Motorroller

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Bild:Motorroller Aerox.jpg Bild:Motorroller 01 KMJ.jpg Bild:BKK Vespa078.jpg Bild:Roller.jpg

Motorroller sind per Motor, entweder mit einem Verbrennungsmotor oder einem Elektromotor (in diesem Fall handelt es sich um einen Elektro-Roller), betriebene Zweiräder, die sich in folgenden Punkten von gewöhnlichen Motorrädern unterscheiden:

  • Sie haben eine Karosserie und bieten dadurch einen recht guten Wetterschutz
  • Sie werden nicht mit Knieschluss gefahren, d.h. es gibt einen Durchstieg zwischen Sitzbank und Frontkarosserie
  • Sie haben meistens Stauraum in Form eines Helmfachs
  • Sie haben — zumindest in den jüngeren Baujahren — Variomatikgetriebe

Erfolgreich gemacht haben den Motorroller vor allem die italienischen Firmen Piaggio seit 1948 mit dem Modell Vespa und Innocenti mit dem Modell Lambretta (seit 1947). Diese Bauweise wurde bis heute von vielen Herstellern übernommen. Einer der ersten deutschen Roller nach dem Krieg (1949) hieß Walba (später FAKA).

Motorroller gibt es in verschiedenen Motorisierungen, angefangen beim auf 25 km/h (D) bzw. 30 km/h (CH) gedrosselten Mofa mit nur einem Sitzplatz über den klassischen 50er (Kleinkraftrad) und die 80er bzw. 125er (Leichtkraftrad, 15 PS) bis zu großen Rollern mit einem Hubraum von 250 cm³ bis 650 cm³ mit einer maximalen Leistung (2005) von 56 PS.

Inhaltsverzeichnis

Hersteller und Marktsituation

Die meisten Motorroller kommen heute aus Fernost — hauptsächlich aus Südkorea, Taiwan und China. Sie sind entweder Eigenentwicklungen oder werden mit Lizenzen z.B. von Honda, Yamaha oder Sachs gefertigt. Wenige Hersteller fertigen in Europa — z.B.: Italien (Aprilia, Gilera, Italjet, Piaggio, Benelli, Malaguti) und Frankreich (MBK, Peugeot) — und konnten sich bis heute am Markt halten. Deutsche Fabrikate, früher bekannt unter den Namen Heinkel, Zündapp, NSU, Maico, Simson und anderen, sind vom Markt verschwunden, ebenso amerikanische Modelle wie Wyse. Heute wird der Markt der 50-cm³-Zweitakter dominiert von Aprilia, CPI, Daelim, Gilera, Italjet, Kymco, MBK, Peugeot, Piaggio, Sym, TGB und Yamaha (in alphabetischer Reihenfolge, nicht nach Marktanteil).

Bei den größeren Rollern, für die ein Motorradführerschein notwendig ist, spielen Yamaha (TMAX) Honda (Silver Wing) und Suzuki (Burgman Executive) eine große Rolle. Die Höchstgeschwindigkeit der stärksten Roller liegt z.T. bei 160 km/h, bei >=7Sek/0-100 km/h.

Konstruktion

Kraftübertragung und Motor

Traditionell bilden bei vielen Rollern Motor und Getriebe eine Einheit. Klassische Roller haben meist Handschaltung oder eine Schaltwippe, um die Schuhe zu schonen.

Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist die Kombination von Vollautomatik (Variomatik) und Triebsatzschwinge sehr beliebt und hat die Roller als Kurzstreckenfahrzeug auch in Deutschland wieder populär gemacht. Fahrdynamisch ist die Triebsatzschwinge problematisch, da Antrieb und Kraftübertragung hierbei komplett zu den ungefederten Massen gehören. Dafür haben die Hersteller die Möglichkeit, den Triebsatz komplett bei einem Zulieferer zu kaufen und nur noch in ein eigenes Fahrwerk zu montieren.

