Uhu (Art)

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Bild:Disambig-grau.png Dieser Artikel beschreibt die Tierart. Für andere Bedeutungen, siehe Uhu (Begriffserklärung).
Uhu

Uhu (Bubo bubo)
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Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Uhus (Bubo)
Art: Uhu
Wissenschaftlicher Name
Bubo bubo
Linnaeus, 1758

Der Uhu (Bubo bubo) ist eine Vogelart aus der Gattung der Uhus (Bubo), die zur Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) und zur Ordnung der Eulen (Strigiformes) gehört.

Die deutsche Bezeichnung "Uhu" ist, genau wie viele mundartliche Namen wie beispielsweise "Schuhu", vom Balzruf des Uhus abgeleitet. Auch die lateinische Artbezeichnung "Bubo" ist auf diesen für die Art charakteristischen Ruf zurückzuführen.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Bild:Skelettkopf Uhu.jpg

Körpergröße und Gewicht

Der Uhu ist die größte Eulenart der Welt. Weibchen sind deutlich größer als Männchen (reverser Geschlechtsdimorphismus). Von Südwesten nach Nordosten zeigt die Art eine deutliche Größen- und Gewichtszunahme (Bergmann'sche Regel). Männchen aus Norwegen erreichen im Durchschnitt eine Körperlänge von 61 cm und wiegen zwischen 1800 und 2800 g, im Mittel 2450 g. Norwegische Weibchen haben im Durchschnitt eine Körperlänge von 67 cm und wiegen 2300 bis 4200 g, im Mittel 2990 g. Vögel aus Thüringen wiegen im Mittel 1890 g (Männchen), bzw. 2550 g (Weibchen). Die schwersten mitteleuropäischen Uhuweibchen wogen 3200 g. Der Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen zeigt sich auch bei der Flügelspannweite. Die Spannweite der Männchen beträgt durchschnittlich 157 cm, die der Weibchen dagegen 168 cm.

Sonstige Merkmale

Aufgrund der plustrigen Befiederung wirkt der Uhu ziemlich massig. Der Kopf ist groß und rund und hat auffallend lange Federohren. Diese stehen normalerweise schräg seitlich oder nach hinten ab. Der Uhu besitzt auch den für Eulen typischen Gesichtsschleier, der allerdings weniger stark ausgeprägt ist als beispielsweise bei der Waldohreule oder Schleiereule.

Das Körpergefieder ist in Mitteleuropa ein helles Braun mit dunkler Längs- und Querstreifung. Der Rücken ist dabei dunkler als der Bauch, auch die Flügelunterseiten sind heller befiedert. Die einzelnen Unterarten des Uhus, unterscheiden sich unter anderen in ihrer Körpergröße sowie in der Grundfärbung ihres Gefieders. So ist die Grundfärbung des Gefieders der in Nordafrika und dem Nahen Osten beheimatete Unterart Bubo bubo ascalaphus ein helles sandfarbenes Braunbeige.

Bestand und Verbreitung

Bild:Bubu bubo dis.png

Uhus gehören zu den Eulenarten, die ein sehr großes Verbreitungsgebiet haben. Sie sind sowohl in Nordafrika als auch in Europa und Asien beheimatet. In Europa fehlen sie in der nördlichen Hälfte Frankreichs, auf den britischen Inseln sowie auf Island.

Der Bestand wird für Mitteleuropa auf etwa 2000 Brutpaare geschätzt. In Deutschland taxiert man die Zahl auf 800 bis 900 Brutpaare (2004), in Österreich auf mindestens 320 (1992), in der Schweiz auf 120 Brutpaare (1998).

Der Bestand des Uhus hat in den letzten Jahren aufgrund von Schutz- und Biotopentwicklungsmaßnahmen sowie durch Auswilderungsaktionen zugenommen.

