Pneumokokken
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| Pneumokokken | ||||||||||||||
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| Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) | ||||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||||
| Streptococcus pneumoniae | ||||||||||||||
| (Klein 1884) Chester 1901 |
Pneumokokken sind Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae, die morphologisch zu der Gruppe der Diplokokken gehören, d.h. paarweise gelagert sind.
Inhaltsverzeichnis |
Krankheitsbild
Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Infektionen verursachen. Bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Personen mit chronischen Grundleiden können sie besonders gefährlich werden. Weltweit sterben jährlich etwa zwei Millionen Menschen an einer durch Pneumokokken verursachten Infektion, darunter mehr als eine Million Kinder unter fünf Jahren mit einer Lungenentzündung. In Deutschland fallen jedes Jahr rund 12.000 Menschen einer Pneumokokken-Infektion zum Opfer. Trotz Antibiotika tritt die Hälfte dieser Todesfälle bereits innerhalb der ersten 48 Stunden ein.
Pneumokokken können eine Vielzahl von Krankheiten hervorrufen.
Menschen über 50 Jahren erkranken meist an Lungenentzündung. Diese ist auch deshalb besonders gefährlich, weil sie leicht übersehen wird. Typische Krankheitssymptome, wie plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten, eitriger Auswurf, sind im Alter seltener. Typischerweise beginnt die Lungenentzündung nach vorausgegangenem Infekt der oberen Atemwege. Säuglinge zeigen neben Husten oftmals untypische Symptome wie Trinkschwäche oder Schnupfen. Kleinkinder leiden unter Husten, schnellem Puls, sind blass und haben Fieber.
Der Hirnhautentzündung geht meist eine Infektion der oberen Atemwege voraus. Im Säuglingsalter haben Kinder hohes Fieber, erbrechen, sind apathisch oder unruhig, verweigern die Nahrung oder erleiden Krampfanfälle. Sind die Kinder älter als ein Jahr, tritt die typische Nackensteifheit auf, darüber hinaus Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit. Auch wenn das Kind die Infektion überlebt, kann es Hirnschäden zurückbehalten, taub sein oder schlechter sehen. Bei Kindern unter fünf Jahren sind Pneumokokken die zweithäufigste Ursache bei akuten bakteriellen Hirnhautentzündungen.
Eine Mittelohrentzündung verursacht bei den betroffenen Kindern starke Ohrenschmerzen und Fieber. Manche Kinder leiden unter häufig wiederkehrenden Mittelohrentzündungen. In Deutschland erkranken nach Schätzungen jährlich 300.000 bis 600.000 Kinder unter fünf Jahren an akuter Mittelohrentzündung.
Bei der Nasennebenhöhlenentzündung treten Fieber und Kopfschmerzen auf, die Nebenhöhlen sind vereitert. Säuglinge erkranken nur selten an einer Entzündung der Kieferhöhlen, weil diese noch nicht vollständig ausgebildet sind. Das so genannte Siebbeinzellensystem kann aber bei ihnen auch betroffen sein.
Infektionsweg
Pneumokokken-Bakterien lauern überall. Sie werden wie Erkältungen durch Tröpfcheninfektion weitergegeben. Die Bakterien werden von Mensch zu Mensch übertragen, etwa durch Anhusten. Es wird jedoch längst nicht jeder krank, bei dem Pneumokokken die Rachenschleimhäute besiedeln. Die Keime werden meist erst dann zur Gefahr, wenn körpereigene Abwehrmechanismen wegen einer Virusinfektion oder chronischen Krankheiten geschwächt sind. In hohem Maße gefährdet sind Kinder in den ersten beiden Lebensjahren: Ihr Immunsystem ist noch nicht in der Lage, eine Pneumokokken-Infektion ohne Hilfe abzuwehren. Lungen-, Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- oder Hirnhautentzündung können die Folge sein. Wenn der Erreger in die Blutbahn gelangt, kommt es auch zur gefürchteten Blutvergiftung.
Impfung
Schutz vor Pneumokokken bieten zwei Impfstoffe. Ein so genannter Polysaccharid- Impfstoff steht seit vielen Jahren zur Verfügung und ist vor allem für ältere Kinder und Erwachsene bestimmt. Er wirkt gegen 23 verschiedene Pneumokokkentypen, die für 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich sind. Ein so genannter Konjugat-Impfstoff wurde im Februar 2001 zugelassen und ist für Kleinkinder bestimmt. Der neue Impfstoff ist gegen die 7 für Kinder gefährlichen und häufigsten Typen der Pneumokokken gerichtet.
Bevor der Konjugatimpfstoff eingeführt wurde, gab es die Schutzimpfung gegen Pneumokokken nur für Kinder ab dem dritten Lebensjahr sowie Jugendliche und Erwachsene. Der für sie geeignete Polysaccharid-Impfstoff ist aber, weil er aus den unveränderten Zuckermolekülen der Kapsel besteht, bei Säuglingen und Kleinkindern nicht ausreichend wirksam. Daher konnten Kinder unter zwei Jahren bisher nicht gegen Pneumokokken-Infektionen geimpft werden. Bei der Herstellung des Konjugatimpfstoffes hat man sich eines Kunstgriffs bedient. An die Kapsel-Zuckermoleküle wurde ein Eiweißmolekül gebunden, das es den weißen Blutkörperchen erleichtert, den Erreger zu erkennen. Seit März 2001 steht auch in Deutschland ein Konjugatimpfstoff zur Verfügung, der bei Säuglingen und Kleinkindern erfolgreich eingesetzt werden kann. In klinischen Studien wurden in den USA und in Finnland mehr als 37.000 Kleinkinder geimpft. Dabei ist die Wirksamkeit des neuen Impfstoffes bewiesen worden.
Eine Pneumokokken-Schutzimpfung kann gleichzeitig mit anderen Impfungen erfolgen.
Obwohl die Impfung gut verträglich ist, ist nur ein kleiner Teil der Menschen, für die sie empfohlen wird, geimpft. Die Impfung senkt nicht nur das Risiko einer schweren Pneumokokken-Infektion, sondern kann außerdem das Entstehen von Antibiotika- Resistenzen eindämmen, die in unseren Nachbarländern bereits das Behandeln von Pneumokokken-Infektionen erschweren. Daher sollte die Impfung in größerem Umfang genutzt werden als bisher.
Empfehlungen für die Pneumokokken-Impfung
Die aktuellen Empfehlungen für die Pneumokokken-Impfung (Stand 29. Juli 2005) der Ständigen Impfkommission (Ständige Impfkommission) (STIKO) am Robert Koch Institut (RKI) lassen sich dem "Epidemiologischen Bulletin" Nr. 30 entnehmen. Frei zugänglich als PDF Dokument auf der Webseite des RKI: hier
(Quelle: Ständige Impfkommission 2004)
- Personen ab 60 Jahre
- Kinder (ab vollendetem zweiten Lebensmonat), Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit wie zum Beispiel:
- chronische Erkrankungen der Lunge (incl. Asthma und COPD) und des Herz-Kreislauf-Systems
- chronische Leber- oder Nierenerkrankungen
- Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen
- Krankheiten der blutbildenden Organe
- angeborene oder erworbene Defekte des Immunsystems
- Patienten mit funktionsuntüchtiger oder fehlender Milz
- vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie oder vor einer Organtransplantation
- Patienten mit neoplastischen Erkrankungen
- bei Krebserkrankungen
- bei HIV-Infektionen
- nach Knochenmarkstransplantation
- Frühgeborene (vor der vollendeten 37. Woche)
- Säuglinge und Kleinkinder mit Gedeihstörungen oder neurologischen Krankheiten



