Organisierte Kriminalität

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Die offizielle Definition von Organisierter Kriminalität in Deutschland (1990/RiStBV 1991) lautet:

Organisierte Kriminalität (Abk. OK) ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig

zusammenwirken.

Inhaltsverzeichnis

Erscheinungsformen

Die Erscheinungsformen der Organisierten Kriminalität sind vielgestaltig. Neben strukturierten, hierarchisch aufgebauten Organisationsformen (häufig zusätzlich abgestützt durch ethnische Solidarität, Sprache, Sitten, sozialen und familiären Hintergrund) finden sich - auf der Basis eines Systems persönlicher und geschäftlicher kriminell nutzbarer Verbindungen - Straftäterverflechtungen mit unterschiedlichem Bindungsgrad der Personen untereinander, deren konkrete Ausformung durch die jeweiligen kriminellen Interessen bestimmt wird. (Anlage E, Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren (RiStBV) in der ab 1. Mai 1991 bundeseinheitlich geltenden Fassung)

Der Begriff umfasst nicht Straftaten des Terrorismus.

Kerngebiete

Kerngebiete der internationalen organisierten Kriminalität sind Drogenhandel, Betrug, Kreditkartenfälschung, Schmuggel, Schutzgelderpressung, illegaler Waffenhandel, Geldwäsche, Wirtschaft-, Falschgeld- und Nuklearkriminalität, Menschenhandel bzw. Schlepperwesen, Mädchen- und Kinderhandel zwecks Ausbeutung in sexueller Hinsicht oder als Arbeitskraft, Glücksspiel, Autodiebstahl bzw. Autoschieberei und Embargoumgehung.

In Deutschland kommt strafrechtlich u.a. § 129 StGB (Bildung krimineller Vereinigungen) in Betracht.

Indikatoren für Organisierte Kriminalität

1. Übergeordnete Indikatoren

  • Internationalität
  • Hierarchie
  • Systematische Beuteverwertung

2. Generelle Indikatoren

2.1. Tatplanung

  • Arbeit auf Bestellung
  • präzise Planung/vorbereitende Organisation
  • Erkundung von Bedürfnissen des Marktes

2.2. Tatausführung

  • durch Spezialisten/"Fachmänner"
  • überregionale/internationale Tatzusammenhänge
  • Anwendung von Maßnahmen wie Observation/Gegenobservation

2.3. Gewinnverwertung

  • Rückfluß in die legale Wirtschaft
  • in eigene legale Betriebe („Geldwäsche“)

2.4. Besondere Tatzusammenhänge/Täterverbindungen

  • überregional
  • international

2.5. Geldwäscheindikatoren

  • viele Konten
  • hohe Bareinzahlungen
  • Mitführen/Lagerung hoher Barbeträge
  • Geldtransporte
  • Akzeptanz schlechter Konditionen bei der Geldanlage

2.6. Konspiration/Abschottung

  • Verwendung von Decknamen
  • gleichzeitige Verwendung mehrerer Mobilfunkkarten
  • Codierung von Sprache und Schrift
  • gruppenübergreifende Konfliktlösungen ohne Hinzuziehung von Polizei
  • mangelnde Aussagebereitschaft gegenüber der Polizei

2.7. Gruppenstrukturen

  • ausgeprägte Hierarchien
  • Autoritäts-/Abhängigkeitsverhältnisse
  • Sanktionssysteme

2.8. Hilfe für Gruppenmitglieder

  • teure Anwälte vor Gericht
  • Fluchthilfe
  • Stellen selbst hoher Kautionsbeträge
  • Einschüchterung von Verfahrensbeteiligten
  • Stellen von Entlastungszeugen
  • Betreuung und Versorgung von Gruppenangehörigen

2.9. Korruption

  • Bestechungsgelder
  • Schaffung und Ausnutzung von Abhängigkeiten durch Sex/Glücksspiel/Zinswucher

2.10. Monopolisierungsbestrebungen

  • Einsatz sogenannter Strohmänner
  • Kasino/Bordelle/Schutzgelder

2.11. Öffentlichkeitsarbeit

  • gesteuert / tendenziös / ablenkend
  • z.B. Drogenlegalisierungsdiskussion, Thematisierung zum sog. Lauschangriff

3. Strukturen der Organisierten Kriminalität in der BRD

  • .K. eigenen Zuschnitts mit Gefährlichkeit in der flexiblen Nutzung der gesellschaftl. Freiheiten
  • bei inländischer O.K. eher netzartige Strukturen als straffe Organisation
  • kein einheitliches Strukturmodell sondern einzelne dominierende Personen bzw. Personengruppen
  • vereinzelte hierarchische Strukturen („Zellen“)
  • Schwerpunkte der Aktivitäten in Großstädten/Ballungsräumen
  • Geschäftsabwicklung unter wechselnder Tatbeteiligung und bei Nutzung von Sachverstand in Einzelgeschäften
  • Herausbildung von abgegrenzten Geschäftsbereichen ohne Absprache
  • weniger persönliche Abschottung der Tatbeteiligten aber Abschottung der Einzelgeschäfte
  • legale und illegale Geschäfte werden verflochten
  • Straftaten ohne direkte bzw. anzeigewillige Opfer ergeben ein nicht einschätzbares Dunkelfeld
  • Täterverhalten orientiert sich an staatlichen Bekämpfungsstrategien
  • gezielte übergreifende Auswertung
  • eher stille Agitation und Verbreitung allgemeiner Furcht als Gewaltanwendung
  • daneben in zunehmenden Maße kriminelle Organisationen mafiotischen Zuschnitts, die in den deutschen Markt dringen, geprägt durch ethnischen Zusammenhalt
  • russische Schutzgelderpresser
  • rumänische Einbrecher/Taschendiebe
  • jugoslawische Hütchenspieler/Waffenschieber
  • polnische Kfz-Verschieber
  • vietnamesische Zigarettenhändler
  • BRD im Wandel vom Rückzugs- zum Geschäftsgebiet

4. Betätigungsfelder

Die Organisierte Kriminalität nutzt alle Betätigungsfelder mit hohen Gewinnspannen, insbesondere:

  • Wirtschaft
  • Rauschgifthandel
  • Waffen
  • Falschgeld
  • Nachtleben
  • Kfz-Diebstahl
  • Kunst- und Antiquitätendiebstahl
  • Glücksspiel
  • illegale Müllbeseitigung
  • Umweltkriminalität

Auswirkungen

Die O. K. wirkt destabilisierend auf die innere Sicherheit und die staatliche Ordnung, wobei auch die Funktionsfähigkeit der freien sozialen Marktwirtschaft nachhaltig negativ beeinflußt wird.

Dies wird bewirkt durch:

  • Entstehung von Parallelgesellschaften
  • Schaffung rechtsfreier Räume
  • Akzeptanzprobleme für die Rechtsordnung
  • hoher Bekämpfungsaufwand
  • Publizität des Verbrechens

Literatur

  • C. Besozzi, Organisierte Kriminalität und empirische Forschung, Rüegger 1997, ISBN 3725305838
  • J. Kinzig, Die rechtliche Bewältigung von Erscheinungsformen organisierter Kriminalität, Freiburg 2004, ISBN 3428114884
  • K. von Lampe, Organized Crime: Begriff und Theorie organisierter Kriminalität in den USA, Lang 1999, ISBN 3631347219
  • L. Paoli, Mafia Brotherhoods, Oxford Univ. Press 2003, ISBN 0195157249
  • Norbert Mappes-Niedieck: Balkan-Mafia, ISBN 3861532840

Siehe auch

Weblinks

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