Rote Garde (Russland)

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Die Rote Garde bezeichnet eine Organisation der Arbeiterschaft in Russland während der Vorbereitungszeit und des Ablaufs der Oktoberrevolution bis zur Bildung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee (RABA).

Die ersten Schritte einer Organisation einer Roten Garde wurden bereits Ende März/Anfang April 1917 auf Initiative der Bolschewisten von Petrograd, Moskau, Odessa, Charkow und anderer Städte unternommen. Am 17./30. April 1917 kam es durch die Versammlung der Führer der Arbeiterabteilungen in Petrograd zur Bildung der Kommission für die Formierung der Roten Garde. Am 14./27. April nahm das Moskauer Komitee der SDAPR(B) einen Beschluss zur Gründung der Roten Garde an, auf dessen Grundlage die Werkabteilungen der Arbeiter entstanden. Die Rote Garde wurde auf dem Prinzip der freiwilligen Teilnahme von Arbeitern, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit aufgebaut. Menschewiki und Sozialrevolutionäre wandten sich fast überall mit der Behauptung, dass es beim Bestehen einer revolutionären Armee für das Proletariat nicht notwendig sei, eine eigene Kampforganisation zu schaffen, gegen die Bildung von Roten Garden.

Durch diese Oppositionstätigkeit wurde beispielsweise am 28./11. Mai 1917 in Petrograd eine städtische Beratung zur Bildung der Roten Garde gesprengt. Deshalb konzentrierte sich im weiteren die Organisation der Roten Garde in den Händen der bolschewistischen Stadtbezirksparteiorganisationen sowie in Fabrik- und Werkkomitees. Die Übungen der Roten Garde fanden in der Regel in der arbeitsfreien Zeit statt. Sie umfassten das Kennenlernen der Schusswaffen und den Unterweisungen im Schießen und Exerzieren. Mitunter bewachten Rotgardisten die Betriebe. Die Rotgardistenabteilungen wurden auf Betriebsebene aufgestellt. In einzelnen Städten wurden aber auch städtische oder Stadtbezirksabteilungen, Gruppen oder Abteilungen bei den Parteikomitees geschaffen.

Von März bis Juli 1917 existierte die Rote Garde neben der Arbeitermiliz, und in dem Maße, wie diese verkleinert wurde, erweiterte die Rote Garde allmählich ihre Reihen durch ehemalige Arbeitermilizionäre. In Petrograd nahmen die Rotgardisten aktiv an den Demonstrationen im April, Juni und Juli teil. Die Zahl der in der Roten Garde organisierten Kämpfer betrug hier 5000 bis 6000, davon auf der Wyborger Seite 2000. Bis Juli 1917 wurden Abteilungen der Roten Garde in vielen Betrieben Moskaus und des zentralen Industriegebiets, in den Industriezentren der Ukraine und des Urals sowie im Baltikum gegründet.

Nach den Julitagen 1917 war die Provisorische Regierung bestrebt, die Arbeiter zu entwaffnen und ihre Kampforganisationen aufzulösen. Die Rote Garde musste für einige Zeit in die Illegalität untertauchen, ihre Übungen einstellen und die Waffen verstecken. So geschah es jedoch bei weitem nicht überall. In einigen Städten (Jekaterinoslaw, Alexandrow im Oblast Wladimir, Kowrow u.a.) wurde die Organisation der Roten Garde auch im Juli fortgeführt, in vielen Betrieben wurde sie gerade zu dieser Zeit gegründet. In Odessa setzte die Rote Garde ihre Übungen erfolgreich weiter fort. Im Zusammenhang mit den Beschlüssen des VI. Parteitages der SDAPR(B), der das Proletariat auf den bewaffneten Aufstand vorbreiten sollte, kam die Rote Garde Anfang August aus der Illegalität. Die Ausbildung der Roten Grade in Petrograd wurde wieder Ende Juli bis Anfang August aufgenommen. Am 2./15. August 1917 wurde auf einer Versammlung von Vertretern der Abteilungen der Roten Garde eine Initiativgruppe von fünf Leuten zur Organisation gegründet, die den Kern der künftigen Zentralen Kommandantur der Roten Garde in Petrograd bilden sollte.

Eine beschleunigte Entwicklung der Abteilungen der Roten Garde setzte während der Niederschlagung des Kornilow-Putsches ein. Allein in Petrograd traten in kurzer Zeit Tausende Arbeiter in die Abteilungen ein. Großen Verdienst bei der Unterweisung der Rotgardisten im Umgang mit Waffen erwarb die Militärorganisation des Zentralkomitees der SDAPR(B), die schon im September 1917 regelmäßige Übungen in 79 Betrieben Petrograds durchführte. Die Bolschewisten bereiteten die Rote Garde als Stoßkraft für ihren bewaffneten Aufstand vor. Am 20. Oktober/2. November zählte die Rote Garde von Petrograd in ihren Reihen über 20 000 bewaffnete und ausgebildete Kämpfer, wahrend des bewaffneten Aufstands etwa 40 000. Am 23. Oktober/5. November 1917 nahm die von der zentralen Kommandatur der Roten Garde einberufene Petrograder Stadtkonferenz ein Statut an, schuf für die operative Führung den Hauptstab und die Bezirksstäbe der Roten Garde, womit eine gut strukturierte Kampforganisation aufgebaut wurde.

