dem Zusammenbruch der UdSSR ist Ungarn stark westlich orientiert, was sich am Beitritt zur NATO 1999 und vor allem am Beitritt zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 im Zuge der EU-Osterweiterung zeigt. Zuvor fand am 12. April ein Referendum zum EU-Beitritt statt, bei dem zwar nur 45,6 % der acht Millionen Wahlberechtigten zur Wahl gingen, aber zu 84 % für den Beitritt stimmten.
Siehe auch: Liste der ungarischen Herrscher, Liste der ungarischen Staatspräsidenten
Politik
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 wurde auch das ungarische Staatswesen erneuert. Am 23. Oktober 1989 trat eine modifizierte Verfassung in Kraft, deren Vorbild unter anderem das deutsche Grundgesetz war. Die Regierung ist dem Parlament verantwortlich, für die Regierungstätigkeit trägt der Ministerpräsident Verantwortung. Um die größtmögliche Stabilität der Regierung zu gewährleisten, wurde die Institution des konstruktiven Misstrauensvotums geschaffen.
Bild:Sitzverteilung im ungarischen Parlament.PNG
Das Parlament wählt den Präsidenten der Republik, den Ministerpräsidenten, die Mitglieder des Verfassungsgerichts, den Ombudsmann der Minderheiten, den Präsidenten des Obersten Gerichts und den Generalstaatsanwalt. Das Einkammerparlament hat 386 Abgeordnete, die auf vier Jahre gewählt werden. In Ungarn gibt es ein gemischtes Wahlsystem, ähnlich wie in Deutschland. Seit dem August 2000 war der parteilose Ferenc Mádl als Präsident, der für 5 Jahre gewählt wird, im Amt; er kandidierte allerdings nicht bei der Wahl zum Staatspräsidenten 2005, so dass sich die MSZP, die aktuelle Regierungspartei, auf Katalin Szili als Präsidentschaftskandidatin einigte. Bei der Wahl, die am 6. und 7. Juni stattfand, unterstützte allerdings der kleinere Koalitionspartner, der liberale SZDSZ sie nicht, weil sie als Parteipolitikerin nicht die Überparteilichkeit eines Staatspräsidenten verkörpern könne. Der SZDSZ nahm an der Wahl nicht teil. So gewann László Sólyom die Wahl, ehemaliger Präsident des ungarischen Verfassungsgerichts, der von der Opposition unterstützt wird.
Seit den letzten Parlamentswahlen am 27. Mai 2002 ist die MSZP (Ungarische Sozialistische Partei) zusammen mit dem SZDSZ (Bund Freier Demokraten) die Regierung. Der aktuelle Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány, der seit dem 29. September 2004 im Amt ist, ist Nachfolger von Péter Medgyessy, der nach Versuchen der Regierungsumstrukturierung zurückgetreten war. Außenminister ist Ferenc Somogyi, der am 2. November 2004 die Nachfolge von László Kovács, dem neuen ungarischen EU-Kommissar angetreten ist.
Verwaltungsgliederung
Ungarn ist in 19 Komitate und 23 Städte mit Komitatsrecht eingeteilt. 1999 wurde das Land in sieben statistische Planungsregionen eingeteilt, auch um die Auflagen der Europäischen Union zu erfüllen.
| Städte mit Komitatsrecht | Komitate |
|---|---|
| Statistische Planungsregionen | Komitate in der Region |
|---|---|
|
|
Siehe auch: Liste der Städte und Orte in Ungarn, Liste der Komitate Ungarns
Weblink: Politische Karte Ungarns, eingeteilt in Komitate
Infrastruktur
Verkehr
Straßenverkehr
Die Verkehrsinfrastruktur ist relativ gut ausgebaut. Insgesamt gibt es derzeit vier Autobahnen auf ca. 450 km, nummeriert mit M1 (Budapest – Győr – Staatsgrenze Österreich A4 [Ostautobahn]), M3 (Budapest – Gyöngyös – Miskolc; in Bau), M5 (Budapest – Kecskemét – Szeged), M7 (Budapest – Siófok – Nagykanizsa; teilweise noch in Bau) und die M0, als Umfahrung um Budapest. Außerdem sind weitere Autobahnen in Planung und teilweise schon in Bau, z. B. die M6, die südlich entlang der Donau verläuft. Alle Autobahnen laufen sternförmig auf Budapest zu und münden in die M0.
