Rudolf Erich Raspe
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Rudolph Erich Raspe, 1736 in Hannover geboren, studiert Jura in Göttingen und Leipzig und arbeitet ab 1761 in Hannover als Bibliothekar. 1767 wird er Professor der Altertümer und Aufseher der fürstlichen Sammlungen in Kassel. Er verhilft verachteten, aber bedeutenden Beständen aus der frühen Neuzeit zu neuer Wertschätzung, konzipiert eine systematische Präsentation der Sammlung des Landgrafen Friedrich II von Hessen-Kassel, sucht gezielt Ergänzungen und knüpft ein persönliches Beziehungsnetz über Europa. 1771 verheiraten sich Raspe und die Berlinerin Elisabeth Lange. Raspe gerät in Schulden, veruntreut Münzen, flieht 1775 nach England.
Dort arbeitet er mehrere Jahre für den Grossindustriellen Matthew Boulton, als Verwalter von Minen und Bergwerken. Er lebt zunächst in London und übersetzt auch geologische Werke ins Englische, wohnt bis 1788 in Cornwall und hält sich in den Jahren 1789/1790 oft in Schottland auf. Raspe heiratet nach der Scheidung wieder und publiziert regelmäs-sig und vielfältig. Er stirbt 1794 in Irland. - Raspe pflegt persönlichen bzw. brieflichen Kon¬takt z.B. mit dem Kunstkenner Winckelmann, dem Gelehrten Herder, mit der Maler-familie Tisch¬bein, mit dem Gelehrten und Staatsmann Benjamin Franklin, dem Erfinder der Dampfmaschine James Watt, Captain James Cook, dem weltreisenden und Naturforscher Georg Forster, sowie mit dem Dichter Lessing. In seinem Leben hatte er mit min-destens 15 Personen zu tun, die der weit verzweigten Familie derer von Münchhausen angehören – ob der den Freiherrn Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen persönlich je gesehen und gehört hat, ist nicht bekannt.
Der Dichter Raspe schreibt 1763 zum Geburtstag der englischen Königin ein Lustspiel. Zur Heirat seiner Schwester verfasst er 1764 Frühlingsgedanken. 1766 publiziert er Hermin und Gunilde - eine Geschichte aus den Ritterzeiten, das als erste Romanze überhaupt gilt, und 1785 den Munchausen.
Der Künstler Raspe illustriert seine Übersetzung von Amor und Psyche aus den Metamorphosen des Apuleius mit 20 Federzeichnungen, seine eigenen literarischen (z.B. Munchausen 1786) und wissenschaftlichen Schriften (z.B. Specimen naturalis 1763).
Der Geologe Raspe publiziert über 30 Jahre hin zur Naturgeschichte, vertraut dabei auf eigene Feldforschung. Er ist methodisch innovativ. Ihn interessieren die von Mythen belastete Wissenschaftsgeschichte, geologische Sachverhalte im Detail sowie die ökonomische Verwertbarkeit der Forschungsresultate.
Der Kunstverständige Raspe nimmt öffentlich an Kontroversen um die Interpretation der Kunst der Antike teil. Er entdeckt und publiziert spätmittelalterliche Manuskripte zur Verwendung von Ölmalerei vor den Brüdern van Eyck. Am Hof in Kassel setzt er sich für die Anerkennung der als barbarisch geltenden frühneuzeitlichen Kunst ein und ent-wirft ein lehrreiches Museum. Im Auftrag des Händlers von Gemmen und Kameen James Tassie erstellt er den Katalog der Sammlung von der Zarin Katharina die Große sowie einen Katalog zu den Beständen von Tassie selbst, eingeleitet mit einer Geschichte der Steinschneidekunst von den Anfängen bis zu seiner Zeit.
Der Übersetzer Raspe überträgt aus dem Lateinischen, Italienischen, Englischen und Französischen ins Deutsche und umgekehrt, doch auch vom Englischen ins Französische, schreibt Eigenes in Lateinisch, Englisch und Französisch. Er hat Kenntnisse dern alten Sprachen auf den britischen Inseln. Zu den übersetzten Autoren zählen Apuleius, Georg Forster, Graf Algarotti, die Mineralogen Johann Jacob Ferber und Ignaz Edler von Born – und er selbst.
Der glückliche Finder Raspe ediert einige über lange Zeit vergessene Manuskripte von Leibniz und leitet eine regelrechte Leibniz-Renaissance ein. Er verhilft der Erkenntnis vom vulkanischen Ursprung des Basalts in Deutschland zum Durchbruch. Sein naturhistorisches Erstlingswerk verhilft ihm zur Mitgliedschaft in der noblen Royal Society. Er schreibt auf der Basis von verschiedensten vorgefundenen Texten den Munchausen.
Wer ist für den Welterfolg verantwortlich - Raspe oder Bürger? Die Germanistik behauptet gerne, erst mit der Version von G.A. Bürger habe der Münchhausen-Stoff zu sich selbst gefunden; in der Kunst des Göttingers liege die Ursache für die grosse Verbreitung des Buches. Doch das englischsprechende Publikum der ganzen Welt liest vorwiegend den - übrigens zweibändigen - Raspe’schen Munchausen; das sind einige Leser mehr als die deutschsprachigen. Auch wer in Italien oder Spanien einen Münchhausen in die Hand nimmt, findet eher Raspe als Bürger auf dem Cover. Und die meisten Übersetzungen in den ferneren Ländern sind ein Verschnitt aus Raspe und Bürger.
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