Ullstein-Verlag

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Dieser Artikel befasst sich mit mehreren Objekten, die, da sie eng mit miteinander verbunden sind, nur schwer in eigene Artikel zu trennen sind:

  • der Ullstein (Buch-)Verlag (i.e.S.)
  • die Buchverlagsgruppe Ullstein Buchverlage
  • der Zeitungsverlag Ullstein GmbH
  • ihrer gemeinsamen Geschichte

Der Ullstein-Verlag wurde 1877 von Leopold Ullstein in Berlin gegründet. Im Ullstein Verlag erschienen u.a. die heute noch bestehende Berliner Morgenpost. 1956 erwarb Axel Springer eine 26-prozentige Beteiligung am Verlag, die er 1960 auf 83 Prozent, später auf 100% ausweitete und damit den Ullstein-Verlag vollständig kontrollierte.

Inhaltsverzeichnis

Zeitungen der Ullstein GmbH

(heute 100%-ige Tochter der Axel Springer AG)

Verlage der Ullstein Buchverlage GmbH

(heute 100%-ige Tochter des Bonnier-Konzerns)

Verlage, die nicht mehr zu der Buchgruppe gehören

(1) Verlag wurde 2003 im Rahmen der Aufteilung der Verlage zwischen Bertelsmann und Bonnier aus der Verlagsgruppe herausgelöst. (2) Verlag wurde 1995 im Rahmen der Auflösung der Allianz mit Herbert Fleissner aus der Verlagsgruppe herausgelöst.

gemeinsame Verlagsgeschichte bis 1960

Unter Familie Ullstein

Der 1826 geborene Papiergroßhändler Leopold Ullstein erwarb 1877 das „Neue Berliner Tageblatt“, das eine Abspaltung des großbürgerlich-liberalen „Berliner Tageblattes“ von Rudolf Mosse war. Zu dessen Autoren gehörten so profilierte Journalisten wie der Feuilletonist Alfred Kerr und Theodor Wolff, nach dem heute einer der bedeutendsten deutschen Journalistenpreise benannt ist.

Seit 1903 verlegt der Ullstein-Verlag auch Bücher. 1919 wurde für anspruchsvolle Texte der Propyläen-Verlag als Sub-Marke gegründet.

Als 1904Neue Berliner Tageblatt“ und Berliner Zeitung verschmolzen, war die Grundlage eines neuen Zeitungstyps in Deutschland gelegt: Die Berliner Zeitung am Mittag (BZ) gilt als erstes Boulevardblatt Deutschlands. Schon 1891 hatte Ullstein eine bis dahin in Deutschland nicht gekannte Presse-Spezies geschaffen: die „Berliner Illustrirte Zeitung“ [sic!]. Mit vielen Zeichnungen und Fotos versehen wandte sie sich besonders an Frauen, begeisterte aber auch deren Männer mit Love and Crime-Stories. Ullstein vollzog hier erste Schritte zur „Amerikanisierung“, denn auch wirtschaftlich orientierte er sich beispielsweise durch die schrittweise Einbindung seiner fünf Söhne in das Unternehmen an dortige Gepflogenheiten.

Den Söhnen gelang kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein weiterer beachteter Coup: Die Übernahme der 210 Jahre vorher gegründeten Vossischen Zeitung („Alte Tante Voss“), die als seriöses Blatt galt, sich eines gepflegten Stils annahm und besonders ihre Zielgruppe im Beamtentum und bei Intellektuellen hatte. Sie galt innenpolitisch als der 'Demokratischen Partei' nahestehend, während die 1898 gegründete Berliner Morgenpost sich eher gut mit den Sozialdemokraten stand. In Ullstein sen. Todesjahr 1899 hatte die „Morgenpost“ auf dem wie heute hart umkämpften Berliner Pressemarkt bereits rund 160 000 Abonnenten. Die zahlten ihre Zustellgebühr entgegen der Gepflogenheiten nicht monatlich, sondern wöchentlich und erhielten dafür Quittungen, die aus Bilderserien bestanden und gerade bei den Kindern sehr beliebt waren.

