Speckgürtel
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Ein so genannter Speckgürtel ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen stark suburbanisierten Bereich um eine Kernstadt.
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Wirtschaftliche und finanzpolitische Probleme
Der Begriff wird in Deutschland für das Umland von Großstädten und Metropolen verwendet. Der Begriff soll kritisch darauf hinweisen, dass die umliegenden Gemeinden insbesondere durch die Stadt-Umland-Wanderung relativ einkommensstarker Haushalte wachsen und vom breiten Infrastrukturangebot der Kernstadt profitieren, ohne über Steuern zu dessen Finanzierung beizutragen. Auch arbeitet ein Großteil der Erwerbstätigen als Pendler in der Kernstadt, zahlen ihre Lohn- und Einkommensteuern aber in den Wohnsitzgemeinden.
Spezielle Probleme deutscher Stadtstaaten
Dieses fiskalische Problem stellt sich in besonderer Schärfe für die deutschen Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, da sie von ihrem Umlandgemeinden politisch getrennt sind: Während die Ausbildung eines Speckgürtels etwa um Frankfurt am Main oder München zwar für die Städte selbst nachteilig ist, werden die damit verbundenen Steuerkraftverluste über den jeweiligen Landeshaushalt und über den landesinternen kommunalen Finanzausgleich doch zumindest teilweise kompensiert. Die Steuerkraft der Umlandgemeinden der Stadtstaaten kommt hingegen allein den Nachbarländern zugute (Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) und wird nur dort intern umverteilt.
Bei der Klage über den "Speckgürtel" wird gerne unterschlagen, dass die Stadtstaaten zum Ausgleich bei der Berechnung des Länder-Finanzausgleichs eine um 35 Prozentpunkte höhere Einwohnerwertung erhalten. Darüber hinaus erspart sich der Stadtstaat Ausgaben für die Wohnraum- und soziale Versorgung der Einpendler aus dem Umland, ohne deren Kauf- und Arbeitskraft die Stadt als Wirtschaftsstandort Probleme bekäme.
Probleme der Stadtentwicklung und Raumordnung
Durch die Zersiedelung im Umland großer Städte verschwimmt die klare Trennung zwischen Stadt und Land, Stadt und umliegende Dörfer wachsen zusammen, Grünzäsuren werden bebaut und damit auch für das Kleinklima der Stadt wichtige Kaltzonen und Sauerstoff produzierende Waldgebiete vernichtet.
Die Entwicklung eines Speckgürtels trägt auch zur Ausbildung städtischer Monokulturen bei: Die strikte räumliche Trennung von Wohn- und Arbeitsbereich führt gleichzeitig zur Bildung von Trabantenstädten, die tagsüber wie ausgestorben wirken, zur kulturellen Auszehrung der Städte, die von den Menschen nach Feierabend fluchtartig verlassen werden, und zur Entwicklung permanenter Verkehrsüberlastung durch die Pendlerströme zwischen Speckgürtel und Innenstadt.
Um solchen Entwicklungstendenzen planerisch vorzubeugen, unterhalten deutsche Stadt- und Metropolregionen Regionalverbände und gemeinsame Landesplanungen (In Norddeutschland:Berlin/Brandenburg, Bremen/Niedersachsen und Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein).
Literatur
Dirk Bronger: Metropolen, Megastädte, Global Cities. Die Metropolisierung der Erde. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2004
Siehe auch
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