Schienenverkehr
Die Eisenbahnlinien laufen, wie die Autobahnen auch, sternförmig auf die zentral gelegene Hauptstadt zu. Betreibergesellschaft ist die ungarische MÁV.
Flugverkehr
Internationaler Flughafen ist Budapest Ferihegy südöstlich von Budapest. Er ist auch der Sitz der größten ungarischen Fluggesellschaft Malév. Außerdem gibt es noch regionale Flugplätze, z. B. den Flughafen Balaton.
Siehe auch: Liste ungarischer Flughäfen
Energieversorgung
Die Energieversorgung beruht hauptsächlich auf Wärmekraftwerken, in denen aus Kohle und größtenteils importiertem Erdöl und Erdgas Strom erzeugt wird. Ferner ist die Kernenergie mit einem Anteil von 38 % von größerer Bedeutung (Atomkraftwerk in Paks).
Wirtschaft
Ungarn erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 18.574 Mrd. Forint (2003, etwa 73,26 Mrd. Euro), was 7.233 Euro pro Kopf entspricht. 3,3 % des Bruttoinlandsprodukts entstanden in der Landwirtschaft, 32,5 % in der Industrie und 64,2 % im Dienstleistungssektor. Mit einer Exportquote (Warenausfuhren in Prozent des BIP) von 65 % ist die Wirtschaft sehr offen. Über ein Drittel der Ausfuhren gehen nach Deutschland, etwa 8 % nach Österreich und jeweils etwa 6 % nach Italien und Frankreich. Über die Hälfte der Ausfuhren entfallen auf Güter des Maschinenbaus und der Fahrzeugindustrie. Ein hoher Teil der Ausfuhren wird von Unternehmen in ausländischem Besitz getätigt. Wichtige Industriestandorte sind v. a. der Raum Budapest und die Grenzregion zu Österreich.
Eine wichtige Rolle als Einnahmequelle spielt der Tourismus in Budapest, in der Puszta und am Plattensee (Balaton).
Wirtschaftsdaten
- Bruttoinlandsprodukt (BIP) (2004): 80,9 Mrd. € (1)
- Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2004): 7.997 € (1)
- Monatliches Bruttoeinkommen (2001): 510 €
- Import (2004): 46 907 Mio. € (1)
- Export (2004): 44.516 Mio. € (1)
- Inflationsrate (2003): 4,7 % (1)
- Arbeitslosenquote (2003): 5,9 %
- Staatsausgaben (2001):
- Militär: 1,7 %
- Gesundheit: 9,7 %
- Bildung: 5,2 %
- Renten: 4,6 %
- Beschäftigungsverteilung (2001)
- Industrie: 34,1 %
- Land-/Forstwirtschaft: 6,2 %
- Dienstleistungen: 59,7 %
- Selbstständigenrate: 13,8 %
(1) Quelle: Statistisches Zentralamt Ungarn
Wirtschaftliche Entwicklung 2004/2005
Das Wachstum der ungarischen Wirtschaft hat sich 2004 auf knapp 4 % beschleunigt. Es blieb damit schwächer als der durchschnittliche Produktionsanstieg in den osteuropäischen EU-Beitrittsländer, der auf rund 5 % anzog. Das Wirtschaftswachstum in den bisherigen 15 EU-Mitgliedsstaaten (2,3 %) wurde aber klar übertroffen. Hauptantriebskraft für das Wachstum in Ungarn waren 2004 neben den deutlich höheren Exporten die Investitionen. Der private Verbrauch stieg nicht mehr so stark wie im Vorjahr. 2005 dürfte sich das Wirtschaftswachstum in Ungarn – wie in den anderen Beitrittsländern und in den EU-15-Staaten – im Zuge einer internationalen Konjunkturabschwächung etwas verringern.
