Moltebeere

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Moltebeere
Bild:Moltebeere.jpg
Systematik
Ordnung: Rosales
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Rubus
Untergattung: Chamaemorus
Art: Moltebeere
Wissenschaftlicher Name
Rubus chamaemorus
L. 1753

Die Moltebeere (Rubus chamaemorus), auch Multebeere, Multbeere oder Torfbeere genannt, ist eine mehrjährige, schnellwüchsige Pflanze aus der Gattung Rubus und einziger Vertreter der Untergattung Chamaemorus. Der botanische Name entstammt dem Griechischen von chamae-: zwergig und morus: Maulbeere/Brombeere, bedeutet also "Zwergbrombeere".

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Moltebeere wird zwischen 10 und 30 cm groß. Aus einer unterirdischen Grundachse werden aufrechte, unverzweigte, nicht verholzende Stengel getrieben. Die wechselständigen Blätter sind schwach handförmig, fünf- bis siebenlappig und am Rand gesägt. Die Nebenblätter sind frei am Grund des Blattstieles entspringend und lineal-lanzettlich.

Ab Mai finden sich an ihr weiße, gelegentlich auch rötliche, einzeln endständige Blüten mit je 5 Kron- und Kelchblättern. Die Art ist zweihäusig; an einer Pflanze findet man also entweder nur männliche oder weibliche Blüten. Aus ihnen reifen nach der Befruchtung durch Insekten wegen der kurzen Vegetationsperiode der Pflanze schon bis zum Juli himbeergroße Sammelsteinfrüchte von zuerst blassroter, mit zunehmender Reife bernsteinener Farbe, bestehend aus 5 bis 25 Steinfrüchten, sobald sich die äußeren Blütenblätter von der Frucht wegrollen, ist die Moltebeere reif. Im Herbst verfärbt sich das Laub stark rot.

Verbreitungsgebiet

Mit einem borealen, zirkumpolaren Verbreitungsgebiet zwischen 78° und 44° nördlicher Breite liegt ihr Hauptvorkommen in Europa in den drei nordeuropäischen Staaten Schweden, Finnland und Norwegen sowie in den Hochmooren Schottlands und Englands; einzelne Vorkommen finden sich jedoch auch in West-, Mittel- und Osteuropa sowie im Baltikum als eiszeitliche Überreste, sogenannte Glazialrelikte. In Grönland erreicht sie ihren nördlichsten Verbreitungspunkt.

In Nordamerika wächst sie von Kanada (in den dünnbesiedelten Wäldern nördlich von Québec sowie auf den Magdalenen im Sankt-Lorenz-Strom) bis in die USA (Alaska, Maine, Minnesota, New Hampshire, New York), ist aber vielfach bereits bedroht. Auch in Sibirien und Nordjapan ist sie einheimisch.

In Deutschland, wo sie vereinzelt an Weser, Elbe und Eider zu finden ist, steht sie unter strengstem Naturschutz, das heißt, auch das Pflücken ihrer Früchte ist verboten.

Die Moltebeere wächst an Moorrändern, in Sümpfen und Feuchtwiesen bis 1.400 m Höhe. Sie bedarf sonniger bis halbschattiger Standplätze mit starksauren Böden (pH-Wert zwischen 3,5 und 5,2), toleriert bis zu −38 °C Kälte und leichte bis mittelschwere Waldbrände, reagiert aber empfindlich auf Salze und starke Trockenheit.

Vermehrung

Hauptsächlich vermehrt sich die Moltebeere vegetativ durch ihr Rhizom und bildet so an ihren Standorten mit der Zeit umfangreiche Kolonien.

Die Vermehrung durch Samen ist demgegenüber nachrangig. Anders als viele Rubusarten ist die Moltebeere nämlich nicht selbstbefruchtend, das heißt, die zweihäusige Pflanze (nur selten werden zwittrige Pflanzen gefunden) bedarf zur Befruchtung jeweils einer Pflanze des anderen Geschlechtes. Eine Aufnahme der Früchte durch Tiere und Vögel und die Ausscheidung der unverdaulichen Samen befördern die Ausbreitung. Die Moltebeere ist allerdings ein Kaltkeimer, das heißt, ihre Samen bedürfen einer 270tägigen Stratifikation und keimen dann erst bei Temperaturen ab 18 °C.

Moltebeeren sind oktaploid.

Krankheiten

Die Moltebeere ist im allgemeinen eine robuste Pflanze, prinzipiell aber anfällig unter anderem für Sternrußtau und die Brennfleckenkrankheit.

Die Moltebeere ist eine Futterpflanze für Schmetterlingslarven, z.B. das Kleine Nachtpfauenauge.

