Retrospektive Studie
aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank
Eine Studie wird als retrospektiv (lat.: zurückschauend) bezeichnet, wenn man vom Ergebnis ausgehend die Einflussgrößen untersucht.
Eine typische Form retrospektiver Studien heißt Fall-Kontroll Studie und funktioniert dergestalt. Man wählt Probanden aus, bei denen das zu untersuchende Ereignis, z.B. das Auftreten einer Krankheit, eingetreten ist. Dazu wird eine Gruppe von Probanden gewählt, bei denen das Ereignis (die Krankheit o.ä) nicht aufgetreten ist, wobei diese in ihren für die Untersuchung wesentlichen Eigenschaften (z.B. Alter, Gewicht, ...) denen der ersten Gruppe in etwa entsprechen sollte. Die wird als Matching bezeichnet. Anschließend werden die Patienten daraufhin untersucht und befragt ob und wie stark sie dem zu untersuchenden ursächlichen Faktor ausgesetzt waren und ob dies häufiger, seltener oder gleich oft in der ersten im Vergleich zur zweiten Gruppe stattfand.
Ein Beispiel: Will man den Einfluss den Rauchen auf die Entstehung von Lungenkrebs hat untersuchen, kann man in einem Krankenhaus alle Patienten die wegen Lungenkrebs behandelt werden nach ihrem Tabakkonsum fragen und das gleiche mit Patienten tun, die wegen einer anderen Krankheit als Lungenkrebs behandelt werden (möglichst auch nicht wegen Gefässerkrankungen, weil auch für diese ein starker Einfluss des Rauchens nachgewiesen ist). Anschließend würde man den Konsum vergleichen und herausbekommen, dass Lungenkrebspatienten signifikant häufiger geraucht haben als andere Patienten.
Retrospektive Studien sind in der Regel leicht, schnell und billig durchzuführen. Sie haben jedoch bedeutende erkenntnistheoretische Nachteile:
1. Sie können immer nur einen Hinweis geben und zur Generierung von Hypothesen dienen, sie sind nie ein Beweis.
2. Man kann die Richtung eines Zusammenhangs nicht klären. Zwar ist dies im Falle von Lungenkrebs unwahrscheinlich, aber in anderen Fällen kann auch mal das vermeintliche Ergebnis in Wirklichkeit die vermeintliche Ursache bewirkt haben oder eine Dritte Sache hat beides verursacht.
3. Da man auf die Erinnerung des Patienten und alte Unterlagen angewiesen ist, sind solche Studien sehr anfällig für Fehler. Hat der Patient vielleicht einfach ein ursächliches Ereignis vergessen? So vergessen Patienten etwas, das sie nicht in einen ursächlichen Zusammenhang mit ihrer Erkrankung bringen eher, bzw. erinnern sich nicht so gut daran (Recall Bias). Andererseits wurden in alten Unterlagen vielleicht bestimmte Daten nicht erhoben oder nicht so zuverlässig, weil sich die erhebende Person sich der späteren Bedeutung nicht im Klaren war (und sein konnte).
Siehe auch:



