Taufliegen
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| Bild:Drosophila melanogaster - side (aka).jpg | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Drosophilidae | ||||||||||||
Die Familie der Taufliegen (Drosophilidae), auch Frucht-, Obst- oder Essigfliegen genannt, gehört innerhalb der Ordnung der Zweiflügler (Diptera, Fliegen und Mücken) zur Unterordnung der Brachycera (Fliegen). Es handelt sich bei ihnen um kleine, nur etwa 1–6 (meist 2) mm große Fliegen, die fast überall vorkommen, so in feuchten Laubwäldern und an Waldrändern, aber auch in der Nähe menschlicher Behausungen. Sie werden von faulenden Früchten sowie Getränkeresten in offenen Flaschen angezogen, von deren gärenden Substanzen sie sich ernähren. Der deutsche Trivialname „Fruchtfliege“ ist auf diese Vorliebe für faulende Früchte zurückzuführen. Analog dazu entstand auch der Name „Obstfliege“. Der Name „Taufliege“ leitet sich von dem Verhalten der Tiere ab. Sie sind überwiegend morgens und abends fliegend unterwegs, also zu Zeiten in denen sich häufig Tau niederschlägt.
Weltweit sind über 3000 Arten bekannt. Davon leben etwa 50 in Deutschland. Man unterscheidet Wildarten, die ökologisch an Gehölze gebunden sind, und Kulturfolger, die sich an menschliche Lebensgewohnheiten angepasst haben und vorwiegend im Kompost und überall dort leben, wo Früchte lagern oder Fruchtsäfte gären. Kulturfolger sind beispielsweise Drosophila melanogaster, Drosophila simulans, Drosophila funebris, Drosophila busckii, Drosophila immigrans, Drosophila hydei und Drosophila replata. Einige Wildarten kommen auch in Gärten, manche sogar in Häusern vor, wie zum Beispiel Drosophila subobscura und Drosophila limbata. Von den Kulturfolgern sind manche auch außerhalb von Siedlungen anzutreffen, aber sie können dort keine dauerhaften Populationen aufbauen.
Am bekanntesten ist die Art Drosophila melanogaster, die zwei bis drei Millimeter lang wird, gelbbraun gefärbt ist, schwarze Hinterleibsringe und rote Augen besitzt und im 20. Jahrhundert zu einem Standard-Untersuchungsobjekt der Genetik wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Entwicklung und Larvenstadien
Bild:Drosophila egg.png Bei vielen Taufliegenarten gibt es eine Balz vor der Paarung, die sich in mehrere Phasen unterteilen lässt. Die erste Phase umfasst die Erkennung, bei der das Männchen das Weibchen mit den Vorderfüßen betastet. Besonders jungfräuliche Weibchen sondern einen Sexuallockstoff ab, der über kurze Strecken von den Männchen wahrnehmbar ist. Die Identifizierung läuft offensichtlich chemisch ab, da das Männchen sich beim Betasten von artfremden Weibchen zurückzieht. In einer zweiten Phase kommt es zu einer optischen Orientierung, bei der das Männchen das Weibchen umrundet und hinter ihm herläuft. Diese Phase kommt nur bei tagaktiven Arten vor, fakultativ nachtaktive Arten wie Drosophila melanogaster vollführen sie nicht. In der dritten Phase öffnen beide Geschlechter langsam ihre Flügel und schließen diese wieder, wobei die Anzahl dieser Aktionen und das exakte Verhalten artspezifisch ist. Die vierte Phase beginnt mit einem Vibrieren des Männchens mit dem zum Weibchen weisenden Flügel, wobei es weiter das Weibchen umkreist. Der dabei erzeugte Luftstrom wird von den Weibchen mit Hilfe der in den Antennenbasen gelegenen Johnston'schen Organe wahrgenommen. Bei vielen Arten beantwortet das Weibchen das Vibrieren, indem es ebenfalls mit den Flügeln vibriert. Danach berührt das Männchen mit dem Rüssel die Geschlechtsregion des Weibchens und direkt darauf erfolgt der erste Kopulationsversuch. Das Männchen versucht, auf den Hinterleib des Weibchens zu steigen, wird dabei in der Regel jedoch mehrfach abgewehrt. Wenn das Weibchen nicht paarungswillig ist, flieht es. Zur Stimulation kann das Balzritual mehrfach wiederholt werden, bis es zur Paarung kommt.
