Romantik
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Romantik bezeichnet eine literarische und kunsthistorische Epoche zwischen 1795-1848. Weiterhin bezeichnet der Begriff Romantik mit dem Adjektiv romantisch die Eigenschaft einer Sache, das Herz mit Liebe zu erfüllen, z. B. in „romantische Liebe“, „romantische Musik“ oder „ein romantischer Brief“. Wenn man von einem Mensch sagt, dass er einen Hang zur Romantik besitzt, bedeutet das, dass er eine Vorliebe für derartige Dinge hat.
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Etymologie
Der Begriff kommt ursprünglich von in „lingua romana“, in romanischer Sprache, also in den entsprechenden Ländern in Volkssprache verfassten Schriften. Sie bildeten den Gegensatz zu den früher üblichen in „lingua latina“ (Latein) geschriebenen Schriften. Aus "lingua romana" entstand Roman, das aus dem Französischen auch zu uns kam und zu romantisch wurde.
Romantik bedeutet somit Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern. Das heißt, romantische Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und sie wenden sich ab von klassischen Formen, was die Vorliebe für fragmentarische Schreibweise erklärt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutet zugleich eine stärkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.
Die Vertreter der Klassik fühlten sich vor allem durch die Zeitschriften der Romantiker massiv angegriffen und bezeichneten ihre Literatur als fantastisch oder sogar als krankhaft.
Hintergrund
Der Romantiker geht aus von einem Bruch, der die Welt gespalten hat in die Welt der Vernunft, der "Zahlen und Figuren" (Novalis), und die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. Treibende Kraft der deutschen Romantik ist eine Sehnsucht nach der Heilung der Welt, nach der Zusammenführung von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen. Hinführende Orte und Manifestationen dieser Sehnsucht sind nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, alte Mythen und Märchen, die Natur, etc. Ein zentrales Symbol für diese Sehnsucht (oder besser: für das Ziel dieser Sehnsucht) ist die Blaue Blume. Die Sehnsucht richtet sich auf etwas Unbestimmtes oder Unerreichbares. Aus diesem Grunde wird sie nie befriedigt und kann dauerhaft genossen und ausgelebt werden.
Im Gegensatz zu der Aufgabe der Dichter der Weimarer Klassik und Aufklärung/ Sturm und Drang, nämlich Erziehung des Volkes durch Literatur, sehen die Dichter der Romantik ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht, mystisch überhöht im Begriff des "Dichterpriesters". Eine Möglichkeit dazu bietet die Kunst, denn "die Welt hebt an zu singen/Triffst Du nur das Zauberwort" (Eichendorff).
Die Romantiker suchen die verloren gegangene Welt in den Werken aus der "Kindheit der Menschen", also in den Märchen und Sagen, in den Volksliedern, im Mystizismus des Mittelalters. Das „Wahre“ wurde nicht im Intellektuellen gesehen, sondern im für natürlich und wahrhaftig erachteten Verhalten des einfachen Volkes. Volkstänze flossen z.B. in die "klassische" Musik ein (z. B. Franz Schubert). Die Brüder Grimm sammelten die Sagen und Märchen der mündlichen Volksüberlieferung.
Allerdings birgt die "andere Welt" auch Gefahren. Diese Nachtseite der Romantik, geprägt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod, findet sich z. B. besonders ausgeprägt bei E. T. A. Hoffmann.
Die Romantik ist auch als Gegenströmung zur Aufklärung (Vernunft) zu begreifen und daher im politischen Raum noch heute ein aktueller Begriff. (Ausführungen hierzu siehe: Diskussion dieser Seite)
Eine neue Sicht auf die Romantik ermöglichte Arno Schmidt; konzentriert programmatisch zu lesen etwa in seinem Dialog über Ludwig Tieck: ‹FUNFZEHN›. Vom Wunderkind der Sinnlosigkeit (1959). In: Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe II, Band 2, S. 285-333. Zürich: Haffmans 1990.
Geschichtlicher Hintergrund
In der Organisation der Gesellschaft finden durch die Industrialisierung große Umbrüche statt, die neue Maschinenwelt führt zu Verstädterung und Landflucht, ein vormaliges Idyll ist für die Romantiker am Verschwinden.
Die gescheiterte Revolution in Deutschland, nach dem Vorbild der Französischen Revolution, bei der sowohl das absolutistische System, die Ständegesellschaft sowie die Macht der Kirche bestehen blieb, zeigte, dass der Wandel des "Systems" nicht mehr in oder mit der Gesellschaft stattfinden kann.
Dies sahen die Romantiker mit ihrer individualistischen Grundeinstellung als einen Grund um in ihrer Dichtung in Melancholie, in fantastische, unwirkliche, idyllische Welten, zu fliehen und sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurück zu ziehen (Flucht aus der Wirklichkeit).