Der Anstieg der Verbraucherpreise beschleunigte sich 2004 auf 6,8 %. Das Inflationstempo war damit deutlich höher als in der Gesamtheit der Beitrittsländer (+ 4 %). Hintergrund für den rascheren Preisanstieg als im Vorjahr waren zum Teil nur „Einmaleffekte“, die durch den Beitritt zur EU bedingt waren, aber auch – wie überall – gestiegene Rohstoffpreise. Außerdem wurden staatlich regulierte Preise angehoben sowie Umsatz- und Verbrauchsteuern erhöht. So wurden zum 1. Januar 2004 drei Mehrwertsteuersätze eingeführt. Der allgemeine Steuersatz beträgt weiterhin 25 %, während der ermäßigte Satz (beispielsweise für Zeitungen, Bücher und Lebensmittel) auf 15 % angehoben und ein weiterer Steuersatz für die bisher steuerbefreiten Medikamente von 5 % eingeführt wurde. 2005 dürften die Preise daher nur noch um rund 4½ % steigen.
Die Arbeitslosenquote konnte in Ungarn bis 2001 knapp unter 6 % gedrückt werden. Sie hält sich seither mit geringen Schwankungen auf diesem Niveau. Abgesehen von Slowenien weist kein anderes ostmitteleuropäisches EU-Beitrittsland eine ähnlich niedrige Arbeitslosenquote aus. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den EU-Beitrittsländern lag 2004 demgegenüber bei rund 14 %, die Arbeitslosenquote in den EU-15-Staaten war mit rund 8 % auch höher. Wegen unterschiedlicher Methoden bei der Ermittlung der Arbeitslosenzahl sind die nationalen Arbeitslosenquoten international allerdings nur eingeschränkt vergleichbar.
Schwachpunkte der ungarischen Wirtschaft sind die hohen Defizite im Staatshaushalt und in der außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz. Da die Importe 2004 erneut deutlich stärker stiegen als die Exporte, hielt sich das Defizit in der Leistungsbilanz mit rund 9 % des Bruttoinlandsprodukts auf sehr hohem Niveau.
Das Haushaltsdefizit konnte von 2002 bis 2004 von gut 9 % des Bruttoinlandsprodukts auf knapp 5 % halbiert werden. Auch 2005 wird es voraussichtlich weiter gedrückt werden können. Es dürfte aber mit rund 4 % des Bruttoinlandsprodukts noch deutlich über dem Referenzwert von 3 % des BIP liegen, den der Maastricht-Vertrag für eine Qualifikation für die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion verlangt.
Auseinandersetzungen über die Haushaltssanierung stehen im Zentrum der ungarischen Wirtschaftspolitik. Sie waren ein Grund für den Rücktritt von Ministerpräsident Péter Medgyessy im Herbst 2004 und sind auch Teil der Kontroversen zwischen der ungarischen Regierung und der Zentralbank.
Der neue Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány nannte in seiner Antrittsrede im Parlament als sein wirtschaftspolitisches Ziel die Übernahme des Euros bis zum Jahr 2010. Dafür wird angesichts des hohen Budgetdefizits eine konsequente Sparpolitik verfolgt werden müssen. Wirtschaftspolitische Themen werden auch bei den nächsten Parlamentswahlen, die Mitte 2006 stattfinden, eine große Rolle spielen.
Kultur
Medien
Ungarische Tageszeitungen
- Magyar Hírlap
- Magyar Nemzet
- Népszabadság
- Népszava
Deutschsprachige Medien
In Ungarn erscheint eine deutschsprachige unabhängige Zeitung, der 1854 gegründete Pester Lloyd; seit 1994 wird sie wieder in Budapest herausgegeben und informiert wöchentlich über Wirtschaft, Politik und Kultur aus Ungarn und Ostmitteleuropa. Außerdem gibt es die Neue Zeitung und die Budapester Zeitung auf Deutsch. Auch gibt es seit 2003 ein Zweimonatsmagazin, das PEP-Magazin, das sich mit aktuellen Entwicklungen der ungarischen Jugendkultur und "Lifestyle" beschäftigt. Lesenswert ist auch die Zeitschrift Drei Raben, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Budapest herausgegeben wird. Besonders hinzuweisen ist noch auf die Online-Anthologie junger ungarischer Literatur in deutscher Sprache literatur.hu.
