Syphilis
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Syphilis (lat. Lues venerea), auch Lues, harter Schanker oder Franzosenkrankheit genannt, ist eine ansteckende Geschlechtskrankheit, die von Bakterien (Treponema pallidum) verursacht wird.
Die Krankheit wird durch Schleimhautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Bei der Geburt kann eine infizierte Mutter die Krankheit an das Neugeborene übertragen.
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Symptome
Die Symptome des so genannten ersten Stadiums treten innerhalb der ersten 2-3 Wochen nach der Ansteckung auf. An der Infektionsstelle entsteht ein schmerzloses, gerötetes Geschwür, welches eine farblose Flüssigkeit absondert. Begleitende Schwellungen an den umliegenden Lymphknoten entstehen ebenfalls. Das Geschwür tritt an der Stelle auf, an welcher die Infektion stattgefunden hat. Das heisst am Penis, den Schamlippen, der Vagina, bei Analverkehr im Enddarm bzw. bei Oralverkehr in Mund oder Rachen. Da sowohl das Geschwür als auch die Schwellungen unbehandelt wieder verschwinden, wird die Erkrankung oft ignoriert oder nicht erkannt.
Im zweiten Stadium, das nach 1-2 Monaten oder auch erst nach 1-2 Jahren auftreten kann, findet man diversen Hautausschlag (z. B. rote Flecken am ganzen Körper ohne Juckreiz, oder große rote Flecken an Händen und Füßen) in manchen Fällen Haarausfall sowie Fieber. Auch diese Symptome gehen ohne Behandlung zurück, so dass manche Patienten von ihrer Infektion nichts wissen.
Das so genannte dritte Stadium kann nach langer Latenzzeit zu unterschiedlichen dauerhaften Organschädigungen führen. Es treten oft Kreislauf- oder Knochenschäden auf. Manche Patienten zeigen psychische Veränderungen (vgl. Progressive Paralyse) oder neurologische Auffälligkeiten infolge rasch fortschreitenden Abbaus von Hirn- bzw. Rückenmarksgewebe (Neurolues).
Zum Teil wird von einer erheblichen kurzzeitigen Steigerung der kognitiven mentalen Fähigkeiten der Infizierten berichtet.
Geschichte
Bild:Syphilis false shame and fear may destroy your future.png Bild:Syphilis is a dangerous disease.png 1495 trat die Syphilis zum ersten Mal bei der Belagerung Neapels durch den französischen König Karl VIII. auf. Daraufhinn überzog innerhalb von fünf Jahren eine Syphilis-Epidemie ganz Europa. Den Verlauf ihrer Ausbreitung kann man an den Namen erkennen, die die verschiedenen Völker ihr gaben, je nachdem, wo man die Quelle der Ansteckung vermutete:
- Italien: Französische oder keltische Krankheit
- Frankreich: Italienische oder neapolitanische Krankheit
- Spanien: Französische Krankheit
- England: Französische Krankheit
- Schottland: Englische Krankheit
- Deutschland: Französische Krankheit
- Polen: Deutsche Krankheit
- Ungarn: Französische Krankheit
- Russland: Polnische Krankheit
- Mongolei: Russische Krankheit
- Japan: Chinesisches Himmelsstrafengeschwür
Da in diesen Bezeichnungen deutlich ein Muster von Sympathien und Antipathien der jeweiligen Nationen zu erkennen ist, sagen die jeweiligen Namen natürlich weniger etwas über den wirklichen Ursprung der Krankheit als viel mehr über die Beziehungen der einzelnen Länder zueinander aus.
Nach der Kolumbus-Theorie wurde die Syphilis von Christoph Kolumbus bzw. seinen Matrosen eingeschleppt, als er 1493 nach der Entdeckung Amerikas 1492 nach Europa zurückkehrte. Inzwischen gilt die Kolumbus-Theorie als widerlegt. Der Engländer Dr. Simon Mays begründet seine präkolumbianische Theorie auf Knochenfunde, die auf die Zeit von 1296 - 1445 datiert wurden. Spezifische Veränderungen an den Knochen lassen mit großer Sicherheit auf eine Infektion mit Syphilis schließen. Die bedeutendsten Funde dieser Art stammen aus Riverhall, Essex in England. Demnach trat die Syphilis also bereits deutlich früher als 1495 zuerst in England auf. Es gibt weitere Hinweise, dass die Syphilis in einer harmloseren Form, als Hautkrankheit, schon im alten Griechenland oder im präkolumbianischen Amerika existierte.
Der Name Syphilis geht auf ein 1530 veröffentlichtes Gedicht des venezianischen Gelehrten Girolamo Fracastoro zurück. Die Reinzüchtung des Syphiliserregers gelang 1911 erstmals dem japanischen Bakteriologen Noguchi Hideyo.