Stilmittel und Kennzeichen
- Psyche
Das Unterbewusstsein wird in der Literatur ausgelebt und kommt zum Vorschein.
- Offene Formen
Weder Form noch Inhalt sind festgelegt. So werden Lieder, Erzählungen, Märchen und Gedicht ineinander vermischt. Es dürfen sowohl Poesie, Wissenschaft, als auch Philosophie miteinander verbunden werden.
- Ironie
Der Autor steht über seinem Werk. Er kann herbeigeführte Stimmungen, Bilder oder Geschichten abrupt zerstören und übermenschlich verändern.
Ein Spezialfall romantischer Ironie sind Selbstreferenzen auf das Werk. Wenn z.B. in Theaterstücken der Held in eine ausweglose Situation gerät, aber sich sicher ist, zu überleben mit der Begründung "Man stirbt doch nicht mitten im dritten Akt", ist dies ein Fall von romantischer Ironie.
Gegenstand der romantischen Sehnsucht ist das Absolute, ein Zustand aufgehobener Entfremdung, den Rousseau zuvor als 'Naturzustand' (état naturel) beschrieben hatte und dem ein unreflektiertes 'naives' Weltverständnis und Weltverhältnis entspricht. Dieser Zustand aber ist dem modernen Menschen unerreichbar geworden und kann auch durch die Kunst, die auf Reflexion beruht, nicht adäquat dargestellt werden. Jeder Versuch, ihn darzustellen, greift notwendigerweise zu kurz. Das romantische Kunstwerk, das seine eigene Kritik enthalten soll, kann dieser Einsicht nur gerecht werden, indem es sich selbst ironisch hintertreibt und seine eigene 'Falschheit' (Scheinhaftigkeit) zur Schau stellt. D.h., sein zentraler Darstellungsgegenstand ist eine Sehnsucht, deren Ziel unbekannt ist, und jeder Versuch, dieses Ziel anschaulich zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Dieses Paradox muß die Kunst, will sie ihrer Aufgabe gerecht werden, aushalten.
- Tradition und Mittelalter
Alte Werke werden gesammelt und neu belebt. Das Mittelalter gilt als Ideal und wird verherrlicht. Alle Übel dieser Zeit bleiben unbeachtet.
Abschnitte der Romantik
Man unterscheidet zwischen Frühromantik (ca. 1795–1804), Hochromantik (ca. 1804-1815) und Spätromantik (ca. 1815–1848). Im Mittelpunkt steht die Idee des Gefühls und der Fantasie. In der Hochromantik unterscheidet man zwischen dem Heidelberger Kreis und dem Berliner Kreis.
Allerdings verliefen diese Phasen nicht in allen Kultursparten völlig synchron; die Spätromantik in der Musik zieht sich beispielsweise bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Beeinflusst durch die Romantik ist die Jugendbewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. In neuerer Zeit finden sich einzelne Charakteristika auch in der Gothic-Subkultur, ohne dass letztere in direkter Nachfolger der Romantik zu sehen wäre.
Motive der Romantik
- Die Blaue Blume
- Wander- und Reisemotiv
- Spiegelmotiv
- Doppelgänger
- Motiv der Inversion/Umkehrung
- Nacht
- Fernweh
- Die Jahreszeiten
- Kritik am Spießertum
- Mystifizierung und Verherrlichung des Mittelalters
- Sehnsucht
Schauplätze der Romantik
- Friedhöfe
- Ruinen und alte Burgen
- Dunkle Wälder
- Berginneres und Höhlen
- Natürliches – Übernatürliches – Märchenhaftes
Vertreter der Romantik
- Philosophie
Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling als Schöpfer des Deutschen Idealismus als metaphysischem Wegbereiter der Romantik.
- Musik (die als „Sprache jenseits der Sprache“ typischste Ausdrucksform der Romantik)
Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, Frédéric Chopin, Edvard Grieg, Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Modest Mussorgski, Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Richard Wagner, Carl Maria von Weber.
- Literatur
Friedrich Hölderlin als Begründer der romantischen Dichtung im deutschen Sprachraum, Ernst Moritz Arndt, Bettina von Arnim, Ludwig Achim von Arnim, August Ferdinand Bernhardi, Clemens Brentano, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Friedrich de la Motte Fouqué, Joseph Görres, Jakob Grimm, Wilhelm Grimm, Karoline von Günderrode, Wilhelm Hauff, Heinrich Heine, E. T. A. Hoffmann, Heinrich von Kleist, Ernst August Friedrich Klingemann, Otto Graf von Loeben, Sophie Mereau, Adam von Müller, Wilhelm Müller, Novalis, Jean Paul, Friedrich Schleiermacher, August Wilhelm von Schlegel, Friedrich von Schlegel, Ludwig Tieck, Ludwig Uhland, Rahel Varnhagen, Dorothea Veit, Wilhelm Heinrich Wackenroder, Zacharias Werner, Adam Mickiewicz, Juliusz Slowacki, Zygmunt Krasiński, Cyprian Kamil Norwid.
