Synthese
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Als Synthese (spätlateinisch synthesis, von griechisch σύνθεση, sýnthessi - die Zusammensetzung, Zusammenfassung, Verknüpfung) bezeichnet man eine Methode zur Erkenntnis oder Konstruktion ideeller oder materieller Systeme, dessen Wesen in der gedanklichen oder praktischen Verbindung einzelner Elemente zu einem Ganzen besteht. Oftmals wird mit der "Synthese" auch das Ganze selbst, d.h. das Resultat der synthetischen Tätigkeit bezeichnet. Die Synthese ist untrennbar verbunden mit dem ihr entgegengesetzten Verfahren der Analyse.
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Allgemein
Der Vorgang der Analyse endet in der Erkenntnis über das Wesen einer Erscheinung und deren innerer Zusammenhänge. Die Synthese kehrt diesen Vorgang um und versucht aus den Elementen, welche durch die Analyse gefundenen wurden, ein neues Ganzes zusammen zu setzen. Dialektisch erhebt die Synthese das Einzelne auf die Stufe des Allgemeinen, das Konkrete auf die des Abstrakten, sie fasst das Mannigfaltige zu einer Einheit zusammen. Dadurch gelangt man mit elementareren zu komplexeren Begriffen. Die hierbei angenommene Annahme beruht auf dem Determinismus und der materiellen Einheit der Welt. Ein wesentliches Merkmal für die Richtigkeit einer gedanklich geführten Synthese besteht darin, dass keine Kombination oder Verknüpfung hergestellt wird, welche in der Wirklichkeit als Einheit nicht existiert. Es kann nur das zusammengefasst werden, was vorher schon einzelne Bestandteile des Ganzen waren.
Historisch
Im europäisch historischen Sinne sind erste Ansätze dazu sind bei Platon, Aristoteles und Pappos von Alexandria vorhanden, als man die Synthese nach einer Problemanalyse als Konstruktionsverfahren für geometrische Problemlösungen stellte . Die oben beschriebene Neuordnung der einzelnen Elemente führt zu logischen und wahren Sätzen der Geometrie (Euklidische Geometrie). In der neuzeitlichen Algebra wird darunter die Suche nach den hinreichenden Bedingungen für das Gleichungslösen verstanden. Newton schloß sich dieser von Pappos v. Alexandria maßgeblich bestimmten Methodik an und versteht unter der Synthese die Ableitung von physikalischen Prinzipien aus den mechanischen Prinzipien. Auch hier wird in der analytischen Mechanik die Suche nach hinreichenden Lösungsbedingungen von Bewegungsgleichungen verstanden. Nach Kant gibt es synthetische Sätze oder Urteile, in denen nicht analytisch erklärbare Teile hinzu kommen und ihnen somit scheinbar Neues hinzufügen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Erweiterungsurteilen. In der modernen Wissenschaftstheorie wird hierbei noch zwischen formal-synthetischen Aussagen und materiell-synthetischen Aussagen unterschieden. Erstere werden durch das Handeln mit bestimmten Symbolen und der Regeln für den Umgang mit diesen gerechtfertigt. Bei den materiell-synthetischen Aussagen wird mittels Rückgang auf die Elemente eine bestimmte ideale Form geschlossen. In der Hegelschen Dialektik bedeutet die Synthese die höhere Einheit von These und Antithese in dessen Zusammenhang man von der Negation der Negation (allg. Grundgesetze der Dialektik) spricht, in welcher sich aus Quantitäten in einer höheren Ebene neue Qualitäten entwickeln. In Anlehnung an die genannte historische Betrachtung lässt sich eine Definition für die Synthese von technischen Systemen aufstellen.
Gegenstand der Synthese von technischen Systemen ist das Problem, vorgegebene bzw. geforderte Verhaltensweisen durch technische Systeme zu realisieren. Hingegen der empirischen Arbeitsweise oder der des Experimentes, wird bei der Synthese aus einem mathematisches Modell die Realisierung gewonnen. Aus Erfahrungen der Analyse ist bekannt, dass es oft mehrere Realisierungen gibt, die in mindestens einer ihrer Eigenschaften übereinstimmen. Daraus geht hervor, dass das Syntheseproblem und damit die speziellen Syntheseaufgaben nicht eindeutig lösbar sind. Die Teilaufgaben einer Sythese sind: 1. Mathematische Synthese, 2. Struktursynthese, 3. Äquivalenzetappe, 4. Realisierung
Spezielle Anwendungsgebiete
- in der Philosophie die Möglichkeit zu neuen, komplexeren Begriffen mit der Kenntnis und Vereinigung bestimmter geistiger Elemente zu gelangen: Synthese (Philosophie), Dialektische Aufhebung
- der Entwurf neuer Stoffe aus der Kombination bestimmter Elemente und Gruppen, spezielles Gebiet insb. der organischen Chemie: Synthese (Chemie), Katalysator
- in der Elektrotechnik der Entwurf von linearen sowie nichtlinearen Systemen, Schaltkreisen und elektromagnetischen Feldern, auch der Entwurf von digitalen Schaltkreisen: Synthese (Elektrotechnik), Wilhelm Cauer
- in der Mechanik der Entwurf von Systemen, die zur Realisierung einer vorgegebenen Bewegungsaufgabe dienen, z.B. eines Getriebes
- in anderen pysikalischen Gebieten in denen Bewegungsprozesse oder Felder synthetisiert werden sollen Thermodynamik, geometrische Optik, Quantenmechanik
- in der Informatik wird die Synthese als Problemlösungsstrategie von wissensbasierten Systemen angewendet: künstliche Intelligenz
- in der Biologie, insbesondere in der Physiologie von Lebewesen bezeichnete Vorgänge der Zerlegung einzelner Teile des Ganzen und deren veränderter Rekombination: Biosynthese, Chemosynthese, Photosynthese
- in der Musik, in der man mit der Kenntnis bestimmter einzelner instrumenteller Elemente und bestimmter harmonischer Regeln neue Stücke komponieren kann: Synthesizer, Herbert Brün, Musiktheorie
- im künstlerischen Bereich im Allgemeinen, in der man mit Kenntnis bestimmter künstlerischer Elemente und deren Kombination neue Formen und Kompositionen schaffen kann: bildende Kunst, Architektur
Literatur, Quellen
- Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosopie und Wissenschaftstheorie (in 4 Bd.), J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 1980-1996
- Klaus, Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch (in 2 Bd.), Bibliographisches Institut, Leipzig (versch. Auflagen)
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