Wunderbaum

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Bild:Disambig-grau.png Dieser Artikel behandelt die Pflanze Wunderbaum, für den gleichnamigen Riechstoffverbreiter siehe unter Wunder-Baum.
Wunderbaum
Bild:Ricinus frucht 01.jpg
Systematik
Ordnung: Malpighiales
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Unterfamilie: Acalyphoideae
Tribus: Acalypheae
Gattung: Rizinus (Ricinus)
Art: Wunderbaum
Wissenschaftlicher Name
Ricinus communis
L.

Der Wunderbaum, (Ricinus communis), auch Christuspalme, Hundsbaum, Läusebaum, Kreuzbaum, Palma Christi oder, den Gattungsnamen verallgemeinernd, Rizinus genannt, ist eine Art aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) und die einzige Art der monotypischen Gattung Ricinus.

Der Name Ricinus stammt entweder vom lateinischen Wort ricinus = Zecke, da die Samen der Pflanze Zecken ähneln, oder dem griechischen rikinos = Wunderbaum.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Bild:RICINUS.jpg In der gemäßigten Klimazone wächst die Pflanze als einjährige krautige Pflanze, in den Tropen als mehrjährige Pflanze.

Es ist eine schnellwüchsige Pflanze und wird unter idealen Bedingungen innerhalb von 3 bis 4 Monaten bis zu 5 Meter groß. In tropischen Klima ist die Pflanze mehrjährig, erreicht bis zu 13 Meter Höhe und bildet einen verholzten Baumstamm. Im wechselwarmen Klimaten stirbt die Pflanze oberirdisch ab und treibt jeden Sommer wieder neu aus.

Die großen und glänzenden rötlich bis tief-purpurnen, an langen Blattstielen stehenden Blätter sind 30 bis 70 Zentimeter groß, handförmig, wechselständig und fünf- bis elflappig. Auch die stark wasserhaltigen Stämme sind rot überlaufen.

Der Wunderbaum blüht von August bis Oktober, Es werden große, endständige Rispen als Blütenstände gebildet. Die getrenntgeschlechtigen Blüten sind unscheinbaren und grüngelb. In der oberen Hälfte des Blütenstandes werden nur an den roten Stempeln zu erkennende weiblichen Blüten und dessen untere Hälfte nur männlichen Blüten, mit ihren typischen gelben Staubblättern, gebildet. Es werden rotbraune, mit weichen Stacheln besetzte, dreifächerige Früchte mit rötlichbraun-marmorierten, bohnenförmigen Samen gebildet.

Vermehrung

Der einhäusige, aber zweigeschlechtliche Wunderbaum sät sich gerne und reichlich selbst aus, die Samen sind schnellkeimend. Zusammen mit seinem schnellen Wachstum führt dies dazu, dass er in einigen Bundesstaaten der USA mit tropischem Klima mittlerweile als invasive Art behandelt wird (Neophyt).

Verbreitung

Die Pflanze ist ursprünglich beheimatet in Nordost-Afrika und dem Nahen Osten. Als Kulturflüchtling hat sie sich mittlerweile in allen tropischen Zonen verbreitet. Die Pflanze liebt einen vollsonnigen, warmen und windstillen Platz. Der Boden sollte humus- und nährstoffreich und gut durchlässig sein. Eine gute Wasserversorgung fördert zwar das Wachstum, ist aber nach gutem Anwachsen nicht mehr zwingend, denn die Pflanze toleriert Dürrezeiten.

Wirkstoffe

Rizinusöl

Das viskose, durchsichtige bis gelbliche Rizinusöl ( pharmazeutische Bezeichnung: Oleum Ricini s. Castoris) wird aus den Samen der Pflanze (Ölanteil von etwa 40–50 %) kalt gepresst, es besteht zu 70–77 % aus Triglyceriden der Rizinolsäure. Im Gegensatz zu den Samen ist es ungiftig.