Basiseinheit der Roten Garde war die Zehnerschaft (13 Mann), die sich zu Zügen (33 Mann), Abteilungen (160 Mann) und Bataillonen (480 bis 600 Mann) vereinigten. Die Bataillone (mitunter auch zu Regimentern vereinigt) schlossen sich zu Bezirksabteilungen zusammen und waren der Bezirkskommandantur der Roten Garde unterstellt. Dem Exekutivkomitee des Petrograder Sowjets war eine spezielle Abteilung der Roten Garde unterstellt. An der Spitze der gesamten Roten Garde stand die Zentrale Kommandantur, die in engem Kontakt mit dem Petrograder Revolutionären Militärkomitee (PRMK) arbeitete. In Moskau wurde schon vor dem Kornilow-Putsch ein bolschewistischer konspirativer Stab der Roten Garde geschaffen. Der Kampf um die Führung der Roten Garde, deren Aufstellung nach der Niederschlagung des Kornilow-Putsches legal erfolgte, war sehr schwierig. Im gewählten Zentralstab waren die Bolschewisten in der Minderheit. Das Wachstum der Abteilungen der Roten Garde vollzog sich anfangs nur sehr langsam. Bis zum 20. Oktober/2. November 1917 zählten sie etwa 6000, bis zum 27. Oktober/9. November 10 000 bis 12 000 Kämpfer, aber schon im Verlauf des Oktober wuchs ihre Zahl bis auf 30 000 an. Mitte Oktober zählte die Rote Garde in Moskau nur etwa 4000 Kämpfer, und erst im Verlaufe des Oktoberaufstandes vergrößerte sich die Zahl auf 10 000 bis 12 000 Kämpfer. Zum Zeitpunkt des bewaffneten Oktoberaufstandes in Petrograd waren in nur 53 Städten und Arbeitersiedlungen des Landes, über die ausreichend genaue Angaben gesammelt wurden, über 26 000 Mann in den Reihen der Roten Garde organisiert.

Nach unvollständigen Angaben umfassten im Oktober/November 1917 die Abteilungen der Roten Garde im gesamten Land etwa 200 000 Kämpfer. Eine bedeutende Rolle spielte bei der Organisation der Roten Garde in Petrogard Konstantin Konstantinowitsch Jurenew (Krotowski) als Vorsitzender des Hauptstabes der Roten Garde, Walentin Andrejewitsch Trifinow, J.A. Trifonow, W.N. Pawlow, A. Bodrow, Wladimir Filippowitsch Malachowski, K. Orlow, Nikolai Iljitsch Podwoiski, Wladimir Iwanowitsch Newski(Kriwobokow) und W.A. Jurkin. In Moskau waren es Alexej Stepanowitsch Wedernikow, Janis Piece, Pawel Karlowitsch Sternberg, Jemeljan Michailowitsch Jaroslawski, Pjotr Grigorjewitsch Dobrynin, Grigori Alexandrowitsch Ussijewitsch u.a.

Die Rotgardisten Petrograds waren die militärische Hauptkraft des bewaffneten Oktoberaufstands, sie wurden aktiv von revolutionären Soldaten und Matrosen unterstützt. Sie kämpften gegen die Offiziersschüler, als diese am 29. Oktober/11. November 1917 gegen die Bolschewisten putschten, und gegen die konterrevolutionären Kräfte von Kerenski-Krasnow 1917 an der Station Alexandowskaja, bei Pulkowo und Krasnoje Selo. Viele Rotgardisten fielen oder wurden verwundet. Während des Moskauer bewaffneten Oktoberaufstandes erlitten die Rotgardisten noch größere Verluste. Die Rotgardisten stellten den Kern der revoutionären Truppen, die gegen die bewaffneten Kräfte des Atamans Alexej Maximowitsch Kaledin und der ukrainischen Zentralrada, gegen die weißpolnischen Legionäre, die Kosaken des Atamans Alexander Iljitsch Dutow u.a. kämpften.

Im Zusammenhang mit der beginnenden Ausstellung der Rote Arbeiter- und Bauern-Armee | Roten Arbeiter- und Bauern-Armee (RABA) wurden die Roten Garden im März 1918 aufgelöst. Die besten Führungskräfte der Kommandeure und Soldaten wurden in die neue Armee übernommen. In mehreren Bezirken des Landes existierte die Rote Garde bis 1919, so z.B. in Turkmenistan.



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