Mongolische Wüstenrennmaus

aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank

Mongolische Wüstenrennmaus
Bild:Mongolische Wuestenrennmaus.jpg
Systematik
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Gerbillini
Gattung: Sandmäuse (Merionus)
Art: Mongolische Wüstenrennmaus
Wissenschaftlicher Name
Merionus unguiculatus

Die unter den Rennmäusen am häufigsten als Haustier gehaltene Mongolische Wüstenrennmaus (Meriones unguiculatus) (griechisch-lateinisch für "Krieger mit Krallen") ist ursprünglich in den Steppen und Halbwüsten der Mongolei und Nordchinas zuhause. Sie lebt dort in engen Familienverbänden von etwa 15 bis 20 Tieren. Diese bestehen in der Regel aus einem Elternpaar und den beiden nächsten Würfen. Die "Krieger mit Krallen" verteidigen ihr Revier strikt gegenüber nicht zur Familie gehörenden Tieren.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Ausgewachsen sind die Tiere 70 bis 100 g schwer und 10 bis 12 cm groß. Der Schwanz erreicht noch einmal dieselbe Länge und dient zur Balance. Rennmäuse sind am ganzen Körper behaart, im Gegensatz zu Mäusen und Ratten auch am Schwanz und unter den Fußsohlen. Dies dient der Anpassung an ihren natürlichen Lebensraum, wo heiße Sommer und kalte Winter herrschen. Sie haben einen rundlichen Kopf mit relativ kleinen Ohren und großen runden Augen. Ihre Hinterbeine sind im Vergleich zu den Vorderbeinen dreimal so lang. Dies befähigt sie zu hohem Tempo und weiten Sprüngen. Die natürliche Fellfarbe ist bräunlich mit heller Unterseite, diese Farbe nennt sich "Agouti". Inzwischen sind viele verschiedene Zuchtfarben erhältlich.

Herkunft

Laut Literatur stammen alle Mongolischen Wüstenrennmäuse, die heute gehalten werden, von einigen wenigen ab, die um 1953 in der Ostmongolei und Mandschurei gefangen wurden. Ihre Nachkommen erreichten schließlich über Amerika auch Europa. Im Gegensatz zu als Haustier gehaltenen Tieren können frei lebende Rennmäuse bis zu 8 Jahren alt werden. In Gefangenschaft erreichen sie meist nur ein Alter von 2 bis 4, selten auch bis zu 5 Jahren.

Lebensraum

In der Natur leben Rennmäuse in unterirdischen Gangsystemen. Hier sind sie vor der Witterung, besonders vor Hitze, geschützt. Die Gangsysteme sind weit verzweigt, jedoch sind die Gänge nie viel breiter als nötig, um zwei Tiere aneinander vorbei zu lassen. In den Gängen legen die Tiere mit zernagtem Material gepolsterte Nester und kleinere Futtervorräte an. Rennmäuse sind im Rhythmus von 2 bis 4 Stunden tag-/nachtaktiv und halten keinen Winterschlaf.

Ernährung

Einen Großteil ihrer wachen Zeit verbringen sie mit der Futtersuche. Sie ernähren sich von Samen, Früchten, Wurzeln und Pflanzenteilen. Mit dem Futter nehmen sie den Hauptteil ihres Wasserbedarfs auf und trinken nur sehr wenig. Als Heimtier sollten diese mit größtenteils Vogelfutter und anderen fettarmen Sämereien gefüttert werden. Zudem kommen auch noch viele Gemüsearten hinzu (bei Gurke aufpassen, wirkt entwässernd). Obst sollte man nur gering, und wenn, dann nur säurearmes Obst verfüttern. Säure sind Rennmäuse in der Natur nicht gewohnt.

Soziales Verhalten/Revierkämpfe

Weiterhin sind Rennmäuse sehr soziale Tiere, was sich durch ausgiebige gegenseitige Fellpflege und "Kuscheln" zeigt. Sie erkennen Familienmitglieder am Geruch und verteidigen ihr Revier vehement gegen Eindringlinge. In der freien Natur gehen Revierkämpfe in der Regel unblutig aus und enden mit der Flucht des fremden Tieres. Da dies in Gefangenschaft nicht möglich ist, sind Revierkämpfe hier wesentlich gefährlicher. Oft stirbt das schwächere Tier an seinen Verletzungen.

