Polygamie

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Die Polygamie - von griech. πολύς (pollys) = viel und γάμος (gamos) = Ehe) - bezeichnet eine Form der Vielehe und von eheähnlichen Beziehungen. Bei zwei Ehen spricht man von Bigamie. Polygamie wird im Allgemeinen als das Gegenteil von Monogamie verstanden. Polygamie als gesellschaftliche Institution ist zu unterscheiden von Polyamorie, bei der die Partner freiwillig entgegen gesellschaftlichen Normen mehrere offen geführte Liebesbeziehungen eingehen können, und die als Subkultur einen Teil der Queer-Bewegung darstellt.

Es wird unterschieden zwischen Polyandrie (Vielmännerei – eine Frau, mehrere Männer) und Polygynie (Vielweiberei – ein Mann, mehrere Frauen) sowie der so genannten Gruppenehe (Polygynandrie) und anderen Eheformen, bei denen mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind.

Inhaltsverzeichnis

Polygamie in den Abrahamitischen Religionen

Das Christentum in seinen meisten Formen verbietet jegliche Form der Polygamie und hat sie in den zuerst christianisierten Gebieten rund um das Mittelmeer nie ausgeübt. Allerdings durften sich bei den germanischen Völkern die Priester noch zur Zeit Karl des Großen polygam verhalten, und erst unter Gregor VII. (1020-1085) wurde dem westlichen Klerus der Zölibat auferlegt. In den Ostkirchen gilt der Zölibat nur für Bischöfe, andererseits war dort die Mehrehe nie üblich.

Während die hebräische Bibel den Männern die Polygamie ohne wesentliche Einschränkung erlaubt (ein Mann darf nur nicht zwei Schwestern heiraten), wird sie im Talmud so stark eingeschränkt, dass sie im heutigen Judentum faktisch verboten ist.

Die islamische Schari'a gestattet Männern bis zu vier Ehefrauen unter bestimmten Bedingungen; nur dem Propheten Mohammed selbst gestand der Koran mehr als vier Frauen zu.[1]

Bei dieser Form der Polygamie handelt es sich um "parallele Monogamien": Jede der Ehefrauen führt einen eigenen Haushalt und jedes Kind hat nur eine Mutter.

Polygamie in Deutschland

Grundsätzlich ist die Polygamie in der Bundesrepublik Deutschland laut § 1306 BGB (vgl. Doppelehe) verboten und wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (siehe § 172 StGB). Jedoch ist es nicht mehr strafbar, dass eine Person mit mehreren Männern oder Frauen in Geschlechtsgemeinschaft zusammenlebt; man kann nur nicht mehr als eine staatlich anerkannte Ehe eingehen.

Allerdings ist die eheliche Polygamie unter Umständen schützenswert, wenn sie im Ausland rechtmäßig zu Stande kam. So entschied das Oberverwaltungsgericht von Rheinland-Pfalz am 12. März 2004 unter dem Aktenzeichen 10 A 11717/03. OVG, dass die Ausländerbehörde der Stadt Ludwigshafen der Zweitfrau eines Irakers, der seit 1996 in der Bundesrepublik lebte, eine Aufenthaltsbefugnis zu erteilen hatte, da die Ehe der Zweitfrau wie die der Erstfrau rechtsgültig anerkannt wurde. Derartige Urteile wurden von Politikern und einigen Medien jedoch heftig kritisiert.

Im Dritten Reich sollten Männer, Angehörige der SS, also "reinen Blutes" mehrere Frauen gleichzeitig haben, um den Fortbestand und Erweiterung der "Deutschen Rasse" zu gewährleisten. Frauen wurden also nicht wegen Ehebruchs bestraft, wenn sie außerehelich schwanger wurden, vorausgesetzt, beide Partner waren "arischen Blutes". Zudem erlaubten Frauen, welche an den Nationalsozialismus glaubten, ihren Männern diese Promiskuitäten.

Polygamie in Großbritannien

1922 gestand eine Britin aus Sheffield mit 61 Männern verheiratet zu sein. Dies ist bisher die höchste bekannte Anzahl von Ehen.