Lebensraum

Allgemeine Anforderungen

Vor allem durch menschliche Verfolgung ist der Uhu in Mitteleuropa heute weitgehend auf die Mittelgebirge sowie die Alpen beschränkt. Das typische Uhurevier hat im Durchschnitt eine Größe von 40 Quadratkilometern. In seinem Verbreitungsgebiet zeigt der Uhu jedoch auch, wie stark er sich den unterschiedlichen Gegebenheiten seines Lebensraumes anpassen kann. Uhus leben auch in nahezu baumlosen Wüstengebirgen, in den lichten borealen Nadelwäldern sowie in subtropischen Breitengraden. Sie sind auch an Meeresküsten zu finden. Generell bevorzugt die Art Gebiete, in denen sie stehende oder fließende Gewässer vorfindet.

Anforderungen an das Jagdrevier

Das für den Uhu ideale Jagdrevier hat eine abwechslungsreiche Struktur und ist von Hecken, Gewässern und Feldgehölzen sowie offenen Feldflächen durchzogen. Gewässer spielen im Habitat eine besondere Rolle, da der Uhu diese nicht nur für seine Jagd nutzt, sondern auch zum Baden und zum Trinken. Während Uhus den engeren Bereich rund um das Nest verteidigen, gilt dies nicht für ihr Jagdrevier. Dieses überlappt sich zum Teil mit dem benachbarter Individuen. In Lebensräumen, die optimale Bedingungen bieten, kann daher die Besiedlung durch Uhus sehr dicht sein. So wurden beispielsweise in Südfrankreich auf einer Fläche von 140 Quadratkilometern 28 Brutpaare gezählt.

Anforderungen an den Brutplatz

Der Uhu ist heute vor allem ein Felsenbrüter. Er nistet gerne in Felswänden, Nischen und Felsbändern, die für Raubsäuger, die den Jungen gefährlich werden können, nicht erreichbar sind. Wichtig für ihn ist, dass das eventuell davor liegende Kronendach der Bäume ihm eine ausreichende Einflugschneise gewährleistet. Gut geeignete Brutplätze sind häufig über Generationen von Uhus besetzt.

Der Uhu nutzt als Brutplatz auch von Menschen geschaffene Steinbrüche - im uhureichen Bayern befinden sich 50% der Brutplätze in solchen sogenannten "sekundären Brutbiotopen". Dabei sind vereinzelt sogar Fälle belegt, dass der Uhu auch in solchen Steinbrüchen brütet, in denen noch Abbau betrieben wird. Voraussetzung ist allerdings, dass der unmittelbare Brutbereich nicht gestört wird.

In Regionen, in denen nur wenig Felsen zur Verfügung stehen - wie beispielsweise in Schleswig-Holstein - brütet der Uhu häufig auch am Boden oder in verlassenen Greifvogelhorsten.

Verhalten, Jagd und Beuteschema

Ruhe- und Komfortverhalten

Den Tag verbringen Uhus geschützt in Baumkronen, Felsnischen oder Strauchwerk sitzend. Sie nehmen dabei die weiter unten beschriebene Tarnhaltung ein, die es sehr schwer macht, ihn zu entdecken.

Meistens sitzen Uhus aufrecht auf ihren Ruheästen. Gelegentlich legen sie sich jedoch auch schräg mit dem Brustbein auf einen starken Ast. Wie nahezu alle Eulenarten nehmen Uhus gerne ein Sonnenbad, zu dem sie sich mitunter flach auf den Boden legen. Uhus baden außerdem gerne und durchnässen dabei gelegentlich ihr Gefieder bis zur Flugunfähigkeit. Auch im Regen zeigen sie eine Komforthaltung, bei der sie ihre Flügel auffächern und ihr Körpergefieder sträuben. Beim Sandbad schaufeln sie Sand mit ihren Flügeln auf Nacken und Rücken.

