Maurische Landschildkröte

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Maurische Landschildkröte
Bild:Graeca 005.jpg
Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Testudo
Art: Maurische Landschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Testudo graeca
Linnaeus, 1758

Die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) ist eine Vertreterin der Landschildkröten (Testudinidae) und stellt neben der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) und der Breitrandschildkröte (Testudo marginata) die dritte europäische Art dieser Familie dar.

Inhaltsverzeichnis

Kennzeichen

Häufig wird die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) mit der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) verwechselt. Es gibt aber zehn Merkmale, in denen sie sich deutlich unterscheiden. Hier eine Gegenüberstellung:

Maurische LandschildkröteGriechische Landschildkröte
große symmetrische Schilde auf der Oberseite des Kopfesnur kleine Schuppen auf dem Kopf
große Schuppen auf den Vorderbeinenkleine Schuppen auf den Vorderbeinen
Schwanzschild ungeteiltSchwanzschild fast immer geteilt
auf jedem Oberschenkel ein deutlicher Hornkegelkein Hornkegel
Hornnagel am Schwanz fehltHornnagel am Schwanz vorhanden
isolierte Flecken auf den Wirbel- und Rippenschildenisolierte Flecken nur auf den Wirbelschilden
dunkler zentraler Fleck auf dem Bauchpanzerzwei schwarze Bänder auf dem Bauchpanzer
Panzerform länglich rechteckigPanzerform oval
breit gestreckte Wirbelschildekleine Wirbelschilde
Hinterlappen des Bauchpanzers beweglichHinterlappen unbeweglich

Bild:Graeca0004.JPG Bild:Graeca 018.jpg Bild:Graeca 030.jpg

Unterarten

Die Aufspaltung der Maurischen Landschildkröte in Unterarten ist für Laien und Fachleute problematisch und verwirrend. Bei dem riesigen Verbreitungsgebiet über drei Kontinente haben sich in unterschiedlichen Landschaften, Klimazonen und Biotopen eine Unzahl an Varietäten herausgebildet, von denen fortlaufend neue entdeckt und beschrieben werden. Mitterweile sind es wohl mehr als zwanzig veröffentlichte Unterarten.

  • T. graeca graeca, Nordafrika, Südspanien, Sardinien, Balearen, Nominatform
  • T. graeca ibera, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Eurasische Landschildkröte
  • T. graeca anamurensis, Türkei, Anamur-Landschildkröte
  • T. graeca terrestris, Südisrael, Levantinische Landschildkröte
  • T. graeca armenica, Armenien, Armenische Landschildkröte
  • T. graeca nikolskii, Kaukasus, Kaukasische Landschildkröte
  • T. graeca buxtoni, Kaspische Landschildkröte
  • T. graeca pallasi, Daghestan, Daghestan Landschildkröte
  • T. graeca marokkensis, Marokkanische Landschildkröte
  • T. graeca lamberti, Marokko
  • T. graeca soussensis, Marokko
  • T. graeca nabeulensis, Tunesische Landschildkröte
  • T. graeca floweri
  • T. graeca antakyensis
  • T. flavominimaralis, Libysche Landschildkröte

Die nicht vollzählige Aufstellung zeigt die Problematik der Aufspaltung in viele Unterarten.Die Formenkreise variieren vor allem in der Größe und im Gewicht, im Farbton von dunkelbraun bis hellgelb, in der Zeichnung von verwaschen bis klar und in der Aufwölbung der Randschilde von minimal bis stark.

Um in der Vielzahl nicht unterzugehen, wurden neuerdings manche Rassen als neue Arten und sogar als Gattungen dargestellt.
Für die Zukunft gilt wohl, dass die beste Identifizierung die Angabe des Herkunftsortes ist.

Bild:Tun0001.JPG

Die schönste und auch kleinste Unterart ist die Tunesische Landschildkröte. Zeichnung und Farbe sind bei ihr besonders prägnant und leuchtend. Allerdings ist sie auch die empfindlichste Art. Eine Freilandhaltung ist bei uns nicht möglich. In einem kalten, regnerischen Sommer wird sie unweigerlich krank. Auch eine lange Überwinterung wird nicht vertragen. Hingegen sind Tiere aus der Nordosttürkei ähnlich robust wie die Griechische Landschildkröte. Die größten Exemplare kommen in Bulgarien vor. Dort wird von 7 kg schweren Tieren berichtet. Zum Vergleich: die Tunesische Landschildkröte erreicht manchmal nur ein Gewicht von 0,7 kg. Die Maurische Landschildkröte ist mit der Breitrandschildkröte, Testudo marginata, nah verwandt. Zwischen beiden Arten gibt es Nachkommen, die wiederum fruchtbar sind,siehe Testudo.

Unterschiede der Geschlechter

Bild:Ee 002.jpg In folgenden Punkten unterscheiden sich die Männchen von den Weibchen:

  • Sie sind meist kleiner
  • Der Schwanz ist länger und gleichmäßig zulaufend
  • Der Plastron ist nach innen gewölbt und nicht eben
  • Der Afterschild ist breiter als lang
  • Die Kloake ist weiter von der Schwanzwurzel entfernt
  • Die hinteren Marginalien laufen oft flügelförmig aus

Paarung

Bild:Tun0004.JPG Unmittelbar nach dem Winterschlaf setzt der Paarungstrieb ein. Mit großem Eifer verfolgen die Männchen die Weibchen, umkreisen sie, wollen sie zum Verharren bringen, beißen sie in die Gliedmaßen, rammen sie mit heftigen Stößen und versuchen aufzureiten. Bei der stoßweisen Kopulation öffnet das Männchen das Maul, die rote fleischige Zunge wird sichtbar und es stößt piepsende Töne aus. Nach dem Aufreiten bleibt das Weibchen stehen, stemmt seine Vorderfüße in die Erde und pendelt mit dem Vorderkörper einmal links, einmal rechts. Dabei entspricht der Rhythmus der Panzerbewegung dem Rhythmus, in dem das Männchen seinen Paarungslaut von sich gibt. Eine einzige erfolgreiche Paarung reicht für mehrere Gelege. Hält man zwei Männchen in einem Gehege, so übernimmt das dominierende Tier die Männchenrolle, während das zweite Männchen die erfolglosen Kopulationversuche über sich ergehen lässt.

Eiablage

Bild:Tun0002.JPG Ein bis zwei Wochen vor der Eiablage befällt die Tiere eine große Unruhe. Unablässig wandern sie umher, riechen und schnüffeln mit tiefgehaltenem Kopf den Boden ab und nehmen auch Kostproben von der Erde ins Maul. Offensichtlich sind sie auf der Suche nach dem richtigen Eiablageplatz. Ein bis zwei Tage vor der Zeit steigen sie auf andere Tiere auf, ganz in der Art von paarungsbereiten Männchen und stoßen die arttypischen, piepsenden Laute aus. In dieser Situation zeigen die Weibchen aggressives, dominantes Verhalten und artikulieren es in gleicher Weise wie Männchen. Der Zweck ist offensichtlich, sich Respekt zu verschaffen, Artgenossen aus dem Bereich zu vertreiben, um so ungestört die Eiablage zu vollziehen zu können. Der weitere Ablauf vollzieht sich dann in gleicher Weise wie bei anderen Landschildkröten, siehe Breitrandschildkröte.

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