Memex

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Im Jahr 1945 veröffentlichte Vannevar Bush den Artikel: „As we may think“ (Atlantic Monthly, Juli 1945, Band 176, Nr. 1, S. 101–108) in dem er sein fiktives System: „Memex“ (Memory Extender) vorstellte.

Es sollte nach Bush ein Informationssystem darstellen, das auf dem damaligen technischen Stand dokumentarischen Wissens (Vokabularien, Relationierung, Indizierung und Mikroverfilmung) basierte. Bush erweiterte es jedoch um die richtungsweisende Idee der „Verknüpfung“ (association).

Bush: „Der menschliche Geist arbeitet... mittels Assoziation. Kaum hat er sich eine Information beschafft, greift er schon auf die nächste zu, die durch die Gedankenverknüpfung vorgeschlagen wird, entsprechend einem komplizierten Gewebe von Pfaden, das über die Hirnzellen verläuft.“

Bush war ein Pionier des Analog Computings (Analogrechner), folglich war sein Bild des Memex das eines elektromechanischen Gerätes. Er stellte sich eine Maschine in Form eines Schreibtisches vor, die eine Kombination von elektromechanischen Kontrollen und Mikrofilmgeräten beinhaltet. Auf zwei nebeneinander liegenden, berührungssensitiven Bildschirmen werden Informationsinhalte projiziert. Der Benutzer kann in diesen Informationen mit Hebeln vor- und zurückblättern sowie Inhalte benennen, speichern und wieder aufrufen. Die abgelegten Informationen können zu langen Pfaden (trails) verknüpft werden, so dass der Memex als Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses und als maschinelle Unterstützung des assoziativen Denkens angesehen werden kann.

Der Memex ist nach Bush „ein Gerät, in dem ein Individuum alle seine Bücher, Aufzeichnungen und Kommunikation speichert, und das mechanisiert ist, so dass es mit steigender Geschwindigkeit und Flexibilität zu Rate gezogen werden kann. Es ist ein vergrößerter Anhang seines Gedächnisses.“

Der Memex war demnach nicht nur eine Hypertext-Machine, sondern auch der mikrofilmbasierte Vorläufer des Personal Computers. Das Life Magazine (19. Nov. 1945) zeigte einige Monate später die ersten Illustrationen zum möglichen Aussehen des Memex, ferner eine kopfmontierte Kamera, die während Experimenten getragen werden konnte, sowie eine Schreibmaschine, die über Spracherkennung verfügte und die Texte mittels Sprachsynthese vorlesen sollte.

1945 war Vannevar Bushs Memex eine technisch-wissenschaftliche Utopie. Mit den Möglichkeiten der modernen EDV ist das, was für Bush Utopie blieb, das technisch realisierbare „Büro der Zukunft“ geworden.


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