Missionierende Religion

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Eine missionierende Religion ist eine Religion mit dem Prinzip, sich selbst bzw. ihre Botschaft durch Mission (v. lat.: missio = Auftrag) zu verbreiten. Eine missionierende Religion fühlt sich berufen, d.h. glaubt einen (göttlichen) Auftrag zu haben, Nichtgläubige und Andersgläubige überzeugen zu sollen, die betreffende Religion anzunehmen. Sie wird also in irgendeiner Form Werbung betreiben, was von Traktatverteilung, Hausbesuchen, Zeltmission bis hin zu modernen Fernseh-Evangelisationen reichen kann.

Zu den missionierenden Weltreligionen zählen das Christentum, aber auch der Islam. Die missionierende Religionen gehen auf eine Stifterpersönlichkeit zurück, die mit einem universalen, meist monotheistischen Anspruch einhergehen. Aber nicht alle Religionen betreiben Mission. Insbesondere polytheistische tribale (Tribe=Stamm) Religionen sind nicht missionierend.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Als älteste missionierende Religion gilt der Zoroastrismus, der sich unter Einfluss von Zarathustra Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. vom Iran aus zeitweise zu verbreiten begann.

Im frühen Mittelalter warben insbesondere die irischen Wandermönche für die wachsende christliche Kirche. Der Manichäismus war auch missionierend, er verbreitete sich bis nach Afrika, Gallien, Syrien und wurde im 8. Jahrhundert in Turkestan Staatsreligion.

Islam: Weitgehend erfolgte die Verbreitung durch islamische Kaufleute besonders in Ostafrika und Südost-Asien.

Das Christentum beruft sich auf Jesus' Missionsbefehl: "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe." (Matthäus 28, 18-20) Die Übersetzung und Inhaltsauslegung ist allerdings umstritten.

Kolonialismus

Jahrhundertelang wurde Missionierung - als Bestandteil des Kolonialismus - mit Kreuz und Schwert betrieben. In Afrika und Lateinamerika maßte man sich an, Menschen zu guten Europäern zu erziehen. Viele Völker überstanden die Aberziehung ihrer primitiven Kultur und Religion nicht. Noch die deutsche Wehrmacht trat in den Krieg gegen andere Völker mit dem Koppel, der auf seiner Schnalle das berüchtigte "Gott mit uns" zierte, damit ist der dreifaltige Christengott oder Heiland gemeint. Nach der Schoa empfinden viele Juden die christliche Missionierung unter ihnen als aggressiv, da die antijüdische Propaganda eine lange Geschichte hat. Viele jüdische Kinder, die in der Zeit der nationalsozialistischen faschistischen Verfolgung des Holocaust bei christlichen Mitmenschen, Klöstern oder Pfarrern von ihren verfolgten und meist ermordeten Eltern versteckt wurden, wurden versucht nicht in das Land Israel zu ihren jüdischen Verwandten oder in jüdische adoptionswillige Familien zu gehen, sondern zum Christentum zu konvertieren.

Neuzeit

Eine allgemeine Verstärkung missionarischer Aktivitäten in allen Religionen brachte das 20. Jahrhundert mit sich. Ein Auslöser war dabei das Weltparlament der Religionen 1893 in Chicago, in dessen Folge nicht nur der Islam (Ahmadiyya), sondern auch der Hinduismus (Vivekananda) u.v.a. mit neuen missionarischen Ansprüchen auftraten.

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