Moor

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Moore (norddeutsch Bruch, Fehn, Fenn oder Luch süddeutsch Filz, Moos, Ried) sind natürliche Lagerstätten von Torf oder anderen mineralarmen Humusansammlungen. Moore sind, oder waren mindestens zu ihrer Entstehung, mit Wasser durchtränkt, so dass hauptsächlich Torfmoose und andere typische Pflanzengesellschaften gedeihen können bzw. konnten. Die Reste dieser Pflanzen können sich durch den Sauerstoffabschluss unter Wasser nicht oder nicht vollständig zersetzen und bilden so den Torfkörper.

Moore entstehen, wenn Flächen anhaltend überschwemmt werden. Mann kann sie ökologisch grob in Anmoor, Niedermoor, Zwischen- oder Übergangsmoor und Hochmoor einteilen. Eine weitere Einteilung geschieht oft nach hydrologischer und geologischer Situation (hydrologische Moortypen). Eine pflanzensoziologische Einteilung ist schwierig, da die meisten Moore heute nicht mehr leben. Die Abgrenzung zu Bruchwäldern und Sümpfen ist fließend und die Unterteilung in Waldmooren, Grasmoore und Heidemoore schwierig.

Obwohl Moore keine Mineralböden darstellen, werden sie von der Bodenkunde als Moorböden bzw. organische Böden (Hochmoor, Niedermoor oder Zwischenmoor) erfasst.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Moore kommen in Deutschland v.a. im Nordwesten und im Alpenvorland vor, es gibt aber auch Hochmoore in den Mittelgebirgen. Besonderen Reichtum an Mooren haben Finnland, Teile Russlands und Alaska. Moore sind aber nicht nur auf kalte oder gemäßigte Breiten beschränkt, sondern kommen auch in subtropischen und tropischen Regionen vor.

Genetisch-ökologische Einteilung der Moore - Mineralstoffregimetypen

  • Niedermoor - minerogen

Nieder- oder Flachmoore werden von Mineralbodenwasser d. h. durch mineralstoffhaltiges Grundwasser bzw. Bodenwasser, gespeist. Das Grundwasser ist meist sauerstoffarm und gleichmäßig temperiert. Die dünne Torfschichten des Niedermoores liegen auf dem Mineralboden auf und können auch periodisch trockenfallen. Die Oberfläche des Moores folgt dem Grundwasserstand um mehrere Dezimeter (Mooratmung). Hierbei können Gehölze keimen, jedoch sterben diese in einem ausreichend feuchten Niedermoor rasch wieder ab.

Sonderformen von Niedermooren sind Quell- und Überflutungsmoore. Quellmoore werden durch Wasser aus tiefer liegenden Grundwasserschichten gespeist (lithogen); Überflutungsmoore sind durch Fremdwassereintrag aus Flüssen, Bächen oder Seen überprägt (fluviogen).

  • Übergangsmoor - ombrominerogen

Übergangsmoore liegen zeitlich oder räumlich zwischen Hochmooren und Niedermooren. Sie werden sowohl vom Grundwasser, als auch vom Regenwasser gespeist und können sich bei Niederschlagsüberschuss zum Hochmoor entwickeln. Der Zwischenmoorbegriff wird häufig synonym verwendet; in der Pflanzensoziologie werden damit Fadenseggenriede (Caricion lasiocarpae) bezeichnet.

  • Regenwassermoor (Hochmmoor) - ombrogen

Regenwassermoore decken ihren Nährstoffbedarf ausschließlich durch Niederschlagswasser. Der Begriff Hochmoor wird häufig synonym verwendet, streng genommen fallen hierunter aber nur uhrglasförmig aufgewölbte Regenwassermoore. Für Regenwassermoore bezeichnend sind Torfmoose, von denen einige Arten (z.B. Sphagnum magellanicum, S. rubellum, S. capillifolium) ihren Nährstoffbedarf alleine durch Regenwasser decken können und bei Niederschlagsüberschuss über den Grundwasserspiegel aufwachsen. Durch ihr schnelles und dichtes Wachstum verdrängen sie z.T. andere Pflanzen und bewirken so die Ausbreitung eines Moores. Neue Hochmoore enstehen nur bei hohen Niederschlägen (über 1000 mm / Jahr) und sind empfindlich gegenüber Schwankungen im Grundwasserspiegel.

