Suburbanisierung

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Der Begriff Suburbanisierung bezeichnet die flächenhafte Ausdehnung städtischer Siedlungsweise bzw. Bevölkerung in das Umland einer Stadt. Damit verbunden ist ein Prozess der Dekonzentration von Bevölkerung, Produktion, Verwaltung und Handel. Mit der Entwicklung von Suburbanisierung und ihren demographischen, ökonomischen und siedlungsstrukturellen Auswirkungen befasst sich auch die Stadtgeografie. Meist wird der Begriff synonym mit der Suburbanisierung von Bevölkerung verwendet, doch auch Suburbanisierungsprozesse von Dienstleistung/Handel und Industrie lassen sich feststellen. Suburbanisierung ist ein zyklisches Phänomen, eingebettet in den Urbanisierungszyklus von: Urbanisierung - Suburbanisierung - Desurbanisierung - Reurbanisierung, wobei die einzelnen Phasen im städtischen Umfeld auch als parallele Phänomene anzutreffen sind.


Prozessbeschreibung

Bild:Suburbanisierung.jpg Zumeist parallel mit der Entwicklung von Massenverkehrsmitteln ist ein (historischer) Prozess der Ausdehnung städtischer Lebens- und Siedlungsweise aus der Kernstadt in das Ergänzungsgebiet zu beobachten. Die Abwanderung aus den Großstädten oder die Zuwanderung in die Ballungsgebiete führt zur Verstädterung ländlicher Gemeinden oder - bei Neugründungen von Siedlungen - zur Entstehung von Satellitenstädten oder Trabantenstädten. Diese außerhalb der Grenzen der Kernstadt liegenden Gebiete sind funktional mit der Kernstadt verbunden. Die funktionale Verflechtung zwischen Kernstadt und Umland wird in der Regel über den Anteil von Auspendlern aus einer Umlandgemeinde (engl: Suburb) in die Kernstadt definiert. Schwierigkeiten bei der Messung von Verflechtungen treten auf, wenn sich die Größe der Umlandregionen zwischen zwei zu untersuchenden Zeitpunkten verändert

Folgende Aspekte stehen bei der Beschäftigung mit Suburbanisierung im Vordergrund:

  • Die ungleiche Verteilung von Belastungen der öffentlichen Infrastruktur geht im allgemeinen zu Ungunsten der Kernstadt aus, die häufig ganz erhebliche Leistungen (auch) für das Umland erbringt, ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten, obwohl Umlandgemeinden oft ein relativ höheres Steueraufkommen haben.
  • Der Verlust an Zentralität und Bevölkerung führt in der Kernstadt häufig
    • zum Verlust an Arbeitsplätzen,
    • zur Veränderung der Einzelhandelsstruktur,
    • zu Segregation marginalisierter Bevölkerungsgruppen insbesondere im Innenstadtrandbereich und Segregation von bestimmten Haushaltstypen im suburbanen Raum (Akteure der Suburbanisierung)
  • Die zunehmende Zersiedelung und der wachsende Flächen- und Energieverbrauch sind mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit in der Nutzung natürlicher Ressourcen nicht vereinbar.

Bild:Suburbanisierung Leipzig.png Hauptakteure der Wohnsuburbanisierung sind jüngere Menschen, vor allem junge Familien, wie die beispielhafte Altersstruktur der Wanderungsbewegungen über die Stadtgrenze einer deutschen Großstadt hinweg zeigt.

Gründe für Suburbanisierung sind insbesondere

  • Ein starker Zuwanderungsdruck in die Stadt durch Inländer (Landflucht) oder Außenwanderungsgewinne (z.B. Zuzug hochqualifizierter ausländischer Arbeitskräfte in global cities). Seinen extremen Ausdruck findet dieser Prozess in der Ausbildung von Megacities.
  • Ein starker Siedlungs- und Flächendruck in den Kern- bzw. Innenstädten, bei dem in westlichen Industrieländern mit zumeist steigenden individuellen Flächenansprüchen und hohen Miet-/Baulandpreisen in innerstädtischen Lagen ein lang andauernder Prozess der Wohnsuburbanisierung ins städtische Umland entstanden ist.
  • Suburbanisierung wurde in den Industrieländern, z.B. Deutschland, durch eine deutlich verändertes Mobilitätsverhalten mit gleichzeitigem Ausbau des Verkehrswegenetzes, den Ausbau des ÖPNV und insbesondere die stark zugenommene Motorisierung ermöglicht.

Möglichkeiten der Steuerung

Heute sucht man der Suburbanisierung in Deutschland und anderen Industriestaaten entgegenzuwirken, da mit ihr die Zersiedelung der Landschaft anwächst und der Flächenverbrauch direkt und indirekt (Verkehr) ansteigt. Auch der Lastenausgleich für den Bau und Unterhalt von Infrastruktur wird zwischen Kernstadt und suburbanem Raum zunehmend zum Problem. Als ein raumordnerisches Gegenkonzept zur Suburbanisierung wird in der Raumordnung der Bundesrepublik Deutschland vor allem das Leitbild der dezentralen Konzentration verwendet.

Literatur

  • BMWi (Hrsg, 1995) Die Informationsgesellschaft. Fakten, Analysen, Trends. Bonn.
  • FRIEDRICHS, J. (1983²) Stadtanalyse. Opladen.
  • FRIEDRICHS, J. (1995) Stadtsoziologie. Opladen.
  • GAEBE, W. (1987) Verdichtungsräume. Stuttgart.
  • SASSEN, S. (1996) Metropolen des Weltmarkts. Die neue Rolle der global cities. New York.

Siehe auch: Stadtregion



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