Verwendung

Verwendung als Lebensmittel

Die Frucht wurde wegen ihres hohen Ascorbin- und Benzoesäure-Gehaltes (letzterer bewirkt eine äußerst gute Lagerbarkeit) von nordischen Seeleuten und amerikanischen Inuit gleichermaßen als Mittel gegen Skorbut geschätzt.

Obwohl auch heutzutage, insbesondere in Norwegen, die Nachfrage als Delikatesse größer ist als das Angebot (Norwegen importiert jährlich 200 bis 300 Tonnen der Früchte aus Finnland), ist sie nach wie vor eine reine Wildfrucht.

Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich die norwegische Regierung in Zusammenarbeit mit finnischen, schwedischen, schottischen und russischen Stellen im "Northberry"-Forschungsprojekt darum bemüht, sie als Agrarfrucht zu kultivieren. Die ersten optimierten Pflanzen (männliche Sorten "Apolto" und "Apollen", weibliche Sorten "Fjellgull" und "Fjordgull") werden seit 2002 an die Landwirtschaft abgegeben.

Roh gegessen, hat die Moltebeere einen eigenartigen, zum Teil bitter-säuerlichen Geschmack. Vielfach wird aus ihr Marmelade oder Gelee hergestellt oder sie wird zum Aromatisieren (zum Beispiel von Eiskrem) verwendet. In Schweden isst man sie gefroren mit Zucker ("Björnkulla"), in Finnland zusammen mit dem sogenannten "Leipäjuusto" ("Brotkäse", einem harten, teigartigen Käsegericht) und viel Zucker.

Ebenfalls in Finnland bereitet man einen Likör namens "Lakka" aus ihnen, in Kanada wird die Frucht unter anderem zur Aromatisierung einer Bierspezialität verwendet, und in Schweden dient sie zur Essigbereitung.

Auch Tiere schätzen die Beere - aus Jakutien wird berichtet, daß Braunbären bereitwillig große Entfernungen in der Tundra zurücklegen, um an die Früchte zu gelangen.

Verwendung als Heilkraut

Die Blätter der Moltebeere werden aufgrund ihres Gehaltes an Gerbsäure gegen Durchfall verwendet. Die Pflanze enthält darüber hinaus Diosgenin, ein Steroid und Vorstufe des weiblichen Hormons Progesteron, das gegen Gicht und Rheuma angewandt wird.

Sonstiges

Die Moltebeere ist in Himbeeren eingekreuzt worden, um die so gezüchteten Sorten geschmacklich aufzuwerten.

Auf der finnischen 2-Euro-Münze sind Blätter und Früchte der Pflanze abgebildet. Die im Finnischen "Lakka" genannte Pflanze gilt auch als das Wahrzeichen Lapplands.

Literatur

  • Hegi, G., 1995, "Illustrierte Flora von Mitteleuropa.", 3rd ed. Vol. IV (2A)
  • Weber, H. E., 1972, "Die Gattung Rubus L. (Rosaceae) im nordwestlichen Europa", In: Phanerog. Monogr., 7:100.
  • Nielsen, Harald; 1976, "Lægeplanter i farver", København
  • Martinussen, I.; Rapp, K.; Bhuvaneswari, T.V. and Junttila, O., 2002, "Flower Development in Cloudberry (Rubus Chamaemorus L.)", Acta Hort. (ISHS) 585:143-147
  • Baskin, Carol C.; Baskin, Jerry M. 2002. "Propagation protocol for production of container Rubus chamaemorus L. plants"; University of Kentucky, Lexington, Kentucky. In: Native Plant Network. URL: www.nativeplantnetwork.org (accessed 23 April 2004). Moscow (ID): University of Idaho, College of Natural Resources, Forest Research Nursery.
  • Campbell, Daniel R.; Rochefort, Line. "Germination and seedling growth of bog plants in relation to the recolonization of milled peatlands", Plant Ecology 169: 71–84, 2003
  • Daigle, Jean-Yves. "Peatlands - Cloudberry cultivation as a peatland reclamation option", in: Technology Alert, Vol. 1, No. 2, Shippagan, 2003
  • Mordosov, Innokentiy Innokentievich; "Yakutia Brown Bear Foods", In: International Bear News Vol. 11, No. 2, Portland, 2002
  • Wolkersdorfer, Christian, 1994, "Rubus chamaemorus (Multebeere) als Zeigerpflanze am Sæterfjell (Nordland/Norwegen), Der Aufschluss, 45 (2): 82-86, 2 Abb., 2 Tab.; Heidelberg; PDF: [1]

Weblinks

Bild:Commons-logo.svg WikiCommons: Rubus chamaemorus – Bilder, Videos oder Audiodateien
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