Strategie
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Der Begriff der Strategie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Heeresführung. Strategie bedeutet soviel wie ein zielorientiertes Vorgehen, einen langfristigen Plan.
Inhaltsverzeichnis |
Abgrenzung
Die Begriffe Strategie, Operation und Taktik hängen eng mit einander zusammen. Alle zielen auf den richtigen Einsatz bestimmter Mittel in Zeit und Raum. Clausewitz hat als erster Kriegstheoretiker der Neuzeit die Begriffe Taktik, Operation und Strategie definiert. Diese Definitionen werden hier verwendet:
- Strategie ist der große Plan über allem. In der Strategie beschäftigt man sich eher mit langen Zeiträumen, während man sich in der Taktik eher mit kleineren Zeiträumen beschäftigt. Währenddessen stellt die Strategie die Führung von Gefechten zum Zwecke der Kriegsführung dar - also der große Plan hinter allem. In seiner ursprünglichsten Form, zielte die Anwendung einer Strategie nur auf militärische Zwecke ab.
- Taktik ist die aktuelle Aktivität um ein Ziel zu erreichen. Als Taktik bezeichnet er die Führung der Truppen in das Gefecht also die unmittelbare Art der Verwendung von Streitkräften im (in einem) Gefecht, die "kurzfristige" Taktik als Teil einer Strategie.
- Zwischen Taktik und Strategie sieht Clausewitz den Begriff der Operation. Die Führung der Truppen unmittelbar im (in einem) Gefecht ist seiner Definition nach die Taktik, die Führung der Truppen über mehrere Gefechte hinweg eine Operation und die Strategie ist die Führung der Truppen während des gesamten Krieges.
Zwischen taktischen, operativen und strategischen Erwägungen kann es hierbei durchaus zu Unterschieden kommen.
- Aus taktischer Sicht mag es durchaus sinnvoll sein, die aktuelle Schlacht zu gewinnen.
- Aus operativer Sicht jedoch kann es sinnvoll sein, eine Schlacht zu verlieren, wenn hierdurch die feindlichen Kräfte in einen Hinterhalt gelockt oder die eigenen Resourcen geschont werden können.
- Aus strategischer Sicht wiederum kann der Ausgang der einzelnen Schlachten vollkommen unerheblich sein, solange der Krieg selbst gewonnen wird.
Strategem: Dagegen bedeutet der verwandte Begriff Strategem eine spezielle Kriegslist, ein Trick oder ein manipulativer Kunstgriff im politischen und privaten Leben, der eine Symbiose aus Weisheit und Schläue zum Vorspiegeln, Verschleiern, Verlocken und Mitleid erregen bildet.
Prinzipien der militärischen Strategie
Die folgenden Strategieprinzipien sind weit verbreitet:
- Gesetz der Massen. Für den Fall, dass ideale Bedingungen herrschen, gilt, dass wenn man einer feindlichen Kampfeinheit eine eigene Kampfeinheit entgegenschickt, man mit einer 50% Gewinnchance rechnen kann. Ferner muss mit einer Verlustrate von 1:1 gerechnet werden.
- Ziele. Auswahl entscheidender Ziele.
- Initiative. Dem Feind die Initiative nehmen.
- Konzentration der eigenen Kräfte auf einen entscheidenden Punkt.
- Die eigenen Kräfte schonen.
- Wirkung der eigenen Kräfte maximieren.
- Geheimhaltung wahren, bis es für den Feind zu spät ist, entsprechend zu reagieren.
- Setze unerwartete Elemente ein. So wie z.B. Täuschung, Verschleierung, Geschwindigkeit, Kreativität, Wagemut und Verwegenheit.
- Einfachheit. Pläne sind so einfach zu halten wie irgend möglich.
- Flexibilität. Strategien müssen flexibel sein, um sich den gegebenen Umständen anpassen zu können.
Geschichte der militärischen Stategien
Ein Stratege war im antiken Griechenland ein gewählter Heerführer (stratos = Heer, agein = führen). Viele Militärstrategen haben versucht, erfolgreiche Strategien auf einen Satz von Prinzipien zusammenzufassen. Als früheste Schrift hierzu gilt das von Sunzi (Sun-Tsu), einem chinesischen General und Militärstrategen verfasste Werk Die Kunst des Krieges (孫子兵法 Pinyin: sūn zǐ bīng fǎ), welches wahrscheinlich um 500 v. Chr. entstand. Sunzi führt in seinem Buch 13 Strategien auf, während z.B. Napoléon Bonaparte 115 Strategien auflistete. Nathan Bedford Forrest hingegen, ein General in der Armee der Konföderierten Staaten von Amerika (C.S.A.) während des Amerikanischen Bürgerkrieges, kannte nur eine Strategie: "Get there first with the most men." (Sei als erster da mit den meisten Leuten). Die ersten militärischen Strategien sind in Sunzi's Werk Die Kunst des Krieges (孫子兵法Pinyin: sūn zǐ bīng fǎ), welches um 500 v. Chr. entstand. Die Feldzüge von Alexander dem Großen, Hannibal, Julius Caesar und Dschingis Khan demonstrieren großes strategisches Können.
Berühmte militärische Strategen
- Belisar
- Caesar
- Carl von Clausewitz
- Erwin Rommel
- Liddell Hart
- Kutusow
- Antoine-Henri Jomini
- Napoleon
- Sunzi
- Suworow
- Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke
Nicht militärische Bedeutungen
Politik und Krieg
Eine Strategie ist im modernen Sinne ein Konzept, um die eigenen Ziele zu erreichen. Hierzu muss zunächst klar sein, welche Endziele verfolgt werden sollen und wie die Rahmenlage ist, insbesondere bezogen auf die handelnden Parteien. Falls die handelnden Parteien unterschiedliche Ziele verfolgen oder gar gegensätzliche, so prallen unterschiedliche Absichten aufeinander. Aufgabe der Strategie ist es nun, einen Weg so zu finden, dass der eigene Wille durchgesetzt werden kann. Dies kann durch diplomatische Aktionen (Abkommen, Allianzen, ...) oder wirtschaftliche Einflussausübung geschehen, in letzter Instanz auch durch Krieg. In diesem Sinne ist der Krieg nach wie vor ein Mittel der Politik und zwar das massivste und im Rahmen der Verhältnismäßigkeit das letzte Mittel. Krieg ist im Gegensatz zur Diplomatie darauf ausgerichtet, den Willen des Gegners mit Gewalt zu brechen.
Carl von Clausewitz schreibt über den Unterschied von Strategie und Taktik: "Die Taktik ist die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht, die Strategie die Lehre vom Gebrauch der Gefechte zum Zweck des Krieges."
Die wissenschaftliche Untersuchung von Fragen der politischen und militärischen Strategie findet u.a. in der Disziplin der Strategische Studien statt.
siehe auch: Lissabon-Strategie
Sport und Spiel
Auch in Spielen ist Strategie gefragt: Die bekanntesten Strategiespiele sind Schach und in der asiatischen Welt Go.
In den meisten Sportarten spielt Strategie im Einzelwettkampf eher eine untergeordnete Rolle, dort dominieren Taktik und Intuition. Strategie kann aber von Bedeutung sein für eine längere Serie von Wettkämpfen, etwa eine ganze Saison in einer Liga. Beispielsweise ist eine langfristige Strategie notwendig beim Einkauf und Verkauf von Spielern und noch mehr beim Aufbau von Nachwuchsspielern. Sportarten, die auch im Einzelwettkampf eine durchdachte Strategie erfordern, sind beispielsweise Baseball und American Football.
Mit dem Aufkommen von Computerspielen entwickelten sich auch dort Spiele zur Strategie, in denen nur genau geplantes Vorgehen zum Erfolg führt. In der mathematischen Spieltheorie versteht man unter einer Strategie eine vollständige Handlungsanweisung für einen einzelnen Spieler, die alle denkbaren Spielsituationen eines Spiels abdeckt.
Ökonomie
Unter Strategie werden in der Wirtschaft die (meist langfristig) geplanten Verhaltensweisen der Unternehmen zur Erreichung ihrer Ziele verstanden. Weiteres siehe Hauptartikel Strategie (Wirtschaft)
Architektur
Die Entwurfsstrategie der Architekten beim Entwurf komplexer Bauten zielt u.a. auf die Sicherung ggf. erforderlicher Veränderbarkeit der Gebäude oder Gebäudeteile bei sich wandelnden Nutzeranforderungen.
Der Strategie geht ein eigentümliches Rationalitätsverständnis voraus, das versucht einen Überblick (Wissen, Objekte) und Weitsicht (Zeit) zu gewinnen. Ein für die Moderne typischer Strategiebegriff korrespondiert demnach mit einem Panoptismus, der die Möglichkeit vorsieht, Raum und Zeit kalkulierbar zu machen und die sich im Raum befindenden Objekte zu beherrschen.
In der Postmoderne wird dieses Raumverständnis für gescheitert erklärt. Es gibt nicht den einen Raum, der kalkulierbar wäre. Damit einher geht die Vorstellung einer reflexiven Strategie, die sich selbst kontingent setzt, indem Sie z. B. die Unterscheidungen mit denen sie operiert wechselt. Damit wird der Raum zu einem Vexierbild. Nach dem Linguistic Turn wird Strategie somit nicht mehr mit Überblick zu übersetzen sein, sondern mit Durchblick, das die Beherrschung des Raums aufgegeben hat, sondern die Welt als Labyrinth versteht, indem es nun gilt, eine adäquate Weise der Bewegung zu finden.
Psychologie
Im Ramen des von Marshall B. Rosenberg entwickelten Modells der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) bezeichnet eine Strategie einen Weg, ein Bedürfnis zu erfüllen. Der Begriff Strategie lässt sich in diesem Zusammenhang mit einer Handlung gleichsetzen durch die ein Bedürfnis erfüllt wird, oder mit der Beziehung zu einer Person, durch die zur Erfüllung eines Bedürfnisses beigetragen wird. Konflikte entstehen laut GFK niemals zwischen verschiedenen Bedürfnissen, sondern lediglich zwischen verschiedenen Strategien, die der Erfüllung dieser Bedürfnisse dienen. Von daher ist es höchst relevant, Bedürfnisse von Strategien unterscheiden zu können.
Unternehmensstrategie
Siehe hierzu auch: Unternehmensstrategie
Siehe hierzu auch: Engpasskonzentrierte Strategie
Literatur
- Senger, Harro von: 'Strategeme. Lebens- und Überlebenslisten aus drei Jahrtausenden', 10. Aufl. Bern, München, Wien: Scherz 2000
- Clausewitz, Carl von: 'Strategie denken. Die hohe Kunst der Strategie', München: dtv
Siehe auch
Krieg, Angriff, Verteidigung, Strategem, Success Resource Deployment, strategische Allianz, strategische Familie, SALT, SDI, START, strategisches Gut, strategische Waffe, Strategischer Bomber, Strategische Studien, Strategische Bahn



