Sprachuniversalien

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(Sprach-)Universalien sind Eigenschaften, die allen natürlichen Sprachen gemeinsam sind, bzw. Aussagen über solche Eigenschaften.

Dabei lässt sich unterscheiden, ob eine Aussage über Eigenschaften der Sprachen selbst getroffen wird (substantielle Universalien), oder ob es sich um eine Aussage handelt, die für jedes korrekte sprachwissenschafliche Beschreibungssystem (also einer Grammatik im weitesten Sinne) gelten muss (formale Universalien). Je nach Theorie und betrachteter uniververseller Eigenschaft vermutet man den Grund für die Existenz von Universalien in neurobiologischen oder psychologischen Grundkonstanten, die, da sie für alle Menschen gelten, sich gleichermaßen in allen Sprachen niederschlagen (Bsp.: Grenzen der Wahrnehmungsfähigkeit, Größe des Kurzzeitgedächtnisses, Bewegungsgeschwindigkeit der Artikulationsorgane). Andere Erklärungen gehen davon aus, dass konkrete grammatische Eigenschaften einer menschlichen Sprache bereits im Erbgut verankert sind (Bsp.: Universalgrammatik). Ein dritter Ansatz postuliert universelle Eigenschaften in der Abbildung von sprachlichen Formen auf ihre Entsprechungen im menschlichen Denken oder der Logik allgemein (Bsp.: „So wie im Denken zwischen Objekten und Prozessen unterschieden wird, hat jede Sprache in irgendeiner Form die Unterscheidung zwischen Nomen und Verben.“). Und schließlich ist es möglich, Universalien als emergente Eigenschaften aufzufassen, die sich unter natürlichen Bedingungen in einem System von sich gegenseitig beeinflussenden Sprachbenutzern notwendig ergeben (Bsp.: „Gibt es in einer Sprache ausschließlich ähnlich klingende Vokale, driften die Vokale im Lauf der Zeit auseinander in Richtung einer größeren Differenziertheit. Daraus folgt: Es gibt keine Sprache mit ausschließlich ähnlich klingenden Vokalen, obwohl dies beispielsweise keiner physiologischen Gesetzmäßigkeit widersprechen würde.“)

Die meisten vorgeschlagenen Universalien sind – sofern sie unbeschränkte Gültigkeit beanspruchen – entweder umstritten oder trivial, bzw. zirkulär. Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn Eigenschaften, die zur Definition von Sprache herangezogen werden, als Universalien ausgewiesen werden: „Alle Sprachen bestehen aus Einheiten mit Symbolcharakter.“ Universalien, die nur eingeschränkte Gültigkeit beanspruchen, sind zum einen die Gruppe der statistischen Aussagen („Fast alle Sprachen haben stimmhafte und stimmlose Plosive“) und zum anderen die der Implikationsbeziehungen („Wenn eine Sprache einen Dual hat, dann auch einen Plural“). Aus einer Verkettung von derartigen Implikationen ergeben sich häufig Implikationshierarchien.

Universalien werden auch für den Sprachwandel und den Spracherwerb vorgeschlagen.


Weitere Beispiele für mutmaßliche Universalien

  • Sprachen werden nicht vererbt, sondern erlernt.
  • Sprachen ändern sich ständig.
  • Jede menschliche Gemeinschaft hat eine Sprache.
  • Nur die Menschen haben eine Sprache.
  • Alle Sprachen haben mindestens zwei Vokale.
  • Alle Phonemsysteme können mit Hilfe einer kleinen Zahl universeller distinktiver Merkmale beschrieben werden.
  • Alle Sprachen haben ein Intonationssystem.
  • Alle Sprachen besitzen Glieder, die keine eigene Bedeutung haben (Funktionswörter, beispielsweise Artikel).
  • Alle Sprachen besitzen Elemente mit deiktischem Charakter (beispielsweise Demonstrativpronomina).
  • Alle Sprachen haben Wörter für Eigennamen.
  • Jede Sprache mit Futur hat auch ein Präteritum, jedoch nicht umgekehrt.


Literatur

  • Comsky, N. (1965) Aspects of the Theory of Syntax. Cambridge/Mass: MIT Press.
  • Comrie, B. (1981). Language Typology and Universals. Oxford: Blackwell.
  • Greenberg, J.H. (Hrsg.)(1963) Universals of Language. Cambridge/Mass: MIT Press.


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