Roma
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Roma (romanes: rom, "Mann", "Mensch") ist der Oberbegriff für eine Reihe ethnisch miteinander verwandter, ursprünglich aus Indien stammender Bevölkerungsgruppen, die ab dem 14. Jahrhundert in verschiedenen Einwanderungswellen nach Europa gelangten und in vielen europäischen Ländern eine ethnische Minderheit stellen. Die gemeinsame, in Dialekte aufgespaltene Sprache ist das Romanes/Romani. Folgende Bezeichnungen werden verwendet:
- Roma lautet die internationale Selbstbezeichnung, die die Gesamtheit aller Gruppen bezeichnet. Dieser Begriff wird auch als politisch korrektes Synonym für Zigeuner verwendet. Dementsprechend umfasst er gemäss einem Beschluss des 2. Welt-Kongresses der Romani-Union in Genf 1979 nebst den ethnisch verwandten Gruppen wie Sinti und Kale auch nur soziologisch verwandte Gruppen wie die Jenischen, Tinkers, usw.
- Sinti und Roma ist die offizielle deutsche Bezeichnung.
- Zigeuner (Zigan, Zigani) wird international ebenfalls als Überbegriff verwendet, in Deutschland jedoch meist als diskriminierend betrachtet und vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma abgelehnt. Im Gegensatz dazu befürwortet die Sinti Allianz Deutschland dieses Wort. (Siehe hierzu den separaten Artikel zum Begriff Zigeuner).
Während ihrer gesamten Geschichte waren die Roma zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus waren sie zusammen mit anderen Gruppen Opfer des nationalsozialistischen Holocausts.
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Begriffe & Unterschiede
Zu den Unterschieden zwischen Sinti und Roma gibt es folgende Erklärungen:
- Der Doppel-Begriff Sinti und Roma (Pluralbegriff, der Singular ist entweder männl. Sinto oder Rom bzw. weibl. Sintitsa oder Romni), lässt vermuten, dass es sich um zwei verschiedene Volksgruppen handelt. Tatsächlich sind die Sinti jedoch eine Teilgruppe der unter der weltweit üblichen Selbstbezeichnung „Roma“ lebenden Volksgruppen. Andere Teilgruppen der Roma nennen sich zum Beispiel Kalé oder Kalderasch.
- Beide Volksgruppen sind zwar verwandt, unterscheiden sich aber in vielen kulturellen und sprachlichen Details. Die Vorfahren der Sinti sind bereits im späten Mittelalter nach Westeuropa eingewandert. In einer zweiten Migrationswelle im 19. Jahrhundert gelangte ein weiterer Teil der Roma vorwiegend aus Ungarn nach Österreich und Deutschland. Aufgrund dessen wird gerade im Deutschen die Bezeichnung Roma auch nur für diese zweite Gruppe, sowie für die noch heute im osteuropäischen Raum beheimateten Roma verwendet.
Als Sammelbezeichnung für alle im deutschsprachigen Raum lebenden Angehörigen des Volkes, unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Einwanderung, wird seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versucht, den Begriff Sinti und Roma zu etablieren, um die Bezeichnung Zigeuner zu ersetzen.
Die Roma sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen sowie den Tinkern in Irland und Großbritannien, die ethnisch anderer Herkunft sind. Der Begriff Fahrendes Volk ist ebenso kein Synonym.
Die hauptsächlich in Südosteuropa beheimateten Roma sind ihrerseits aufgespalten in eine größere Zahl von Stammesverbänden mit leicht unterschiedlichen Traditionen und vielfach einer traditionellen beruflichen Spezialisierung. Eine dieser Gruppen sind die Kalderasch.
In Teilen Norddeutschlands und skandinavischen Sprachen findet sich auch die Bezeichnung "Tatern" oder "Tattare", der eigentlich die Bedeutung "Tatar" hat. Möglicherweise hat hierzu die Vorstellung beigetragen, die Roma seien als Begleiter des tatarischen Vordringens z.B. unter Tamerlan (Timur Lenk) nach Europa gelangt.
Zu den Begriffen "Zigeuner" und "Gitanen" siehe den separaten Artikel Zigeuner.
