Republik China

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Die Republik China [ˈçiːna] (vereinfacht: 中华民国, traditionell: 中華民國, Pinyin: Zhōnghuá mínguó) - auch Nationalchina genannt - ist einer der beiden chinesischen Staaten, die Anspruch darauf erheben, China rechtmäßig zu vertreten (siehe auch Volksrepublik China und Taiwan).

Von 1912 bis 1949 war Republik China die Bezeichnung für den Staat, der mehr oder weniger das gesamte chinesische Territorium umfasste. Ab 1949 beschränkte sich das effektive Herrschaftsgebiet der Republik China nur noch auf die Insel Taiwan, einige dem Festland Chinas vorgelagerte Inseln und einige Inseln im Südchinesischen Meer. Bis 1971 stellte die Republik China die alleinige chinesische Vertretung bei den UN und hatte einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen inne. 1971 verlor die Republik China die Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen an die Volksrepublik China. Der vom Festland stammenden Verfassung nach erhebt die Republik China bis heute Anspruch auf ganz China, das Gebiet der Mongolei, fast alle Inseln im Südchinesischen Meer sowie einige Inseln, die heute von Japan verwaltet werden. Jedoch wurden seit der beginnenden Demokratisierung Taiwans in den 90er Jahren (Souveränitäts-)Ansprüche auf das Gebiet der Mongolei und der Volksrepublik faktisch nicht mehr erhoben. 2006 sollen Änderungen an der republikanischen Verfassung vorgenommen werden. Ursprünglich sollten dabei auch die Staatsgrenze und Souveränitätsansprüche der heutigen Republik China auf Taiwan neu geregelt werden, jedoch wurde dieses Thema aufgrund von internationalen, vor allem US-amerikanischen Druck, verworfen, da es als Schritte zur formellen Unabhängigkeit Taiwans angesehen wird.

Das politische und staatsrechtliche Verhältnis der Republik China zur Volksrepublik China ist bis heute eines der heikelsten Probleme der Welt. Die meisten Staaten haben seit 1971 die Volksrepublik China anstelle der Republik China diplomatisch anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hauptartikel: Chinesische Geschichte

Der Sturz der Qing-Dynastie

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es in China revolutionäre Bestrebungen, die Mandschudynastie zu stürzen. Die treibende Kraft dieser Bestrebung kam vor allem aus den westlich erzogenen Intellektuellenschichten in den kolonialisierten Gebieten wie zum Beispiel Hongkong, Kanton und Shanghai.

Dazu gesellte sich noch eine nationalistische Strömung, welche die Qing-Dynastie als Fremdherrschaft ansah und eine von Han-Chinesen etablierte Herrschaftsform sehen wollte. Vor allem in der so genannten "neuen Armee" fanden die revolutionären Ideen großen Anklang; hier konnten die Revolutionäre auch die meisten Anhänger rekrutieren. Die "neue Armee" wurde ironischerweise von den Qing-Herrschern ins Leben gerufen, um eine nach westlichem Vorbild organisierte Armee zu errichten, als besonders während des ersten chinesisch-japanischen Kriegs die Unzulänglichkeit der traditionellen chinesischen Armee sichtbar wurde. Unter anderen hatte Sun Yatsen, der seine Ausbildung in Japan genoss und sich zum Christentum bekannte, bereits vor 1911 mehrere Umsturzversuche, hauptsächlich in den Südprovinzen organisiert.

Der Sturz der Qing-Dynastie erfolgte, als am 10. Oktober 1911 in Wu-chang die dort stationierten Neuen Armeen revoltierten. Der Gouverneur floh Hals über Kopf und gab so den Revolutionären die Gelegenheit, ihre Stellung zu festigen. Die Revolution in Wu-chang fand bald großen Anklang im gesamten Bereich des Yangtse-Laufs, es kam zur massiven Verfolgung der Mandschu. Der Prinzregent Tschün II. (vgl. auch Pu Yi) sah sich gezwungen, den 1908 verbannten Yuan Shikai zurückzurufen und als obersten Militärmachthaber einzusetzen. Yuan hatte bereits vor seiner Verbannung diese Stellung eingenommen. Seine Beiyang-Armee war die einzige Armee, auf die sich die Qing-Regierung noch stützen konnte. Sie war auch die erste "neue Armee" gewesen, und Yuan Shikai war der Mann, der diese Armee gegründet, trainiert und aufgebaut hatte. Selbst in seiner Verbannung besaß er die volle Kontrolle über diese Armee.