Rizin

siehe dazu den Artikel: Rizin

Die Samenschalen des Wunderbaums sind sehr giftig, da sie das toxische Protein (Eiweiß) Rizin (Lectin) enthalten. Das höchst wirksame Gift muss eingenommen, injiziert oder in größeren Mengen eingeatmet werden, um zu wirken. Bei der Einnahme kann schon eine Menge von 0,25 Milligramm tödlich wirken, das entspricht wenigen Samen. Die parenteral tödliche Dosis beträgt bei Mäusen je nach Reinheitsgrad der Substanz etwa ein Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Rizin löst sich zwar in Wasser, ist aber fettunlöslich und daher im Rizinusöl nicht enthalten. Beim Pressen der Samen verbleibt das Gift somit in den Pressrückständen.

Symptome einer Rizin-Vergiftung sind:

Der Tod tritt üblicherweise durch Kreislaufversagen etwa zwei Tage nach der Vergiftung ein. Ein agglutiniertes Protein führt zum Verklumpen der roten Blutkörperchen. Es ist kein Gegengift bekannt.

Verwendung

Verwendung als Garten-Zierpflanze

Im Alten Testament wird eine schattenspendende Pflanze erwähnt, bei der es sich vermutlich um den Wunderbaum handelt (Jonah 4,610). Auch heutzutage ist sie beliebt, zumal sie schnellwüchsig ist und von exotischem Äußeren. In unseren Breiten überlebt die frostempfindliche Pflanze den Winter jedoch nicht und wird daher meist nur einjährig kultiviert. Idealer Standort im Garten ist ein Mistbeet, oder auch jede andere nicht zu schattige Stelle.

Mehrere verschiedene Sorten sind gezüchtet worden, meist für die kommerzielle Ölproduktion. Einige Sorten wurden jedoch auch für den Zierpflanzen-Handel gezüchtet: 'Carmencita' mit bronzeroten Blättern und leuchtend roten Blüten; 'Impala', eine Miniatursorte mit roten bis purpurnen Blättern; 'Sanguineus' mit blutrotem Stamm und Blattwerk; 'Gibsonii Mirabilis' eine Zwergsorte in dunkelrot und 'Zanzibarensis' mit weiß-geäderten, grünen Blättern.

Verwendung des Rizinusöls

Die Verwendung des Wunderbaumes als Medizinal- und Ölpflanze ist bereits um 1552 v. Chr. im ältesten erhaltenen medizinischen Text, dem altägyptischen Papyrus Eber, bezeugt, auch wurden Samen der Pflanze in ägyptischen Gräbern gefunden.

Am bekanntesten ist die Verwendung als unverdauliches Abführmittel bei Verstopfung oder zur beschleunigten Darmentleerung. Die Wirkung tritt nach der Einnahme von rund 10 bis 30 Millilitern Rizinusöl etwa zwei bis vier Stunden später durch die eigentlich wirksame Rizinolsäure ein, eine C18-Fettsäure, die erst im Dünndarm durch körpereigene Lipasen (=fettspaltende Enzyme) freigesetzt wird. Durch die Sammlung von Wasser im Darm entsteht eine vergrößerte und erweichte Stuhlmenge und damit die abführende Wirkung. Zusätzlich führt die freigesetzte Rizinolsäure zu einer Reizung der Darmschleimhaut, wodurch ebenfalls eine abführende Wirkung entsteht.

Als Nebenwirkung wird die Aufnahme von Natrium und Wasser und von fettlöslichen Vitaminen aus dem Darm gehemmt, ein erhöhter Kalium- und Elektrolytverlust kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärken. In höheren Dosen können Übelkeit, Erbrechen, Koliken und heftiger Durchfall auftreten. Während des italienischen Faschismus unter Mussolini war die Zwangsverabreichung von Überdosen Rizinusöl eine berüchtigte Foltermethode des Regimes gegen wirkliche oder vermeintliche politische Gegner. Nicht wenige Opfer verstarben daran.