Die weitaus meisten Roller werden von Einzylindermotoren angetrieben. Wegen der verschärften Abgasvorschriften scheinen die Tage der Zweitakter gezählt. Allerdings gibt es inzwischen Einspritzanlagen und Katalysatoren, mit denen auch die neuen Grenzwerte eingehalten werden können. Sogar die Probleme des hohen Spritverbrauchs haben sich damit erledigt. Bei größeren Rollern ab 125 cm³ dominieren allerdings die akustisch angenehmeren, weil meist auch wassergekühlten Viertakter, die mittlerweile auch in einigen 50-cm³-Rollern verbaut sind. Besonders leistungsstarke Modelle besitzen auch Zweizylinder (z.B. Yamaha T-max).

Fahrwerk

Grundsätzlich lassen sich zwei Konstruktionsweisen unterscheiden:

  • Rahmen mit Kunststoff-Verkleidung (viele Japaner)
  • Selbsttragende Blech-Karosserie (Vespa-Klassiker und heutige ET- und GT Baureihe)

Für die Hinterradführung kommt heute meist eine Triebsatzschwinge zum Einsatz, das Vorderrad wird entweder in einer Schwinge (gezogene Kurzschwinge, z.B. Vespa) oder in einer Teleskopgabel (z.B. Suzuki Burgman) geführt. Die Räder sind meist klein (10" oder 12"), um das Fahrzeug niedrig zu halten.


Tuning und Modding

Viele Jugendliche verändern (tunen) ihre Motorroller, so erreichen manche 50cm³-Roller knapp 120 km/h. Die Tuningteile-Shops in Deutschland melden große Umsätze beim Verkauf von Rennauspuffanlagen, 70-cm³-Zylindern, größeren Vergasern, langen Getrieben und Renn-Varios (Variomatik) die nicht selten in Rollern eingebaut werden, die auf öffentlichen Straßen fahren. Problematisch ist dabei, daß die Konstruktion (Werkstoffe, Dimensionierung) nicht dafür ausgelegt ist und es zu Brüchen in Bauteilen kommen kann. Häufigstes Problem ist die schwache Bremskraft und das nicht für derartige Geschwindigkeiten ausgelegte Fahrwerk. Durch eine bauliche Veränderung am Fahrzeug erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeuges. Man sollte also bedenken, dass man beim Betrieb eines solcherlei veränderten Fahrzeuges auf öffentlichen Strassen bei Nichtanmeldung und Eintragung der Veränderungen in den Fahrzeugpapieren (so dies überhaupt nach Art und Umfang der Umbauten möglich ist) seinen Versicherungsschutz verliert, also einen entstehenden Unfallschaden komplett selbst zahlen muss. Sollte es dabei zu Personenschäden kommen, so ist es möglich, dass Schadensersatzforderungen von fünf- oder sechsstelligen Beträgen entstehen. Auch die Folgekosten eines Unfalls ohne Personenschaden können diese Höhe erreichen, z.B. falls wegen ausgelaufenen Kraftstoffes Erdboden abgetragen und entsorgt werden muß. Des Weiteren werden die Straftaten des Fahrens ohne Führerschein und der Steuerhinterziehung (Kraftfahrzeugsteuer) begangen.

Jedoch existiert auch eine große legale Rennsportszene mit einer WM und viele Racingteams. Roller im Rennsport erfreuen sich einer wachsenden Fangemeinde, da die Kosten für eine Saison überschaubar und die technischen Herausforderungen zu meistern sind.



Siehe auch: Mokick, Versicherungskennzeichen

Motorroller Kultur

Einige Jugendliche, die Motorroller fahren nennen sich auch Scooterists (von engl. Scooter). Scooterists bevorzugen allerdings die klassischen Schaltroller wie Vespa und Lambretta.

Ebenso gibt es den VCVD (Vespa Club von Deutschland e. V. ), welcher wiederum Mitglied in der FIV (Fédération Internationale Des Vespa Clubs) ist.

Literatur

Zum Thema Motorroller gibt es diverse Fachzeitschriften, z.B. Roller Spezial, Motoretta und Scooter & Sport.

Weblinks

Kommerzielle Links



Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Andere Sprachen
Ähnliche Links