Mittellatein

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Bild:Carmina Cantabrigiensia Manuscr-C-fol436v.jpg

Das Mittellatein ist die mittelalterliche Sprachform der lateinischen Sprache, die in der Zeit von ca. 500 - 1500 als Schrift- und Bildungssprache in Westeuropa gebräuchlich war.

Angelehnt an die Literatursprache der spätantiken Kaiserzeit und ergänzt durch die Einflüsse des Lateins der Bibel, der Kirche und der Jurisdiktion war dieses Konglomerat für mehrere Jahrhunderte die führende Sprache für überregionale Kommunikation für Belange der Kirche, Regierung, Diplomatie, Schule und Wissenschaft.

Inhaltsverzeichnis

Vokabular

Mittellatein zeichnet sich durch ein vergrößertes Vokabular aus, das frei aus verschiedenen anderen Sprachen anleihen macht. Hauptquelle war dabei das Griechische, in dem eine große Anzahl der frühen christlichen Literatur verfasst war. Eine weitere Quelle waren die Sprachen der germanischen Völker, die im westlichen Europa die Nachfolge der Römer antraten. Weiterhin wurden viele klassische lateinische Vokabeln, die nicht mehr im Gebrauch waren, durch Wortneubildungen auf der Basis des Vulgärlateins und der germanischen Sprachen ersetzt.

Unterschiede zum klassischen Latein

Das Mittellatein weist gegenüber dem klassischen Latein eine Reihe von Veränderungen auf, wie z.B.:

  • Substantive der 4. Deklination (u-Deklination) werden häufig wie die der 2. Deklination (o-Deklination) dekliniert
  • Häufig werden innerhalb einer Deklination Kasusformen vertauscht
  • Vermischung der Konjugationen bei Verben
  • keine strenge Unterscheidung der Tempora
  • Wortneubildungen nach antiken Ableitungs- und Kompositionsschemata, auch unübliche Bildungen
  • Latinisierung griechischer Wörter
  • der Diphthong ae kann zu einem e zusammengezogen werden (puellae -> puelle).
  • h kann verloren gehen (habere -> abere; mihi -> mi)
  • h kann mit einem vorgestellten c zu einem k-Laut werden (mihi -> michi)
  • durch den Betonungsverlust des h taucht dieser Buchstabe an Stellen auf, wo er im klassischn Latein nicht vorkam (corona -> Chorona)
  • t wird, insbesondere zwischen Vokalen, zu c (divitiae -> diviciae oder divicie)
  • einzelne Konsonanten werden häufig verdoppelt, oder doppelte auf einzelne reduziert (tranquillitas -> tranquilitas)
  • die Silbe vi, insbesondere in Verben, kann verloren gehen (novisse -> nosse)
  • Zwischen mn, mt, und andere Kombinationen aus Nasal- und Plosivlauten wird häufig ein weiterer Plosivlaut eingfügt (alumnus -> alumpnus)

Diese orthographischen Unterschiede ergaben sich häufig aus Änderungen der Aussprache, die die Autoren auch in die Schriftsprache übertrugen. Im 16. Jahrhundert beklagte Erasmus von Rotterdam, daß Sprecher aus verschiedenen Ländern nicht mehr in der Lage waren, das Latein der jeweils anderen zu verstehen.

Wichtige Mittellateinische Autoren

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