Migration (Soziologie)

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Migration, eine Form der "horizontalen Mobilität", ist im weitesten Sinne jeder längerfristige Wohnortswechsel eines Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Migration bezeichnet im engeren Sinn den Wechsel der Heimat mit Überschreitung einer Ländergrenze als internationale Migration, innerhalb eines Landes spricht man von Binnenmigration. Das Einwandern in die neue Heimat wird als Immigration bezeichnet. Das Auswandern aus der alten Heimat als Emigration. Bei der internationalen Migration wird des weiteren zwischen einem dauerhaften Wohnortwechsel (z.B. Auswanderung; Flucht) und einem semipermanenten Wechsel (z.B. Saisonarbeit; Exil) unterschieden. Eine vielbeachtete Form der Binnenmigration ist zum Beispiel die "Landflucht" im Zuge einer "Urbanisierung". Eine andere sind Umsiedlungsprogramme.

Weniger aus purer Not, sondern eher aus dem Streben nach günstigem Preis-Leistungs-Verhältnis geboren ist die Stadtflucht. So bezeichnet man die Migration jener, die es sich leisten können, mehr Wohnkomfort zu akzeptablen Preisen im ländlichen Umfeld der Städte zu suchen.

Ursachen

Neben der zeitlichen und der räumlichen Komponente von Migration ist es nicht zuletzt notwendig, die Ursachen bzw. die Motivation zu betrachten. Migration kann freiwillig oder auf verschiedene Arten erzwungenermaßen erfolgen. Freiwillig ist sie zum Beispiel im Falle älterer Personen, die sich entschließen, ihren Altersruhesitz aufs Land oder ins Ausland zu verlegen.

Offensichtlich erzwungen ist sie in Form von Fluchtmigration. Laut der Genfer Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 ist Fluchtmigration die räumliche Bewegung einer Person, die sich "aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will."

Ökonomisch zwingende Gründe werden für die Definition einer Person als Flüchtling in der Genfer Flüchtlingskonvention demnach nicht anerkannt. Migration erfolgt jedoch nicht selten in der Hoffnung auf eine Verbesserung der Lebenssituation. In diesem Fall ist es schwieriger zwischen Freiwilligkeit und "ökonomischem" Zwang zu unterscheiden.

Ökonomische Faktoren

Im Bezug auf internationale Migration spielen hierbei die wirtschaftlichen Situationen der Herkunftsregion und der Ankunftsregion als so genannte Push- und Pull-Faktoren sowohl auf individueller als vor allem auch auf struktureller Ebene eine entscheidende Rolle. Beruht die Hoffnung vorrangig auf einem Reichtumsgefälle (Nord/Süd- oder Ost/West-Gefälle), so ist der Grad an (ökonomischem) Zwang nicht zu unterschätzen. Die betroffenen Personen werden oft als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet (und ihr Menschenrecht auf Asyl wird in Frage gestellt). Ein anderes Beispiel wirtschaftlich motivierter Migration bilden jedoch zum Beispiel hochausgebildete und ökonomisch abgesicherte Fachkräfte (high skilled migration).

Siehe auch: Arbeitsmigration

Migrationspolitik

Die Unterscheidung der Motive der Migration ist entscheidend für die Analyse der Migrationspolitik einzelner Länder. Grundlegendes Ziel von Migrationspolitik ist die Festlegung, wem ein Recht auf Migration zugesprochen und wem es verwehrt wird. Diejenigen Personen, denen das Recht auf Aufenthalt in einem Land abgesprochen wird, werden, wenn sie sich dennoch in diesem Land aufhalten, als illegale Immigranten bezeichnet (vgl. auch illegale Immigration)

Geschichte

Migration findet in Form von Völkerwanderungen seit Jahrtausenden statt. Sie war zumeist mit Kriegen zur Eroberung des neuen Heimatlandes verbunden. Heute haben die meisten Zielländer umfangreiche gesetzliche Regelungen geschaffen, um die Einreise von aus ihrer Sicht "unerwünschten" Migranten zu verhindern. Grundlage sind teilweise subjektive Kriterien wie "Überfremdungsangst", teils aber auch Gesichtspunkte wie begrenzte Aufnahmekapazitäten bei hoher Bevölkerungsdichte oder die drohende finanzielle Überlastung der Sozialsysteme der Zielländer, Argumentationen, die im Hinblick auf die eigene, einheimische Bevölkerung keine Verwendung finden und daher als ausgrenzend bezeichnet werden müssen. Mit der Umsetzung der migrationsbezogenen Gesetze wurde eine Vielzahl von Behörden und Institutionen beauftragt. Dennoch fordern auch die modernen Formen der Migration jedes Jahr eine Vielzahl von Opfern (vgl. auch Migrationspolitik)

Literatur

  • Rainer Münz, Wolfgang Seifert, Ralf Ulrich: "Zuwanderung nach Deutschland. Strukturen, Wirkungen, Perspektiven.", Campus Fachbuch 1999, ISBN 3593363747
  • Dirk Hoerder: Cultures in Contact. World Migrations in the Second Millenium, Duke University Press 2002, ISBN 0822328348
  • Klaus Rosen: "Die Völkerwanderung", C.H.Beck Verlag 2002, ISBN 3406479804
  • Karl-Heinz Meier-Braun: "Deutschland, Einwanderungsland", Suhrkamp 2002, ISBN 3518122665
  • Klaus J. Bade, Michael Bommes, Rainer Münz: "Migrationsreport 2004", Campus Verlag 2004, ISBN 3593374781

Weblinks

siehe auch: Kolonisierung, Migrationsforschung



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