Modernismus
aus Freepedia, der freien Wissensdatenbank
Als Modernismus bezeichnet man in der Religion eine generelle Strömung des 19. und 20. Jahrhunderts, die das historische Christentum mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft und Philosophie zu verbinden suchte.
Inhaltsverzeichnis |
Begriff
Der Begriff Modernismus wird auch auf Strömungen im Protestantismus angewandt, wo modernistische Ideen von vielen großen Kirchen ganz oder teilweise akzeptiert wurden - in der Reaktion darauf entstanden christlicher Fundamentalismus und die evangelikale Bewegung.
Ebenso entwickelte sich ein Modernismus im Reform-Judentum, insbesondere in den Vereinigten Staaten.
Wichtigste Verbreitung fand der Begriff Modernismus in der katholischen Kirche, da er dort zu einem umfangreichen Streit und zu einer Polarisierung von Klerus und Laien führte.
Inhalte
Der Modernismus Der Modernismus ging einher mit der Anwendung der "historisch-kritischen Exegese" in Bibelauslegung und Dogmengeschichte und führte zu einer Zurücksetzung der Dogmen und Bekenntnisse. Nicht mehr die Transzendenz, sondern die Immanenz von Gott gewann an Wichtigkeit (hoministische Tendenz).
In der katholischen Kirche vertrat der Modernismus, der vorwiegend in Frankreich, England und Italien auftrat, ebenfalls die historisch-kritische Exegese, aber auch die Ablehnung der scholastischen Theologie und der entsprechenden Unterordnung der Praxis unter die Lehre. Viele Modernisten sahen die Sakramente, Dogmen und Gebete vom pragmatischen Standpunkt nicht als göttliche Gnadenmittel sondern wertvoll durch ihren psychologischen Effekt. Solche Tendenzen führten dazu, dass die Autorität der Kirche und die traditionelle Sicht Gottes abgelehnt wurden.
Modernismusstreit
Die Thesen des Modernismus wurden in der katholischen Kirche im vielfältigen Veröffentlichungen rigoros abgelehnt, beispielsweise im "Syllabus Errorum" (1864) von Pius IX.. Pius X., der den Modernismus als "Sammelbecken aller Häresien" bezeichnete, verurteilte den Modernismus in der Enzyklika Pascendi (1907) und in der Apostolischen Konstitution Lamentabili sane exitu vom 3. Juli 1907. Letztere wird auch als Kleiner Syllabus bezeichnet, in ihr werden 65 Thesen des Modernismus aufgezählt und verworfen. Am 18. November 1907 verurteilte Pius X. nochmals die Lehren des Modernismus in seinem Motuproprio Praestantia Scripturae und verhängte darin als Strafe für die Modernisten die automatische Exkommunikation. Pius X. führte 1910 den Antimodernisteneid ein, mit dem jeder Kleriker dem Modernismus abschwören musste. Dieser Antimodernisteneid war bis 1967 in Kraft. Papst Pius XII. veröffentlicht am 12. August 1950 sein Apostolisches Rundschreiben Humani Generis. Darin greift er scharf modernistische Lehren an und verurteilt sie, unter anderen den Irenismus, den Relativismus und den Historizismus. Selbst heute spaltet der Modernismus die Katholische Kirche, ein Beispiel ist der Dialog zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei. Der Modernismus ist, das gilt es klarzustellen tatsächlich eine Irrlehre. Diese Bezeichnung ist möglicherweise unklug gewählt. Es geht nicht darum, dass irgendwer "ganz modern" ist. Der Modernismus ist eine heterogene Bewegung, die vom römisch-katholischen Glauben abgefallen ist. Sie will, bzw. wollte die Kirche nicht verlassen, sondern von innen her in ihrem Sinne umgestalten. Wieweit ihr das gelungen ist, ist zwischen verschiedenen Strömungen in der römisch-katholischen Kirche umstritten.
Der Ausdruck " Modernismus" wurde vorwiegend von den Gegnern als Begriff gebraucht; insofern ist es interessant zu sehen, was diese darunter verstanden. Die folgenden Thesen wurden im Syllabus Errorum als modernistisch angesehen und von der Kirche als häretisch verurteilt. Dabei wurde jede These einzeln als Häresie verurteilt, nicht nur die Gesamtheit.
- "1. Es gibt kein höchstes, allweises und allvorsehendes von dieser Gesamtheit der Dinge unterschiedenes göttliches Wesen, und Gott ist eins mit der Natur, daher dem Wechsel unterworfen, und Gott wird in der Tat im Menschen und in der Welt. Alles ist Gott und hat das eigentliche Wesen Gottes; und Eines und dasselbe ist Gott mit der Welt, daher auch der Geist mit der Materie, die Notwendigkeit mit der Freiheit, das Wahre mit dem Falschen, das Gute mit dem Bösen, das Gerechte mit dem Ungerechten. "
- "15. Es steht jedem Menschen frei, jene Religion anzunehmen und zu bekennen, welche jemand, durch das Licht der Vernunft geführt, für die wahre hält. "
- " 17. Wenigstens darf wohl auf die ewige Seligkeit aller jener gehofft werden, welche in der wahren Kirche Christi keineswegs leben. "
- " 77. In unserer Zeit ist es nicht mehr nützlich, daß die katholische Religion als einzige Staatsreligion unter Ausschluß aller anderen Kulte gehalten werde. "
Im Anschluss an das Vaticanum II sind innerhalb der römisch-katholische Kirche modernistische Tendenzen weitverbreitet. Bei konservativen bzw. integralistischen Gruppen hat sich der Ausdruck neo-modernistisch bzw. Neo-Modernismus dafür eingebürgert. Umgekehrt argumentiert die Amtskirche im Hinblick auf die integralistischen Gruppen zumindest in der Tendenz mit der tendentiösen Bezeichnung Fundamentalismus.
Vertreter des Modernismus
Katholisch
- Joseph Turmel/Henri Delafosse (1859-1943) Delafosse, Der Brief an die Römer
- George Tyrrell (1861-1909)
- Alfred Firmin Loisy (1857?1940) Artikel von Loisy (englisch)
Protestantisch
- Shailer Matthews
- Arthur Cushman McGiffert