Polygamie in den USA

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, auch als "Mormonen" bekannt, erlaubte und förderte die Polygamie zwischen 1852 und 1890 offiziell; im Geheimen wurde sie auch schon einige Jahre vorher und noch einige Jahre später gepflegt. Erst im frühen 20. Jahrhundert unter Joseph F. Smith hat sich die Kirche nach einer Zeit der Ambivalenz offensiv gegen die Polygamie gewandt; bekannte Polygamisten werden seitdem rigoros exkommuniziert. Den die Polygamie lehrenden Abschnitt 132 ihrer heiligen Schrift Lehre und Bündnisse hat die Kirche beibehalten, er wird jedoch heute nur noch symbolisch-mystisch interpretiert und wurde um eine Erklärung ergänzt, die die praktische Ausübung der Polygamie verbietet. Die meisten schon vor 1852 abgespaltenen mormonischen Gruppen, darunter die Gemeinschaft Christi, lehnen die Polygamie strikt ab.

Heute pflegen nur noch einige meist kleine fundamentalistische Splitterkirchen, die sich meist nach 1890 von der Hauptkirche abgetrennt haben, die Polygamie. Viele dieser Gruppen leben in extrem abgelegenen Örtlichkeiten, in denen außer ihnen niemand siedelt; auf diese Weise dominieren sie auch die dortige Lokalpolitik. Dabei ist meist nur die erste Frau legal mit ihrem Ehemann verheiratet, teilweise werden auch überhaupt keine Zivilehen geschlossen. Einige dieser Kirchen sind totalitäre religiöse Gruppen, die immer wieder negative Schlagzeilen machen – etwa durch Kindesmissbrauch, Inzest, Zwangsheiraten, Vergewaltigung in der "Ehe", Sozialhilfebetrug, Ehrenmorde an Aussteigern, Bildungsfeindlichkeit, zwangsweise Vertreibung "überzähliger" junger Männer, Verweigerung jeder Zusammenarbeit mit der Staatsmacht und allgemein äußerst autoritäres Verhalten und Machtmissbrauch ihrer "Propheten". Daneben gibt es im mormonischen Umfeld noch eine große Zahl individueller Fundamentalisten, die in ihrer eigenen Familie die Polygamie pflegen, ohne einer dieser Splitterkirchen anzugehören. Manche halten dies geheim, um ihre Mitgliedschaft in der Hauptkirche und vor allem ihre Zutrittsberechtigung zu deren Tempeln zu behalten, andere nehmen den Ausschluss in Kauf. Es wird geschätzt, dass heute zwischen 20.000 und 40.000 Einwohner der USA in polygamistischen mormonischen Gruppen oder polygamistischen Einzelfamilien leben, die meisten davon in Utah und dessen Nachbarstaaten. Zum Vergleich: die mormonische Hauptkirche hat heute ca. 12 Millionen Mitglieder.

Einige heutige Mitglieder der Hauptkirche behaupten, die früheren Vielehen hätten keine sexuellen Beziehungen beinhaltet, sondern hätten nur der materiellen Versorgung der Frauen, deren Männer nach dem Umzug nach Westen verstorben waren, gedient. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass etwa Brigham Young, der zweite Vorsitzende dieser Kirche, immerhin 57 Kinder von 16 Frauen hatte (Quellen siehe dort), auch wenn er daneben tatsächlich noch etwa 30 solche reinen Versorgungsehen vor allem mit älteren Witwen eingegangen war. Dies wurde seinerzeit auch keineswegs verschwiegen oder geheimgehalten. Auch heutige Kirchenführer verschweigen es nicht und sehen die damaligen sexuellen Beziehungen zu mehreren "rechtmäßig angetrauten" Ehefrauen als vor Gott gerechtfertigt an, vermeiden das Thema jedoch nach Möglichkeit. Außereheliche sexuelle Beziehungen allerdings führten damals wie heute zu Disziplinarmaßnahmen bis hin zum Ausschluss aus der Kirche.

Weblinks


Zum Begriff der Polygamie in der Botanik siehe Polygamie (Botanik)



Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Andere Sprachen
Ähnliche Links