Die Weibchen der Taufliegen legen bis zu 400 Eier in gärende Pflanzenstoffe oder andere Substrate ab, die als spätere Nahrung für die Larven dienen können. Die Eier sind arttypisch geformt und besitzen spezifische Atmungsanhänge mit einem Plastron.
Die daraus schlüpfenden Larven durchlaufen wie andere Fliegenlarven drei Stadien in Form eines typischen Madenstadiums. Die meisten Larven sind saprophag, ernähren sich also von abgestorbenen Pflanzenresten oder fauligen Früchten, insbesondere fressen sie hier die Mikroorganismen, die die Früchte zersetzen, zum Beispiel Hefen und Bakterien. Andere sind phytophag und leben als Minierer in Pflanzenstängeln oder Blättern. Zu diesen gehört Scaptomyza flava, die bei Massenvorkommen an Kulturpflanzen, vor allem Kreuzblütlern, lästig werden können. Wieder andere entwickeln sich in Pilzen (etwa Drosophila transversa) und manche ernähren sich sogar räuberisch von Insekten, die an Pflanzen saugen. Cacoxenus indagator-Larven leben in den Nestern solitärer Bienen und ernähren sich von deren Nektar- und Pollenvorrat.
Das erste Larvenstadium der Taufliegen ist metapneustisch, besitzt also nur eine offene Stigmenöffnung am Ende des Hinterleibs, die anderen beiden Stadien besitzen jeweils eine offene Stigmenöffnung am Vorder- und am Hinterende und sind somit amphipneustisch.
Am Ende der Entwicklung bildet sich eine braune Tönnchenpuppe, die überwintert. Die Puppe besitzt arttypische Prothorakalhörnchen, die der Atmung der Puppen dienen. Oft entwickeln sich mehrere Taufliegen-Generationen im Jahr. Der Zeitraum vom Ei bis zur fertig entwickelten Fliege beträgt nur ca. 14 Tage.
Systematische Einordnung
Die Drosophiliden gehören in der Ordnung der Diptera zu den Brachycera, den „Kurzfühlerigen“ (im Gegensatz zu den Mücken, den „Langfühlerigen“). Innerhalb der Brachycera gehören sie zu den cyclorrhaphen Schizophora. Die Cyclorrapha („Rundspaltige“) zeichnen sich durch die bereits erwähnte Tönnchenpuppe aus. Den Namen haben sie deshalb, weil die schlüpffertige Fliege den Deckel der Puppe an einem kreisförmigen Spalt sprengt. Die Kraft für diese Sprengung stammt aus eine Blase, die sich zwischen Stirn und Gesicht der Fliege bildet. Nachdem die Fliege die Puppenhülle verlassen hat, bildet sich diese Blase wieder zurück. Es bliebt jedoch eine Naht zwischen Stirn und Gesicht, was ihnen den Namen „Schizophora“, „Spaltträger“ gab. Innerhalb der Cyclorrhapha gehören die Taufliegen zu den Acalyptrata (den „unbedeckten“), das sind diejenigen Familien, deren Schwingkölbchen nicht von zwei Schuppen bedeckt sind (im Gegensatz zu den Calyptrata).
Die Familie der Drosophilidae wird in zwei Unterfamilien, Steganinae und Drosophilinae, eingeteilt, die sich zum Beispiel durch Beinborsten und den Bau der Vaginalplatten unterscheiden. Zu den Steganinae gehören die Gattungen:
- Acletoxenus
- Amiota
- Cacoxenus
- Gitona
- Leucophenga
- Stegana.
Zu den Drosophilinae gehören die Gattungen:
- Chymomyza
- Dettopsomia
- Drosophila
- Microdrosophila
- Mycodrosophila
- Scaptomyza
- Zygothrica.