Eine der größten Medizinskandale der USA war die Tuskegee Syphilis Study im Ort Tuskegee im US Staat Alabama, in dem etwa 400 schwarze und gleichzeitig meist arme und analphabetische Einwohner mit bekannter Syphilis bewusst nicht mit dem zur Verfügung stehendem Penicillin behandelt wurden, um die Spätfolgen der Infektion beobachten zu können. Die beobachteten Personen wurden nicht über die Studie informiert und auch nicht darüber, dass in der Zwischenzeit eine effektive Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung stand. Die „Studie“ begann im Jahre 1932 und endete erst 1972, als Einzelheiten an die Öffentlichkeit durchsickerten.
Das Robert-Koch-Institut in Berlin gab im Oktober 2004 bekannt, dass die Zahl der Syphilisinfektionen in Deutschland 2003 im Vergleich zum Vorjahr um weitere 20% angestiegen sei und schlug vor allem für die bundesdeutschen Großstädte Alarm.
Behandlungsmethoden
Im Mittelalter wurde die Syphilis mit dem hochgiftigen Quecksilber behandelt.
Die südamerikanischen Indianer verfügten über eine kombinierte Syphilistherapie, die ihnen in der Regel auch Heilung verschaffte, denn die Krankheit verlief bei ihnen weniger schwer als bei Europäern. Sie verwendeten Abkochungen aus dem Holz oder der Rinde des Guajakbaumes (Guaiacum officinale und G. sanctum) oder der Sarsaparillewurzeln (Smilax regelii u.a. Arten) in Kombination mit einem Schwitzbad und einer Fastenkur. Das Schwitzbad, dem sich die Indianer nach Einnahme von Guajak unterzogen, bestand in einer gezielten Heißbedampfung der äußeren Genitalien. Der Humanist Ulrich von Hutten hat diese Methode im Selbstversuch erprobt und in seinem 1519 erschienenen Werk "De guajaci medicina et morbo gallico liber unus" beschrieben. Tatsächlich trat durch die Behandlung zeitweilig eine Verbesserung ein.
Um 1900 fand man heraus, dass Treponema pallidum Temperaturen von über 41° C nicht überlebt. Daraufhin infizierte man Syphiliskranke absichtlich mit Malaria. Häufig genügten die hohen Malariafieberschübe, den Syphiliserreger abzutöten (Malariatherapie). Die Risiken und Nebenwirkungen waren nicht unerheblich, einer tertiären Syphilis waren sie jedoch durchaus vorzuziehen. 1909 entwickelt Paul Ehrlich Salvarsan ein weniger giftiges, aber wirksames arsenhaltiges Mittel. Heute wird die Syphilis mit Antibiotika behandelt und ist im ersten und zweiten Stadium heilbar. Im dritten Stadium bleiben oft Spätschäden.
Prävention
Durch die Anwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr kann die Übertragungswahrscheinlichkeit der Syphilis und anderer Geschlechtskrankheiten wesentlich verringert werden.
Auch eine Übertragung der Syphilis beim Oralverkehr ist möglich.
Insbesondere Menschen, die Sex mit wechselnden Partnern haben, sollten regelmäßig ihr Blut auf Syphiliserreger untersuchen lassen, da in Deutschland die Anzahl der Syphilisfälle in den letzten zwei Jahren deutlich ansteigt.
Bekannte Opfer
- Al Capone
- Konrad Celtis
- Sir Randolph Churchill
- Mihai Eminescu
- Erasmus von Rotterdam
- Paul Gauguin
- Klement Gottwald
- Francisco Goya
- König Heinrich VIII.
- Heinrich Heine (umstritten, vermutlich eher Multiple Sklerose)
- Ulrich von Hutten
- Lenin
- Guy de Maupassant
- Friedrich Nietzsche
- Niccolò Paganini
- Harry Nelson Pillsbury
- Kardinal Armand Jean du Plessis Richelieu
- Arthur Schopenhauer
- Franz Schubert
- Henri de Toulouse-Lautrec
- Oscar Wilde (umstritten)
- Hugo Wolf
Literatur
- Die Strafe der Venus
- Adam, Birgit:
- Eine Kulturgeschichte der Geschlechtskrankheiten. 2001. 238 S. m. zahlr. Abb.
- ISBN 3-572-01268-6, KNO-NR: 09 82 57 26 -ORBIS- 5.00 EUR
- Dermatologie und Venerologie.
- Braun-Falco, Otto; Plewig, Gerd; Wolff, Helmut H.:
- 4. Aufl. Sonderausg. 2002. XIII, 1615 S. m. 850 meist farb. Abb. 27 cm.
- ISBN 3-540-43556-5, KNO-NR: 00 31 16 00 -SPRINGER, BERLIN- 69.95 EUR -
Weblinks
- http://www.m-ww.de/krankheiten/sexuell_uebertragbare_krankheiten/syphilis.html
- Sehr gute Zusammenfassung
- Syphilis - Flexicon
- http://www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/syphilis.htm
- http://www.cdc.gov/nchstp/od/tuskegee/time.htm Tuskegee Experiment
- http://www.gpc.edu/~shale/humanities/composition/assignments/experiment/tuskegee.html Tuskegee Experiment
- www.etuxx.com/ etuxx goes geschlechtskrankeiten: Siffiges zur Syphilis
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