Die Mopo pflegte eine sehr große Leserbindung auch durch intensive Nutzung von Leserumfragen und -diskussionen sowie Kolumnen mit Berliner Schnauze. Ein Mitarbeiter, der sich damals um die naturwissenschaftliche Volksaufklärung verdient gemacht hat, war der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Astronom Bruno H. Bürgel.

Am 10. April 1927 erschien erstmals die ZeitschriftDie Grüne Post“. Die „Sonntagszeitung für Stadt und Land“ war ursprünglich für die Landbevölkerung konzipiert. Das Wochenblatt erfreute sich jedoch schon bald großer Beliebtheit unter allen Bevölkerungsschichten und erreichte Auflagen von über einer Million Exemplaren. Chefredakteur war anfangs Ehm Welk, der als Schriftsteller durch seine „Heiden von Kummerow“ bekannt wurde. Unter dem Pseudonym Thomas Trimm schrieb er einen Leitartikel, der den Titel „Herr Reichsminister – ein Wort bitte!“ trug. Joseph Goebbels ließ ihn feuern, Welk kam zeitweise ins KZ Oranienburg und erhielt nach seiner Freilassung Berufsverbot.

„Die Grüne Post“ wurde später zum Vorbild für die im Osten Deutschland Kultcharakter erlangende Wochenpost. Weitere damals zum Ullstein-Konzern gehörende Zeitschriften waren das als etwas snobistisch-mondän geltende Blatt „Die Dame“, das Magazin „Uhu“, „Der heitere Fridolin“, eine Kinderzeitschrift, und die populärwissenschaftliche „Koralle“.

NS-Zeit

Die Familie Ullstein musste sich während der Nazidiktatur von ihrem Unternehmen trennen, das später als Deutscher Verlag firmierte. Ab 1937 erschienen hier die „Deutsche Allgemeine Zeitung“, „Signal“, „Das Reich“ und „Der Panzerbär“.

Nachkriegsjahre

Nach Kriegende erhielt die Familie ihr Unternehmen - soweit noch vorhanden - wieder zurück. Das Geschäft lief zunächst gut, man gründete auch neue Zeitschriften, wie z.B. den Vorläufer der heutigen Brigitte, und bot 1952 - allerdings erfolglos - mit um den Kauf der Tageszeitung Die Welt. Mitte der Fünfziger geriet Ullstein allerdings in eine schwere Finanzkrise.

Übernahme durch Axel Springer

Über die Stationen Verlag Druckhaus Tempelhof, wo weitere Berliner Zeitungen über Lohndruckverträge produziert wurden, und Ullstein AG kam es über eine 26-Prozent-Beteiligung 1956 drei Jahre später zur Übernahme der Aktienmehrheit durch Axel Springer.

Geschichte der Ullstein-Zeitungen nach 1960

Später baute Springer unmittelbar an der Mauer, die Berlin seit 1961 durchzog, im alten Zeitungsviertel, in dem einst Ullstein residierte, sein Verlagshaus Kochstraße, das 1966 eröffnet wurde.

Unter Axel Springer kam es in den beiden Ullstein-Zeitungen zu einem scharfen Rechtsruck; Alles Kommunistische oder (scheinbar) kommunistisch angehauchte wurde von den Springer-Zeitungen scharf angegangen; die B.Z. wurde außerdem von einer Abendzeitung in ein Boulevardblatt angelsächsischen Stils umgewandelt.