Deutschsprachige Fernsehsendungen mit ungarischen Untertiteln werden regelmäßig vom öffentlich-rechtlichen Sender MTV (Magyar Televízió) ausgestrahlt.
Gastronomie
Hauptartikel: Ungarische Küche
Die ungarische Küche gilt im Vergleich zu anderen europäischen als relativ „schwer“. Das Nationalgericht ist Pörkölt, das im deutschsprachigen Raum aber unter Gulasch bekannt ist und das es in zahreichen Variationen gibt. Das in Ungarn bekannte Gulyás entspricht ungefähr der deutschen Bezeichnung „Gulaschsuppe“. Weltberühmt ist, neben dem Paprika, der auch gemahlen als Gewürz besonders in der ungarischen und mittlerweile auch in ausländischen Küchen verwendet wird, der Tokajer (ung. Tokaji), der süße Dessertwein aus dem Tokajer Weingebiet. Beim Tokajer werden nur spätreifende Rebsorten verwendet, so dass die Weintrauben nicht nur von den trockenen, heißen Sommern, sondern auch von den langen, warmen und nebelreichen Herbsten profitieren.
Architektur
Einige der wichtigsten erhaltenen Bauten Ungarns sind im spätromanischen Stil gebaut und sind stark von rheinischen Einflüssen geprägt, z. B. die Kirchen von Zsámbék und Ják aus dem 13. Jahrhundert. In der Gotik sind besonders zwei- und dreischiffige Hallenkirchen charakteristisch (z. B. die Schwarze Kirche in Brassó (Braşov, heute Rumänien) aus dem 15. Jahrhundert). Unter König Sigismund (ung. Zsigmond) entstand in Buda ein Fürstensitz, den König Matthias Corvinus in florentinischem Stil ausbauen ließ. Eines der bedeutendsten Werke dieser Epoche ist das Schloss des Fürsten Esterházy, dessen Vorbild das Schloss in Versailles war. Mihály Pollack, einer der Hauptbaumeister des Klassizismus in Ungarn, kam gebürtig aus Wien. Miklós Ybl, der vornehmlich im Renaissancestil baute, ließ in Ungarn diese Epoche noch einmal aufleben (z. B. beim Opernhaus in Budapest).
Imre Steindl errichtete das Parlamentsgebäude (1885–1902) in Budapest im neugotischen Stil, wodurch dieser in Ungarn wieder kurzzeitig in Mode kam. In den 1930er Jahren erbaute man mehrere Mustersiedlungen im Bauhausstil. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten ungarische Architekten vorwiegend im Sozialistischen Realismus, wodurch auch einige Plattenbauten entstanden. Der Einfluss internationaler Strömungen nahm später immer weiter zu, da es nun erlaubt war, private Architekturbüros zu eröffnen und sich das Land wirtschaftlich zunehmends öffnete. Imre Makovecz und Dezső Ekler bauten in den 1980er Jahren in einer organischen, anthroposophischen Architektur. Andere Architekten wandten sich internationalen Trends zu oder suchten den Anschluss an die Architektur der Vorkriegszeit.
Malerei
Der bekannteste ungarische Maler des 15. Jahrhunderts, war Michele Ongaro (auch Pannonio). Er arbeitete am Hof von Ferrara in Italien. Die ungarischen Maler des 17. und 18. Jahrhunderts arbeiteten ebenfalls hauptsächlich im Ausland. Im 19. Jahrhundert kam die nationale Historienmalerei auf (mit bekannten Malern wie Gyula Benczur, Bertalan Székely, Mór Than). Miklós Barabás, ein Porträtist, gelang es als ersten ungarischem Maler im eigenen Land Anerkennung zu finden. Die Bilder von Mihály Zichy und von Géza Mészöly sind vor allem von der Romantik geprägt. Mihály Munkácsy verband in verschiedensten Kompositionen aus dem bäuerlichen Volksleben Impressionismus vorbereitende Freilichtmalerei mit realistischen Elementen. Ähnlichkeit haben auch die Werke von Pál Szinyei Merse.