Außerdem wird über eine Anwendung als wehenförderndes Mittel (durch die abführende Wirkung) in einem so genannten Wehencocktail berichtet.

Äußerlich wird Rizinusöl zur Behandlung von Warzen und Ringelflechte angewandt.

Auch als Rohstoff für Linoleumböden, Lack- und Farbherstellung ist Rizinusöl im Einsatz, als Weichmacher in der Kunststoffindustrie sowie als Gleit- und Schmiermittel.

In der Kosmetikindustrie wird es als Grundstoff für Lippenstifte, Haarshampoo und andere Kosmetika verwendet. Das Öl der Samen wurde früher vor allem in Europa als Brennöl eingesetzt. Der Einsatz als Energieträger zur Herstellung von Biodiesel wird neuerdings wieder diskutiert. Die Rückstände der Ölpressung (Ölkuchen, Schrot) werden (nach Entgiftung durch Hitzeinaktivierung) häufig in organischen Düngern oder als Tierfutter verwendet.

Verwendung des Rizins

"Hauptartikel: Rizin"

Alkaloide im Rizinusöl sind Nudiflorin, Ricinidin und Ricinin.

Rizin ist eines der potentesten, natürlich vorkommenden Gifte überhaupt und außerdem sehr leicht herstellbar. Da es auch über die Atemwege wirkt, wurde es von der britischen Armee auf seine Verwendbarkeit als Kampfstoff geprüft, sein Einsatz jedoch verworfen und die entsprechenden Vorräte vernichtet, insbesondere, da es sich nur schwer als Aerosol verteilen lässt und eher für Anschläge auf Einzelpersonen geeignet ist. Trotz seiner mangelnden Eignung für einen Angriff mit dem Ziel von Massentötungen ist Rizin in der Liste 1 der Chemiewaffen-Konvention (CWC) aufgeführt, welche die giftigsten Toxine enthält, und zugleich auch in der letzten Version der Bio- und Toxinwaffen-Konvention (BTWC). Ob das Gift trotzdem von Saddam Hussein im Rahmen der im Irak zeitweise betriebenen Produktion von Massenvernichtungsmitteln hergestellt wurde, wie zeitweise verlautete, lässt sich wegen der durch die Regierungen der USA und Großbritannien nachhaltig gestörten Quellenlage nicht eindeutig beurteilen.

Erstmals praktisch als Waffe eingesetzt wurde Rizin im Jahr 1978, als der bulgarische Journalist und Dissident Georgij Markow in London von bulgarischen Geheimdienstagenten auf offener Straße mit einem Regenschirm, dessen Spitze mit 40 mg des Toxins präpariert worden war, angegriffen und in den Oberschenkel gestochen wurde. Markow starb einige Tage später im Krankenhaus an einem Kreislaufversagen als Folge der Vergiftung.

Von Terrororganisationen wurde sein Einsatz zwar häufig erörtert, ein terroristischer Anschlag, bei dem auf Rizin zurückgegriffen wurde, ist aber nie erfolgt. Allerdings wurde im Januar 2003 bei der Festnahme mutmaßlicher Islamisten in Großbritannien eine geringe Menge Rizin gefunden.

Rizin wird wegen seiner zytostatischen Wirkung (einer Wachstum hemmenden Wirkung auf Krebszellen) auf Verwendung in der Tumor-Therapie geprüft.

Welthandel

Das wichtigste Produzentenland für Rizinusöl ist Indien, das mit jährlich 750.000 Tonnen etwa 60 % zur Weltproduktion beisteuert. Weitere wichtige Produzentenländer sind die Volksrepublik China und Brasilien.

Literatur

  • Guido Majno, The Healing Hand, Man and the Wound in the Ancient World, Cambridge, Mass., 1975

Weblinks


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