Rufe

Der Uhu verfügt über ein großes Rufrepertoire. Das Männchen lässt in der Balzzeit ein dumpfes "buho" erklingen, das bis zu einem Kilometer weit zu hören ist. Das Weibchen antwortet auf diesen Ruf mit einem helleren "u-hu". Häufig rufen beide Geschlechter im Duett. Während der Paarung ist vom Männchen außerdem ein erregtes "hohohoho" und vom Weibchen ein schrilles "wiwiwiwi" zu hören.

Zum Balzverhalten gehören auch eine ganze Reihe weitere Laute:

Mit weich im Glissando verschmelzenden Silben "buhju" oder "ujo" lockt das Männchen beim "Nestzeigen" und zur Beuteübergabe. Diese "eindringlichen" Laute werden sowohl in rascher Folge gereiht als auch einzeln mit anderen Lautäußerungen kombiniert (z.B. Fütterungslaut). Eine verhalten-leise Serie glucksend-gackernder Silben wird vom Männchen zur Demonstration einer prospektiven Nistmulde in rascher Reihung eingesetzt (weiches "gu.dugg-gu.dugg-gu.dugg", mit Betonung der jeweils 2. Silbe). Dieser Laut entspricht im Charakter dem Fütterungslaut ("dugge-dugge" bzw. "glugg-glugg"), mit dem das Weibchen die Nestlinge zur Abnahme von Beutestücken anregt. (Mebs, Scherzinger, S. 157)

Ähnlich wie die Fütterungslaute im Balzverhalten eine Rolle spielen, lässt das Weibchen auch Bettelrufe wie die Junguhus erklingen. Nestlinge rufen anfangs leise "chnää", die Ästlinge dagegen lassen ein zischendes und raues "chau" oder "chtscht" hören. Ästlinge zeigen dabei eine große Ausdauer. Ihre weithin hörbaren Rufe können über Stunden erschallen.

Die Balzrufe des Uhus lassen sich auch auf folgender externer Webpage hören: Seite des Nabu Deutschland mit Uhurufen

Jagdweise

Bild:Uhu-2.jpg Der Uhu ist ein nächtlicher Jäger, der sich mit der Dämmerung auf Jagd begibt, etwa nach Mitternacht eine Jagdpause einlegt und dann bis zur Morgendämmerung weiterjagt. Jagdaktivitäten während des Tages zeigt er nur während Hungerperioden. Auf Mäusejagd oder der Jagd auf andere bodenbewohnende Säuger kontrolliert er im Gleit- oder Ruderflug dicht oberhalb des Erdbodens sein Revier. Jagt er Vögel, fliegt er dagegen in Wipfelhöhe der Bäume. Bei der Jagd auf Vögel kann er sehr hohe Fluggeschwindigkeiten erreichen; er ist in der Lage, Raben, Dohlen oder Tauben im Flug einzuholen und ist wendig genug, um einen Vogel auch in dichtem Baumbestand zu verfolgen. Er schlägt seine Vogelbeute allerdings bevorzugt dann, wenn sie entweder nachts auf den Ästen ruhen oder wenn sie durch ihn aufgeschreckt auffliegen.

Der Uhu ist auch am Boden ein geschickter Jäger, der mit weitausholenden Schritten zu jagen vermag. Er ist in der Lage, eine flüchtende Maus am Boden laufend einzuholen. Er sucht den Boden jedoch auch nach Schnecken, Regenwürmern und anderen Wirbellosen ab. Uferbereiche und Gezeitenzonen am Meer werden von ihm nach Krebsen und Fischen abgesucht.

Uhus sind in der Lage, sich eine Fettreserve anzufressen und damit auch längere Hungerperioden zu überstehen, die beute- und wetterbedingt auftreten können.