Yuan Shikai setzte nach seiner Rückkehr sofort seine Armee in Bewegung. Er fuhr eine Doppelstrategie: Einerseits setzte er die Revolutionäre am Yangtse stark unter Druck, andererseits verhandelte er mit Sun Yatsen über eine "friedliche Lösung".

Am 1. Januar 1912 wurde unter Sun Yatsen die Republik mit einer provisorischen Verfassung und einem Ministerium aus Jungchinesen ausgerufen. Um einen Bürgerkrieg Süd gegen Nord zu vermeiden, willigte Sun unter den folgenden Bedingungen in einen Frieden ein:

  1. Die Dynastie wird abgeschafft, China wird eine Republik,
  2. Das alte Kaiserhaus erhält eine Vorzugsbehandlung,
  3. Yuan erkennt die provisorische Verfassung an und
  4. Sun verzichtet zugunsten von Yuan.
  5. Die Hauptstadt der Republik, Sitz der Regierung und des Parlaments soll Nanjing werden.

Am 14. Februar wurde Yuan Shikai neuer Präsident.

Die Beiyang-Zeit

Yuan Shikai war kein Republikaner, und er verachtete Begriffe wie Demokratie. Er verkannte auch in seinem alten Denken, dass die Zeit der Kaiserhäuser vorbei war. Für ihn war die Revolution die Gelegenheit, seine eigene Dynastie zu gründen. Doch zugleich war Yuan auch ein gerissener und erfahrener Politiker.

Kurz nach seinem Amtsantritt ließ er seine eigene Beiyang-Armee in Beijing revoltieren. Unter dem Vorwand, dass er in dieser brenzligen Situation Beijing nicht verlassen konnte, um die Situation nicht außer Kontrolle geraten zu lassen, begann er seine Abmachung mit Sun Yatsen zu revidieren. Denn Beijing war seine Machtbasis, hier stand die Armee, die ihm loyal ergeben war, während er in Nanjing auf fremdem Terrain gestanden hätte. Er köderte die Führer der Revolution mit Ämtern wie Vizepräsident, Minister etc. nach Beijing und setzte sie so fest. Als Sun Yatsen Mitte 1913 erkannte, dass er von Yuan hintergangen wurde, gründete er die Kuomintang als eine politische Kraft und initiierte eine zweite Revolution. Yuan setzte sofort seine Beiyang-Armee in Bewegung und eroberte alsbald bis auf wenige Provinzen im äußersten Süden fast das gesamte China. Sun Yatsen mußte ins Exil gehen.

Yuan glaubte nun, die Zeit sei reif und ließ sich am 11. Dezember 1915 zum Kaiser einer konstitutionellen Monarchie proklamieren. Sofort rebellierten die wenigen Südprovinzen außerhalb seiner Kontrolle (die 3. Revolution). Doch noch schwerwiegender war, dass seine eigene Beiyang-Armee ihm die Treue versagte. Alle seine ranghohen Generäle gaben bekannt, dass sie gegen die Wiedereinführung der Monarchie seien. Im März 1916 musste Yuan abdanken. Verschämt und vergrämt starb er kurz darauf.

Sofort nach Yuans Tod brach ein Machtkampf innerhalb der Beiyang-Armee aus. Die Beiyang-Armee spaltete sich in vier größere Gruppen, die miteinander in wechselnden Konstellationen Bündnisse schlossen oder einander bekämpften. Je nach der Lage auf dem Schlachtfeld wechselte die Regierung in Beijing ab. In diesen zehn bis fünfzehn Jahren, in denen die Beiyang-Warlords das Sagen hatten, wechselte der Ministerpräsident in Beijing nicht selten fünf Mal pro Jahr.