Trommeln

Da sie viele natürliche Feinde haben, lauschen und sichern Rennmäuse häufig. Zur Beobachtung der Umgebung richten sie sich auf die Hinterbeine auf. Eine Besonderheit ihres Verhaltens ist das Trommeln. Hierbei klopft die Rennmaus rhythmisch mit den Hinterbeinen auf den Boden. Das Geräusch dient zur Warnung der anderen Tiere vor Gefahr.

Vermehrung

Rennmäuse werden mit 7-10 Wochen geschlechtsreif. Nach etwa 26 Tagen bringt das Weibchen 1 bis 11 Nachkommen zur Welt, die durchschnittliche Zahl beträgt 5 bis 6. Die Jungen werden nackt und blind geboren, nach 3 Tagen öffnen sich die Ohren und nach 2 Wochen öffnen sie die Augen. Das Fell fängt ab dem 4. Tag an zu wachsen, vorher ist nur ein sehr leichter Flaum zu erkennen. Das Weibchen säugt die Jungen ca. 4 Wochen. Es kommt vor, dass sich mehrere Weibchen die Betreuung der Jungen teilen, auch die Männchen beteiligen sich durch Wärmen der Jungen. Wird der Familienverband zu groß, wandern junge Rennmäuse ab, um ein eigenes Revier zu finden.

In der Gefangenschaft ist jedoch zu beachten, dass nicht mehrere Weibchen und Männchen zusammen gehalten werden sollten, da es zu unkontrollierter Vermehrung kommen kann. Dieses kann wiederum zu Streitereien untereinander führen, wobei sich die (meistens weiblichen) Rennmäuse manchmal sogar bis zum Tod bekämpfen.

Haltung

Mongolische Wüstenrennmäuse sind gesellige Tiere, daher ist dringend von der Einzelhaltung abzuraten. Für ein kleines Rudel (etwa 5 Tiere) ist mindestens ein Aquarium von 150 cm x 60 cm x 50 cm erforderlich. In Folge des oben bereits erwähnten, starken Revierverhaltens ist es für Anfänger wenig ratsam, mehr als 3 Tiere zu halten. Während zwei Rennmäuse auch in großen (mehr als 120x50) Aquarien nicht stark zu Revierstreitigkeiten neigen, steigt bei Rudeln die Gefahr von ernsthaften Verletzungen mit zunehmendem Platzangebot. Bei der Haltung gemischt-geschlechtlicher Rudel ist zu beachten, dass die Weibchen den Wurf der Konkurrentin töten können und die Männchen ihre Rangfolge durch blutige Kämpfe klären, die mit dem Tod der unterlegenen Böcke enden kann. Bei Geschwistern in einem Käfig bzw. bei Mäusen, die sich seit der Geburt kennen, kommt es selten zu Kämpfen. Mongolische Wüstenrennmäuse sind sehr nagefreudig, was zur sicheren Unterbringung beachtet werden muss.

Die Einstreu muss mindestens eine Höhe von 20-30 cm haben und zum Tunnelbau geeignet sein (normale Tiereinstreu aus Spänen plus genügend Heu und Stroh). Dazu muss ein Sandbad mit Chinchillasand zur Fellpflege sowie ein mind. 20cm im Durchmesser großes Laufrad mit geschlossener Lauffläche und einer geschlossenen Seite bereitstehen.

Im Gegensatz zu Hausmäusen haben sie einen kaum wahrnehmbaren Geruch, das Aquarium braucht deshalb nur etwa alle 3-4 Wochen komplett gesäubert zu werden. Jedoch ist es ratsam, das Sandbad alle 2-3 Tage zu wechseln, da viele Rennmäuse dazu neigen, das Sandbad als Toilette zu benutzen.

Literatur

  • E. Kotter, E. Ehrenstein, Rennmause, Gräfe & Unzer, 1998, ISBN 3774226261

Weblinks



Views
'Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge
Andere Sprachen
Ähnliche Links