Beutetiere

Zu seiner Beute zählen Igel, Ratten, Mäuse, Feldhasen, aber auch andere Vögel wie zum Beispiel Krähen, Tauben und Enten sowie auch Aas. In seinen Gewöllen konnten mehr als 50 unterschiedliche Säugetierarten und fast 180 Vogelarten nachgewiesen werden. Das Beuteschema ist in vielen Regionen Europas umfangreich analysiert worden. Diese Analysen zeigen, dass der Uhu zwar in der Lage ist, sehr viele Tierarten zu nutzen, aber in der Regel die Arten bejagt, die in seinem Jagdrevier besonders häufig vorkommen. So zeigen zum Beispiel Untersuchungen im Burgenland, dass mit dem allgemeinen Rückgang des Rebhuhns auch der Anteil der Rebhühner bei den von den Uhus erbeuteten Tieren zurückging. Bild:Igel01.jpg Uhus können Beutetiere im Flug wegtragen, die bis zu zwei Drittel ihres Körpergewichts wiegen. Zu ihren Beutetieren gehören daher gelegentlich auch die bis zu 2,2 kg schwer werdenden Eiderente, Frischlinge, Murmeltiere, junge Füchse oder schwache Rehkitze. Er schlägt aber auch Graureiher, Habichte und Eulen. Zu den häufig von ihm erbeuteten anderen Eulenarten gehört beispielsweise der Waldkauz und die Waldohreule.

Tarnen und Drohen

An ihren Ruheplätzen tarnen sich Uhus mit steil aufgerichteten Federohren und zu schmalen Schlitzen verengten Augen. Damit verbergen sie ihre auffälligen Gesichtskonturen mit den großen Augen auch gegenüber Tagvögeln, die auf einen tagsüber entdeckten Uhu mit aggressivem Verhalten reagieren, laut lärmend auf den entdeckten Uhu aufmerksam machen und teilweise sogar Scheinangriffe auf den nächtlichen Räuber fliegen (sogenanntes "Hassen" oder "Mobbing", vergleiche auch den Artikel Eulen).

Obwohl ein ausgewachsener, gesunder Uhu durch kein anderes Raubtier bedroht ist, verfügt er trotzdem über ein ausgefeiltes Drohrepertoire. Ein in die Enge getriebener Uhu, der durch Flucht nicht mehr ausweichen kann, sträubt das Gefieder, knappt mit dem Schnabel und faucht. Er fächert dann auch seinen Schwanz auf, bildet mit den Flügeln ein großes Flügelrad auf und vergrößert damit optisch seine Körpergröße.

Fortpflanzung

Balz

Obwohl die Uhuweibchen während der Balzzeit hormonbedingt dem Werben des Männchens aufgeschlossener gegenüber reagieren, müssen beide Vögel zuerst die innerartlichen Aggressionen und den Fluchttrieb abbauen. Während der ersten Begegnungen kann das Weibchen aggressiv und abwehrend auf das kleinere Männchen reagieren. Es fliegt dann auch durchaus Angriffe auf den männlichen Vogel, der sich durch Flucht entzieht. In Gehegen, in denen dem Männchen keine ausreichenden Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung standen, wurden schon männliche Vögel durch das Weibchen getötet.

Sofern das Brutrevier von ausreichender Qualität ist, kommt es zu einer dauerhaften Paarbindung.

Männchen, die noch keine Partnerin haben, rufen sehr ausdauernd und intensiv. Dabei ist ihr Kehle gebläht, so dass ein weißer Kehlfleck sichtbar wird. Intensives Rufen hat man auch bei Uhuweibchen festgestellt, deren Partner verstorben ist und die im ursprünglichen Revier allein zurückblieben. Sie sind in der Lage, über ihr Rufen ein Männchen in das Revier zu locken.

Zum Balzverhalten gehört es auch, dass das Männchen versucht, das Weibchen mit Lock- und Fütterungslauten zum ausgewählten Nistplatz zu locken. Nimmt das Weibchen den Nistplatz an, beginnt das Männchen das Weibchen mit Beute zu versorgen, und zwar häufig schon Wochen vor dem eigentlichen Brutbeginn. Jedes 5. Uhupaar schreitet allerdings nicht zur Brut – das kann beispielsweise auf nicht ausreichend vorhandene Beute zurückzuführen sein.

Brut

Die Küken schlüpfen nach 34 Tagen.

Entwicklung der Junguhus

Die Schlupf eines Uhukükens kann bis zu 24 Stunden dauern. Die frisch geschlüpften Uhus tragen ein weißliches Dunenkleid und wiegen durchschnittlich 60 Gramm. Im Alter von sechs Tagen sind die Nestlinge erstmals in der Lage, auf ihren Fersen zu hocken, mit 16 Tagen können sie bereits stehen. Der Zeitpunkt, zu dem die Nestlinge die Nistmulde verlassen und damit zu Ästlingen werden, ist vom Brutplatz abhängig. In geschützten Felsnischen verbleiben die Junguhus bis zu 10 Wochen; liegt die Nistmulde dagegen am Boden, wandern die Jungen bereits mit 3,5 Wochen ab. Sicher Gehen, Springen und Klettern können Uhujunge allerdings erst mit vier bis fünf Wochen. Die Eltern versorgen ihre Nachkommenschaft auch während der Ästlingsphase, da die Junguhus erst im Alter von etwa 5 Monaten voll jagdfähig sind. Das erste Lebensjahr erleben jedoch durchschnittlich nur drei von 10 Junguhus.

Fressfeinde und Lebenserwartung

Einem ausgewachsenen, gesunden und flugfähigen Uhu werden andere Beutegreifer nur in Ausnahmefällen gefährlich. Erfahrungen, die man in Gehegen gemacht hat, zeigen, dass ein Uhu wehrhaft genug ist, beispielsweise einen ausgewachsenen Fuchs zu töten.

Gefährdet sind dagegen Junguhus. Füchse und Marder beispielsweise fressen Junguhus, sofern sie diese an ihren Brutplätzen erreichen können. Zu den Schutzmaßnahmen, die zur Bestandserhaltung ergriffen werden, gehört daher die Absicherung von Brutplätzen in Steinbrüchen gegen den Zugriff von Füchsen. bei den gelegentlich vorkommenden Bodenbruten sind die Gelege sowie die Küken auch durch Wildschweine gefährdet.

In die Enge getriebene Uhus zeigen das unter „Tarnen und Drohen“ beschriebene Verhalten. Bereits Junguhus können mit Schnabelknappen, Fauchen und Kreischen sowie dem Schlagen des Flügelrads Fressfeinde so beeindrucken, dass sie die Jungvögel in Ruhe lassen.

Wenn auch die Sterblichkeitsrate der Junguhus während ihres ersten Lebensjahres 70% beträgt, können die Uhus, die diese kritische Phase überleben, ein beachtliches Lebensalter erreichen. Aufgrund von Beringungen konnte als maximales Lebensalter bisher 27 Jahren bei in freier Wildbahn lebenden Uhus nachgewiesen werden. Vögel in Volierenhaltung können erheblich älter werden. Der Methusalem unter den Uhus in Volierenhaltung erreichte ein Lebensalter von 68 Jahren, allerdings ist ein Alter von 28 bis 34 Jahren typischer für Volierenvögel.

Unterarten

Innerhalb des großen Verbreitungsgebietes des Uhus haben sich eine Reihe von Unterarten ausgebildet. Verschiedene Autoren unterschieden bis zu zwanzig Unterarten, die sich in der Grundfärbung des Gefieders sowie in der Körpergröße zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Nach neueren Untersuchungen sowohl der Rufe als auch der DNA werden gegenwärtig 14 Unterarten unterschieden. Da in Teilen Asiens noch keine vergleichende Untersuchungen durchgeführt wurden, ist die genaue Anzahl der Unterarten noch offen. Es stellte sich erst kürzlich heraus, das die Unterart Bubo bubo ascalaphus die in Nordafrika und im Nahen Osten lebt, eine separate Art ( Bubo ascalaphus, Wüstenuhu oder Pharaonenuhu) darstellt. Als generelle Regel gilt, dass in nördlichen Bereichen und im Gebirge lebende Uhus größer sind als die im südlichen Verbreitungsgebiet. Die kleinste Unterart Bubo bubo hispanus lebt auf der iberischen Halbinsel.

Mensch und Uhu

Verwendung in der Jagd

Bild:Uhu-3.jpg Der Uhu weist wie die meisten anderen Eulenarten ein optisches Erscheinungsbild auf, das von anderen Vögeln erkannt wird. Auf tagsüber im Versteck entdeckte Eulen reagieren Vögel mit einem eindeutigen Aggressionsverhalten und versammeln sich in der Nähe eines Verstecks einer Eule, "hassen" durch lautes Rufen auf den Fressfeind und fliegen teilweise sogar Angriffe.

Der Mensch hat sich dies immer wieder zunutze gemacht; beispielsweise wurden Steinkäuze zum Fang von Drosseln verwendet. Eine der am häufigsten zu solchen sogenannten "Hüttenjagden" verwendeten Eulenarten war der Uhu. So wurden beispielsweise allein im Jahre 1914 über eine Ulmer Tierhandlung 83 junge Uhus verkauft, die vor allem in Süddeutschland ausgehorstet wurden.

Zur Hüttenjagd wurde der Uhu in der Regel auf einem Baumstumpf vor dem Versteck des Jägers angepflockt. Mit dem Uhu als Lockvogel wurden beispielsweise Krähen und Greifvögel gejagt. Jäger zahlten daher attraktive Preise für lebend gefangene oder ausgehorstete Uhus, was in einigen Regionen dazu führte, dass die Uhubestände dramatisch zurückgingen.

Veränderung der Wertschätzung des Uhus

Bis ins 20. Jahrhundert hinein galt der Uhu als Jagdschädling, der zu bekämpfen sei. Man sah in ihm einen Jagdkonkurrenten, der jagdlich attraktive Tiere wie Fasan, Feldhase und Reh zur Beute hatte. Zum Ende der 1930er Jahre war der Uhu aufgrund der intensiven Bejagung und der Aushorstung von Junguhus für die Hüttenjagd in weiten Bereichen seines vormals besiedelten Gebietes in Mittel- und Westeuropa nahezu vollständig ausgerottet.

Heute haben die meisten Jäger ein wesentlich realistischeres Bild vom Beuteschema eines Uhus und von seiner Rolle in einem intakten Biotop. Dies hat ergänzend zu gesetzlichen Schutzmaßnahmen erheblich zur Wiederansiedelung von Uhus in zwischenzeitlich uhufreien Regionen beigetragen. Gleichzeitig profitiert der Uhu von einer durch Menschen bedingten verbesserten Ernährungssituation. Zu seiner Jagdbeute gehören beispielsweise Ratten auf Müllplätzen, obwohl er hier einer erhöhten Verletzungsgefahr durch den herumliegenden Müll ausgesetzt ist.

Gefährdungsursachen

Zwar schießt heute niemand mehr auf Uhus, aber bedroht sind sie trotzdem. Gefährdungsursache Nummer eins ist der Verkehr. Uhus können die Geschwindigkeit des Straßen- und Schienenverkehrs nicht zuverlässig einschätzen, Straßen und Schienen sind für sie vielmehr ein attraktives Jagdgebiet. Hier finden sie verunglückte Tiere, die leichteste und zugleich gefährlichste Beute, denn der Uhu wird schnell selbst zum Opfer des rasenden Verkehrs. Dass auch Windenergieanlagen am falschen Ort Uhus gefährlich werden können, zeigen die Funde toter Uhus in Windparks.

Die Gefahr für Uhus, an Mittelspannungsmasten zu verunglücken, ist bald gebannt. Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet die Netzbetreiber, bis 2012 die vorhandenen gefährlichen Masten und Bauteile so umzurüsten, dass Vögel vor Stromschlag geschützt sind. Manche Netzbetreiber haben das schon von sich aus getan. Für die Oberleitungen der Bahn gilt die Umrüstungspflicht leider nicht. Deshalb wird der Uhu auch weiterhin gerade bei dem in manch anderer Hinsicht umweltfreundlichen Unternehmen Bahn buchstäblich auf der Strecke bleiben – falls die Bahn sich nicht selbst zu Gegenmaßnahmen verpflichtet.