Geschichte des Ullstein-Buchverlags nach 1960

Buchallianz mit Langen Müller

1985 führten Axel Springer und Herbert Fleissner ihre Buchaktivitäten (Ullstein und Langen-Müller) in einer gemeinsamen Gesellschaft zusammen, an der beide Partner 50% hielten. Geschäftsführer wurde Fleissner, der zuvor geschäftsführender Alleingesellschafter von Langen-Müller gewesen war. Unter Fleissner verfolgte die Ullstein-Gruppe einen rechtskonservativen Kurs, so war man z.B. am Historikerstreit wesentlich beteiligt. Da Axel Springer sich zwar einerseits eine politisch konservative Buchgruppe wünschte, andererseits aber auf keinen Fall mit rechtsextremen, konservativen oder antisemtischen Strömungen in Verbindungen gebracht werden wollte, entschloss man sich 1995 dazu, die Allianz wieder aufzulösen; die Verlage wurden entlang der ursprünglichen Grenzen wieder zwischen den beiden Gesellschaftern aufgeteilt.

Übernahme der Verlagsgruppe Goethestraße und des Heyne-Verlags

Spätestens ab 1998 verfolgte Axel Springer auch im Buchbereich die Devise, wonach man in jedem Geschäftsbereich entweder (mit-)marktführend oder nicht vertreten sein solle. Folgerichtig übernahm man in diesem Jahr die Münchner Verlagsgruppe Arabellastraße und führte sie mit dem Ullstein-Verlag zur Verlagsgruppe EconUllsteinList zusammen. Geschäftsführer wueder der ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der Verlagsgruppe Arabellastraße (?) Christian Strasser; Sitz der Verlagsgruppe blieb aber das alte Ullstein-Gebäude in Berlin. 2001 übernahm man außerdem den Heyne-Verlag in München, der - gemessen an Auflage - alleine fast so groß war wie die ganze EconUllsteinList-Gruppe zusammen. Die Gruppe wurde in UllsteinHeyneList umbenannt.

Anfang/Mitte 2002 wurde die Zentrale der Buchgruppe sowie der Sitz des Ullstein-Verlags selbst nach München verlegt. Ende 2002 gab dann Axel Springer - nicht ganz überraschend - bekannt, dass man sich aus dem Buchgeschäfts (abgesehen von Cora-Verlag, der nie Teil der Ullstein-Gruppe war), zurückziehen werde. Käufer für die Gruppe war die Verlagsgruppe Random House, die Buchsparte und eine 100%-ige Tochter des Bertelsmann-Konzerns. Bertelsmann übernahm laut Kaufvertrag auch das Kartellrisiko.

Zerschlagung der Ullstein-Gruppe

Den ursprünglichen Plan von Bertelsmann, UllsteinHeyneList vollständig in RandomHouse integrieren zu dürfen, erlaubte das Bundeskartellamt nicht. Man befürchtete eine zu große Marktmacht; zum einen, da es dann mit Bertelsmann, Weltbild und Holtzbrinck nur noch drei große deutschsprachige Buchgruppen gegeben hätte, welche alleine einen Großteil des Gesamtumsatzes mit deutschsprachigen Büchern gemacht hätten; zum anderen, da die Dominanz Bertelsmanns insgesamt und im besonderen im Bereich Taschenbücher sehr groß gewesen wäre.

Daraufhin schlug Bertelsmann dem Kartellamt vor, Heyne, Südwest und Diana aus der Verlagsgruppe herauszulösen und in RandomHouse zu integrieren zu dürfen, wenn man dafür die (Rest-)Ullstein-Gruppe weiterverkaufe. Das Kartelamt stimmte dem zu, obwohl Bertelsmann auf diese Weise (nach Auflage) immerhin die Hälfte der damaligen Ullstein-Gruppe übernehmen durfte, und mit den Verlagen Goldmann und Heyne mit 40% eine klare marktführende Stellung bei Taschenbüchern bekam.

Käufer der verbliebenen Ullstein-Gruppe war der schwedische Medienkonzern Bonnier; die Gruppe wurde in ihren heutigen Namen Ullstein Buchverlage GmbH umbenannt und der Sitz wieder zurück nach Berlin verlegt. Da Bonnier in Deutschland bereits die Verlage Carlsen, Malik, Piper und Thienemann besaß, stieß er mit dem Kauf in die Spitzengruppe der deutschen Verlagsgruppen auf.

siehe auch: Pressegeschichte, Zeitung, Antiquarische Zeitung

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