Zugleich versuchte Sun Yatsen (alias Sun Wen, Sun Zhongshan) in seiner Heimat Kanton, zum Teil gestützt auf opportunistische Warlords, eine Basis für eine demokratische Republik aufzubauen. Seine Vorstellungen ruhten auf drei Prinzipien: Nationalismus, Demokratie und Volkswohl. Er sammelte die öffentliche Meinung auf Seiten der Demokratie, gegen Despotie und Korruption und behielt eine makellose Reputation. Als Regierungschef Chinas wurde er aber nie erprobt.

Seit dem Boxeraufstand waren alle Westmächte in China vertreten und versuchten, auch hier ihre Privilegien, aber auch die Balance untereinander zu erhalten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges jedoch änderte sich die Lage. Die europäischen und amerikanischen Mächte konzentrierten ihre Ressourcen und Aufmerksamkeit auf Europa, so dass Japan sich bei dieser Gelegenheit in China einmischen konnte. So übernahm Japan die deutsche Kolonie in Qingdao und zwang die chinesische Regierung in einem geheimen Abkommen dies anzuerkennen.

Die Offenbarung dieses Geheimdokuments am Ende des Ersten Weltkrieges führte zu der ersten großen Studentenbewegung in der chinesischen Geschichte, der Bewegung des vierten Mai. Als Folge dieser Bewegung verweigerte die chinesische Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 die Unterzeichnung des Versailler Vertrags, in dem die Okkupation Shandongs durch Japan festgeschrieben wurde.

In dieser Zeit änderte sich das Gesicht des Landes. Die Intellektuellen Chinas wurden zu radikalen Denkern, welche den Konfuzianismus und die chinesische Schrift als Mittel der Kaiserherrschaft ablehnten und stattdessen Werte wie Wissenschaft und Demokratie, aber auch Körperertüchtigung und Individualismus propagierten. Allerdings bestanden zwischen den Intellektuellen und den armen, meist schriftunkundigen Bauern sowie den Industriearbeitern unüberbrückbare Gegensätze.

An dieser Stelle hakte das kommunistische Gedankengut ein, das mit der Russischen Revolution von 1917 herüberschwappte und scheinbar einen Weg aufzeigte, mit dem die außerordentlichen wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten in China überwunden werden konnten (1920). Ein übriges tat, dass sich diese Ideologie gegen die Kolonialmächte richtete und über eine gewisse Ethik verfügte.

Der Nordfeldzug

Nach dem Tode Sun Yatsens am 12. März 1925 begann Chiang Kai-shek den Nordfeldzug gegen die Beiyang-Warlords (Beginn Sommer 1925). Dieser Feldzug war lange von Sun geplant, jedoch nie verwirklicht worden, da sich die Warlords, auf die er sich bislang gestützt hatte, als unzuverlässig herausstellten. Chiang baute in der Huangpu Militärakademie eine eigene Armee nach Suns Ideologie auf.

Chiangs Nordfeldzug erwies sich als großer Erfolg. Binnen einem halben Jahr konnte er bereits bis Huangho vorstoßen und dabei mehrere als Eliteneinheiten angesehene Beiyang-Truppen zerschlagen.

Innerhalb der Kuomintang gab es schon seit langem unterschiedliche Meinungen, wie man mit den Kommunisten umgehen sollte. Der linke Flügel, als dessen prominenteste Vertreterin die Witwe von Sun Sun Qinling zu nennen war, wollte mit den Kommunisten und damit auch mit der Sowjetunion zusammenarbeiten, während der rechte Flügel den Kommunisten eher ablehnend gegenüber stand und eher den Amerikanern und Engländern zugeneigt war. Der große Erfolg des Nordfeldzuges stärkte Chiangs Stellung in der Kuomintang, und so konnte der rechte Flügel sich durchsetzen. Als im Mai/Juni 1925 die Briten mit der blutigen Niederschlagung von zwei antiimperialistischen Demonstrationen eine gewaltige Streik- und Boykottbewegung provozierten, setzten sich die Kommunisten an die Spitze dieser Bewegung.

