Turfan
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Bild:Turfan location.png Turfan (oder Turpan, chin.: 吐魯番, pinyin: Tulufán) ist eine Oasenstadt an der nördlichen Route der Seidenstraße im Autonomen Gebiet Xinjiang im Westen von China.
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Geografie
Turfan befindet sich am Nordrand der Turfan-Senke, die an ihrer tiefsten Stelle - an den Ufern des Aydingkol-Sees - 154,50 m unter NN liegt. Damit ist sie, nach dem Toten Meer, die zweittiefste Senke der Erde.
Bevölkerung
Die Stadt, die 1990 rund 55.645 Einwohner hatte, ist überwiegend von Uiguren besiedelt
Klima
Kontinentalklima mit extrem heißen Sommern und kalte Wintern, der Jahresniederschlag beträgt nur 16 mm. Bedingt durch die Kessellage wehen häufig sehr starke Winde.
Wirtschaft
Die Oase wird durch Jahrhunderte alte, unterirdische Kanäle, die Schmelzwasser aus dem ca. 70 km. entfernten Hochgebirge des Tienschan herbeiführen, bewässert. Angebaut werden vor allem Melonen, und Trauben, die zu Rosinen getrocknet werden. Wegen der moslemischen Bevölkerung werden die Trauben nicht zu Wein verarbeitet.
Sehenswürdigkeiten
Innerhalb der Stadt:
- malerische, von Rebenspalieren beschattete Wege
- das Emin-Minarett, das um 1776 aus ungebranntem Lehm erbaut wurde.
In der Umgebung:
- die Ruinenstädte Jiaohe und Gaochang sowie das antike Höhlenkloster Bäzäklik mit Wandmalereien aus dem 9. Jhd. n. Chr.
Turfanfragmente
Ein Teil dieser Malereien und andere Kunstschätze wurden am Anfang des 20. Jhd. von deutschen Forschungsexpeditionen, den sogenannten Turfanexpeditionen ins Museum für Indische Kunst (Berlin) abtransportiert, darunter die sogenannten Turfanfragmente, eine Sammlung von über 40.000 Handschriften und Handschriften-Fragmenten in 16 verschiedenen Sprachen und 26 verschiedenen Schriftarten in unterschiedlichen Buchformen, für deren bibliothekarische Erschließung und konservatorische Betreuung die Staatsbibliothek zu Berlin zuständig ist.
Diese Schriftstücke befassen sich mit buddhistischen sowie christlich-nestorianischen, manichäischen und säkularen Inhalten. Den größten Teil davon machen die ca. 8000 alttürkischen buddhistischen Texte aus
In Turfan (und auch Dunhuang) fand man eine ganze Reihe sogdisch- buddhistischer Schriften, diese stammen allerdings erst aus der Zeit der Tang-Dynastie (618-907) und sind Übersetzungen aus dem Chinesischen. Frühere sogdisch-buddhistische Texte fehlen.
Christliche Texte gibt es hauptsächlich auf Syrisch und Sogdisch, aber auch als syrisch-sogdische Bilinguen, sowie einige türkisch-nestorianische Fragmente.
Manichäische Texte sind auf Mittelpersisch, Parthisch, Sogdisch und Uigurisch erhalten; die sogdischen und uigurischen Dokumente zeigen eine bemerkenswerte Anpassung an den Buddhismus, aber auch Hinweise auf eine gegenläufige Beeinflussung gibt es.
Die buddhistischen Texte sind größtenteils fragmentarisch erhalten. Es gibt mehrere indische Sanskrittexte diverser Schulen des Mahayana und Hinayana, uigurische Texte, die zum größten Teil Übersetzungen aus dem Sanskrit, dem Tocharischen und ab dem 9. Jahrhundert verstärkt aus dem Chinesischen sind.
Viele der bisher editierten uigrischen Dokumente und Fragmente der buddhistischen Schriften umfassen Lehrschriften (Sutras) und theologisch-philosophische Werke (Adidharma- Werke). Die Ordenszucht (Vinaya) scheint im Gegensatz zu den anderen Buddhistischen Inhalten nicht übersetzt sondern auf Sanskrit gelehrt und studiert worden zu sein. Unter den Tocharische Vorlagen finden sich unter anderem 2 große Werke: Ein 27 Kapitel umfassendes Schauspiel über Maitreya (der Buddha der Zukunft)und die Maitrisimit (das Zusammentreffen mit Maitreya), und eine Sammlung von Buddhistischen Erzählungen (Dasakarmapathadanamala), sowie Kommentare und Katechismen. Jataka- Werke (Geschichten über Vorexistenzen des Buddha) sind in türkischen Blockdrucken überliefert, auch wenn nur noch wenige erhalten sind.
Literatur
- Grünwedel,A.: Altbuddhistische Kultstätten in Chinesisch Turkistan, Bericht über archäologische Arbeiten von 1906 bis 1907 bei Kucha, Qaraæahr und in der Oase Turfan. Berlin, 1912.
- Zaturpanskij, Choros (i.e. A. v. Le Coq): Reisewege und Ergebnisse der deutschen Turfanexpeditionen, Orientalisches Archiv 3, 1912, pp. 116-127.
- Le Coq, A. v.: Auf Hellas Spuren in Ostturkistan. Berichte und Abhandlungen der II. und III. Deutschen Turfan-Expedition. Leipzig, 1926.
- Le Coq, A. v.: Von Land und Leuten in Ostturkistan. Berichte und Abenteuer der 4. Deutschen Turfanexpedition. Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung, Leipzig 1928.
- Franz, H. G.: Kunst und Kultur entlang der Seidenstraße. Graz, 1986.
- Yaldiz,M.: Archäologie und Kunstgeschichte Chinesisch-Zentralasiens (Xinjiang). Leiden, 1987.
Weblinks
- Turfanforschung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (mit digitalem Turfan-Archiv)
- Turfansammlung im Museum für Indische Kunst in Berlin-Dahlem
- Die Oase Turfan
- Expeditionen nach Turfan (engl.)
- Karte von der Umgebung von Turfan
Koordinate: 42,93° N; 89,17° O