- Malerei
Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix, Philipp Otto Runge, Piotr Michałowski.
Auch Karl Friedrich Schinkel lieferte eine Reihe von Landschaftszeichnungen und Malereien sowie Architekturentwürfen, die sichtlich von der Romantik inspiriert waren. Ab den 1870er Jahren gab es auch in der Malerei eine Strömung, die als Neoromantik zu bezeichnen ist. Zu denen zählen u.a. Moritz von Schwind und der Historienmaler Julius Schnorr von Carolsfeld.
- Rechtswissenschaft
Friedrich Carl von Savigny als Mitbegründer der Historische Rechtsschule.
Klassik und Romantik im Vergleich
- Klassik
Streben nach Vollendung, Ruhe, fester Ordnung, Klarheit, Maß und Harmonie
- Romantik
Drang nach Unendlichkeit, Leidenschaftlich-Bewegtem, Dunklem, Maß- und Regellosem Sprengens-wollen aller Grenzen (Aber: Während der Sturm und Drang jede Führung durch die Wissenschaft ablehnte, lassen sich die Romantiker in hohem Maße von ihr leiten.)
- Klassik
Streben nach Objektivität, Typisierung, Gesetz, Vernunft, Gleichgewicht, nach gültiger und geschlossener Form Genaue Unterscheidung zwischen Lyrik, Epik und Dramatik fordert Entsagung, Selbstbeschränkung, sittliche Willensstärke lehnt Phantastisches, Verworrenes, Unklares ab bemüht sich um Harmonie zwischen Gefühl und Verstand verlangt genaue Grenzensetzung, es ist genug, das Erforschbare zu erforschen, das Unerforschliche aber auf sich beruhen zu lassen.
- Romantik
Zerbricht die klassischen Grenzen, will Herrschaft der frei schöpferischen Phantasie (ist wichtiger als "edle" Form und hochgeistiger Inhalt) will Grenzen sprengen: Grenzen des Verstandes, Grenzen zwischen Wissenschaft und Poesie und zwischen den einzelnen Dichtungsgattungen - Streben nach einer "Universalpoesie", die gleichzeitig Wissenschaft, Religion und Dichtung und lyrisch, episch, dramatisch und musikalisch ist will Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit niederreißen will die ganze Welt "romantisieren" und fordert völlige Subjektivität, Individualisierung, Freiheit und Unabhängigkeit und eine weltoffene, ewig unfertige Dichtungsform Vorliebe für das Traumhafte, Wunderbare, Unbewusste, Übersinnliche
Die Romantik wird zur europäischen Geistesbewegung und erfasst, von Deutschland ausgehend, alle Länder Europas und beeinflusst Philosophie, Dichtung, Künste, Religion, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.
Literatur
- Helmut Schanze (Hrsg.): Romantik-Handbuch. Stuttgart: Kröner 1994
- Detlef Kremer: Romantik, Stuttgart: Metzler 2003
- Hans Steffen (Hrsg.): Die deutsche Romantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1989
- Silvio Vietta (Hrsg.): Die literarische Frühromantik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1983
- Theodore Ziolkowski: Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen. München: dtv 1994
- Manfred Frank: Einführung in die frühromantische Ästhetik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
- Ders.: Kaltes Herz. Unendliche Fahrt. Neue Mythologie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
- Karl Heinz Bohrer: Die Kritik der Romantik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
- Ders.: Der romantische Brief. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989
- Gerda Heinrich: Geschichtsphilosophische Positionen der deutschen Frühromantik. Kronberg/Ts.: Scriptor 1977
- Eberhard Roters: Jenseits von Arkadien. Die romantische Landschaft. Köln: DuMont 1995
- Eckart Kleßmann: Die deutsche Romantik. Köln: DuMont 1979
- Carl Schmitt: Politische Romantik, Berlin: Duncker & Humblot 1919, 1925, 1968
Weblinks
- http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=75 Aufsätze zur Romantik im Goethezeitportal]
- http://www.saint-albin-verlag.de/page2.htm: Das Internationale Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft versteht sich als Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz
- http://archiv.christoph-hoffmann.de/ESS/Deutsch/EpochenderRomantik.pdf (Epochen der Romantik.)
- http://archiv.christoph-hoffmann.de/ESS/Deutsch/Romantik.pdf (Übersicht zur literarischen Romantik.)
- http://www.romantik-referat.de (Umfangreiches Online Referat über die geistige Epoche der Romantik.)
Siehe auch
| Bild:Wiktionary-logo-en.png | Wiktionary: Romantik – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
Weimarer Klassik — Romantik — Biedermeier