Am 20. März 1926 ergriff Chiang Kai-shek die Initiative, entmachtete die Kommunisten in Kanton und begrenzte den Einfluß der sowjetischen Berater. 1927 begann Chiang offen die Kommunisten zu verfolgen. Als Reaktion darauf richteten die Kommunisten Widerstandsbasen in den ländlichen Gebieten ein. Dieser Strategiewechsel markierte zugleich auch den Führungswechsel bei den Kommunisten von den eher westlich-theoretisch angehauchten Führern zu den pragmatischen, chinesisch-bäuerlichen Führern wie Mao Zedong.

Währenddessen konnte Chiang 1928 mindestens formal China unter der Flagge der Republik einen. Gegen den letzten Warlord musste er allerdings nicht antreten. Der Herrscher der Mandschurei, der junge Zhang Xueliang schwor der Nationalregierung die Treue und ließ die Flagge der Republik vor seinem Hauptquartier hissen. Allerdings wich Chiangs Republik stark vom Ideal Suns ab und glich mehr einer Militärdiktatur. Nachdem er einige opponierende Generäle ins Exil schicken konnte, begann er seinen Feldzug gegen die Basen der Kommunisten. 1934 sahen sich die Kommunisten in den Südprovinzen gezwungen, ihre Basen zu verlassen. In einem "Langen Marsch", welcher innerhalb eines Jahres 1934/35 elf Provinzen durchquerte, konnte sich der "Kern" der Kommunistischen Partei Chinas nach Yenan/Shensi retten.

Der Sino-Japanische Krieg

Bereits nach dem Russisch-Japanischen Krieg wähnte Japan China als seine Machtsphäre. Durch mehrere Abkommen hatte sich Japan beträchtliche Privilegien (inklusive der Stationierung von Armeen und der Alleinherrschaft über wichtige Eisenbahnlinien) in der Mandschurei gesichert. Als Zhang Xueliang kampflos in das republikanische Lager wechselte, musste Japan um Machtverlust fürchten. Im September 1931 begann es eine militärische Konfrontation mit den dortigen chinesischen Truppen. Chiang, der seinen Einigungsprozess noch nicht gefestigt sah, befahl Zhang, freiwillig aus der Mandschurei abzuziehen. Ein Jahr darauf setzten die Japaner den letzten Qing-Kaiser Pu Yi als ihre Marionette und Kaiser Mandschukos ein.

Chiang war fest davon überzeugt, dass er sich keine Konfrontation mit den Japanern leisten konnte, bevor er absolute Macht erlangt und jeden Widerstand innerhalb Chinas gebrochen hatte. Doch seine Rückzugspolitik und die erneute Provokation Japans erregten immer größeren Widerstand in China. Auch dies konnten die mittlerweile nach Nordchina exilierten Kommunisten bestens propagandistisch ausschlachten. Als Chiang 1936 Zhang in Xi'an besuchte, setzte Zhang ihn fest und erzwang von ihm das Versprechen, mit den Kommunisten zusammen zu arbeiten und gegen die Japaner vorzugehen. Am 7. Juli 1937 provozierte die japanische Armee vor Beijing den Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke, wodurch der Sino-Japanische Krieg ausbrach.

Der Krieg verlief für die Chinesen katastrophal. Innerhalb eines Jahres verloren sie die Kontrolle in fast sämtlichen Küstengebieten. Die Nationalregierung musste ins Landesinnere flüchten. Obwohl japanische Flugzeuge die inländischen Städte terrorisierten, konnten sie die dortige Nationalregierung nicht zur Aufgabe zwingen. Auch war die Kopfstärke ihrer Armee zu gering, um das gesamte Land zu besetzen. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und vor allem nach dem Angriff auf Pearl Harbor erhielt die Nationalregierung zunehmend materielle und militärische Hilfe von den USA. Mehrere Versuche Japans, die Materiallieferung über Burma und Indien zu unterbinden, schlugen fehl. Bis zum Kriegsende herrschte eine Pattsituation an der chinesischen Front.