Probleme bereiten können den Uhus auch Klettersportler am falschen Ort und zur falschen Zeit, trotz aller Naturverbundenheit und Rücksichtnahme. Sie gehen dort ihrem Vergnügen nach, wo Uhus seit jeher Sicherheit gerade vor dem Menschen erwarten: in steilen Felswänden und luftiger Höhe. Ungestörte Felsen sind für den Uhu ganzjährig überlebenswichtig, vor allem aber während der langen Brutzeit, die bis zum Selbstständigwerden der Jungen von Februar bis September reichen kann. Wie schwer die Folgen unbeschränkten Klettersports in Uhulebensräumen sind, zeigen Beobachtungen der „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“ in der Eifel. Dort stürzten immer wieder junge, noch nicht flugfähige Uhus vom Rummel am Fels aufgeschreckt in den Tod.

Wiederansiedelungen durch den Menschen

Der Uhu gehört zu den Vogelarten, deren ehemalige Besiedlungsgebiete erfolgreich durch Wiederansiedelungen wieder zu Uhurevieren wurden. Zu den Uhubeständen, die auf diese Weise wieder begründet wurden, zählen beispielsweise die im Harz und der Eifel.

Zur Wiederansiedelung werden dabei unterschiedliche Methoden genutzt. Eine der erfolgreichsten Methoden, die zur Verstärkung von Restpopulationen genutzt wird, ist die sogenannte "Adoptionsmethode", bei der nicht erfolgreich brütenden Uhus Eier oder sogar Jungvögel untergeschoben werden. Die jungen Uhus wachsen dann unter natürlichen Bedingungen auf und weisen keine Fehlprägungen durch eine Aufzucht in menschlicher Obhut auf.

Zur Besiedelung neuer Gebiete hat es sich bewährt, wenn Uhus durch ihre Elternvögel in Gehegen in der Region aufwachsen, die sie später besiedeln sollen. Sie werden dann direkt aus dem Zuchtgehege freigelassen. Diese Methode wird insbesondere im Bayrischen Wald erfolgreich angewandt, wo Auswertungen verschiedener Wiederansiedelungsweisen zeigten, dass diese Methode am ehesten sicherstellt, dass die Junguhus im Gebiet verbleiben.

Wenn auch die Wiederansiedelungsversuche beim Uhu zum Teil mit großen Erfolgen einher gingen, werden sie doch von vielen Naturschützern kritisch beurteilt. Die Wiederansiedelungsversuche sind zum Teil sehr kostspielig und viele Naturschützer vertreten die Ansicht, dass diese Gelder sinnvoller in der Biotoperhaltung und Horstbewachung verwendet und auf eine natürliche Wiederbesiedelung vertraut werden sollte. Kritisch gesehen wird auch das in der Öffentlichkeit erzeugte Bild einer wieder reparierbaren Natur.

Die Erfahrungen mit Wiederansiedelungsprojekten des Uhus zeigen auch, dass dies eine wirksame Hilfe für existenzbedrohte Bestände dann ist, wenn solche Projekte entsprechend wissenschaftlich begleitet werden, die Gründe für das ursprüngliche Erlöschen der Population nicht mehr vorhanden sind und der wiederbesiedelte Lebensraum groß genug ist, um einer fortpflanzungsfähigen Population ausreichend Lebensgrundlage zu bieten.

Schutzmaßnahmen

Die wichtigste Maßnahme zur Erhaltung der Uhubestände ist die Sicherung der Biotopqualität - beim Uhu sind dies vor allem der Erhalt vielfältig strukturierter Landschaften. Von solchen Schutzmaßnahmen zugunsten des Uhus, der am Ende der Nahrungskette steht, profitieren dabei eine große Anzahl verschiedener Pflanzen und Tierarten, die gleichfalls in ihren Beständen bedroht sind.