Taufliegen als Lästlinge
Eigentlich sind Taufliegen für den Menschen völlig ungefährlich, höchstens durch ihr massenhaftes Vorkommen lästig, so auch in Mostereien, bei der Weinherstellung oder in Essigfabriken. Allerdings übertragen sie Hefepilze und Bakterien und sorgen so dafür, dass Obst schneller schlecht wird.
Bauanleitung für eine Taufliegenfalle
Eine einfache Taufliegenfalle kann man sich leicht aus einer leeren Plastikflasche basteln. Dazu schneidet man die Flasche mit einer Schere durch, dreht den oberen Teil um 180 Grad und steckt ihn als Trichter in den unteren Teil. Zuvor bohrt man ein kleines Loch in den Schraubdeckel. Bevor man beide Teile, zum Beispiel mit Klebeband, fest verbindet, legt man ein kleines Stück Banane, am besten zerdrückt, in den unteren Teil. Die Fliegen werden von dem Geruch angelockt und gelangen durch den Trichter hinein, aber nicht mehr hinaus.
Ebenfalls sehr wirkungsvoll: In eine Tasse Wasser, Apfelessig und einen Spritzer Spülmittel geben. Die Fliegen werden von dem fruchtig-gärenden Geruch des Apfelessigs angelockt und ertrinken im seifigen Wasser.
Zusätzlich sollte man dafür sorgen, dass keine weiteren Nahrungsquellen für die Fliegen vorhanden sind und den Müll regelmäßig leeren. Dann sollte sich die Zahl der Taufliegen schnell reduzieren.
Zuchtanleitung
Die Zucht der Fliegen erfolgt am besten in hohen, durchsichtigen, 500 ml bis 1 l großen Gefäßen, z. B.: Trinkbecher, Einmachglas. Verschlossen werden die Behälter mit Küchenpapier oder mit einem Deckel (Luftlöcher maximal 1 bis 2 mm nicht vergessen). Um die Einkreuzung flugfähiger Arten zu vermeiden, ist doppelt gelegtes Küchenpapier vorzuziehen.
Beim Zuchtbrei gibt es viel Rezepte und Meinungen. Beste Erfahrungen habe ich mit folgendem Rezept gesammelt: Ein Gemisch aus 50 % Tafelessig und 50 % Haferflocken wird gut durchgerührt und ca. 2 bis 3 cm hoch in das Gefäß gefüllt. Auf den Brei kommt Holzwolle oder Pappröhren (Toilettenpapier), damit die Fliegen nicht im Brei versinken können. Nun kommen ca. 20 bis 50 Fliegen dazu. Die beste Temperatur für D. hydei liegt bei 20 bis 24 °C und für D. melanogaster 24 – 27 °C. Sobald sich Maden im Brei befinden, sollte man die Fliegen entnehmen. Diese sterben sonst ab und sorgen für starken Schimmelbefall. Drei bis vier Wochen nach Ansatz kann man bei D. hydei die ersten nachgezogenen Fliegen entnehmen. Bei D. melanogaster bereits nach ein bis zwei Wochen. Etwas Schimmel schadet der Kultur nicht, er sollte allerdings auch nicht überhand nehmen.
Hinweis zum Begriff „Fruchtfliege“
Neben Vertretern der Gattung Drosophila werden im deutschen Sprachgebrauch auch Fliegen aus der Familie Tephritidae als "Fruchtfliegen" bezeichnet, weshalb in diesem Artikel überwiegend der deutsche Name "Taufliege" für Drosophila verwendet wurde.
Literatur
- G. Bächli / H. Burla: Insecta Helvetica 7: Diptera - Drosophilidae. Schweizerische Entomologische Gesellschaft 1985
- Martin Brookes: Drosophila. Die Erfolgsgeschichte der Fruchtfliege. Reinbek 2002
Weblinks
| Bild:Wiktionary-logo-en.png | Wiktionary: Drosophila – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
- Fam. Drosophilidae: Taufliegen, Essigfliegen
- Fischfutter (Archiv der de.rec.tiere.aqaristik)
- Fruchtfliegen (als Lebendfutter)
- Uni Freiburg: Drosophila melanogaster (Linkliste)
- Thomas Hunt Morgan (1866-1945)
- www.wissenschaft.de: Taufliegen haben ungewöhnliche Atemtechniken entwickelt