Die Japaner machten sich dabei zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig, insbesondere bei der Eroberung der damaligen Hauptstadt Nanking Dezember 1937, die sechs Wochen lang erbarmungslos terrorisiert wurde, was als Massaker von Nanking in die Geschichtsbücher einging. Der Krieg forderte von China über 19 Millionen Tote. Am Tag ihrer Kapitulation (14. August 1945) verließen die Japaner Nanking.

Der Bürgerkrieg

Bild:Wangjingwei.png Trotz mehrfacher Versuche der USA, einen Waffenstillstand in China zu verwirklichen, brach letztlich doch der Bürgerkrieg erneut aus. Obwohl anfangs die republikanische Armee Erfolge verbuchen und sogar kurzfristig Yanan besetzen konnte, überschätzte Chiang seinen Rückhalt im Land. Die Kommunisten waren weniger korrupt und freundlicher zu den Bauern, mehr an ihnen interessiert. Während Chiang Kai-shek nach schnellen Erfolgen große Teile seiner Truppen zur Absicherung in den Garnisonen zurücklassen musste, konzentrierten sich Mao und seine Militärs auf die Vernichtung seiner kämpfenden Kräfte, nicht auf die Behauptung bestimmter Orte. In mehreren großen Feldzügen und unter stillschweigender Hilfe der Sowjetunion erlangten die Kommunisten zuerst die Kontrolle über die Mandschurei und dann über Nordchina. Selbst der Jangtsekiang als natürliches Hindernis konnte sie nicht aufhalten.

Während der Bürgerkriegszeit war China in drei Einflussbereiche aufgeteilt:

Am 1. Oktober 1949 wurde von Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China ausgerufen. International, besonders von den westlichen Ländern, wurde sie aber erst in den 70er Jahren anerkannt.

Die vom Festland vertriebene Kuomintang-Regierung besteht seit 1949 bis heute als stabilisiertes De-Facto-Regime auf der Insel Formosa fort, ist jedoch besser unter dem Namen Taiwan bekannt.

Republik China auf Taiwan

Der Verfassung nach betrachtet Taiwan sich immer noch als die fortbestehende Republik China und erhebt daraus Anspruch auf ganz China. Faktisch werden diese Forderungen aber (z.B. im Fall der Mongolei) nicht mehr erhoben. Taiwan ist auf Druck der Regierung der Volksrepublik international nicht anerkannt. Das Land wird auch oft als Republik China auf Taiwan (Republic of China on Taiwan) oder eben National-China bezeichnet. Bis in die 80er Jahre blieb die Republik China eine Militärdiktatur; die Verfassung, in der die Demokratie festgeschrieben wurde, war durch mehrere Notstandsklauseln selbst zum Teil außer Kraft gesetzt. Erst Ende der 80er Jahre begann in Taiwan eine Demokratisierung. Die Notstandsklauseln wurden aus der Verfassung entfernt und neue Parteien neben der Kuomintang wurden zugelassen.

Viele Taiwaner wünschen für sich eine stabile internationale Stellung, und dies verstärkt die Unabhängigkeitsbewegung. Die Regierung der Volksrepublik China jedoch betrachtet Taiwan als eine abtrünnige Provinz und drohte eine militärische Besetzung der Insel an, falls Taiwan sich für unabhängig erklären sollte. Die meisten westlichen Regierungen halten einerseits an der Ein-China-Politik fest und ächten andererseits jede militärische Drohung. Die USA erließen ein Gesetz (Taiwan Relation Act), wonach sie sich verpflichten, Taiwan Hilfe gegen jede militärische Bedrohung zu leisten.

Die letzten Wahlen gewannen stets die Pro-Unabhängigkeitsparteien, was in der Volksrepublik starken Unmut erzeugt hat. Die momentane Regierung hat in ihrem Wahlprogramm die Ausarbeitung einer neuen Verfassung versprochen, was die Abschaffung der alten, aus dem Festland stammenden, republikanischen Verfassung bedeuten würde, in der zum Beispiel auch die Souveränität (die Staatsgrenze) festgeschrieben war. Unter internationalem, vor allem US-amerikanischem, Druck versprach die neue Regierung, diese Passage nicht anzutasten.

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