Zu den Schutzmaßnahmen, die gezielt dem Uhu dienen, gehört die Horstbewachung, die verhindert, dass brütende Uhus durch Klettersportler und Fotografen an ihrem Brutplatz so gestört werden, dass sie die Brut aufgeben. Eine weitere Maßnahme ist die Anpassung von Arbeiten in Steinbrüchen an die Brutzeiten von Uhus sowie die Absicherung der Brutplätze gegen Füchse, die Junguhus gefährden können.

Kulturgeschichtliches

Das Kinderlied "Ein Vogel wollte Hochzeit feiern" widmet dem Uhu zwar eine Strophe, dies stellt kulturgeschichtlich jedoch eher eine Ausnahme dar. Sagen und Märchen erzählen meist unspezifisch von Eulen und differenzieren selten zwischen den einzelnen großen Eulenarten. Auch Shakespeare erwähnt Eulen, verzichtet aber gleichfalls darauf, die Art zu benennen. Aus diesem Grund sind die kulturgeschichtlichen Besonderheiten im Artikel über Eulen erwähnt.

Martin Luther erwähnt in seiner Übersetzung des Alten Testaments den Huhu (3. Mose 11, 17) bzw. den Uhu (5. Mose 14, 16) als eine der unreinen Vogelarten, die nicht verzehrt werden sollen. Einige andere Übersetzungen sprechen in diesen Reinheitsgeboten statt vom Uhu von anderen Eulenarten; auch die Reihenfolge der genannten Tiere variiert von Übersetzung zu Übersetzung.

Der 1932 auf den Markt gebrachte und nach dem Vogel benannte Kunstharzklebstoff UHU ist in Deutschland und Österreich so weit verbreitet, dass der Markenname sich in diesen Ländern zu einem Begriffsmonopol für Alleskleber entwickelte. Der Name bezieht sich nicht auf spezielle Eigenschaften des Uhus – die Benennung von Markenartikeln nach Vogelarten war in der deutschen Schreibwarenbranche damals weit verbreitet, nachdem die 1896 nach dem Wappentier eines Unternehmers benannte Marke Pelikan sehr erfolgreich war. Der Uhu wurde ausgewählt, da er im dem Produktionsstandort Bühl nahen Schwarzwald heimisch war. Andere bekannte Beispiele sind die Marken Marabu (als Stabreim auf den Unternehmernamen Martz), Schwan-STABILO (nach der Unternehmerfamilie Schwanhäußer) und Greif (nach dem Wappentier Greifenbergs).

Vogel des Jahres 2005

Am 1. Oktober 2004 wurde der Uhu vom Naturschutzbund Deutschland zum Vogel des Jahres 2005 gekürt.

Literatur

  • Nicolai: Greifvögel und Eulen. Kompaß Naturführer. Gräfe und Unzer Verlag, München 1987, ISBN 3-77-423805-7
  • Glutz von Blotzheim (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 9: Columbiformes - Piciformes. 2., durchgesehene Auflage, Aula-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89-104562-X
  • Hölzinger/ Mahler: Die Vögel Baden-Württembergs. Band 3: Nicht-Singvögel. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-80-013908-1
  • Bauer/Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas. Bestand und Gefährdung. Aula-Verlag, Wiesbaden 1997, ISBN 3-89-104613-8
  • Mebs: Eulen und Käuze. Alle europäischen Eulen und Käuze. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1987, ISBN 3-44-005708-9
  • Mebs/Scherzinger: Die Eulen Europas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-44-007069-7

Weblinks

Bild:Commons-logo.svg WikiCommons: Uhu – Bilder, Videos oder Audiodateien
Bild:Wiktionary-logo-en.png Wiktionary: Uhu – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
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