Population
Die Weltpopulation der Roma mit den zugehörigen Untergruppen beträgt heute etwa zwölf Millionen, davon acht Millionen in Europa. Die größten Gemeinschaften befinden sich in den südosteuropäischen Ländern .Für Spanien schätzt man zwischen 400.000 und 700.000 Angehörige, etwa 300.000 für Frankreich und ca. 90.000 in Großbritannien. In der Bundesrepublik Deutschland leben nach Schätzungen etwa 60.000 - 70.000 deutsche Sinti und etwa 40.000 deutsche Roma. Im osteuropäischen Raum leben schätzungsweiße bis zu 2,5 Millionen Roma in Rumänien. In Ungarn stellten sie nach der Volkszählung 1989 500.000 Personen dar. In der Tschechischen Republik und der Slowakei leben ebenfalls schätzungsweise 300.000 Romas, in Bulgarien etwa 360.000 nach der Volkszählung 2001. Ebenfalls große Minderheiten gibt es im jugoslawischen Raum besonders in Serbien & Montenegro und Mazedonien. Desweiteren gibt es kleinere Roma-Minderheiten in Albanien, Polen, Griechenland, Türkei und den ex-sowjetischen Gebieten. Meistens sind die offiziellen Angaben über der Roma-Population ungenau oder die Zahlen werden als viel zu niedrig angegeben.
Herkunft
Allen Roma ist die indische Herkunft gemeinsam, die sich neben historischen Überlieferungen auch durch die Ableitung ihrer Sprache von einem nordwestlichen Dialekt der altindischen Volkssprache beweist.
Sie kamen vermutlich ab 1300 in kleineren Gruppen aus dem Nordwesten Indiens über den Nahen Osten, Griechenland, Balkan nach Mittel-, Ost-, West- und Nordeuropa. In vielen Teilen Westeuropas lebten sie bis in das 20. Jahrhundert hinein als Fahrende, in Südosteuropa dagegen meist als rechtlose Leibeigene oder Sklaven. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie aus der Abhängigkeit befreit. Den Roma verwandte oder ähnliche Volksgruppen leben auch in der Türkei und Ländern des Nahen Ostens.
Neuere Archäologische Funde lassen jedoch darauf schließen, dass einige wenige Roma bereits im 12. Jahrhundert bis nach England kamen.
Sprache
Die Sprache (Romani) leitet sich von einem nordwestlichen Dialekt der altindischen Volkssprache ab (und nicht, wie oftmals angenommen wird, vom Sanskrit, das eine Hochsprache der Brahmanen war). Viele Sinti und Roma sprechen aber auch die Sprache des Landes, in dem sie sich aufhalten oder früher aufgehalten haben.
Sesshaftigkeit
Im Europäischen Durchschnitt leben etwa 60% der Roma sesshaft, ca 20% nomadisch, weitere 20% führen eine halb-sesshafte Lebensweise, bei der sich feste Wohnungen und Umherziehen jahreszeitlich abwechseln. Nach Ländern betrachtet sieht die Situation anders aus: In Schweden, Dänemark, Spanien und Österreich sind fast alle Roma sesshaft, wohingegen in England, Irland, Frankreich und Belgien die Roma primär keine festen Wohnsitze unterhalten.