Einteilung der Moore nach ihrem Wasserregime - Hydrologische Moortypen

Neben Herkunft und Mineralstoffgehalt des Wassers beeinflussen Wasserstand und -bewegung den aktuellen Torfbildungsprozess. Nach der horizontalen Wasserströmung im Torfkörper und nach Wasserstand können folgende hydrologischen Moortypen unterschieden werden:

  • Verlandungsmoor
  • Versumpfungsmoor
  • Durchströmungsmoor
  • Überrieselungsmoor

Bei nicht oder kaum geneigtem Grundwasserspiegel besteht i. d. R. Verlandungs- oder Versumpfungsregime. Verlandungsmoore entstehen durch fortschreitende Verlandung von Stillgewässern, Versumpfungsmoore durch flach austretendes Wasser direkt über dem anstehenden Mineralboden. Bei stärker geneigtem Grundwasserspiegel besteht Durchströmungs- oder Überrieselungsregime. Ebenso kann in horizontalem Gelände durch Quellwasser Strömung verursacht werden.

Einteilung der Moore nach Lage und Geländeform - Topographische Moortypen

Je nach Betrachtungsmaßstab kann eine Vielzahl topographischer Moortypen unterschieden werden, z.B

  • Hangmoor
  • Plateaumoor
  • Sattelmoor
  • Kesselmoor
  • Talmoor
  • Tieflandsmoor
  • Gebirgsmoor ...

Ökologie der Moore

Eine besondere Rolle spielt der Nährstoffgehalt und der pH-Wert des Wassers, Regenwassers und Grundwassers (Mineralbodenwasser), also der anstehende Mineralboden.

Die Hauptpflanzen des Moores sind Sauergräser (Cyperaceae), Braunmoose (Amblystegiaceae) oder Torfmoose (Sphagnum); bei nicht so starker Nässe, z. B. an den Rändern können verstärkt Gehölze wachsen wie z.B. Fichte, Birke, Bergkiefer, Waldkiefer oder Erle. Auch verschiedene Beeren, wie Heidelbeere, Preiselbeere oder Moosbeere kommen in Mooren häufig vor. Die Fauna des Moores ist eher arm an Arten, die aber spezialisiert sind und woanders nicht vorkommen.

Geschichte der Moore in Mitteleuropa

In Deutschland bildeten sich Moore nach dem Ende der letzten Eiszeit, im Norden auf ca. 30 % der Fläche. Mit der kompletten Eindeichung der Nordsee um ca. 1200 („Goldener Ring“) wurde eine Entwässerung der Küstenregionen über Siele auf das Niveau der Ebbe möglich. Obwohl hierdurch bereits das Ende der Moore begann, blieben sie wegen ihrer Unzugänglichkeit und des geringen wirtschaftlichem Nutzen noch lange intakt. Nur gelegentlich wurden Bruchwälder in der Nähe der Siedlungen für Brennholz genutzt und in Mähwiesen oder Streuwiesen umgewandelt.

Der wachsende Brennholzbedarf machte erst in der Neuzeit eine Abtorfung der tieferligenden Torfschichten mit hohem Brennwert interessant, da die technischen Vorraussetzungen für eine großflächige Entwässerung gegeben waren. Der wachsende Bevölkerungsdruck Ende des 17. Jahrhunderts und die so genannte landwirtschaftliche Revolution im 20. Jahrhundert führten zur Trockenlegung der meisten Moore.

In der heutigen Zeit werden Moore in Deutschland nur noch sehr selten trocken gelegt, da sie zur Regulierung des Wasserhaushalts beitragen. Oftmals bilden sie auch die letzten Rückzugsgebiete für bedrohte Pflanzen- und Tierarten, weshalb sie heute unter gesetzlichem Schutz stehen. Einige Moore, zum Beispiel das Rote Moor in der Rhön, das Georgenfelder Hochmoor im Osterzgebirge oder kleinere Gebiete wie das Haspelmoor in der Nähe von Augsburg/Fürstenfeld, sind für Besucher erschlossen.

Moore in der Kulturgeschichte

In der Vergangenheit wurden Moore als Sitz von Göttern und Geistern angesehen, denen auch Gegenstände und seltener Tiere, aber vermutlich auch Menschen geopfert wurden. Auch in der Literatur und Poesie gibt es viele Bezüge zum Moor.

Um Moore, die einen sumpfigen und wenig tragfähigen Untergrund haben, begehbar zu machen, legte man seit alters her Knüppeldämme an, also durch Holzbohlen befestigte Wege. Begünstigt durch die Wirkung des Luftabschlusses werden Dinge, die im Moor untergehen, für sehr lange Zeit konserviert. Aus untergegangenem Holz, z.B. von Knüppeldämmen, können dendrochronologische, aus der Analyse von Moorleichen kulturelle und anthropologische Erkenntnisse gewonnen werden.

Literatur

  • Succow, M., 1988: Landschaftsökologische Moorkunde. Gustav Fischer Verlag, Jena.
  • Ellenberg, H., 1996: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. Ulmer, Stuttgart.

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Weblinks

Bild:Wiktionary-logo-en.png Wiktionary: Moor – Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen


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