Um die Jahrhundertwende erlangten die Künstlerkolonie Nagybánya, die von Károly Ferenczy geführt wurde, sowie einige andere Gruppen zu Bedeutung, hauptsächlich als Künstler einer realistisch gefärbten oder romantisierenden Naturmalerei. Die sozialistisch-realistischen Genre- und Historienmalerei war in den 1950er und 1960er Jahren besonders beliebt. Danach kamen unterschiedliche internationale Strömungen ins Spiel, hauptsächlich aber die Medienkunst und die abstrakte und realistische Malerei (beispielsweise Imre Bak oder Dóra Maurer). Mit Viktor Vasarely, Zsigmond Kemény und László Moholy-Nagy stammen einige der führenden, im Ausland arbeitenden Künstler des 20. Jahrhunderts aus Ungarn. Heutzutage bekannte Maler aus Ungarn sind István Szőnyi, Jenő Barcsay und Aurél Bernáth.
Feiertage
| Datum | Bezeichnung | Ungarischer Name | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 1. Januar | Neujahrstag | Újév | |
| 15. März | Nationalfeiertag | Nemzeti ünnep | Märzrevolution 1848 |
| - | Ostersonntag | Húsvétvasárnap | |
| - | Ostermontag | Húsvéthétfő | |
| 1. Mai | Tag der Arbeit | Munka ünnepe | |
| - | Pfingsten | Pünkösd | Sonntag, 50 Tage nach Ostern |
| 20. August | Nationalfeiertag | Szent István ünnepe | Tag des Hl. Stephan, Feier der Staatsgründung |
| 23. Oktober | Nationalfeiertag | Nemzeti ünnep | Volksaufstand 1956 |
| 1. November | Allerheiligen | Mindenszentek | |
| 25. Dezember & </br> 26. Dezember | Weihnachten | Karácsony |
Literatur
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0
Weitere Themen
Weblinks
| Bild:Wiktionary-logo-en.png | Wiktionary: Ungarn – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
| Bild:Commons-logo.svg | WikiCommons: Ungarn – Bilder, Videos oder Audiodateien |
| Bild:Wikiquote-logo.png | Wikiquote: Ungarische Sprichwörter – Zitate |
- Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland
- Deutsche Botschaft Budapest
- Ungarische Botschaft Berlin
- Verwaltungsportal der ungarischen Regierung (ungarisch/deutsch)
- Bildungs- und Informationssportal (ungarisch/deutsch)
Albanien | Andorra | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | Dänemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Island | Italien | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Mazedonien | Moldawien | Monaco | Niederlande | Norwegen | Österreich | Polen | Portugal | Rumänien | Russland | San Marino | Schweden | Schweiz | Serbien und Montenegro | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Ukraine | Ungarn | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich | Weißrussland
Belgien | Dänemark | Deutschland | Estland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Italien | Lettland | Litauen | Luxemburg | Malta | Niederlande | Österreich | Polen | Portugal | Schweden | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Ungarn | Vereinigtes Königreich | Zypern
Beitrittsverträge zum 1.1.2007 unterzeichnet mit: Bulgarien | Rumänien
Belgien | Bulgarien | Dänemark | Deutschland | Estland | Frankreich | Griechenland | Island | Italien | Kanada | Lettland | Litauen | Luxemburg | Niederlande | Norwegen | Polen | Portugal | Rumänien | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Türkei | Ungarn | Vereinigte Staaten | Vereinigtes Königreich
Australien | Belgien | Dänemark | Deutschland | Finnland | Frankreich | Griechenland | Irland | Island | Italien | Japan | Kanada | Korea, Süd- | Luxemburg | Mexiko | Neuseeland | Niederlande | Norwegen | Österreich | Polen | Portugal | Schweden | Schweiz | Slowakei | Spanien | Tschechien | Türkei | Ungarn | Vereinigte Staaten | Vereinigtes Königreich
Koordinate: 47° 9′ 58" N, 19° 25′ 5" O