Die Entwicklung der Sesshaftigkeit der Roma im heutigen Burgenland (Österreich)
Die erste urkundliche Erwähnung von Roma in jenen Gebieten der westungarischen Komitate, die das heutige Burgenland bilden, stammt aus dem Jahr 1389. Im Jahre 1612 erhob der Palatin Graf Georg Thurzo vor König Matthias Klage gegen einige Zigeuner, die im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Österreich von Diebstahl und Raub lebten, worauf ihnen der weitere Aufenthalt verwehrt wurde. Nur vier Jahre später stellte aber derselbe Graf Thurzo dem Zigeuner-Woiwoden Franciscus und seiner Sippe einen Schutzbrief aus, der ihnen nicht nur erlaubte, sich auf seinen Ländern niederzulassen und das Schmiedehandwerk auszuüben, sondern sie auch vor den Übergriffen der ansässigen Bevölkerung schützen sollte. Diese Urkunde macht deutlich, dass die Zigeunergruppen unterschiedlich behandelt wurden. 1674 erteilte Graf Christoph Batthyány, der in den Türkenkriegen auf Seite der Türken stand, dem Zigeuner-Woiwoden Martin Sarközi und seinen Leuten das Recht, sich auf seinen Besitzungen im Südburgenland anzusiedeln. Im Gegensatz dazu versuchten die kaisertreuen Eszterházy die Zigeuner von ihren Besitzungen im Nordburgenland zu vertreiben. Die relativ günstige Situation im Süden des Landes änderte sich schlagartig, als 1688 große Teile Westungarns – darunter auch die Ländereien der Batthyány – von den Habsburgern zurückerobert wurden. Im Habsburgerreich galt immer noch der Beschluss des Reichstags von Augsburg aus dem Jahr 1498, wonach keiner, der einen Zigeuner schädige, eine Sünde begehe. Karl VI verschärfte die restriktive und inhumane Politik gegen die Zigeuner, indem er 1720 bestimmte, dass „die Zigeuner und jegliches liederliche Gesindel“ in Österreich ausgerottet werden sollten. 1725 befahl er, aufgegriffene Roma mit Brandmalen auf dem Rücken zu kennzeichnen und mit der Drohung, sie würden enthauptet, wenn sie zurückkämen, abzuschieben. In der Folgezeit kam es zum berüchtigten „Zigeunerjagen“. Kaiserin Maria Theresia machte diesen Grausamkeiten ein Ende. Anstatt die Zigeuner zu verfolgen, versuchte man aus ihnen „ordentliche“ und „nützliche“ Bürger zu machen. Durch insgesamt vier Verordnungen, zwischen 1758 und 1773 erlassen, wurden die Zigeuner gezwungen sich niederzulassen, ihre alte Lebensweise aufzugeben und ein Handwerk zu erlernen. Um sie am Weiterwandern zu hindern, wurde ihnen der Besitz von Pferden und Fuhrwerken verboten.1773 wurden den Zigeunern die Kinder weggenommen und christlichen Familien zur Umerziehung übergeben.Staatlich geförderte Mischehen sollten bei den Zigeunern die Annahme der Lebensgewohnheiten der Mehrheitsbevölkerung beschleunigen. Joseph II führte die Assimilationspolitik fort. Die Zigeuner wurden verpflichtet, Sprache und Kleidung der übrigen Dorfbewohner (Gadsche) zu übernehmen.Die Verwendung des Romanes wurde verboten. (Vgl.:"Die Roma von Oberwart", Helmut Samer, Verlag Lex Liszt, Erste Auflage 2001)
Diskriminierung & Verfolgung
Siehe Zigeunerverfolgung
Gedenken und Information
2006 soll in Berlin ein Mahnmal für jene Menschen errichtet werden, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Zigeuner verfolgt und im Holocaust ermordet wurden. Der Entwurf stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Daneben besteht mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zumindest in Deutschland eine gewisse Interessenvertretung, welche durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit verschiedenen Ausstellungen und Projekten unterstützt wird. Die Sinti Allianz Deutschland fühlt sich durch den Zentralrat allerdings nicht vertreten und hat sich selbst in die Diskussion eingeschaltet.
Siehe auch: Porajmos und Gedenken und Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus
Bekannte Persönlichkeiten
Insbesondere als Musiker sind einige Sinte und Roma zu großer Popularität gelangt. Als wohl bekannteste Namen seien hier Django Reinhardt, Kussi Weiß und Martin Weiss,die zu den besten Musikern deutschlands zählen, Manitas de Plata und Sándor Déki Lakatos aufgeführt aber auch der Rumäne Nicolae Neacsu oder die deutsche Sängerin Marianne Rosenberg sind hier zu nennen. Auch Zoltan Farkas und Csaba Farkas von der ungarischen Metalband Ektomorf besitzen eine Roma-Herkunft, was man der Musik deutlich anhören kann. Des weiteren aus dem Balkan: Muharem Serbezovski und Esma Redzepova. Der kanadische Schriftsteller und Journalist Ronald Lee konnte mit seinem autobiographischen Roman "Verdammter Zigeuner" international Aufsehen erregen. In Österreich sind noch die beiden Gitarristen Karl Ratzer und Harri Stoika zu nennen, die sowohl für die heimische und internationalen Jazzszene ausergewöhnliche beiträge geliefert haben.
- Paco de Lucía
- Isabel Pantoja
- Lolita Flores
- Pastora Vega
- Rosario Flores
- Antonio Flores
- Camarón de la Isla
- José el Francés
- Farruquito



